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Football’s coming home

Sohn (6, blickt aufs Spielfeld): „Ist ein Tor gefallen?“
Ich: „Ja.“
Sohn: „Für wen?“
Die Dame neben uns: „Hat er das gerade wirklich gefragt?“

Zugegeben: Wenn man seine Augen nur ca. 50 Zentimeter über Rasenlevel hat, ist es echt nicht leicht, den Überblick zu bewahren. Auch ich hatte nicht genau sehen können, wer da ca. 130 Meter entfernt offensichtlich die Führung für den VfB Stuttgart im Testspiel gegen Real Sociedad San Sebastian erzielt hatte. Aber da wir nur 20 Meter hinter dem Tor von Ron-Robert Zieler saßen, schlussfolgerte ich messerscharf, dass es ein VfB-Treffer gewesen sein musste. Als ich später in der Halbzeitpause eine Runde drehte und hinter dem Tor in der Strümpfelbacher Kurve Freunde traf, erfuhr ich auch, dass es wohl Chadrac Akolo war, der das Tor erzielt hatte. Ein sehenswertes dazu. Erzählte man mir jedenfalls.

Von diesen kleineren Imponderabilien mal abgesehen, muss ich sagen: So schön kann Fußball sein! 5 Minuten Anreise mit dem Rad. Keine Schlange am Einlass. Getränkepreise, die einen nicht an den finanziellen Abgrund bringen, und eine Rote, die auch schmeckt wie eine. Davon mal abgesehen, dass die Einnahmen der SG Weinstadt zugute kamen und keinem raffgierigen Cateringkonzern, der den Liter Wasser bei 35° Grad für über acht Euro an Familien verkauft. Sorry, aber darüber bin ich immer noch nicht hinweg.

Dass das finaleTestspiel des VfB Stuttgart ausgerechnet im „Stadion“ in Weinstadt-Benzach stattfand, ist schon etwas verwunderlich. Denn von einem Härtetest kann man eigentlich nicht sprechen. Es war mehr ein Festival der guten Laune. Gute Stimmung auf den Rängen, gute Stimmung auf dem Feld. Nur Holger Badstuber sah nicht so aus, als hätte er gute Laune. Alles wie immer also. Auf Zweikämpfe wurde weitgehend verzichtet und auf gefährliche Aktionen vor den Toren auch. Dass Emiliano Insua und der wieder mal auffällige Gonzalez trotzdem gelbe Karten kassierten, kann ich mir im Nachgang auch nicht mehr erklären. Erwähnenswert ist das eher Comeback von Santi Ascacibar, der am Samstag erstmals in der Vorbereitung zu Testspiel-Minuten kam. Im Gegensatz zu Benjamin Pavard, der zwar wollte, aber nicht durfte. 

In der zweiten Hälfte standen wir hinter dem Tor von San Sebastians Schlussmann Rulli. Mehr als zwei Schüsse von Gonzalez und Didavi, die gar nicht mal so knapp über das Tor strichen, gab es aber auch dort nicht zu sehen. Kein Wunder, dass mich meine Frau immer häufiger fragte, wie lange denn noch zu spielen ist. „Das ist echt langweilig“ sagte sie. So ganz Unrecht hatte sie nicht.

Das merkte auch die leider schwer zu verstehende Stadionsprecherin. Gegenmaßnahme: La Ola! Doch die Welle zerschellte leider nach kurzer Zeit am mobilen Merchandising-Shop des VfB in der Lücke zwischen der Haupttribüne und der Beutelsbacher Kurve. Dort, wo man nach Schlusspfiff VfB-Pumaletten für 19,95 und Mini-Fritzles für 39,95 Euro kaufen konnte.

Ob dieses Spiel wirklich Erkenntnisse für den Saisonauftakt am nächsten Samstag geliefert hat? Eher nicht. Dazu war alles zu brav, zu langsam, zu friedlich. Das Spiel in Rostock dürfte genau das Gegenteil werden. Im ausverkauften und zugigen Ostseestadion wird der VfB Stuttgart garantiert nicht so freundlich empfangen wie im Remstal. Dort wird es dann ordentlich zur Sache gehen. Wie das aussehen wird, wissen wir ja noch aus der letzten Saison, als es in der ersten Pokalrunde nach Cottbus ging. Nach o:2 Pausenrückstand konnte sich der VfB vor einem Jahr erst im Elfmeterschießen durchsetzen.

Statt echter Generalprobe gab es nach Abpfiff aber Selfies mit Holger Badstuber(!) vorm Dixie-Klo. Sogar der Präsident erfüllte fleißig die Autogrammwünsche.

Was für ein Tag!

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