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Gregor Kobel: Der Shouter

Das einzig Gute an den Geisterspielen ist: Wir können jeden Spieltag dabei zuhören, wie Gregor Kobel Impulsvorträge zum Thema „Motivation“ im Strafraum hält. Er lobt, er muntert auf, er feuert seine Kollegen an. Nebenher hält er auch noch den einen oder anderen Ball.

Aber nicht nur mit seinem lauten Organ und seinen Motivationssprüchen, sondern durch seine fast schon beängstigende Präsenz gibt er dem Team Sicherheit und Orientierung. Mir übrigens auch. Bei vielen Keepern in der Vergangenheit hatte ich Angst, wenn eine Flanke in den Strafraum fliegt. Bei Kobel mache ich mir ein Bier auf. Der Schweizer ist das Alpha-Männchen im Tor des VfB, ohne dabei so lächerlich zu wirken wie einst Oliver Kahn.

Nach dem Spiel gegen Schalke 04 schrieben wir: „Dann in der 82. Minute eine Parade wie ein Kunstwerk. Der eingewechselte Allessandro Schöpf mit einem fein gezirkelten Fernschuss: Kobel fliegt, er steht in der Luft, aus seiner Körperspannung lässt sich der Strom für ein Einfamilienhaus speisen, mit der rechten Hand lenkt er den Ball ans Lattenkreuz.“ Timo Hildebrand hatte zu Beginn seiner Karriere Probleme bei Freistößen und Flanken, Sven Ulreich fehlte nicht nur die Präsenz Kobels, Ron-Robert Zieler und Mitch Langerak waren immer für einen kapitalen Bock gut, über Pommes Tyton und Raphael Schäfer wollen wir lieber schweigen. Beim VfB haben Torwartdiskussionen Tradition und sie sind bei Kobel verstummt.

Denn Kobel ist ein fast kompletter Keeper: Strafraumbeherrschung, 1:1-Situationen, Spielaufbau und meist zuverlässige Anspielstation, Reflexe und gutes Timing auf der Linie, alles top, von einer kleinen Schwäche unten links (von ihm aus gesehen) abgesehen. So mancher Zuschauer wurde allerdings schon kurzatmig, wenn sich Kobel an Tricks und Dribblings im eigenen Strafraum versuchte. Die eine oder andere gefährliche Situation konnte er nicht vermeiden, hier hat Kobel noch Entwicklungsmöglichkeiten. Trainer Pellegrino Matarazzo nennt ihn „unser Monster im Tor“ und das ist nicht übertrieben, denn in dieser Saison hat Kobel schon einige Monster-Saves gezeigt und den einen oder anderen unhaltbaren Ball entschärft. Nicht nur deshalb ist er in der Mannschaft hoch angesehen und wäre in der nächsten Saison auch aufgrund seiner Führungsqualitäten ein Kandidat für das Kapitänsamt. Ob der VfB seine Nummer eins halten kann? In der Halbzeitpause des Bielefeld-Spiels gab Sven Mislintat die Chancen mit 50:50 an, nach der Partie sagte Kobel, natürlich sei Dortmund ein Thema und er hört sich das jetzt an.

Danke auch an Fabian Bredlow für die Klasse-Leistung gegen Augsburg und an Jens Grahl, den VfB-Ultra in der Kabine.

Weitere Dankes-Texte findet ihr hier:

Pellegrino Matarazzo: Der Pate

Waldemar Anton: Auf Boss Level

Wataru Endo: Der Equalizer

Borna Sosa: Der Soul Surfer

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Silas: Der Spektakelspieler

Sasa Kaljdzic: King of Cool

Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Foto: Imago Images

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2 Kommentare

  1. Mozy sagt

    Und weg isser! Mal schauen, wie er sich in Dortmund durchsetzt. Kobel hat wirklich herausragende Leistungen gezeigt, dennoch auch einige Gegenetore kassiert… Ob ihm das in Dortmund ‚erlaubt‘ wird, bleibt für mich fraglich… ‚Entwickeln‘ darf er sich dort(mund) nicht mehr, sondern muss sofort Leistung auf den Platz bringen.

    • Bernd sagt

      Was ihm sicher helfen wird, ist dass seine Schwächen auf der Linie sich nicht in offensichtlichen Patzern äußern sondern dass er in der Summe zu viele Gegentore kassiert. Das nimmt den öffentlichen Druck weg, weil dort kaum über Dinge wie PSxG diskutiert werden dürfte.

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