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Eine reine Luftnummer? (Aktualisierung 29.07.)

Transfers für die neue Saison, die Ausgliederung aus dem Verein – derzeit kommt mir beim VfB Stuttgart vieles so vor wie bei den Kiffer-Klassikern „Viel Rauch um nichts“ und „Noch mehr Rauch um gar nichts“ von Cheech und Chong. Aber das passt perfekt zum VfB-Präsident Bernd Wahler.    

(Aktualisierung 29.07., siehe unten)          VfB-Präsident Bernd Wahler muss man einfach mögen: Sein Lachen ist ansteckend, wenn sich der riesige Mund in seinem quadratischen Schädel breit macht und die Augen zu Schlitzen werden. Seine Begeisterung schwappt förmlich über auf seine Gesprächspartner, Wahler ist mitreißend und kommt stark über die Emotion. Im Gegensatz zu seinem Vor-Vorgänger Erwin Staudt, der sich dem Sport mehr von der Intellektualität näherte, dessen Visionen aber keine Luftnummern waren, sondern Substanz hatten. Staudt war überdies in der Lage, aus Visionen Wirklichkeit zu machen.

Bernd Wahler ist jetzt zehn Monate im Amt und lacht noch immer. Trotz drei Trainern in der letzten Saison, trotz armseliger Leistungen seiner Kicker, trotz Beinahe-Abstieg, trotz schlechter Stimmung bei den Fans. Es hat den Anschein, als wollte Wahler die vielen unbearbeiteten Baustellen einfach weglachen. Denn passiert ist in seiner Amtszeit nichts, sein HSV-Kollege Didi Beiersdorfer hat in drei Wochen mehr Entscheidungen getroffen als Wahler in einer Saison. Ok, ok, ist auch kein Kunststück, Wahler hat noch keine Entscheidung getroffen und beim HSV ist alles noch viel komplizierter als beim VfB. Ausser heißer Luft mit allerlei vollmundigen Ankündigungen ist sein Wirken von außen nicht erkennbar. Wahler also nur ein Luftikus? Hier ein kleiner Ausschnitt seiner volkstümlichen Aussagen:

„Wir holen keine Ergänzungsspieler mehr, sondern internationale Stars, die die Jungen führen.“
Stuttgarter Zeitung, 15. März 2014

„Es wird auch einschneidende Veränderungen geben, wenn wir in der Bundesliga bleiben.“
Stuttgarter Zeitung, 4. April 2014

„Wir haben die Talsohle erreicht, müssen uns nicht mehr gesundsparen und sind in der Lage, Transfers zu tätigen.“
sportal.de, 6. Mai 2014

„Ein bis zwei Kracher“ sollen kommen, mit einem „Transfervolumen von zehn bis 15 Millionen“
Stuttgarter Nachrichten, 5. Juni 2014

Es ist wohl nicht zu viel verlangt von StZ und StN, wenn sie Herrn Wahler mal mit seinen Aussagen konfrontieren würden. Wäre spannend, ob Wahler dann auch lacht – eventuell über sich selbst.

Bei allem Respekt, die drei Neuzugänge Florian Klein, Adam Hloussek und Daniel Ginczek sind weder Kracher noch internationale Stars noch können sie die Jungen führen (aber immer noch besser als bei Blackpool). Sind die einschneidenden Änderungen die Rückhol-Aktion von Rainer Adrion als Nachwuchs-Chef und die diffuse Diskussion über einen neu zu gründenden Sport-Ausschuss unter anderem mit Karl Allgöwer, Thomas Hitzlsperger und Andreas Buck, dessen Besetzung (Allgöwer? Hitzlsperger? Buck? Hat die jemand gefragt, ob sie überhaupt wollen?) ebenso unklar ist wie seine konkrete Funktion im operativen Geschäft? Es ist alles unklar am Wirken von Bernd Wahler. Der oberflächliche Eindruck ist sehr gut, aber wirken heisst auch „bewirken“ und da hat der Ex-adidas-Manager einigen Nachholbedarf.

In zehn Monaten hat er es nicht geschafft, die Ausgliederung der Fussballabteilung aus dem Verein zu initiieren und am Montag vor den Mitgliedern zu Wahl zu stellen. Kein namhaftes Unternehmen aus der Region bekennt sich zum VfB und seinen neuen Plänen. Es gibt kein Konzept für Transfers, es gibt keine Vorgaben, wie der Verein bundesweit gesehen werden soll (dass dies „Positionierung“ im Marketing-Sprech heißt, weiss Herr Wahler sicher). Es ist fast schon amüsant, dass nun ein „Markenbeauftragter“ eine Umfrage gestartet hat, warum die Fans den VfB lieben und wofür der Verein stehen soll. Geplant ist also, dass die Fans und Mitglieder dem Präsidenten ein Konzept für eine neue Identität des VfB schreiben sollen. Aha.

Aber vielleicht agiert Wahler viel hinter den Kulissen, bei der Mitgliederversammlung präsentiert er ein schlüssiges Konzept für die Ausgliederung inklusive deren Finanzierung und erklärt transparent und belastbar, wie der VfB in Zukunft in den Bereichen Sport und Sponsoring  arbeiten will. Ich würde es dem Präsidenten, dem Verein und mir wünschen, dass von Herrn Wahler mehr bleibt als sein Lachen.

Aktualisierung 29.07.:
Richtig Neues gab es auf der Mitgliederversammlung am 28.07. nicht – sie diente wohl einzig dazu, dass sich Wahler & Bobic dem Volk als Prügelknaben präsentierten. Und das nutzen die Mitglieder ausgiebig, einer empfahl Bobic, ein Praktikum beim FC Augsburg zu machen, denn die Position des VfB-Managers eigne sich nicht dazu, sich Wissen im Daily Business mittels learning by doing anzueignen. In your face!

Konkret wurde es jedenfalls nicht in der rund siebenstündigen Versammlung, weder Strukturelles (Ausgliederung als AG) noch Organisatorisches (Lehren aus der letzten Saison) wurden transparent präsentiert, anstatt dessen:
„Die AG ist für uns die bessere Rechtsform, damit sich mehrere Partner einbringen können.“
„Mit der Ausgliederung wollen wir uns von der Wirtschaftskraft her besser aufstellen.“
„Wie könnte ein Zeitplan dafür aussehen? Wir werden weitere Gespräche führen und die Vereinsmitglieder weiter umfassend informieren.“

„An Transfers wird gearbeitet“, meint Bobic. Is‘ klar. Es ist doch immer das gleiche. Am Anfang der Transferperiode sei der Markt überhitzt, während der WM sei der Markt tot (was ganz zufällig perfekt zum Urlaub von Bobic passt), dann sind die Verhandlungen schwierig. Wenn es dann am Anfang nicht gut läuft, ist entweder das schwere Anfangsprogramm (Gladbach, Köln, München, Hoffenheim, Dortmund) schuld, die Unsicherheit nach der letzten Saison oder die Neuzugänge, die zu spät kamen, weil der Markt anfangs überhitzt, dann tot war und sich die Verhandlungen als schwierig darstellten. Jedes Jahr dasselbe Ausreden-Bingo.

„Das Motto, das für den VfB stehen soll, heißt: Furchtlos und treu“, so Wahler. Nein, furchtbar. Einfach furchtbar ist es.

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