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Wo warst Du als das Santiagoal fiel?

Ja, er kann dumme Grätschen im eigenen Strafraum auspacken und, nein, er kann niemanden auf einem Bierdeckel ausspielen. Aber Santiago Ascacibar hat Herz. Viel Herz. Mehr Herz als eigentlich in seinen 1,68 Meter großen Körper passen können. Das Herz, für seine Mannschaft und für den VfB alles zu geben. Aber Ascacibar ist nicht nur der emotionale Mittelpunkt des VfB. Er läuft Lücken zu, er hilft seinen Mitspielern, ihm gelingen feine Taschenspielertricks bei Ballgewinnen und aufsehenerregende Rettungstaten. Und sein glückliches Gesicht, sein Honigkuchenpferdstrahlen nach seinem ersten Pflichtspieltor für den VfB Stuttgart war definitiv das Highlight des 3:1 gegen Dynamo Dresden.

Es gab viele Höhepunkte: das Pressing, das schöne und flüssige Spiel des VfB in der Anfangsphase, Gonzalo Castro, der auf seiner ungeliebte Linksverteidiger-Position lieferte, die Kombination vor dem 2:0 mit der chirurgisch präzisen Hereingabe von Orel Mangala. Ein Pfosten- und ein Lattenschuss. Zwei nicht anerkannte Treffer von Santi Ascasibar (ein Doppelpack wäre der Hammer gewesen) und Nicolas Gonzalez. Die unzähligen Chancen von Philipp Förster. Das entscheidende Tor von Silas, 22 Sekunden nach seiner Einwechslung.

Gehören Rettungstaten des eigenen Torhüters auch in die Kategorie „Höhepunkte“? Definitiv. Entscheidend für die drei Punkte gegen Dresden war die Leistung von Gregor Kobel. Beim Stand von 2:1 behielt er zweimal im 1:1 gegen Luka Stor die Nerven. Kobel hat sich zu einem Fixpunkt und einer stabilisierenden Größe beim VfB entwickelt. Jederzeit anspielbar im Aufbauspiel des VfB, ist er oft der Ausgangspunkt für das Offensivspiel des VfB und für seine Mitspieler eine gerne genutzte Option, wenn sie im Spiel nach vorne keine Anspielstation finden (auch wenn dies einige Zuschauer nicht verstehen). Das Tagesgeschäft, ein paar Bälle zu halten und Tore zu verhindern, beherrscht er so selbstverständlich wie die S-Bahnen im Stuttgarter Nahverkehr Verspätung haben.

So schön der Sieg gegen Dynamo Dresden ist, womit der VfB zwei Punkte auf den Hamburger SV aufgeholt hat, die fehlende Lernkurve beim Ausnutzen von hochkarätigen Torchancen lässt Skepsis aufkommen. Das Spiel hätte viel früher entschieden werden müssen, wenn der VfB vor dem Tor mehr Konsequenz gezeigt hätte. Dass das Walter-Team durch einen Spannungsabfall den Tabellenletzten wieder zurück kommen ließ, ist unerklärlich. Wann schafft es der VfB, eine komplette Partie seine spielerische und personelle Überlegenheit durchzuziehen?

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(Foto: imago images / Pressefoto Baumann)

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4 Kommentare

  1. Chancen nutzen hat wenig mit Lernkurve zu tun. Die fußballerischen Fähigkeiten die Chancen zu nutzen haben die alle. Deshalb hilft es auch nicht wirklich Torabschlüsse zu trainieren. Das ist allein eine Frage der Mentalität und des Selbstsicherheit und letztere leidet mit jeder vergebenen Chance. Zu lernen gibts da nichts. Es kommt nur über Erfolgserlebnisse zurück.

  2. Bernd sagt

    Der unerklärliche Spannungsabfall ist aber zumindest zum Teil einer wiedermal extrem fragwürdigen VAR-Entscheidung geschuldet. Dass die Abseitsstellung von Kone vor dem Elfmeter laut SSNHD gar nicht geprüft wurde, reiht sich ein in die vielen skandalösen Entscheidungen gegen uns, die in Summe schon länger nicht mehr nur mit Unvermögen zu erklären sind.

    Ja, ich weiß dass das Schiedsrichterwesen beim DFB ziemlich korrupt ist. Aber es nervt trotzdem, das Woche für Woche immer wieder direkt vor Augen geführt zu bekommen.

  3. Pingback: Alles wieder beim Alten?

  4. Richard sagt

    (rk) Einen Heimsieg konnte unsere Mannschaft mit dem Brustring gegen Dynamo Dresden feiern. Ein verdienter Sieg, welcher jedoch trotzdem viele Fragen aufwirft und Anlass zur Kritik gibt. Um mehr Stabilität im Spiel, so wie im Pokal in Hamburg, vorzufinden, begann unsere Elf mit nur einem nominellen Stürmer und wies in der Grundordnung, entgegen der bisherigen Ligaspiele, ein 4-3-2-1 und je nach Situation ein 4-3-3 auf und verzichtete somit auf die bisherige Mittelfeldraute. Der VfB begann sehr stark, konnte frühzeitig das 1:0 erzielen und war, Dank eines sehr guten Laufspiels sowie Passspiels, welches wiederum große Räume und zahlreiche Anspielstationen zur Folge hatte, jederzeit Herr der Lage. Gutes Zweikampfverhalten trug weiteres hierzu bei. Einziges Manko in dieser Phase war das fehlende 2:0, welches womöglich frühzeitig eine Entscheidung erbracht hätte. Womöglich. Auffällig war für mich in dieser Phase die fehlende Spritzigkeit der beiden offensiven Mittelfeldspieler, die dadurch gute Ansätze von Torchancen verhinderte. Ab Spielminute 20. kehrte dann der VfB-typische Schlendrian ein. Fehlende Ideen gegen einen tiefstehenden Gegner, dem bis dahin entweder die Möglichkeiten oder auch das Interesse fehlte am Spiel teilzunehmen, waren auch am Sonntag wieder sichtbar. Die Klarheit die bis dahin unser Spiel prägte, war leider wieder verschwunden. Ich hoffe nicht, dass dies aufkommender Überheblichkeit geschuldet war. Gerade als sich bei mir die Bedenken, dass Dresden trotz allem zu einem unerwarteten Tor kommen kann, erzielte Santi Ascacibar das eminent wichtige 2:0, was einer Mannschaft, die zu den Topfavoriten der 2.Liga gegen einen Abstiegskandidaten eigentlich Sicherheit geben sollte, geben müsste. Eigentlich. Kurz nach der Halbzeitpause kam Dresden durch einen berechtigten Elfmeter zum Anschlusstreffer. Wie über das ganze Spiel hinweg zu verzeichnen, entstanden Möglichkeiten der Gäste ausschließlich durch haarsträubende, leichtfertigte Fehler Seitens des VfB. Hier tat sich am Sonntag im besonderen wieder Atakan Karazor hervor. Der vor der Saison hoch angepriesene Fußballstratege konnte auch gegen Dresden zu keiner Zeit seiner Rolle gerecht werden. Zahlreich verlorene Zweikämpfe und leichtfertige Ballverluste zeichneten sein Spiel, welches in meinen Augen auch jegliche positive Emotionen, Risiko und Strategie vermissen lässt. Anti-Leidenschaftsfußball und Alibi-Arbeit wird so etwas häufiger mal genannt. Somit konnte er unserem Spiel auch nicht die erforderliche Ruhe verleihen, welcher es aufgrund der nachlassenden Präzision beim Passspiel, den einkehrenden falschen Laufwegen dringend gebraucht hätte. Das Anfangs sich im Spiel befindliche Tempo kam auch am Sonntag u.a. wiederum durch zu langem eigenen Ballbesitz, zu vielen Ballkontakten abhanden. Im folgenden Spielverlauf kamen wir, da Dresden die Chance witterte zum Ausgleich (der nur durch eine starke Parade von Kobel nicht eintraf!) kommen zu können und uns dadurch mehr Räume anbot, zu einer Vielzahl von Torchancen. Diese wurden jedoch teilweise kläglichst (2x Förster, Klement, Al Ghaddioui) vergeben, nein komplett „unmotiviert verdattelt“. Mensch Jungs, wo bleibt in solchen Szenen die Gier, der Wille die Bude zu machen?! Das kann doch echt nicht sein! Durch diese fehlende Kaltschnäuzigkeit blieb Dynamo weiter im Spiel und kam in der 77. und 78. Minute zu zwei hochkarätigen Möglichkeiten, bei welchen unser Defensivverhalten der Struktur eines Hühnerhaufens gleichkam. Auffällig war für mich in vielen Szenen, die sich fast über das gesamte Spiel hinweg verteilten, die sichtbare Unordnung der Abwehr-Viererkette. Hier agierten die Protagonisten oftmals nicht auf einer Linie, was aber nicht damit zu erklären ist, dass die beiden Außenverteidiger etwas höher standen, sondern es zu einer wahllosen Positionierung kam, was in meinen Augen auf eine fehlende Abstimmung zurück zu führen ist. Gehen wir mal davon aus, dass dies lediglich der Fall war, da diese Formation so noch kein Spiel zusammen bestritt. Insbesondere Marc Oliver Kempf war anzumerken, dass ihm an seiner Seite Holger Badstuber, dem derzeit wirklichen Abwehrchef, fehlte. Obwohl, trotz des verursachten Elfmeters, dem ein amateurhafter „Stockfehler von Kempf vorausging, Nathaniel Phillips für mich ein sehr gutes, souveränes Spiel ablieferte, welches bei mir umgehend die Frage aufwarf, warum er nicht im Ligaspiel in Hamburg gespielt hätte. Herr Walter, können Sie mir diese Frage bitte beantworten? Neben dem britischen Innenverteidiger war für mich Gonzalo Castro unser bester Akteur. Silas Wamangituka machte dann kurz nach dem er ins Spiel kam mit dem 3:1 endlich „den Deckel drauf“ und verschaffte uns final einen hochverdienten Heimsieg. Mit der Einwechslung des Torschützen zeigte sich, dass es von großem Vorteil ist, im Gegensatz zu den gegnerischen Mannschaften, eine qualitativ gut besetzte Auswechselbank zu besitzen. Letztlich zählen, Phrasenschwein öffne Dich, nur die 3 eingefahrenen Punkte. Aber sollte eine Mannschaft wie der VfB nicht im Stande sein, den Abstiegsaspiranten aus Dresden nach einer 2:0 Halbzeitführung deutlich und souverän mit 4:0 auf den Heimweg zu schicken? Vielleicht steckt jedoch ein Teil der Liebe zu unserer Mannschaft darin, dass wir immer mitfiebern dürfen und oftmals bis zum Schluss für unser Eintrittsgeld etwas geboten bekommen. Oftmals. Oftmals aber leider auch nicht. Für die beiden anstehenden Spiele in Osnabrück und daheim gegen Karlsruhe wird die Mannschaft in jedem Fall neben einem klaren Plan auch enorme Leidenschaft an den Tag legen, besser gesagt auf den Rasen bringen müssen. Beide Spiele werden definitiv nur über Moral zu gewinnen sein. Ich möchte es auch heute nicht versäumen und nochmals darauf verweisen, dass, unabhängig welches System im Fußball heutzutage gespielt wird bzw. versucht wird zu spielen, zwei Dinge darin immer von absoluter Notwendigkeit sind, nämlich Leidenschaft, der die richtige Einstellung voraus geht, sowie das erfolgreiche Verwerten vorhandener Torchancen. #aufgehtsvfb

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