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Der #VfB setzt auf Kontinuität

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Eins muss man dem VfB lassen: Die wollten Kontinuität und schon am zweiten Spieltag haben sie Kontinuität! Das Niveau der letzten Saison wurde souverän beibehalten, die ideenlose Spielweise nicht geändert, die Ergebnisse bleiben kontinuierlich schlecht.    

Die Fakten
Saisonübergreifend ist der VfB seit fünf Spielen ohne Sieg. Einen Rückstand in einen Sieg gewandelt hat der VfB zuletzt 1992 (aus 0:2 wurde ein 3:2 gegen Kön). Nein, so lange ist es noch nicht her. Am 07.12.2013 wurde gegen Hannover ein 2:1 Rückstand in einen 4:2-Sieg gedreht. Aber der Eindruck ist: Der VfB ist kein Comebacker, kommt selten ins Spiel zurück. Wenn die Roten mal zurückliegen, kann man eigentlich nach Hause gehen. Ich habe es mir aber bis zum Schluss angeschaut. Leider.

Was fiel auf?
Die Ratlosigkeit Armin Vehs. Gerade ist das 0:2 durch Ujah gefallen, Veh ist fassungslos. Setzt sich neben die Trainerbank auf eine Werbebande. Verschränkt die Arme vor der Brust. Schaut auf den Boden. Schüttelt den Kopf. Wischt sich den Schweiß von der Stirn. Richtet den Hemdkragen. Leerer Blick zur Ersatzbank. In den Minuten zwischen der 33. und 36. Minute ist Veh sichtlich angeschlagen. Verzweifelt. Da ertönt das Hupen, dass einen neuen Zwischenstand in einem der anderen Stadien ankündigt. Veh hebt den Kopf zur Anzeigetafel, das 0:1 der Paderborner gegen den HSV wird gemeldet. Veh erwacht aus seiner Lethargie, fängt an, ins Spielfeld hineinzurufen, zu gestikulieren. Wahrscheinlich denkt er, „Woanders is‘ auch Scheiße!“*

Was läßt zweifeln?
Leverkusen hat in zwei Monaten seinen vorsichtigen Fussball auf den Kopf gestellt. Es funktioniert noch nicht alles, aber Spiel-Stil und -Idee sind unverkennbar. Armin Veh betreut die Mannschaft nun knapp acht Wochen, ohne dass ein Spielsystem zu sehen wäre. Schon seit 2008 (der Veh-Entlassung) steht die Frage im Raum, ob der VfB eine Trainermannschaft ist. Also ein Team, dass von einem Trainer geführt und entwickelt werden kann. Oder ob es eine Euphorie- bzw. Mentalitätsmannschaft ist. Also ein Team, das sich von Stimmungen in der Gruppe und im Verein leiten läßt. Dass die Stimmung im Verein nicht die beste ist, ist kein Geheimnis.

Oder ist es die Qualität der Mannschaft? Trotz sieben Nationalspielern ist die Mannschaft „ein gruppendynamisches Trümmerfeld, übersät von nie aufgearbeiteten Erwartungen und Enttäuschungen“, wie die Stuttgarter Nachrichten in einem sehr lesenswerten  Kommentar schreiben, der auch spitzzüngig nach dem Leistungsmilieu im Verein und möglichen Komfortzonen im Management fragt.

Was macht Hoffnung?
Timo Werner und Filip Kostic. Ja, wir Stuttgarter lieben Werner, weil er einer von uns ist. Aber das ist es gegen Köln nicht (nur). Werner bringt etwas Ungestümes und Unberechenbares ins Spiel, er hat keine Beamtenmentalität wie seine Kollegen, er sucht Lücken und Risiko, auch wenn er meist Unverständnis bei seinen Kollegen findet. Dass ihm vieles mißlingt, dass er auch den Ball verliert, sei ihm verziehen. Werner ist angstfrei und kann andere durch sein Spiel mitreißen.

Kostic ist nicht so brav wie alle anderen Stuttgarter, er ist aggressiv und bekommt gleich eine Gelbe nach einem Gerangel. Aber seine Geschwindigkeit und seine Robustheit im Zweikampf sind augenfällig im Vergleich zu Martin Harnik, der einmal mehr lustlos und behäbig wirkt.

Auch die Umstellung nach rund 60 Minuten mit Werner in der Spitze neben Ibisevic kann eine Option für die künftigen Heimspiele sein.

Was muss sich ändern?
Die Pressingresistenz, das Umschaltspiel und damit die Geschwindigkeit. Bis nach der Balleroberung die Gedanken der VfB-Spieler sortiert sind, stehen alle Kölner längst geordnet. Werden die VfB’ler angelaufen, fehlen Selbstvertrauen und Handlungsschnelligkeit und es bleibt nur der Pass quer oder nach hinten.

Auffällig bei Ballbesitz, dass Maxim, Harnik, Didavi und Ibisevic viel zu weit und viel zu früh auf ihren Positionen stehen (ja: stehen!), die Folge ist ein Loch im Mittelfeld, so dass Schwaab, Rüdiger und Romeu meist nur der lange Ball bleibt, da Gentner zwar viel läuft, aber dabei nicht anspielbar ist.

Der „Kvist des Tages“ geht an …
… Antonio Rüdiger, ganz knapp vor Daniel Schwaab. Als „klassischer Kvist“ werden in Stuttgart Fehler bezeichnet, die unmittelbar zu Toren führen; benannt nach dem ehemaligen Schlüsselspieler Wiliam Kvist, der sich durch zu viele entscheidende Fehler aus der Manschaft „gekvistet“ hat. Rüdiger gewinnt den „Kvist“ durch seinen Kopfballquerschläger, der zum 0:2 führt. Schwaab, Verursacher des 0:1 mit einer verunglückten Grätsche, bleibt nur der zweite Platz.

Was hätte Nick Hornby dazu gesagt?
Naja, eigentlich muß man sich fragen, warum überhaupt irgendein Mensch ins Stadion gegangen ist.

* Ein Roman von Tim Sohr, erschienen bei Droemer Knaur

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