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Back for good

Shorts aus Nikki-Stoff sind wieder hip, Wham! plant 30 Jahre nach der Trennung eine Reunion und der VfB holt den Meistertrainer von 2007 zurück. Alles retro, oder was?     

Unter Fussballromantikern war früher sowieso alles besser: Die Trikots waren schöner, statt flächendeckender Tatoos gabs einfallsreiche Frisuren und Bärte, es war nicht alles auf Kommerz gebürstet, die Wahrheit war aufm Platz, nichts wurde verwissenschaftlicht mit Heat-Maps, Ballbesitzzeiten oder gar Video-Analysen in der Halbzeitpause. Aber nicht nur die Fans schauen wehmütig zurück, auch Trainer sind hoffnungslose Romantiker: Jose Mourinho holt seinen alten Weggefährten Didier Drogba zurück nach Chelsea, Pep Guardiola liebäugelt mit Victor Valdes, mit dem er vier Jahre bei Barcelona zusammen gearbeitet hat. Thomas Schaaf holte jetzt Nelson Valdez, der in der gemeinsamen Zeit bei Werder Bremen in 80 Spielen sagenhafte 21 Tore schoß. Ich erinnere mich: Das war der Spieler, den Jürgen Klopp so liebte, weil er so viel lief und so viel presste. Valdez war auch der Spieler, den die Abwehrreihen liebten, weil er so viel lief und deshalb so wenig ins Tor traf.

Dass aufgewärmte Maultauschen zwar am besten schmecken, eine aufgewärmte Beziehung aber meistens nicht gut geht, ist eine Binse. Ein gutes Beispiel ist die Rückkehr Aliaksandr Hlebs zum VfB 2009: Nach Stationen bei Arsenal London und Barcelona wurde er für schwäbische Verhältnisse geradezu euphorisch empfangen: „Dr Bua kommt hoim“. Aber der Weissrusse hatte sich verändert, trug die Attitüde eines Superstars vor sich her und meinte, Stuttgart sei zu klein für ihn. Auch das zweite Gastspiel Rafael van der Vaarts in Hamburg erscheint zumindest unglücklich. Unrühmliche Beispiele gibts einige. Tim Borowski. Artur Wichniarek. Jürgen Sundermann. Marco Engelhardt. Angelos Charisteas.

Sie halten aber Schaaf nicht davon ab, mit Hugo Almeida den nächsten alten Bekannten für seinen neuen Arbeitgeber Eintracht Frankfurt zu verpflichten. Wahrscheinlich auch, weil Almeida seit neuestem so einen schönen Porno-Balken trägt. Sascha Riether kehrt nach Ausflügen nach Köln, Wolfsburg und Fulham zurück zum SC Freiburg, weil dort sein einstiger Jugendtrainer mittlerweile die erste Manschaft trainiert. Dieser Trainer heisst Christian Streich und gilt nicht unbedingt als Wham!-Fanboy. Aber er ist sowas von retro. Er glaubt unbeirrt noch an Werte wie Ehrlichkeit und Loyalität, raucht selbstgedrehte Zigaretten, kann Rasenball Leipzig partout nicht leiden und turnt an der Seitenlinie rum wie einst Otto Rehhagel.

Der Trend geht zu Retro-Verpflichtungen und dass die durchaus gut gehen können, zeigen diese Beispiele – wem fallen noch weitere ein?

Andreas Brehme: Lautern – Bayern – Inter Mailand – Lautern
Christian Gentner: VfB – Wolfsburg VfB
Gerhard Poschner: VfB – Dortmund – VfB
Andreas Herzog: Bremen – Bayern – Bremen
Claudio Pizarro: Bremen – Bayern – Chelsea – Bremen – Bayern
Lukas Podolski: Köln – Bayern – Köln
Andreas Möller: Frankfurt – Dortmund – Frankfurt – Turin – Dortmund

Der VfB hat die Retro-Maschine 2007 angeworfen: Mit Armin Veh kommt der damalige Meistertrainer und als neuer Spieler muss es unbedingt jemand aus Mexiko sein. Der VfB hat gute Erfahrungen gemacht mit Pavel Pardo und Ricardo Osorio. Für die neue Saison hatte man sich Luis Montes (Mittelfeld) und Innenverteidiger Héctor Moreno ausgeguckt. Aber die verletzten sich schwer. Das ist bitter, aber davon läßt sich doch ein VfB’ler nicht draus bringen. Es hat ein paar Wochen gedauert, aber jetzt soll es WM-Teilnehmer Marco Fabian werden. Er ist so groß wie Boka und so schnell wie Traore. Hört sich ganz vielversprechend an. ¡Arriba!

Und wer kommt sonst noch? Roberto Hilbert? Benny Lauth? Timo Hildebrand? Kevin Kuranyi?

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