Monate: März 2017

Die Reifeprüfung

Dass der VfB Stuttgart eine Diva ist, mussten schon weitaus erfahrenere Trainer als der aktuelle leidvoll erfahren. Denn eine gewisse Lethargie hat sich in den vergangenen zehn Jahren fest in der Club-DNA verankert – unabhängig vom Personal. Hannes Wolf haben wir zugetraut, diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Und wir tun es immer noch! Denn, wer behauptet, der Stuttgarter Trainer würde aus seinen Fehlern nicht lernen, hat Unrecht. Er lernt aus seinen Fehlern; macht dafür aber wieder neue. Aber wie sollte es auch anders sein auf seiner ersten Station als Profitrainer? Wolf ist jung, hat wenig Erfahrung, aber er hat bewiesen, dass er Form- und Einstellungs-Dellen beim VfB entgegen wirken kann. Siehe Dresden. Siehe Würzburg. “Man ist dumm, wenn man einen Fehler immer wieder macht.” Lukas Podolski, Fußball-Philosoph Trotzdem bleibt festzuhalten: Der VfB hat den mit Abstand allerbesten Kader der Liga. Offensiv sogar den allerallerbesten. Selbst, wenn Wolf die zweite Garnitur aufs Feld schicken würde, änderte sich daran nichts. Gemessen daran sind die erzielten Resultate überschaubar. Ehrlicherweise muss man festhalten, dass die neun Punkte gegen St. Pauli, Sandhausen und …

Fängt der Scheiß jetzt wieder an?

Der VfB Stuttgart hat den besten Kader der Liga, den besten Trainer und die besten Fans. Ein Spiel in der zweiten Liga kann der VfB nur verlieren, wenn sich Hannes Wolf vercoacht, die Mannschaft denkt, sie könne Eier schaukeln und wenn der Schiedsrichter den Aufstiegsfavoriten benachteiligt. In Fürth kommt alles zusammen. Die Dreierkette und der Doppel-Ochsensturm sind ein taktisches Desaster, auch wenn Wolf versucht, es zu retten, in dem er Spieler hin und her schiebt und die Formationen mehrfach umstellt. Er überfordert damit sein Team, sein Matchplan ist ein Griff ins Klo. Gerade das zentrale Mittelfeld ist quasi nicht vorhanden. Trotzdem hätte es die perfekte Aufstellung sein können. Wenn Carlos Mané nach drei Minuten getroffen hätte. Aber so geht anstatt dessen ein 30-Meter-Schuss irgendwie in Langeraks Kasten. Haste Scheiße am Fuß, haste … Ihr wisst schon. Das ist allerdings kein Grund gegen biedere Fürther zu verlieren und das auch weitgehend kampflos! Erschreckend ist, dass defensiv teilweise ein völliges Chaos herrscht und offensiv keine Struktur ersichtlich ist, Torchancen entspringen Zufällen oder Standards. Die entscheidende Frage: Ist das ein …

Jean Zimmer

Die Rennsemmel

Jean Zimmer muss man lieben, denn er sieht ein bisschen aus wie ein Milchbrötchen. Dabei gibt es einige, die halten nicht viel von ihm. Und es gibt viele, die halten gar nichts von ihm, dem Kämpfer, Renner, Grätscher und Hinters-Tor-Flanker. Ich mag das nicht, wenn die eigenen Spieler angepisst werden. Ok, er hat eine lustige Figur, ist fast so breit wie hoch und er kann quasi nur geradeaus laufen. Aber ihn ständig dissen, einen eigenen Spieler, muss das sein? Seit Philipp Lahm, Andi Hinkel und Ricardo Osorio haben wir einen gewissen Anspruch an unsere Außenverteidiger. Artüür Boka, Ludovic Magnin, Stefano Celozzi, Go Sakai, Konstantin Rausch, Lord Hlousek und Florian Klein bekamen das zu spüren. Jetzt eben Jean Zimmer. Aber sind wir ehrlich: Zimmer ist besser als Daniel Schwaab, der irgendwie immer unbeteiligt wirkte und oft wie ein verschrecktes Huhn feststellen musste, dass er einen Gegenspieler übersehen hatte. Zimmer dagegen ist hyperaktiv, ein Power-Paket, Zweikämpfe sind sein Ding, er verteidigt bissig wie ein Wachhund seine rechten Seite: Wegen der eingangs erwähnten Ähnlichkeit zur Backware und weil er mit seinen …

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Es fängt mit einem Grummeln an, gleichzeitig, an vielen Stellen des Stadions. Dann türmen sich Stimmen auf, werden immer lauter, mischen sich mit spontanem Klatschen und Trommeln. Kaum einer hat noch Augen für das, was auf dem Feld passiert. Es liegt eine unglaubliche Vorfreude im weiten Rund, es macht sich eine kollektive Energie breit, eine plötzliche Zuversicht, die bei VfB-Fans ansonsten nicht durchgängig vorhanden ist. Aber jetzt schon. Alle denken: Etzet wirds no ebbes. Ein vorläufiger Höhepunkt wird erreicht, als alle seinen Namen brüllen: GINCZEK! GIN-CZEK! Er sprintet aufs Feld und das Spiel ist ein anderes. Nicht unbedingt spielerisch. Aber es ist lauter, wuchtiger. Er möchte vom Ginczek zum Winczek werden, mit allem, was er hat. Und das ist viel. Daniel Ginczek ist in der Reha ein Bär geworden, der auch Türsteher in der Schräglage sein könnte, er strahlt eine enorme Stärke aus. Jeder sieht ihm den Willen und die Power an, das Spiel gegen Bochum zu drehen. Als er den Ball zum Ausgleich über die Linie schiebt, explodiert das Stadion. Stimmen überschlagen sich, beim …

Der Stuttgarter Fight Club

1. Regel: Ihr verliert kein Wort über Kevin Großkreutz. 2. Regel: Ihr verliert KEIN WORT über Kevin Großkreutz. 3. Regel: Es kämpfen immer alle. 4. Regel: Nur ein Kampf auf einmal. 5. Regel: Die Kämpfe dauern genau solange, wie sie dauern müssen. 6. und letzte Regel: Über den Schiedsrichter wird nicht gemeckert. Willkommen im Stuttgarter Fight Club. Dort, wo der erste Punktverlust für den VfB im Jahr 2017 gefeiert wird. Und womit? Mit Recht! Denn der VfB stieg gestern Abend in den Braunschweig in den Ring und spielte eine Partie, wie wir sie in dieser Saison noch nicht erlebt hatten: Stark begonnen, stark nachgelassen, zwei zweifelhafte Elfmeter gegen sich bekommen, in Unterzahl gekämpft bis zum Umfallen und am Ende einen Punkt mitgenommen, mit dem alle zufrieden sind. Wir sind auch glucklitsch mit dem Punkt. Danke #VfB #EBSVfB — Lioli (@carliekatze) March 6, 2017 Dass man nach dem frühen Führungstor durch Carlos Mané, der auch dann noch leichtfüßig wirkte als er knöcheltief im Matsch versank, das Spiel den Braunschweigern überließ, war gleichermaßen erstaunlich wie ärgerlich. Aber Hannes Wolf zeigte mal wieder, dass er ziemlich …

Affäre Großkreutz: Nur Verlierer. #isso

Ich muss sagen, mich hat das alles angeekelt. Ja, die unappetitlichen Bilder des geschundenen Kevin Großkreutz, aber in erster Linie die vielen Spekulationen, die Sensationslust, die widerlichen Gerüchte, die (Schaden-)Freude vieler, den tiefen Fall eines Profi-Fußballers und Weltmeisters beobachten zu können. Und das obszöne Vergnügen, sich über Großkreutz lustig zu machen. Die Entscheidung des VfB Stuttgart, sich von Kevin Großkreutz zu trennen, können wir nicht beurteilen, da uns allen die Details und Hintergründe nicht bekannt sind. Eins ist aber sicher: Es gibt nur Verlierer. Der Vorstand Jan Schindelmeiser sendet ein klares Signal an das Team: Wer den Aufstieg in Gefahr bringt, muss die Konsequenzen tragen. Eine Entscheidung, die nicht nur Follower bringt. Keine Rolle gespielt haben offensichtlich die Tränen von Kevin Großkreutz nach dem Mainz-Spiel und seine spontane Bereitschaft, beim VfB zu bleiben. Auch nicht seine Identifikation mit dem Verein und sein unbedingter Wille, den Wiederaufstieg zu packen. Entscheidend für den Sport-Vorstand ist, dass Großkreutz seiner Vorbildfunktion nicht gerecht wurde und als Vertreter des Vereins dem VfB einen Imageschaden zugefügt hat. Die Mannschaft Sportlich gesehen, ist Kevin …

Wir verlosen etwas Retro-Romantik!

10 Jahre, eine Meisterschaft, UEFA-Pokal-Finale, Champions League, Tor des Jahres, Torschützenkönig. So eine Karriere muss man beim VfB Stuttgart erstmal schaffen. Okay, von wem ist die Rede? Klinsmann? Allgöwer? Elber? Nein, ausnahmsweise geht es hier nicht um einen Spieler, sondern um einen Sponsor. Von 1986 bis 1996 war Südmilch der Sponsor der Schwaben – in den letzten Jahren mit dem Produkt ViFit, einem probiotischen LC1-Klon, den vermutlich nie jemand getrunken hat. Die Geschichte von Südmilch ist übrigens ähnlich bewegt wie die des VfB Stuttgart: Ganz am Anfang stand das städtische Milchamt Heilbronn, daraus wurde die “Interessengemeinschaft Milch (Intermilch-Gruppe)”, die mit der “Dauermilchwerk Hohenlohe-Franken GmbH” 1972 zur Südmilch AG wurde – dem größten deutschen milchverarbeitenden Unternehmen. Spannender als jeder Abstiegskrimi, oder? Zu einer guten Story fehlen natürlich noch etwas Wirtschaftskriminalität, gefälschte Bilanzen, die Deutsche Bank und Geschäfte im Osten. Gab es auch alles bei der Süd- bzw. Sachsenmilch AG. Für den VfB war der Schritt zur Göttinger Gruppe als nächster Sponsor also nur der logische Schritt. Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von YouTube …