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Die Generationenfrage beim VfB Stuttgart

Im lesenswerten Interview in der August-Ausgabe von „Socrates“ mit VfB-Sportvorstand Michael Reschke sagt dieser sinngemäß, dass man nur mit Jungen die Liga letzte Saison nicht gehalten hätte. Und das führt er als Argument an, warum er letztes Jahr Dennis Aogo und Andi Beck verpflichtete. Aber war es nicht in der vergangenen Saison nicht so, dass der VfB auch ohne diese beiden über viel Erfahrung verfügte? Mit Spielern wie Zieler, Badstuber, Gentner, Terodde, Ginczek und Insua?

Das Konzept „Erfahrung“ verfolgt Reschke jedenfalls auch in der aktuellen Saison, und holte neben entwicklungsfähigen Top-Talenten wie Maffeo und Sosa mit Gonzalo Castro und Daniel Didavi weitere gestandene Bundesligaprofis mit besten Stammplatzperspektiven zum VfB. Die Frage ist nur: Wird damit die Tür für den Nachwuchs zugeschlagen? Denn aktuell scheint es so, dass viele junge, hochveranlagte Spieler erst einmal auf der Bank und der Tribüne sitzen werden.

Gesetzt scheinen Zieler, Badstuber, Insua, Castro, Didavi, Gomez und Gentner, eine Oldie-Truppe mit einem respektablen Altersdurchschnitt von 30,28 Jahren. Dazu mit Baumgartl oder Pavard zwar ein junger Spieler, der aber schon über reichlich Erfahrung verfügt. Um die verbliebenen drei Plätze kämpfen Pablo Maffeo, Santi Ascacibar (wegen Trainingsrückstands), Erik Thommy, Chadrac Akolo, Tassos Donis und Nic Gonzalez, wobei Thommy und Neuzugang Maffeo im Moment die besten Karten haben. Allerdings ist es nicht auszuschließen, dass mit Andi Beck noch ein weiterer Oldtimer ins Team drängt. Wie groß die Konkurrenz ist, zeigt sich daran, dass ein bundesligaerprobtes Innenverteidiger-Talent wie Marc-Oliver Kempf womöglich auf der Tribüne Platz nehmen muss.

Mit Orel Mangala hat jetzt ein hochveranlagter Sechser den VfB leihweise in Richtung HSV verlassen und dokumentiert damit einen Trend: Beim einstigen Verein der jungen Wilden wird derzeit Routine bevorzugt. Der junge Belgier hätte sich hinter Castro, Aogo und Gentner anstellen müssen. Hannes Wolf setzte während seiner Amtszeit stark auf die Talente und selbst Armin Veh sagte einmal, wenn er zwei in etwa gleichwertige Spieler habe, würde immer der jüngere spielen. Bei Tayfun Korkut – und auch Reschke – scheint das anders zu sein. „Erfahrung first“ ist deren Motto. Und ganz ehrlich: Solange der Erfolg da ist, ist dagegen nichts einzuwenden.

Langfristige Risiken und Nebenwirkungen sind dann allerdings, dass talentierte Spieler wie Akolo oder Donis (über deren Abgang es bereits erste Gerüchte gibt) womöglich nicht mehr länger warten wollen, bis Gomez oder Gentner in Rente gehen, sondern lieber woanders ihr Glück versuchen wollen. Damit würde der VfB Stuttgart seine Zukunft riskieren. Es wird also darauf ankommen, dass Korkut die richtige Mischung aus jung und alt findet. Eine Balance, die einerseits einen kurzfristigen Erfolg möglich macht, andererseits aber auch die Zukunft im Blick hat. Entscheidend ist, junge Spieler zu entwickeln, damit sie in zwei Jahren eventuell eine wichtige Rolle in der Mannschaft spielen, wenn Aogo, Gentner oder Beck nicht mehr beim VfB sind. Oder dass sie bei entsprechend guter Entwicklung angemessen transferiert werden können, siehe Beispiel Pavard. Die Frage ist nur: Wie sollen sie besser werden, wenn sie nicht spielen?

Nicht mehr lange und wir werden sehen, ob der VfB in der kommenden Saison „jung und wild“ durch die Liga stürmt oder ob Reschkes Rentner-Gang die Liga aufmischt. Oder findet Tayfun Korkut gar den goldenen Mittelweg, den er in der vergangenen Rückrunde nicht mal gesucht hat?

Wir sind gespannt!

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7 Kommentare

    • @buzze sagt

      Du meinst Altersteilzeit? ;-) Klingt gut. Aber man wird abwarten müssen, ob Korkut auch Rotation kann.

  1. Cosmick sagt

    Der Kader ist ja sicher auch mit Hinblick auf die Saison 2019/20 zusammengestellt worden und für diese, peilen die Verantwortlichen sicher die EL an- auch wenn sie sich verständlicherweise hüten, dies so auszusprechen. Aber wenn der Fall eintritt, dass wir international Spielen, dann wirst Du automatisch rotieren müssen und die jetzigen Sorgen lösen sich in Luft auf :-) Meine Theorie…

    • @abiszet sagt

      Den Kader schon für eine internationale Teilnahme in der übernächsten Saison zusammen stellen – das wäre mal vorausschauende Planung. Eine Theorie, die man dem VfB so überhaupt nicht zutraut ;-) Aber wer weiss, Reschkes Entscheidungen waren bisher alle richtig.

  2. Necip sagt

    teile die meinung nicht. es wird hier kein wort über mögliche verletzungen gesagt. die letzten sieben acht monate waren mit sicherheit ein glücksfall was verletzungen angeht, auch dank korkuts individuellen trainingseinheiten. das wird aber nicht dauerhaft so sein, dann ergibt sich rotation zwangsläufig. denke wenn die alten 40 punkte geholt haben werden die jungen mehr ins spiel kommen und dürfen sich dann intensiv auf 2019-20 vorbereiten dann hoffentlich mit EL/CL beteiligung.

    • @abiszet sagt

      Völlig richtig, Necip: Wenn es zu Verletzungen kommt, sieht die Mannschaft automatisch anders aus. Das ist eine Sache, die selbstverständlich ist (ebenso bei Spielsperren). Wenn man die Aufstellungen von Korkut aus der Vergangenheit ansieht, dann nimmt er auch nur genau aus dem Grund Änderungen vor (siehe Spiel gegen Bayern München). Auch letzte Saison, als der Klassenerhalt feststand, blieb er bei seiner Stammelf. So gesehen scheint es unwahrscheinlich, dass er die Jungen „reinwirft“. Aber: Nicht alles muss so kommen wie letzte Saison, das gilt für das (Spiel)Glück wie auch für die Aufstellungen.

      • Necip sagt

        letzte saison hatte er, ohne es öffentlich zu machen, nach dem sicheren klassenerhalt die EL sehr klar im fokus und hat es auch denkbar knapp verpasst, da wäre jede rotation riskant gewesen und der kader hatte bei weitem nicht das potential, das sich jetzt andeutet. denke wir werden eine menge interessante konstellationen der zwanzig feldspieler erleben, es wird eine sehr schöne saison für den vfb. ick freu mir.

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