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Call me Aufbaugegner!

Am Freitag vormittag läutet das Telefon bei uns. Rudi Völler ist dran. Natürlich große Aufregung, so oft kommt das ja nicht vor. Rudi will mit Sebastian sprechen.
„Sag‘ mal, was haste denn am Wochenende vor?“, fragt der Weltmeister.
„Am Samstag habe ich meinen langen Lauf mit 30 km und am Sonntag arbeitet meine Frau, da hab‘ ich die Kinder!“
„Ja klar, muss auch mal sein, Deine Kleinen sind aber auch süß. Aber Du weisst ja, wir haben große Verletzungsprobleme und da dachten wir an Dich, Du kannst doch hinten rechts verteidigen, oder?“
„Na ja, aber eigentlich …“
„Siehste, wusste ich es doch, hab‘ nur Gutes gehört von Dir. Du könnest uns echt helfen, sonst muss ein Jungendspieler ran!“
„Herr Völler, ehrlich, das ehrt mich wirklich, aber ich muss doch die Kinder …“
„Ach, Du willst doch nur wieder gemütlich drei Weißbier trinken!“
„Nein, wirklich …“
„Du hast den Fußball nie geliebt“ Rumms, legt der Rudi auf. Wird wohl nix mehr mit der Bundesligakarriere von Sebastian.

So tritt also Leverkusen mit einer kaum bundesliagtauglichen Mannschaft an. Logisch, einige Knaller sind immer noch dabei Bellarabi, Kramer, Brandt, die Kichererbse, der ewige Kießling, aber gerade in der Abwehr steht nur Tah da. Dazu ist der alles andere als sympathische Trainer Schmidt angezählt. Wenn der VfB also gegen Leverkusen gewinnen kann, dann jetzt. Aber wenn der VfB Aufbaugegner spielen kann, dann tut er das gerne. Das war gegen Augsburg (Hinrunde) schon so, Hannover (einziger Sieg in zehn Spielen) und wer noch? Ach egal, es nervt wirklich, lieber VfB. Wenn jemand ewig kein Tor mehr geschossen hat, dann klappts gegen den VfB. Wenn ein Trainer, ein Verein, dringend einen Sieg braucht, dann sagt der VfB „bitte gerne!“. Dass es ein mieser Spieltag wird und ein Dreier sehr wichtig gewesen wäre, ist den Spielern egal, die malen sich offenbar schon in den schönsten Farben aus, wie es ist, Selfies aus der ersten Tabellenhälfte zu posten.

Aber ein Gutes hat das Spiel, Robin Dutt hat genau gesehen, dass er sich von ein paar guten Spielen nicht blenden lassen darf. Das ist teilweise ein Scheibenschießen, ein Abwehrverhalten einer angetrunkenen Alte Herren-Mannschaft nach einem Kampftrinkabend gegen das Nachbardorf. Schorsch Niedermeier steht viel falsch und ist durch seine rustikale Zweikampfführung immer ein Risiko. Und dann Daniel Schwaab, der mit einem hirnlosen und drucklosen hohen Ball das 0:1 vorbereitet und dann auch beim Torschuß zu spät kommt.

Kapitän Christian Gentner ist wie immer, wenn es brenzlig wird, unsichtbar. Lukas Rupp ist fahrig, Florian Klein überfordert gegen den halb so alten Julian Brandt. So kann der einbeinige Bellarabi ein Tor vorbereiten und eins schießen, während vor dem Tor Timo Werner und Alexandru Maxim Bälle verschenken und Filip Kostic wie ein fliehendes Pferd spielt. Dass Daniel Didavi wieder einmal keine Rolle spielt – ok, soll er eben seinen Wechsel nach Wolfsburg bekannt geben. Vielleicht hilfts ihm, aber er soll sich nicht wundern, wenn er ausgelacht wird.

Das gefällt mir alles gar nicht. Das Spiel. Die Einstellung. Die Tabellensituation. Das Restprogramm. Der VfB hätte alles ein bisschen einfacher haben können. Aber immerhin soll Bernd Wahler, President of Building Air-Castles and Developing Hashtags, schon gefragt haben, ob man „Aufbaugegner“ nicht als Marke eintragen könne. „Dusel-Bayern“, „Vizekusen“, „Dino“ gäbs ja auch. Ich hab‘ ganz andere Sorgen …

Hier ist noch einer, der sich Sorgen macht.

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4 Kommentare

  1. Max sagt

    bester Aufbaugegner der Liga. Schon immer.

    Es ist wirklich immer das gleiche: Mannschaft X hat seit 500 Spielen keinen 2-Tore-Rückstand mehr aufgeholt, heute, gegen den VfB klappt es natürlich.
    Wenn der Kommentator sowas bei VfB-Spielen erwähnt, dann kann man drauf wetten, dass die Serie heute mal reißt.

    Gegen Leverkusen darf man ja mal verlieren, keine Frage. Aber gegen so eine B-Elf? Kostic war ja immerhin noch bemüht, Didavi (mal wieder) ein Totalausfall. Werner? Hm, „unglücklich“ schreibt die Presse doch dann meistens, oder?

    Nunja, das können alle besser. Ich vermisse Ginczek.

  2. drausvomLande sagt

    nur keine Aufregung, alles halb so schlimm

    Da ist doch nichts passiert, der VfB ist nun einmal der ideale Aufbaugegner und Punktelieferant für Bedürftige gleich welcher Art und dass eine so charakterlose Mannschaft hier etwas ändern würde, das kann doch keiner erwarten.
    Dumm ist nur, dass bis auf Hannover jetzt alle anderen mehr oder weniger anfangen zu punkten, sogar so ein Retorten-Verein wie Hoffenheim hat es anscheinend geschafft, Spieler für einen Retro-gestylten geschichtslosen Verein zu begeistern, die können sich ja wirklich ins Zeug legen.
    Bleibt nur die Hoffnung, dass auch die uns bald Verlassenden sich doch nicht noch völlig blamieren wollen, wir Fans sind’s ja schon, völlig blamiert,wir hatten doch glatt geglaubt, der x-te Trainer würde die jetzt in den Griff kriegen, ach, wir Dummerchen, wir

    und überhaupt ist das doch alles eingepreist und geplant, das haben die bei diesem Autobauer und seinen Kumpan …, nein, Kollegen doch exakt so kalkuliert, die holen sich jetzt nämlich für noch weniger Geld x% der Anteile. Zahlen die eigentlich Provisionen? Ich will auch meinen Teil vom eingesparten Geld, ich hab ja schliesslich auch lange weggesehen.

    • @buzze sagt

      Danke für Deinen Kommentar. Ganz so negativ sehen wir es nicht. Ich behaupte mal, dass niemand mit Absicht verliert, aber sind wir ehrlich: alle wollen es bequem haben, da sind Spieler (und Verantwortliche) nicht anders. Und: „Where focus goes – energy flows“ wie wir Schwaben sagen ;-) Dass Spieler, denen hohe Offerten von besseren Vereinen vorliegen, evtl. nicht 100%ig bei der Sache sind, ist zwar nicht akzeptabel, andererseits aber auch menschlich. Generell ist es für mich deswegen keine Frage des Charakters, sondern vielmehr die Frage, wie gut sich ein Spieler auf seine Aufgabe fokussieren kann bzw. wie gut der Trainer dies vermag.

      Klar ist: Mit halber Kraft geht es nun mal nicht. Schon gar nicht beim VfB. Denn das kann nicht mal Ronaldo, das geht nicht mal bei Bayern. Diese banale Erkenntnis gilt es den Spielern endlich klar zu machen. In den letzten Jahren scheint da keiner gewesen zu sein oder die Spieler haben nicht zugehört. Vielleicht schafft es der bodenständige Kramny den Bequemlichkeits-Kreislauf zu durchbrechen. Sonst wird’s wieder spannend.

      Dass andere unter neuer Führung (Hoffenheim) plötzlich ihr Leistungsvermögen abrufen können, hat wahrscheinlich nichts mit Charakter zu tun. Nagelsmann hat offensichtlich gute Ideen, die funktionieren und das kann er wohl vermitteln. Und ob der VfB 12., 13. oder 14. wird, hat natürlich nichts mit der Berechnung eines Kapitalanteils zu tun (Hauptsache kein Abstieg). Selbst ein überraschender achter Platz wirkt sich da nicht aus, aber das müssen wir wohl nicht weiter ausführen.

  3. drausvomLande sagt

    Alle die arbeiten gehen, wissen, dass man mal einen schlechten Tag haben kann, das sich das auch wiederholt, dass man über Jahre weg auch mehrere schlechte Tage haben kann, dass Motivation sich oft schneller verflüchtigt als sie aufgebaut werden kann und und und.
    Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen Arbeitsverweigerung (wie diese Saison gegen Augsburg und Gladbach) und einfach schlechter Leistung (da steckt nämlich Leistung drin). Wenn unsere Kollegen (oder wir) uns mehrfach Arbeitsverweigerung leisten oder schlechte Tage überhand nehmen, greifen die Korrektive Kollegen und Vorgesetzte. Beim VfB greift seit Jahren anscheinend nichts. Ich hatte ja mal die Hoffnung, dass Dutt diese „Kuschelecken für die Spieler“ eliminiert, aber anscheinend schafft er das auch nicht und da bin ich wieder beim Charakter und dem/den faulen Apfel/Äpfel, die man halt aus der Kiste nehmen muss.
    Als Trainer haben sich in den letzten Jahren ja einige mit dem Durchbrechen des Bequemlichkeits-Kreislaufs = Kuschelecken versucht und nun zu sagen, daß Trainer wie Labbadia, Schneider, Stevens, Veh, Zorniger dies weniger gut hinbekommen haben als es Kramny schaffen wird, ist wirklich ein Zeichen von hohem Zutrauen in die Fähigkeiten von Kramny. Ist es nicht eher so, dass Kramny nur noch schneller von den Spielern abgeschossen wird als seine Vorgänger? Ist es nicht eher so, dass die Amtszeiten der Trainer immer kürzer werden? Ist es nicht eher so, dass diese Mannschaft schlicht untrainierbar ist?
    Und zur „Berechnung eines Kapitalpreises“ setze ich jetzt einfach mal schwäbische Hausfrauen-Logik ein:
    Ich möchte einen Staubsauger kaufen. Heute würde mich dieser Staubsauger 100€ kosten. Da aber neue Modelle rauskommen, wird mich dieser ausgesuchte Staubsauger in wenigen Wochen noch 80€ kosten und mein aktueller tut ja noch. Also warte ich.
    Und wenn ich dann noch die Möglichkeit bekomme, das Geschäft, in dem ich kaufen will, unter Druck zu setzen, z.B. durch Verringerung dessen Lagerkapazitäten, kann ich den Staubsauger sogar für 50€ bekommen, was mache würde ich dann tun? Das Thema Anstand lasse ich bewusst aus wirtschaftlichen Überlegungen von größeren Kapitalgesellschaften heraus.
    Der aktuelle Marktwert des VfB setzt sich doch u.a. zusammen aus Anlagevermögen und Spielermaterial, das sind doch die wesentlichen Punkte. Was sind denn Spieler, die nicht mehr da sind, oder die durch permanente Nicht-Leistung nicht mehr verkäuflich sind, in diesem Sinn noch wert?

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