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Die richtige Reaktion!

Nach der 2:6-Klatsche im Liga-Spiel waren wir alle gespannt, wie der VfB im „Rückspiel“ im Pokal auftreten würde. Und der VfB hat geliefert: griffiger, bissiger und mit deutlich weniger Fehlern als drei Tage zuvor. Wobei natürlich auch der verwandelte Elfmeter von Nicolas Gonzalez in der 2. Minute ein dankbarer Spielbeginn ist. Dass die Mannschaft nach dem 1:1 nicht unsicher wird: Respekt. Dass das Team im Verlauf des Spiels immer souveräner wird und dem HSV kaum Möglichkeiten gibt: hätten wohl die wenigsten so erwartet.

„Ich glaube, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, weil die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, sehr gut ist.“

Wirkte diese Aussage von Tim Walter nach dem 2:6 noch irrwitzig, so ist in der zweiten Runde des DFB-Pokals zu erahnen, welcher Fußball ihm vorschwebt. Alleine, dass in der 113. Minute in der Umschaltsituation vor dem 1:2 sechs VfB-Spieler im Strafraum auftauchen, dokumentiert den von ihm immer wieder geforderten Mut zur Offensive. Wobei im Aufbauspiel immer wieder der lange Ball eingestreut wird, gleichzeitig kommt in das bisher selbstverliebte Passspiel mehr Zug und Vertikalität.

Auch personell bietet die Partie einige Erkenntnisse an:
Obwohl Gonzalo Castro weder Antritt noch Endgeschwindigkeit hat, könnte er kurzfristig eine Lösung als Linksverteidiger sein: mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis kann er diese Position immerhin solide spielen. Wobei ich vor seinem Zweikampfverhalten im eigenen Strafraum Angst habe. Wie viele Elfmeter gingen letzte Saison auf sein Konto?

Ata Karazor mit einem deutlich stabileren Spiel als zuletzt, dazu mit der Vorlage auf Hamadi Al Ghaddioui zum entscheidenden Tor. Diese Leistung sollte ihm Sicherheit geben.

Apropos: Ein Rätsel ist immer noch Philipp Klement. Der beste Mittelfeldspieler der zweiten Liga der Saison 2018/2019 wirkt fast schüchtern auf dem Feld, ihm fehlt das Zutrauen in das eigene Leistungsvermögen.

Und dann ist da noch Hamadi (Pok)Al Ghaddioui: Sofort zur Stelle nach seiner Einwechslung, jetzt zweifacher Torschütze der insgesamt drei VfB-Treffer im Pokalwettbewerb 2019/2020. Nicht wenige waren skeptisch bei seiner Verpflichtung, fragten hochmütig, was der VfB mit einem Spieler von Regensburg will. Al Ghaddioui lächelt dazu nur. Er ist nicht der spielstärkste Akteur im VfB-Kader, aber er ist da, wenn man ihn braucht. Sein entscheidender Treffer war jetzt auch nicht so trivial in der Ausführung.

Hat dieser Pokalsieg die beginnende Herbstkrise und aufkommende Diskussionen um Tim Walter beendet? Vermutlich erst, wenn der VfB den guten Auftritt im Pokal am Sonntag mit einem Heimsieg gegen Dresden, sorry: veredelt.

(Foto by Boris Streubel/Bongarts/Getty Images)

Unseren bewegten Rückblick auf den Sieg in Hamburg findet Ihr wie immer im VertikalGIF.

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6 Kommentare

  1. Renntiger sagt

    Castro für mich die Entdeckung auf der LV Position – hatte nie Angst wenn er in engen Situationen angespielt wurde. Eher clever als plump in der Zweikampfführung. Und langsamer als Insua ist er auch nicht

  2. Tobias Mehrer sagt

    Das war gestern wirklich gut. Sehr stabil und wesentlich variabler – auch mal mit langen Bällen.

  3. Clemens sagt

    Und es waren am Ende die älteren Herren, an denen sich die Youngster orientieren konnten bzw. die am Ende den Unterschied ausgemacht haben. Badstuber, Al Ghaddioui und Castro. Und bei allen Vermutungen, Walter habe alles auf links gekrempelt, so war das frühe Pressing dennoch bekannter Walter-Style. Und selbst Hecking analysierte später, dass seine Mannschaft damit nicht klar gekommen sei. Es sind manchmal also nur kleine Dinge zu ändern, ohne immer gleich das große Ganze in Frage zu stellen.

  4. Pingback: Geht's wieder?

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