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Weniger Diamantenfieber, mehr SOKO Soforthilfe

Die Transferstrategie von Sven Mislintat wird gerne verkürzt dargestellt mit: jung, talentiert, französisch-sprechend, notfalls japanisch. Das ist natürlich weniger als die halbe Wahrheit, denn der Sport-Direktor holte auch Spieler wie zum Beispiel Pascal Stenzel, Florian Müller, Hamadi Al Ghaddoui, Fabian Bredlow, Waldemar Anton, Atakan Karazor, Philipp Klement und Philipp Förster. Aber es ist schon richtig: Vieler seiner Transfers sind Wetten auf die Zukunft, auf dass sich die Spieler weiter entwickeln und im besten Fall Transfererlöse erzielen.

Mislintat stellt dieses Vorgehen gerne als alternativlos dar und erklärt dies mit der finanziellen Situation des VfB. Diese finanzielle Situation erlaubt es aber offensichtlich, für sechs Millionen Wahid Faghir und Enzo Millot zu verpflichten, die dem VfB eher langfristig helfen können als eine wichtige Rolle in der derzeitigen Situation zu spielen. Das ist an sich kein Problem, schließlich sollte man den jungen Spielern Zeit für deren Entwicklung einräumen, wie beispielsweise auch Ömer Beyaz oder Naouirou Ahamada. Aber diese Zeit hat der VfB aktuell nicht. Der Klassenerhalt muss nicht irgendwann geschafft werden, sondern allerspätestens bis zum 14. Mai 2022. Was nützt es da, wenn die genannten Spieler in 2023 abgehen wie Schmidts Katze, womöglich bei einem anderen Verein, während der VfB in der zweiten Liga spielt?

Der VfB benötigt jetzt Spieler, bei denen der Trainer weiß, was er auf dem Feld bekommt. Wie Marc-Oliver Kempf. Einer, der nicht immer überragend spielt, gerne auch mal (Stellungs- und technische) Fehler einstreut, der sich aber immer reingehauen hat und der in der Regel (gehobenes) Bundesliga-Niveau anbietet. Kempf geht nun nach Berlin, zu einem direkten Konkurrenten, wohl nicht unbedingt der smarteste Move von Mislintat. Sicher, er entspannt ein wenig die Finanzen und Kempf soll nicht immer einfach gewesen sein (zum Beispiel auch in der Frage von Gehaltskürzungen aufgrund von Corona), aber es geht ein gestandener Bundesligaspieler. Bei einer Dreierkette heißen nun die Kandidaten Hiroki Ito und Clinton Mola, bei einer Vierkerkette (die zuletzt heiß diskutiert wurde) sieht es kaum anders aus.

Wie sieht denn generell die Transferbilanz von Mislintat aus? Verloren hat der VfB Gregor Kobel, Nicolas Gonzalez, Gonzalo Castro, Marcin Kaminski und jetzt eben Kempf, ebenso Klement und Ali G. (die zusammen übrigens 6 Tore erzielt haben). Schauen wir uns einmal die Neuzugänge der Saison 2021/2022 an (Bildergalerie dazu denken).

Bewertungen:
+ Verbesserung gegenüber der letzten Saison
– Verschlechterung gegenüber der letzten Saison
(mit einbezogen auch Vertragsverlängerungen und erneute Leihen)

Florian Müller ( – )
Sympathisch, solide, mit einer Vorliebe zum Fausten und mit Schwächen bei langen Bällen. Punkte hat er noch keine festgehalten. Ein Kobel in der Form der letzten Saison ist dagegen ein ganz anderes Kaliber.

Dinos Mavropanos ( + )
Definitiv die bessere Version seines Vorgängers aus dem letzten Jahr. Mavropanos hat einen deutlichen Entwicklungsschritt gemacht und kann an guten Tagen ein Entscheidungsspieler sein.

Hiroki Ito ( + )
Bis jetzt der Spieler und die Überraschung der Saison. Ungerührt spielt er seinen japanischen Stiefel runter. Hatte Kempf zuetzt auch sportlich überholt.

Ömer Beyaz (ohne Wertung)
Bekam viele Vorschusslorbeeren in der Saisonvorbereitung, braucht aber definitiv noch Zeit (was man ihm in seinem Alter zugestehen sollte). Kann er ein Faktor im Abstiegskampf sein?

Enzo Millot (ohne Wertung)
Wahrscheinlich einer, der sich zusammen mit Li Egloff, Ahamada und Beyaz die Einsatzzeiten von Gonzo Castro teilen sollte. Das hat bei ihm – bedingt auch durch diverse Blessuren – so noch überhaupt nicht geklappt.

Chris Führich ( – )
Viele tolle Ansätze, aber zu wenig Vollgas-Einsätze. Dennoch ist unübersehbar, welches Potential Führich hat. Aber: Auch verletzungsbedingt (Schlüsselbeinbruch, Sprungelenksverletzung und Corona-Infektion)  überhaupt (noch) kein Ersatz von Nicolas Gonzalez.

Daniel Didavi ( – )
Es kommt bei ihm vieles zusammen, dass man mit ihm in dieser Saison überhaupt nicht rechnen kann.

Wahid Faghir (ohne Wertung)
Bisher 6 Millionen für einen magischen Moment gegen Union. Fitness- und Anpassungsprobleme. Der Prototyp eines Mislintat-Transfers: Ein Spieler, der in der Zukunft helfen wird. Aber leider im hier und heute noch nicht performt.

Omar Marmoush ( + )
Die Soforthilfe war sofort online, lange Zeit der einzige torgefährliche Akteur – außer Kempf und Mavropanos. Könnte mit Sasa Kalajdzic eine ähnliche Rolle wie einst Cacau im Zusammenspiel mit Mario Gomez einnehmen. Steht jetzt allerdings mit Ägypten im Viertelfinale des Afrika-Cups.

Mein Fazit:
Sven Milsintat spielt mir zu sehr Casino Royale. Lieber weniger Diamantenfieber, mehr SOKO Soforthilfe. Es geht dabei nicht um Erfahrung und Alter, das ist völlig zweitrangig und eine oberflächliche Diskussion, Ü18 oder Ü25 oder Ü30, das ist ü-berhaupt nicht wichtig, sondern die Frage: Kann der Spieler zeitnah einen Mehrwert auf dem Spielfeld darstellen?

Mehr Marmoush (22 Jahre übrigens) und weniger Waghir wären also gut gewesen, was ich nur retrospektiv so locker sagen kann. Mislintat sollte dennoch mehr Gegenwart wagen, ohne die Zukunft aus dem Blick zu verlieren. Ebenso wichtig ist auch die Frage: Welche (notwendigen) Transfers hat Mislintat nicht gemacht? Logisch, rufen alle: Die Verlängerung mit Castro, mit dem wir mindestens zehn Punkte mehr hätten, aber die Umstände der Vertragsgespräche waren ein bisschen dubios. Und sonst? Das lässt sich heute leicht sagen: Es war eine Fehleinschätzung, den Ausfall von Silas intern kompensieren zu wollen. Tanguy Coulibaly stagniert, Roberto Massimo hat sich entwickelt, keine Frage, aber man muss auch schauen, von welchem Niveau er kommt.

Mislintat ist gut darin, seine Strategie zu verkaufen, die er unabhängig vom sportlichen Erfolg umsetzen will. Da frage ich mich: Ist es eine gute Strategie, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt? Er führt an, jetzt könnten die Spieler wachsen, nun sei der Moment gekommen, in dem Führungsfiguren geboren werden. Ganz so, als ob so ein Platz 17 dem VfB durchaus gut tun würde. Ich kann für mich sprechen: meinen Nerven tut es nicht gut.

Nach den Abgängen ist ein bisschen Budget frei geworden, Mislintat meint, „wenn, dann verstärken wir uns noch in der Offensive“, was angesichts der schmalen Besetzung in der Abwehr erstaunt (s. o., auch für schmales Geld geht da was, siehe Köln). Hoffentlich ist es dann aber eine Verstärkung (oder gar mehrere?) für die Rückrunde und nicht für die nächste oder übernächste Saison wie z.B. ein 19-jähriger irischer Nationalspieler mit nigerianischen Wurzeln, der in der zweiten englischen Liga spielt.

Zum Weiterlesen:
“Gimme hope, VfB“ mit sehr interessanten Diskussionen in den Kommentaren.

Eine Tellerwäscher-Story: Wie ein gebürtiger Cannstatter Trainer des FC Genua wurde

Zum Weiterhören:
Einfach Fußball: Der WDR-Kommentator Sven Pistor im Gespräch mit Gonzalo Castro. In seinem Podcast sprach Pistor auch schon mit Thomas Hitzlsperger.

Noch ein Hörtipp:
Pistor hat mit seinem Hörfunk-Kollegen Burkhard Hupe einen herausragenden Podcast namens „Jogo Bonito“. In der ersten Folge geht es unter anderem um VfB-Legende Robert Schlienz.

Darf gerne geteilt werden:

29 Kommentare

  1. Estrella sagt

    Ich bin sprachlos 🤭

    Das ist ja genau meine Meinung 😅

    Rein Küchenpsychologisch sehe ich es auch als Fehler das Mantra „notfalls gehen wir in die 2. Liga“ so oft zu wiederholen.

    Mir wäre „ab jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel und wir tun alles um die Liga zu halten “ ebenfalls deutlich lieber.

    Wir erinnern uns alle noch an spiele gegen Mannschaften in der 2. Liga, die ueberhart einsteigen und unseren edeltechnikern gar nicht gefallen haben… weil sie mit Kampf, Kondition und Karacho aufwarten.

    Das waren viele zähe Spiele und viele nervenaufreibenden Stunden vor der fernsehkiste.

    Ich erinnere an S.M
    Die 1. Liga passt uns besser, weil wir mehr Räume haben… daher ist mir nicht klar, was er mit Teto und co. in der 2. reißen will.

    Wenn da Heidenheim und wie die alle heißen mit einer richtigen Härte daher kommt.

    Dinos ist super, aber immer noch nicht konstant. Wir brauchen da noch einen harten, humorlosen Suele Typ.

    Nicht schon wieder ein Offensiv Talent ☹️

    Sollte in der Abwehr ito ausfallen, fehlt mir die Alternative Phantasie…

    Karazor ist es eher nicht 🥺

    • @abiszet sagt

      Karazor ist absolut ein Option in einer Dreierkette, ansonsten Stabilisator vor der Abwehr. Aber richtig: Passieren darf da nichts. Echtes Gambling.

      Aber 5 Spiele ohne Tor sind auch ein Wort.

      Der kantige Süle-Typ, der “weh tut”, auch so eine Forderung, die aus den 90ern stammt. Selbst die hochgelobten Überflieger aus Bielefeld haben diesen Typ nicht, auch Bochum und Köln nicht, das halte ich für eine veraltete Denkweise.

      Mislintat “verkauft” seinen Weg, wie es gerade zur Situation passt ;-) Und das “notfalls gehen wir runter, wenn es unser Weg erfordert” ist kein gutes Signal, keine Frage!

  2. Bacardihardy sagt

    Neben Mislintat muss noch ein zusätzlicher Fussball Fachmann installiert werden. Diese One Man Show ist gefährlich. Seine Strategie ist positiv, aber meiner Meinung geht sie zu Lasten der Defensive. Hitzlsperger hat hier aktuell als Gegenpart in der Diskussion eine Lücke hinterlassen und wenn wir absteigen im Prinzip total versagt. Unsere Schönspieler kennen keine richtige Härte und Körperlichkeit. So einen defensiven Führungsspieler wie der Kapitän von Heidenheim Patrick Mainka wäre auch mal ein guter Transfer gewesen. Hoffe mal dass die Verpflichtung des offensiven Tomas von Sporting Lissabon ein Erfolg für Sven und den Vfb wird.

    • @abiszet sagt

      Beim Regulativ zu Mislintat gebe ich Dir absolut Recht.
      Den Mainka hast Du schon öfters genannt, oder? Finde ich interessant, dass ein 27-jähriger, der um die 100 Zweitligaspiele gemacht hat, den Unterschied in der Abwehr beim VfB machen soll.

  3. Bernd sagt

    Denke, der Sven zieht das jetzt durch. Im Fall der Fälle hätte man ohnehin viele Talente, denen ein Jahr in der zweiten Liga vielleicht ganz gut täte. Wahrscheinlich sagt er sich dass die Marktwertsteigerung durch Spielpraxis die 50 Mio. Mindereinnahmen im Zweifel aufwiegt.

    • @buzze sagt

      Andererseits wissen wir, wie gut sich so ein junger und talentierter Kader gegen die typischen Zweitliga-Teams schlägt. 😬

      • Bernd sagt

        Im legendären Spiel gegen Wiesbaden bestand unsere Offensive aus Gomez, HAG und Förster. Irgendwie haben wir etwas andere Vorstellungen was jung und talentiert betrifft.

        • @abiszet sagt

          Ganz genau, in der Zweitligasaison standen einige der sogenannten “Erfahrenen” auf dem Platz, die nicht nur hier immer wieder gefordert werden: Gomez, Badstuber, Castro, Ali G, Didavi, Kaminski und die haben nicht unbedingt weiter geholfen …

  4. Estrella sagt

    😬
    Joah, wir dürfen nicht vergessen, wie unglaublich viel wir bis hierher gegen die klassischen zweitliga Teams im Oberhaus gerissen haben…

    Bin mal auf das Spiel gegen Bochum gespannt…

    Unsere Offensive ist stand jetzt zu schwach um die nicht besonders starke Defensive zu regulieren.

    Ich mag silas sehr, leider fehlen da noch 70 Prozent… Fuehrich und Omar Hauen mich nicht vom Hocker. Es ist alles nicht wirklich überzeugend.

    Mir würde schon noch so ein dinos suele Typ fehlen. Karazor ist so wechselhaft und überzogen in den Fouls. Da fehlt mir einer in der Abwehr, der mit Ruhe agieren kann.
    Ist oft zu wild und hektisch.

  5. Bacardihardy sagt

    Hoffe der Vfb schafft schnell die Wende und steigt nicht ab. Falls doch sollte er noch in der Defensive nachlegen und auf Körperlichkeit achten. In Liga 2 ist Zweikampf noch mehr gefragt. Aber jetzt hoffen wir erstmal dass die Wende kommt.

  6. Martina sagt

    King sasa geht. Sir Tomas kommt 🤪 Ganz ehrlich, der wäre ohne Verletzung eh schon weg…

    Er bleibt auch nicht beim VfB bei Klassenerhalt. 😬😬😬😬

    Vielleicht geht er zu seinem Kumpel Kobel. Mit dem BVB macht S.M ja besonders gern gute Geschäfte. Jetzt machen wir ihn fit für haalands Erbe und da trifft er dann wieder 🙈
    Und gleich fünf dagegen und, falls wir noch
    MIT spielen 🤥

    Im Prinzip war das jetzt kein Top Deal. Von drei Spielzeiten eine richtige gute. Klar, kann man vorher natürlich nicht wissen.

    Jetzt hoffen wir einfach auf das Wunder von cannstadt und auf das es bald wieder aufwärts geht und eine Identifikationsfigur gibt.

    Im Moment brenne ich leider mit niemanden so richtig. Ohne jetzt falsch rüber kommen zu wollen oder in eine falsche Schublade gesteckt werden zu wollen, fehlt mir eine Mario Gomez oder Gente Figur aus der Region , die Region und Verein verkörpert.

    Dida und Förster Können es leider nicht 😔
    Endo kriegt mich irgendwie auch nicht.
    Bei Ito gefällt mir seine ruhige abgeklärte Art,
    aber mir fehlt die Begeisterung wie seinerzeit für Mario, Gente… gut mein Favorit war Karl Heinz Förster, das ist natürlich schon sehr lange her. Des war Halt n Kerle 😢

    • Bernd sagt

      Kein Top-Deal bei einer Marktwertsteigerung von 1000% und mindestens einer Saison, in der er uns zum Klassenerhalt geschossen hat? Die Maßstäbe mancher Leute sind schon schwer zu ertragen.

  7. Clemens sagt

    Wir schwanken mal wieder zwischen der 80’er Jahre Fan-Fraktion und den (zumindest nicht mehr zu 100%) Mislintat Jüngern. Ich kann mich dabei der Bewertung der Neuzugänge von Andreas vollauf anschließen, wobei ich die Jungs „ohne Wertung“ durchaus in die Minus-Kategorie packen würde. Denn unabhängig von fehlenden Einsätzen haben uns diese Spieler de facto bislang sportlich nicht helfen können. Und wenn ihr schon Mavropanos und Didavi aufführt, wären auch Coulibaly und Klimowicz durchaus mit einem „Minus“ zu nennen.

    Der Kempf-Verkauf an einen Konkurrenten des VfB Stuttgart im Abstiegskampf ist ein so dermaßen riskanter Move (Stichworte: Verletzungspech, Corona), dass die Wahrscheinlichkeit eines Transferfehlers größer erscheint, als dass der mögliche Transfer von Tiago Tomas durch die freigewordenen Gelder Hoffnung auf mehr Offensiv-Power verspricht. Aber was weiß ich schon, ich habe ja keinerlei Expertise.

    Aber langsam kommen immer mehr Zweifel, unter welchen Gesichtspunkten Mislintat sich von seinem dogmatischen Handeln wirklich Erfolg verspricht. Allein die Historie der Abgänge von älteren Spielern wie Badstuber, Beck, Castro und nun auch Kempf hat ein kleines Geschmäckle, ohne jeden einzelnen Fall direkt miteinander vergleichen zu können. Aber eines haben diese vier Abgänge gemeinsam: Es gab unschöne Nebengeräusche und am Ende immer verstimmte Spieler.

    • @abiszet sagt

      Ja, der Fußball hat sich im Vergleich zu den 80er Jahren verändert und das lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Es bleibt nur noch Nostalgie (“der xy war halt n’ Kerle”). Die Identifikation mit Spielern (und anders herum) ist eine persönliche Sache und eine andere als in den 80ern und 90ern. Es ist meist nur ein kurzes Glück auf max. 2 bis 3 Jahre, kein spezifisches VfB-Problem.

      Bei den Akteuren ohne Wertung stimme ich Dir zu, wollte aber auch nicht ungerecht sein. Coulibaly und Klimo sind deshalb nicht in der Liste, da für diese Saison nicht “neu” verpflichtet.

      • Bernd sagt

        Naja, auch in den ach so tollen Achtzigern ist ein Jürgen K. dem Ruf des größeren Geldes und Ruhms gefolgt. Zumindest seit Anbeginn meines Fandaseins war es immer so, dass wenn jemand gut kicken konnte, dass der eher früher als später weg war. Der einzige Unterschied war, dass wir früher höher in der Nahrungskette angesiedelt waren und deswegen solide Bundesligaspieler langfristig binden konnten. Und da kommen wir nur wieder hin, wenn wir durch kluge und vor allem nachhaltige Transfers (also Talente mit Steigerungspotenzial) sukzessive die Qualität des Kaders steigern.

  8. Icke sagt

    Eine gut zusammengefasste Kolumne, der ich bei der Bewertung u.a. der Spieler fast komplett zustimmen würde. Mislintats zuletzt getätigte Transfers haben en gros nicht mehr so eingeschlagen wie anfangs seiner Zeit. Zudem beschönigte er in letzter Zeit zu viel vor der Kamera. Ggfs. denkt er ja, er müsse dies tun, weil er glaubt, der Trainer könne das nicht richtig … (kleiner Spaß, ich weiß, ist etwas böswillig spekuliert)
    Man muss aber auch mal den gesamten Verein in die Pflicht nehmen und das schon vor SM und PM.
    Wie man weiß, verfügt Deutschland weltweit über die meisten Weltmarktführer. Und BaWü hat hier national bzgl. dieser meist mittelständischen Produktivitäts-Leader die Nase vorn (Umsatz 2021: 433 Mrd. EUR) vor Bayern (382 Mrd.) und NRW (270 Mrd.). (Wen es interessiert, ist in der aktuellen Sonderausgabe Wirtschaftswoche ausführlich beschrieben). Das nochmal vor dem Hintergrund, das der Verein nach ewiger Suche nun Jako als Co-Investor präsentierte. Einen ehemaligen Low-Budget-Trikot-Hersteller, der sich auf diese Weise nach und nach in die BuLi-Vereine hinein transferierte.

    Das soll ja auch nicht despektierlich klingen, aber hier hätte schon längst ein etabliertes Unternehmen der beschriebenen Güte als Investor an Bord geholt werden sollen. Für den Ankerinvestor Daimler war der Einstieg damals quasi eine „sine qua non“ allein um seine tausende Mitarbeiter, die zumeist auch (glühende) VfB-Fans sind, zufrieden zu stellen. Auch die allg. Bedingungen mit der max. auf irgendwas um die 20% gedeckelten Minderheitsbeteiligung sind natürlich der Investorensuche alles andere als zuträglich. Zudem leistet sich der Verein einen enormen Mitarbeiter-Wasserkopf inkl. Direktoren, Stäben, Gremien und Co.

    Unabhängig von der Coro-Pandemie (die auch gerne als Ausrede herhalten kann) hätte hier schon längst mehr Geld akquiriert werden müssen. Dann müsste die Diskussion zur Transferstrategie so wie aktuell auch nicht geführt werden. Will der VfB also mittelfristig wieder weiter oben mitmischen, müssen hier dringend neue Strukturen her. Und klar, meine Meinung, auch ein anderer Trainer. Selbst wenn sich jetzt hoffentlich noch ein Turnaround einstellen würde und wir die Klasse halten, bin ich der Ansicht dass das nächste Saison wieder so weitergeht wie aktuell.

    • @abiszet sagt

      Hi Icke, vielen Dank.

      Das mit den mittelständischen Unternehmen und Weltmarktführern wird seit Jahr(zehnt)en angeführt. Kärcher und Würth waren schon mit an Bord, aber den Sprung zum Investor haben sie nicht gewagt. Warum? Weil es ihnen nichts bringt. Wie auch den anderen Großunternehmen nicht, wie Bosch, Mahle und anderen Automobilzulieferern. Die kaufen sich Anteile für x Mio und welchen Vorteil haben sie? Das ist das Grundproblem des ganzen Konstrukts: Wer soll beim VfB investieren und warum? Daimler tat es, um andere direkt vor der Haustüre zu verhindern. Investoren wie Bregal, Vermarkter wie Lagardere sind möglich und interessiert, aber da ist der VfB zu recht skeptisch.

      Aber das bringt uns ja vom Thema Transfers inhaltlich ab ;-) Wenn jemand mit begrenzten Mitteln was erreichen kann, dann wohl Mislintat, auch wenn nicht alles (s.o.) funktioniert. Ist nur die Frage, wann sein Transfer einschlägt. Diese Saison? Beim VfB? Oder bei einem anderen Verein (was ja typisch für den VfB wäre)?

  9. Estrella sagt

    Ja die Nostalgie…

    Max Eberl hat vom Fußball ⚽️ auch die Schnauze voll….

    Würde es vielleicht 🤔 Sinn machen, wirklich wieder ein Stück weit nostalgisch zu werden. Oder dreht das Hamsterrad dann ohne uns weiter?

    Wie soll das weitergehen? Habt Ihr gesehen, was DAZN bald kostet? Da bin ich draußen, für zwei Spiele mache ich das nicht.

    Natürlich waren oben angesprochene ex national Spieler nicht mehr auf ihrem persönlichen Höhepunkt, trotzdem fand ich die Art und Weise, wie man die Leute rauskomplimentiert hat, wie jetzt bei Kempf nicht o. K.

    Mislintat ist beim bvb sicher nicht grundlos kein Thema und warum es bei Arsenal nicht geklappt hat, wird ebenfalls begründet sein.

    Ich bin bei einem Vorredner, das es kein Fehler wäre, so wie es der bvb gemacht hat, einen externen Berater ins Boot zu nehmen. Um einer gewissen betriebsblindheit entgegen zu steuern. NUR auf das Talent Pferd zu setzen wird sich nicht ausgehen…

    • @abiszet sagt

      Ja klar, früher war alles besser, beim VfB stimmt das sogar. Ich denke, die Nostalgie führt auch immer zu Dingen, die „früher“ funktioniert haben: Führungsspieler, erfahrene Spieler, Spieler aus der Region. Die Zeit ist vorbei.

      Aber Du hast Recht: Die Preise für Fußball im Bezahl-TV sind definitiv zu hoch, wobei man DAZN nicht vorwerfen darf, dass sie Verluste vermeiden wollen. Interessanter Text dazu: https://www.zeit.de/sport/2022-01/dazn-preiserhoehung-streaming-fussball-bundesliga

      Was ich nicht gut finde, über die Person Mislintatv zu spekulieren, ohne auch nur eine Information zu haben. Auch wie die Sache mit Kempf lief wissen wir nicht: Wurde er zum Wechsel gedrängt? Hat Kempf auf einen sofortigen Wechsel gedrängt? Du weisst es nicht.

  10. Bacardihardy sagt

    Ja die guten alten Zeiten…mit den Försterbrüdern…
    Denke aktuell reden wir unsere jungen Spieler zu schlecht…wenn ich nur Coulibaly nehme… in allen Foren wird er meist niedergemacht…dabei ist er am Ball, läuferisch und von der Spielintelligenz absolute Spitzenklasse. Er wird nie ein Torjäger, eher ein Spielmacher. In der Offensive hat der Vfb genügend Talente zB Tibidi, Führich, Kastanaras (A Jugend) , Kuol, Marmoush, Silas, Sasa, Sankoh… jetzt noch Tomas von Sporting Lissabon. Schwächen sehe ich in der Defensive. Das wird am Ende das grössere Problem.
    Welchen reinen Defensiven Spieler haben wir denn zB im Mittelfeld Karazor und Nartey vielleicht. Endo und Mangala sehe ich aktuell als zu schwach bzw. Ausser Form aufgrund Fehlpässe und Zweikampfschwäche.
    Auch Anton und Mavropanos sind meist für einen Fehlpass gut. Ito ist super und Stenzel ist O.k.
    Wenn ich ein paar Transfermillionen hätte würde ich sofort noch einen Innenverteidiger und defensiven Mittelfeldspieler kaufen, dazu noch nen Torwart. … also die Försterbrüder und den Eike Immel wie in guten alten Zeiten.

  11. Barry sagt

    In Theorie habt ihr vielleicht recht, dass Alter nicht das entscheidende Kriterium ist. Aber es zeigt sich in Realität, dass es doch eine gewichtige Rolle spielt, ob einer schon paar Jahre Bundesliga gespielt hat oder nur ein U-18/19/20/21 Talent ist. Ganz und insbesondere im Abstiegskampf!!

    Vor dem Hintergrund würde mich der Transfer des nächsten 19-jährigen sprachlos zurück lassen, wenn man nicht schon lange wüsste, dass so ein Transfer

    1. Ein Akt der Verzweiflung
    2. Die Fortführung eines dogmatisch Handelnden und
    3. eine komplette Fehlbesetzung ist

    Ende.

    Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, kein Mislintat, kein Materazzo, nicht der nächste Jugendspieler, sondern einzig die Herren Silas, Kalajdzic, Endo und Mangala werden den VfB vor dem Abstieg retten, sofern sie zeitnah zu alter Form finden.

  12. Icke sagt

    Hi abiszet, gebe Dir völlig recht. Die Strahlkraft des VfB hat schon lange gelitten und er ist offensichtlich für Investoren einfach nicht mehr attraktiv genug. Was für einen Traditionsverein eines Landes normalerweise kein Thema sein sollte. Hoffe sehr, dass Mislintat hier bleibt….

  13. Motzbackenbruddler sagt

    Hier wird einerseits von der ‘guten alten Zeit’ geschwärmt, als Fussball noch ‘echt’ war und nur Kanten auf dem Platz standen, die ihr Herz für das Vereinswappen heraus gerissen haben, andererseits ist man aber auch der Meinung, dass Bosch, Mahle und Co. jetzt mal richtig Asche in den VfB pumpen sollten, weil the Länd so geil isch und überall weltmarktmässig die Eier am dickschten zwischa d’Füssa hänga hott, damit der VfB wieder da spielt, wo er dieser Meinung nach hingehört – aber halt schon lange nicht mehr war. Dann brauchen wir wieder so Typen wie Gentner (WTF?!), die uns retten sollen?! Ach und ja, Dazn und Co. so teuer, da mach ich nicht mehr mit usw. aber 2. Liga geht gar nicht, weil so tough etc. Ich höre hier nur mimimimimimi. Jetzt lasst die Leute doch mal machen! Dieser Verein hatte schon laaaaaange keine Leute mehr in seinen Führungspositionen, die nach einem Plan agiert haben, der evtl. diese Saison nicht funktioniert, aber immer noch ein Plan ist.

  14. Estrella sagt

    Mimimimimi

    Ich habe gesagt, das mir Identifikationsfiguren
    wie zum Beispiel Gente oder Gomez fehlen.
    Nicht das diese uns retten können. Mein fanherz und das sei mir erlaubt schlägt halt höher, wenn auch Schwaben Feuer brennt.

    Jap, auch dazu stehe ich, das ich mir als Otto normal Verbraucher langsam die tv Gebühren schlicht weg nicht mehr leisten kann. Sky plus DAZN ist ab Juli, Wahnsinn.

    Ebenfalls stehe ich auch dazu, das die marschroute „dann gehen wir halt in die zweite Liga“ aus meiner Sicht psychologisch die falsche Route ist.

    Ich habe auf die 2. Liga keine Lust mehr.
    Das ist kein Mimimi , sondern ganz einfach meine Meinung.

    • Bernd sagt

      Ich denke uns allen, Mislintat eingeschlossen, fehlen die Identifikationsfiguren aus der eigenen Jugend. Aber wo sollen die auf einmal herkommen? Diejenigen, welche die erste Mannschaft heruntergewirtschaftet haben, waren natürlich auch in der Jugendarbeit eine Katastrophe.

      Kurzfristig ist Besserung einfach unrealistisch, du siehst ja selbst wie schwer sich auch ein Lilian Egloff tut, auch wenn auf seiner Position der Schuh am meisten drückt. Mittelfristig gibt es immerhin ein wenig Hoffnung, Spieler wie Laurin Ulrich oder Dennis Seimen gelten als sehr vielversprechend. Hängt natürlich auch davon ab, inwieweit die von Verletzungen verschont bleiben, das hat uns auch im Jugendbereich in letzter Zeit zu schaffen gemacht.

      In der Zwischenzeit sollten wir uns an kleinen Dingen erfreuen, wie dass es jetzt einer unserer Jugendspieler mehrfach in die Startelf geschafft hat.

  15. Wir hatten Jahrzehnte keinen Plan und nun haben wir einen Sportdirektor, der eine gute Strategie vorgibt. Allerdings aus einer finanziell angespannten Lage. Er hat Fehler gemacht (Castro und Faghir) aber auch tolle Transfers getätigt. Ich will keinen VfB 2008-2018, der dreimal im Jahr den Trainer wechselt und trotzdem zweimal abgestiegen und mit wenigen Ausnahmen immer im Abstiegskampf war. Was erwartet ihr dann? Die glorreichen Zeiten wird es nie wieder geben.
    Schaut euch die Trainerwechsel in den anderen Vereinen an und nennt mir einen, der erfolgreich war. Ich vertraue SM und Rino auch wenn es wieder die 2. Liga wird. Dann ist mir auch DAZN Preispolitik egal.

  16. Jetzt lassen wir die Leute mal machen bzw. Planen.
    Bisher nach 20 Spieltagen 18 Punkte.
    Spiele 1 – 5 : 4 Punkte
    Spiele 6 – 10: 6 Punkte
    Spiele 11 -15: 4 Punkte
    Spiele16 -20: 4 Punkte

    Noch 14 Spieltage
    mit Trainingslager Fitness
    Spiele21 -25: ?
    Spiele26-30: ?
    Spiele30-34: ?
    Bitte die Punktzahl am Ende mit dem Plan überprüfen

  17. Heinzi sagt

    also grundsätzlich ist es schon gut, wenn einer (SM) seinen Plan durchzieht, auch wenn mal wie gerade heftiger Gegenwind aufkommt. Ich denke, ich würde ihm auch bei einem worst case Abstieg noch weiter folgen. Aber: man könnte in der aktuellen Notsituation schon eine kleine Modifikation zulassen: einen erfahrenen Backup für Sasa,der sofort hilft. Ich sage mal Petersen o.ä. für das halbe Jahr ausleihen. Sollte nämlich Sasa ausfallen, sind wir raus. Da kann keiner von den diversen jungen Hüpfern auf dieser Position kurzfristig im Abstiegskampf helfen. Es sei denn Faghir ist jetzt endlich in shape und zündet. Hoffen wir mal…..

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