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Der deutsche Fußball ist mehr als Bayern München!

Zusammen mit seinem Dortmunder Kollegen Aki Watzke sprach Karl-Heinz Rummenigge in der tiefsten Corona-Krise im Frühjahr von Zusammenhalt und Solidarität. Heute erinnert er sich natürlich nicht mehr daran. Denn es geht um sein Geld. Es geht um eine alternative Verteilung der Fernsehgelder, um in der Bundesliga mehr Wettbewerb zu ermöglichen. Also keine zementierte Tabelle, die aus den immer gleichen fünf Clubs an der Spitze besteht.

Der VfB Stuttgart mit seinem CEO Thomas Hitzlsperger hat sich erlaubt, zusammen mit drei Erst- und vielen Zweitligisten eine andere Idee der Verteilung vorzuschlagen. Dafür wurde der VfB bestraft, indem er nicht zur „Geheim“-Tagung in Frankfurt eingeladen wurde. Und Hitzlsperger muss sich auch noch belehrende Worte von Rummenigge gefallen lassen, die „erstaunlicherweise“ brühwarm an die Presse durchgesteckt werden.

Er halte es für möglich, dass aus einem Saulus ein Paulus werden kann, meinte er in Richtung Hitzlsperger nach einem Telefonat mit dem VfB-Boss. Was will uns Rummenigge damit sagen? Dass er Hitzlsperger (zum richtigen Glauben) bekehrt hat? Das sagt der vorbestrafte Karl-Heinz Rummenigge, der leider nicht in der Lage ist, seinen Mund-Nase-Schutz korrekt anzulegen, zu einem Träger des Bundesverdienstkreuzes? Zu einem immer untadeligen Sportsmann und aufrechten und ehrlichen Funktionär? Arroganz kennen wir von Bayern München. Unverschämtheiten müssen wir erwarten. Überraschend allerdings, dass sich Rummenigge wie eine beleidigte Leberwurst aufführte, weil sich Hitzlsperger nicht so devot verhielt wie er es erwartete – und wie er es von den Verantwortlichen anderer Clubs gewohnt ist. Das ist also neu. Den abstoßenden und anmaßenden Ton hingegen kennen wir von Rolex-Kalle.

Es werden 300 Millionen weniger Einnahmen betrauert ab der nächsten Saison. Womöglich wäre in der Vermarktung mehr drin, hätte die Bundesliga einen spannenderen Wettbewerb um die Meisterschaft. Neun Mal in Folge hieß der Meister Bayern München. Gähn. In der Vergangenheit waren Spiele gegen Bayern München stets Highlights, weil immer eine Chance bestand, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Wer tut es sich heute noch an, die Spiele gegen Bayern anzuschauen? Es soll Leute geben, die sich lieber Wandfarbe beim Trocknen angucken, als sich ein Bayern-Spiel anzuschauen. Die Attraktivität der Bundesliga schwindet wegen der Übermacht des FC Bayern. Mit der Quasi-Monopolstellung verhindert der FCB den Wettbewerb und verhält sich wie ein Oligarch: machtbesessen und niveaulos.

Bayern first. Bundesliga second.
Weil der FC Bayern der beste deutsche Verein ist und bleiben möchte, zieht sein doppelzüngiger Boss alle unappetitlichen Register, um den Status Quo zu bewahren. Da wird die Liga gespalten, indem man Clubs, die vermeintlich aus der Reihe tanzen, ausgesperrt. Da werden Statements in die Welt gesetzt, als ob die Bundesliga dem FC Bayern gehören würde. Es ist zu hoffen, dass der VfB zusammen mit Mainz, Augsburg, Bielefeld und zehn Zweitligisten weiterhin renitent bleibt und dem Bayern-Boss so richtig auf die Nerven geht.

Denn Rummenigge demaskiert sich schon selbst mit seinen unsachlichen Reaktionen in der Öffentlichkeit und seinem herrischen Verhalten, als ob nur er und der Rekordmeister das Sagen hätten. Und wenn wir dem FC Bayern schon nicht auf dem Rasen Paroli bieten können, dann können wir ihn wenigstens außerhalb ärgern. Denn der deutsche Fußball ist so vielfältig wie die deutsche Gesellschaft und besteht nicht nur aus dem Stern des Südens.

Wer sich die O-Töne von KHR zu Gemüte führen möchte, hier entlang (Video).

11Freunde spricht von einem „absurden PR-Termin“ und einer „missglückten Machtdemonstration von Rummenigge“.
Ein Kommentar von Chefredakteuer Philipp Köster.

Photo by LEON KUEGELER/POOL/AFP via Getty Images

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15 Kommentare

    • Der Groundhopper sagt

      Das erste Mal seit Langem kann ich wieder voller Überzeugung sagen: Ich bin einfach stolz auf diesen VfB!
      Unter Wolle D. und Reschke wären wir unter Garantie noch als vollkommen unkritische Lemminge gefolgt, welch ein traumhaft schöner Wandel!

  1. drhuey sagt

    An anderer Stelle hat jemand geschrieben, dass das Verhältnis der Fernsehsender zwischen dem Meister und dem Tabellenletzten in der PL 1,6 : 1 ist. In der Bundesliga kassiert der FCB rund 5,5 mal soviel wie der Letzte. Das Produkt PL scheint auch deshalb international besser anzukommen, weil auch mal Favoriten gegen Aufsteiger zu kämpfen haben. Das lehnt man in München wohl ab. Die Solidarität geht halt nur so weit bis es an den eigenen Geldbeutel geht. Das Gebaren dieser Straftäter-Gang aus München war und ist unerträglich und ich bin sehr froh, dass sich der VfB des aufrechten Ganges bemüht. Auf Dauer muss die Spannung zurückkommen…das sollte auch der verblendete Ex-Kicker in seiner Bayern-Blase einsehen.

  2. VfB ist echt auf einem guten Weg! Die Gierigen 15 treffen sich ohne uns, weil wir uns mit 4 anderen für ein gerechteren Verteilschlüssel der Fernsehgelder einsetzen. Bravo VfB, wir stehen auf der richtigen Seite mit mainz, Bielefeld u Augsburg! Wer hätte sowas vor 2 Jahren für möglich gehalten 💪

  3. Clemens sagt

    Dass sich der VfB trotz seines Nimbus als sogenannter Traditionsverein auf die Seite der sportlichen Underdogs schlägt kann man natürlich auch so werten, dass man dem sportlichen Aufstieg nicht traut und sich nur allzu gut vorstellen kann, dass man in ein, zwei Jahren wieder unterklassig spielt und somit natürlich ein gesteigertes Interesse an einem höheren Verteilungsschlüssel für die Zweitligisten besitzt.

    Ich persönlich halte es allerdings für wahrscheinlicher, dass der VfB Stuttgart (in Person von Thomas Hitzlsperger) die Zeichen der Zeit richtig deutet und vor dem Hintergrund der immer weiter auseinander driftenden (Einkommens-) Schere zwischen 1. und 2. Liga und auch im Interesse eines „echten“ Wettbewerbs eine Angleichung der Fernsehgelder fordert – dies ungeachtet der eigenen Klassenzugehörigkeit. Allerdings hat der VfB nicht mit der Reaktion des bajuwarischen Usurpators Rummenigge gerechnet, der das sogenannte „Impulspapier“ als Affront gegen die Solidarität im deutschen Fußball wertet. Und weshalb Rummenigge auch sogleich die aus seiner Sicht einzig richtige Antwort gegeben hat: Das Rat-Pack der Liga ist zum Kindergeburtstag nicht eingeladen. Und nichts anderes ist das Verhalten der vermeintlichen Liga-Spitze: kindlich-naiv und anmaßend.

    Bleibt zu hoffen, dass neben dem Karl-Heinz vielleicht auch andere Bundesligisten das Wort Solidarität noch einmal nachschlagen und verstehen, dass ein Zementieren der aktuellen Verteilung der Fernsehgelder nur einem dient, dem FC Bayern und ggf. noch Dortmund. Leipzig regelt das zukünftig bestimmt auch weiterhin über sogenannte Umwandlungen von Gesellschafterdarlehen in Kapitalrücklagen. Aber ein Aufrechterhalten des Status Quo entwertet das Produkt Bundesliga von Jahr zu Jahr mehr, was sich in den stagnierenden Abo-Zahlen des PayTV Anbieters SKY gut ablesen lässt. Und auch international hat man nunmehr seit über 20 Jahren probiert, z.B. in Asien und den USA Fuß zu fassen. Dass man im Vergleich zur englischen PL aber keine neuen Märkte erschließen kann hat einen einfachen Grund: Wer schaut sich schon gerne einen Krimi an, wenn bereits zu Film-Beginn klar ist, wer der Mörder ist?

    • Bernd sagt

      Ich denke eher, dass es darum geht, dass der Verteilungsschlüssel dafür sorgt, dass sportlich-wirtschaftliche Machtverhältnisse deutlich schwieriger aufzubrechen sind. Das gilt umso mehr für einen ambitionierten Aufsteiger, der in einigen Jahren gerne auch mal wieder am internationalen Geschäft schnuppern möchte. Die Stärkung der 2. Liga ist da wahrscheinlich eher ein Mittel, um sich eine Mehrheit für das Vorhaben zu organisieren. Man darf ja auch nicht vergessen, dass nicht jeder von den Bayern eingeladene Bundesligist automatisch auch auf deren Seite ist.

      Wenn der Streit eskaliert, besteht das größte Risiko darin, dass die DFL daran zerbrechen könnte, und die Erstligisten sich ohne die 2. Liga organisieren und die Kohle nach ihrem Gutdünken verteilen. Da müsste der DFB zwar auch mitspielen, aber wenn man sich auf den DFB als Hort von Integrität verlassen muss, dann ist man irgendwie in einer schlechten Position.

  4. Rainer Niersberger sagt

    Danke fuer den ueberaus sachlichen Beitrag, der perfekt die niederen Instinkte bedient und ohne persönliche Invektiven auskommt. Der Kommentar Rummenigge =Trump beschreibt es sehr gut. In der Sache geht es wie immer um anderes, naemlich um das abgestimmte Vorgehen. Ausser dem neuen Helden Hitzelsberger, das mit dem inflationär warum auch immer vergebenen Kreuz spricht Baende, und anderen zu kurz gekommenen waren immerhin nicht nur Bayern vertreten. Man beachte dazu das Interview mit Herrn Bobic zu diesem Treffen. Da sind einem „Bayernfan“ mal wieder die Gaeule durchgegangen. Tipp : Erst nachdenken, dann schreiben. Aber Bashing gegen bestimmte Typen triggert besser.

    • Stefan sagt

      So ganz versteh ich die Aufregung nicht. Wie der FC Bayern tickt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Hat nicht der gute U. Hoeneß schon vor zig Jahren gedroht, ein Schiri würde ’nie mehr Bundesliga pfeifen‘, nachdem dieser die Bayern (vermeintlich) benachteiligt hatte? Der ‚Kalle‘ führt also nur eine Traditionslinie fort, nach der die Bazis bestimmen (wollen), was im deutschen Fußball gehen darf – und vor allem: was nicht.

  5. Motzbackenbruddler sagt

    Das Gehabe und Gemeckere von KHR passt gut zu seinem Image und zu seinem Verein – von daher hier nichts neues: einfach nur zum Kotzen! Dass Watzkes Dortmund, der Dosenverein, die SAP-Truppe, Bayer 04 und seit neuestem auch Bobic mit der Eintracht ihm zu eifern überrascht auch nicht wirklich. Überraschend ist, dass aber Vereine wie der SC Freiburg, Köln oder auch Bremen da mitmachen! Und: An dem Treffen kannste mal wieder gut sehen, wie überheblich sich der sogenannte Profifussball über die aktuelle Situation (2. Lockdown etc.) hinwegsetzt und alles dafür tut, der Basis von der Schippe zu springen. Ganze Existenzen gehen gerade zu Grunde, da sie ihrer Existenzmöglichkeiten beraubt sind und diese arroganten A.schlöcher treffen sich zu einer Präsenzveranstaltung am Frankfurter Flughafen! Und warum: Weil ihnen die Muffe geht, dass anstatt 4,1 Milliarden nur 3,8 Milliarden rausspringen! Ja leck mich doch…

    • Clemens sagt

      Noch viel mehr hat mich die Passivität von Union Berlin gewundert, die ansonsten bislang eher dafür bekannt waren, eine eigene Linie zu verschiedenen Themen zu propagieren (z.B. eigene COVID 19 Sichherheitskonzepte für Stadion-Zuschauer), sich aber diesmal komplett bedeckt gehalten haben.

      Bremen hatte sich wenigstens im Vorfeld des Treffens kritisch über den Ausschluss einzelner Vereine geäußert.

      Tja, und zu Fredi Bobic als Lemming der Bayern fällt mir ehrlich gesagt nichts mehr ein.

    • Bernd sagt

      Zumindest bei Bremen und Köln ist offensichtlich, warum sie da mitmachen. Denen (und einigen Anderen) steht finanziell das Wasser bis zum Hals, die Hoffnung wie der BVB damals von einem Millionenkredit der Bayern gerettet zu werden, ist nunmal ein starker Anreiz.

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