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Alles im grünen Bereich

Am vergangenen Freitag stellte der VfB Stuttgart sein drittes Trikot, aka Ausweichtrikot aka „Third“ vor. Traditionell ist dieses Jersey mehr ein Marketing-Gag als ein ernstzunehmendes Trikot (remember Stadttrikot oder Fantastische 4 Trikot). In dieser Saison ist das dritte Trikot tatsächlich grün, was vielen nicht gefällt, aber vor allem ist es zu 100 % aus alten PET-Flaschen erstellt – und welcher Bundesligist kann das schon von sich behaupten? Wir finden es chic, auch weil auf dem grünen Dress ein VfB-Wappen in den „richtigen“ Farben prangt.

Apropos Recycling: Beim Gastspiel in Mainz sah sah es 44 Minuten so aus, als würde der VfB das Spiel gegen Freiburg wiederverwerten. Gute Leistung, aber kein Ertrag. Das Team von Matarazzo legte los wie die viel besagte Feuerwehr, nach zehn Minuten hatte der VfB 76 % Ballbesitz und 5 Ecken herausgespielt. Trotzdem stand es nach nur 13 Minuten 1:0, nachdem die Mainzer ihren ersten brauchbaren Angriff zur Führung genutzt hatten. Classic VfB.

Auch, wenn Mainz 05 in den kommenden Minuten stärker wurde, konnte man zwei Dinge feststellen: Die Irritationen rund um Adam Szalai samt Spielerstreik und seltsamer Pressekonferenz waren nicht spurlos am Mainzer Team vorbei gegangen. Und die Veränderungen, die Matarazzo am Stuttgarter Team vorgenommen hatte (Stenzel, Sosa und Kalajdzic für Kaminski, Massimo und Klimowicz), zeigten Wirkung. Wie der VfB als Aufsteiger beim arrivierten Bundesligisten auftrat, konnte schon ein Stück weit begeistern. Vor allem, als dann auch das Ergebnis stimmte. Denn kurz vor der Halbzeit reichte ein Pass von Gonzalo Castro auf Silas und dessen konzentrierter Abschluss zum Ausgleich.

Überhaupt Silas: In seinem zweiten Bundesligaspiel ließ er seinen Gegenspieler Brosinksi mit knapp 200 Ligaspielen ein ums andere mal alt aussehen. Er spielte so gut, dass man sich fast Sorgen machen musste, dass in der kommenden Woche noch ein lukratives Angebot für ihn in der Mercedesstraße eingeht. In der zweiten Halbzeit hatte der VfB dann eigentlich alles im Griff. Und das zeigte sich auch am Ergebnis. Denn in der 61. Minute spielte der mal wieder überragende Endo einen überragenden Vertikalpass auf den überragenden Kalajdzic, der uneigennützig (und überragend!) auf Didavi querlegte, und dieser überragend zum 1:2 abschloss.

Spätestens nach der roten Karte für den Mainzer Niakhaté in der 77. Minute war das Spiel dann durch. Dass Klimowicz und Kalajdzic unter der Mithilfe von Coulibaly und Massimo sogar noch auf 1:4 stellten, zeigte zum einen, dass die Idee von Matarazzo & Mislintat funktionieren kann und zum anderen, dass die Mainzer vielleicht nicht gegen ihren Trainer spielten, aber definitiv auch nicht für ihn.

War Mainz ein Maßstab? Sicherlich nicht. Und angesichts der kommenden Gegner Leverkusen und Berlin wird sich auch niemand in trügerischer Sicherheit wiegen. Aber auch das Interview nach Abpfiff mit dem breit grinsenden Daniel Didavi zeigte: Hier steht eine Mannschaft auf dem Platz. Ein Team, das für sich und den Trainer spielt. Und das ist schon mehr als man aktuell in Mainz und Gelsenkirchen sieht.

Übrigens: In der letzten Bundesligasaison nach dem Aufstieg gab es den ersten Auswärtssieg am 23.(!) Spieltag. Stattdessen gab es jetzt den ersten Sieg in Mainz seit 2005.

2020: ein verrücktes Jahr!

Bild: imago images / Sportfoto Rudel

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12 Kommentare

  1. Motzbackenbruddler sagt

    Nun ja, ihr weißt ja: in Mainz muss man nicht gewinnen, aber man kann… Die Frage ist aber, lag das jetzt am VfB oder an M05? Dennoch Glückwunsch an das Team! Nur beim 1:0 war mal wieder völlige Übersichtslosigkeit in der Stuttgarter Verteidung vorherrschend, so dass Mainz wirklich nur eine Chance nutzen musste, um einzunetzen. Kriegt das jetzt bitte hin!
    PS: Die Trikots sind geil! Will eins mit Endo hinten drauf, hab nur Angst, dass der Junge spätestens im Winter in der PL kickt…

  2. Elmar Amendinger sagt

    „Das Prinzip Hoffnung“ titelte der Vertikalpass am 18.8.2020. Davon dass es im Kader Spieler geben muss, die den nächsten Schritt machen. Ein durchaus berechtigter Ansatz, denn sonst wird es eng in der Bundesliga angesichts der jugendlichen Frische dieser Truppe. Torbeteiligungen gestern: Silas, Klimowicz, Kalajdzic, Massimo, Coulibaly. Angeführt von den Erfahrenen, die in der Vergangenheit gerne mal, auch von mir, kritisch gesehen wurden. Castro gestern mit überragender Vorarbeit zum wichtigen 1:1 und Dida mit dem Führungstreffer. Dazu gestern wieder ein Endo der über 90 min die Note 1 verdient hat. Die Richtung nach 2 Spielen scheint zu stimmen, auch wenn Mainz jetzt nicht überbewertet werden sollte, da die sich gerade selbst zerlegen.
    Aber die Hoffnung wird genährt. Es ist seit Jahren erstmals wieder so etwas wie ein Plan zu erkennen, auf was gebaut wird, wie gespielt werden soll. Ein Trainer der in der Lage ist, eigene Fehler zu erkennen und zu korrigieren, mit Umstellungen und mutigen Wechseln.
    Seit Jahren schon sehnen wir uns nach „jungen Wilden“ zurück. Es sind jetzt wieder einige da, nicht eigene, andere von außen rein geholt. Aber welche die bereit sind den nächsten Schritt beim VfB gehen zu wollen. Das macht in der Tat Hoffnung.

  3. grammaire sagt

    kommentare nach der KSC niederlage: 27.
    kommentare nach dem ersten bundesligasieg: 2.
    #schwierigesumfeld

    • @abiszet sagt

      Interessante Interpretation. Hat womöglich auch damit zu tun, dass es sich um den KSC handelt, es also ein besonderer Gegner? Und der Zeitpunkt der Saison war bedeutender als der zweite Spieltag.

      • grammaire sagt

        danke für die antwort, lieber andreas.

        klar: kurz vor saisonende gegen den KSC zu verkacken und den aufstieg gefühlt zu verspielen frustriert maximal, und das merkt man dann auch am traffic.
        aber: nach dem nürnberg spiel (=aufstieg) – 7 kommentare. es ärgert mich einfach, dass zu viele leute den mund nur aufmachen, wenn es Nicht läuft (gruß an riky: das ‚fuck you‘ war großartig).
        ich habe daher beschlossen, mich etwas häufiger einzubringen..

        ich erfreue mich jedenfalls sehr an der jungen truppe. dass das eine lange und knappe saison wird ist klar, und natürlich können wir auch scheitern.
        aber genau so wie die das angehen, könnte es klappen – und spaß machen. ein bisschen wie US college sport. ein cooles führungstrio, das zusammensteht. der (zurückhaltende) präsident näher am fan als am geld. spieler, die was zu gewinnen haben. und li, dinos, und nico noch in der pipeline..

        also,
        bleibt bitte so munter, aufmerksam, unterhaltsam, und kritisch!

        aloha,
        *christopher

        PS: toller blog, toller podcast, tolle fiebel. danke!
        background: im exil, aber ab und an im ländle. bester neckarstadionbesuch: VfB 7:0 BVB 90/91.

    • Der Groundhopper sagt

      Ich würde es eher mit „positiver Schockstarre“ umschreiben wollen ;-)
      Habe mich selbst beim vierten Tor jedenfalls beim Gedanken erwischt: „VfB? Bist Du das grade wirklich???“

    • drhuey sagt

      Diese Erfindung des schwierigen Umfelds traut dem Braten vielleicht noch nicht richtig. Es gäbe viel Positives zu kommentieren, aber wie häufig musste man ein Spiel später die Euphorie wieder einpacken. Es wäre doch sehr gesund dieser jungen Mannschaft (mit so viel Potential) diese Aufschläge in der Leistung zuzugestehen und nicht jeden Ausschlag nach oben oder unten übermäßig zu würdigen. Oder es ist einfach nur schwäbisch: #nexgsaitischgnuagglobt

      • @buzze sagt

        Recht hast Du, aber wäre das nicht furchtbar langweilig. Aber klar ist doch auch, dass sich das Team mit Leistungen wie in Mainz die Geduld der Fans verdient. Und gegen Leverkusen muss man nun wirklich nicht gewinnen. Aber versuchen sollte man es. Das Pokalspiel ist noch in guter Erinnerung.

        • drhuey sagt

          Da gebe ich Dir vollkommen recht. Die Mannschaft, die sich so reinhängt hat es verdient. Wir haben jetzt auch einen Stürmer, der auch nach der 80. noch den Torwart anläuft. Ich bin krankhafter Optimist und, wenn es um den VfB geht wird es komplett irrational. Daher habe ich mir vorgenommen diese Saison nicht gleich auf jeden Zug aufzuspringen und sei er auch noch so in die richtige Richtung unterwegs. Ich habe wahnsinnigen Spass an der Entwicklung, die die Mannschaft die letzten Monate gemacht hat. SM hat ein paar Juwele eingetütet, PM scheint in puncto Sozialkompetenz genau der Richtige zu sein, damit die jungen Spieler ihr Potential entwickeln können und die Mischung in der Mannschaft scheint sehr gut zu stimmen. Im familieninternen Duell mit meinem schwatz-gelben Sohn liege ich vorne…läuft. Und gegen Leverkusen muss man nicht … verlieren ;)

  4. grammaire sagt

    hehe, ja, vielleicht ist es einfach schwäbisch :)
    ich habe das leverkusen spiel auch in sehr guter erinnerung (gruß ans rössle) und gehe dem spieltag sehr entspannt entgegen. vielleicht machen silas oder klimowicz ihn diesmal ja?
    in anderen clubs sieht es dagegen echt düster aus..

  5. Joachim Leuze sagt

    @Elmar Almendinger, ich frage mich, dass man trotz der Überlegenheit immer eine Entschuldigung dafür sucht, dass der VfB ein Spiel gewonnen hat. Das was Mainz angeht, das ist doch absolut sekundär! Der „runderneuerte“ VfB hat schon in der Vorbereitung sowie gegen Freiburg angedeutet, wohin die Reise zumindest spielerisch in die Zukunft geht. Auch in den Spieler der zweiten Liga wurde es angedeutet, wie der Spielplan und die Spielidee von S.M. sowie P.M. geht. Ich habe dieses Team während der ganzen Saison bis aufs Blut verteidigt und habe immer um Geduld gebeten. Was bin ich hier unter die Gürtellinie angegangen worden?
    Der VfB ist auf einem sehr, sehr guten Weg. Wenn man bedenkt, dass noch Leistungs- und Hoffnungsträger wie Nicolas Conzales, Erik Thommy, Mavropanos sowie Lilian Egloff gefehlt haben. Was ist eigentlich, wenn diese Herren ihren Platz einfordern? Deswegen stimmt mich diese Saison sehr, sehr positiv. Wir haben eine gesunde Mischung zwischen ältere, erfahrene Spieler wie Castro, Didavi, Kaminski oder auch Endo und junge verrückte, hungrige Banausen, die wirklich schönen Fußball zelebrieren möchten und mit einem Torhunger ausgestattet sind. Es wird mit Sicherheit auch Rückschläge geben, aber ich bin mir sicher, diese Mannschaft wird nicht viel mit dem Abstieg zu tun haben.

    Mit weiß-roten Grüßen
    Joachim Leuze

    • Das mit dem „nicht viel mit dem Abstieg zu tun haben“ ist bekanntlich ein bisschen ein rotes Tuch, vor allem wenn man bedenkt, dass in der Regel die halbe Liga da irgendwie involviert ist. Klar, die Ansätze sind positiv, aber das waren sie in der Vergangenheit auch gerne mal (ManCity, Atletico, Start in Liga 2), nur um dann doch wieder in der Traufe zu versinken.

      Auch jetzt kann man Argumente finden, die gegen eine sorgenlose Saison sprechen: Lass den VfB weiter seine Defensiv-Aussetzer machen und die Gegner sich auf die eher ungewöhnliche Spielweise von Silas und Sasa einstellen, dann sieht das schnell wieder anders aus, zumal Freiburg (mal wieder die halbe Mannschaft weggekauft bekommen, das dauert meistens bis die ins Rollen kommen) und Mainz (bekannte Gründe) vielleicht jetzt nicht gerade die besten Gradmesser sind. Leverkusen ist da schon eine andere Hausnummer, die haben ja auch gerade in Leipzig gepunktet.

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