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Der Mann, der sich für den VfB kaputt machte

Seit jeher gibt es immer wieder VfB-Spieler, zu denen ich mich seltsam hingezogen fühle. Jürgen Klinsmann gehörte dazu, an dem ich das Sonnyboy-hafte und Unangepasste gut fand. Natürlich Karl Allgöwer, weil er so hart schießen und sich so herrlich mit Gerhard Mayer-Vorfelder streiten konnte. Meine Vorliebe für Spieler mit langen Haaren zeigte sich in der großen Zuneigung zu Maurizio Gaudino und Frank Verlaat. Seit seinem ersten Profi-Einsatz bin ich Fan von Sami Khedira, zunächst weil alle Spieler aus der VfB-Jugend etwas Besonderes sind, aber in erster Linie weil Khedira Kriterien wie Spiel-Intelligenz, Selbstbewusstsein und Bodenständigkeit in sich vereint. In der aktuellen Saison ist es Santi Ascacibar, weil er der legitime Nachfolger von Günther Schäfer ist, der größten Grätsche aller Zeiten. Und dann ist da noch Orel Mangala, hat es etwas mit seiner Eleganz und seiner schnellen Auffassungsgabe zu tun? Ich weiss es nicht, ich freue mich jedenfalls, wenn ich ihn in der Aufstellung sehe.

In der letzten Zweitliga-Saison 2016/2017 empfand ich von Anfang an eine große Verbundenheit mit Carlos Mané. Das mag auch an seinem ersten Spiel gelegen haben, als er gegen Fürth in der zweiten und in der vierten Spielminute seine ersten Tore für den VfB schoss. By the way der schnellste Doppelpack eines Debütanten in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Natürlich war das ein vielversprechender Start für unsere Beziehung, Tore und Vorlagen sind immer gut, in 19 Spielen für den VfB gelangen dem Portugiesen sechs Treffer und neun Torvorlagen. Aber über diese nackten Zahlen hinaus war es die Spiel- und Lebensfreude, die er ausstrahlte. Wir feierten ihn hier auf dem Blog als Sultan of Swing und Sebastian schrieb, dass Mané „auch dann noch leichtfüßig wirkt, wenn er knöcheltief im Matsch versinkt“. Technisch allererste Sahne, ein Fummler war er und schnell und fröhlich, er lachte immer. Auf und neben dem Feld. Dort drehte er den Swag so richtig auf und trug Stylings, bei denen ich mich nicht einmal trauen würde, sie nachts unter der Bettdecke zu tragen.

 

 

 

 

Fotos vom Insta-Account von Carlos Mané

Sein letztes Spiel für den VfB bestritt er am 2. April 2017 gegen Dynamo Dresden. Es ist eine verrückte Partie, der VfB liegt nach 30 Minuten 0:3 zurück und es kommt zu einer der seltenen Aufholjagden des VfB. Im Verlauf des Spiels verdreht sich Mané das rechte Knie. Unter Schmerzen spielt er weiter und ist ein absoluter Aktivposten auf der rechten Angriffsseite. In der vierten Minute der Nachspielzeit quält er sich in den Strafraum, eine letzte Körpertäuschung und Ex-VfB’ler Philipp Heise lässt sich verarschen und verursacht einen Elfmeter. Simon Terodde versenkt den Strafstoß souverän zum 3:3, das Neckarstadion explodiert wie nur das Neckarstadion explodieren kann.

 

Mané erlitt einen Knorpelschaden im rechten Knie, was mittlerweile schlimmer ist als ein Kreuzbandriss. Seine Lebensfreude ließ er sich nicht nehmen. Es erinnert sich wohl jeder, wie er fröhlich lachend, auf Krücken gestützt, die Bühne bei der Meisterfeier enterte und vom Publikum gefeiert wurde. Die Verletzung war der Anfang eine langen Leidenszeit, es folgte ein Sehnenriss im Oberschenkel, der operiert werden musste, die Rückkehr zu seinem Stammverein Sporting Lissabon und eine unglückliche Leihe an Union Berlin. Seit Anfang dieser Saison spielt er beim portugiesischen Erstligisten FC Rio Ave, derzeit Tabellensiebter. In neun von zehn Spielen stand er auf dem Feld, wurde vier Mal aus- und einmal eingewechselt.

Am Sonntag ab 13.30 Uhr werde ich an Carlos Mané denken. An einen VfB-Spieler, der seine Gesundheit in der Begegnung gegen Dresden aufs Spiel setzte, damit der VfB in die erste Bundesliga zurückkehrt. Ich vermisse seine federleichten Dribblings, auch wenn er bei seinen Alleingängen mal am Gegner hängen blieb. Er tanzte mit dem Ball, er streichelte ihn, er schlug Haken und er konnte tarnen und täuschen. Mit ihm verband ich auch die Hoffnung auf einen neuen, modernen VfB. Aber am meisten vermisse ich Carlos Manés Lachen.

Wer wissen möchte, woher meine Vorliebe für langhaarige VfB-Spieler kommt, dem sei unser „Vertikalbuch“ empfohlen!

Die Fußballfibel ist kürzlich erschienen und erzählt die Geschichte des VfB Stuttgart anhand des 19. Mai 2007. Alle Infos zum „Vertikalbuch“ findet ihr auch hier.

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2 Kommentare

  1. Pierre Leschek sagt

    Kann ich nachvollziehen ich habe eine Liebe für technisch versierte Spieler wie Didier Six einer war ,Oder Nico Gonzales einer ist also Leute die Technisch jemanden Knoten in die Beine Spielen können ,und ich freue mich jedesmal Diebisch wenn ich solche Spieler auf dem Platz sehe

  2. Bacardihardy sagt

    Mane war klasse und einer meiner absoluten Lieblinge. Tanguy Coulibaly ist auch so einer. Dem müsste der Tim Walter mehr Vertrauen schenken. Insbesondere bei Heimspielen. Aber leider kommt er selten zum Zuge.

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