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Pellegrino Matarazzo: Der Pate

Hand aufs Herz: Wer hätte nach der Derby-Niederlage von nicht mal einem Jahr geglaubt, dass Pellegrino Matarazzo der erste Coach seit Bruno Labbadia sein würde, der eine komplette Saison auf dem VfB-Chefsessel übersteht? Trotz der symbolischen Vertragsverlängerung vor dem Spitzenspiel gegen Hamburg sah es überhaupt nicht so aus, als ob der US-Italiener derjenige sein würde, der den Aus-Schalter des VfB-Trainer-Karussells findet. Zu uninspiriert waren die Auftritte seiner Mannschaft in der zweiten Liga, zu schwer tat sich die Mannschaft gegen weitaus schwächere Gegner wie Wiesbaden und Osnabrück.

Rückblickend lässt sich sagen, dass die Verantwortlichen damals den Spagat wagten: Einerseits aufsteigen, andererseits eine Mannschaft entwickeln, die nach dem Aufstieg auch in der Bundesliga bestehen kann. Eine Mission, die fast scheiterte. Aber eben nur fast. Mit atemberaubenden Spielen gegen Sandhausen und Nürnberg ballerte sich der VfB Stuttgart in die erste Liga.

Während wir uns in der Sommerpause fragten, wer beim VfB eigentlich die Tore schießen soll, formte Pellegrino Matarazzo in aller Ruhe sein Team. Mit Spielern wie Klimowicz und Coulibaly, die in der Saison kaum Zweitligaspielzeit bekommen hatten, aber dafür die fünfte Liga sehr gut kannten. Doch vor allem die Hinrunde zeigte: Rino hatte Recht. Eigentlich hatte er immer Recht. Er ist der Pate des Erfolgs. Sven Mislintat, Thomas Krücken und Thomas Hitzlsperger seine Familia. Gemeinsam mit der Mannschaft machten sie VfB-Fans ein Angebot, das diese nicht ablehnen konnten: erfrischenden, temporeichen Offensivfußball. Und das auch noch erfolgreich!

Für VfB-Fans ist es völlig ungewöhnlich, dass Entscheidungen im Rahmen eines Gesamtkonzepts getroffen werden. Seien es Neuverpflichtungen oder Vertragsverlängerungen. Für uns war es hingegen lange Jahre üblich, dass Sportdirektoren auch mal Spieler verpflichteten, mit denen der Trainer gar nichts anfangen konnte.

Matarazzo hingegen sitzt nicht auf einem Schleudersitz, sondern auf einem Thron. Platziert vom Sportdirektor, der seine Zukunft frühzeitig von der des Trainers abhängig machte und von den Fans, die den smarten Trainerriesen und seine technokratische Art schätzen und lieben gelernt haben. Weil er es geschafft hat, der Mannschaft genau zu vermitteln, was sie zu tun hat. Vorbei die Zeiten, in denen der ballführende Stuttgarter Spieler die ärmste Sau auf dem Platz war. Matarazzo hat den modernen Fußball nach Stuttgart gebracht und damit dafür gesorgt, dass der VfB das Korkut-Weinzierl-Funkel-Schaaf-Fußball-Zeitalter endlich verlassen hat.

“Wenn jemand gegen unsere Sache arbeitet oder andere nicht respek­tiert, flippe ich aus” sagte Matarazzo im lesenswerten 11 Freunde Interview. Und tatsächlich: So nüchtern der VfB-Trainer in Interviews und Pressekonferenzen Fragen beantwortet, so emotional agiert er am Spielfeldrand wie “dank” der leeren Stadien regelmäßig zu hören ist. Höhepunkt: Seine gelbe Karte im Spiel gegen M’gladbach nach der unberechtigten gelben Karten gegen Wataru Endo.

Auch dafür muss man Matarazzo lieben. Genauso wie für seinen Mut zum Risiko, junge Spieler ins kalte Wasser zu werfen und auch an ihnen festzuhalten, wenn es mal nicht optimal läuft. Konnte man in der Vergangenheit den Fernseher ausmachen, wenn der VfB in Rückstand gerät hat das Team unter dem neuen Trainer in der ersten Liga eine erstaunliche Resilienz und sagenhafte Comeback-Qualitäten entwickelt. Fragt nach bei Union Berlin oder Borussia Mönchengladbach. Vor allem bei der Borussia! Der VfB Stuttgart 2021 kennt keine Bonusspiele, kennt keine Spiele, in denen man nicht gewinnen muss.

Danke “Rino” für den “neuen” VfB! Wir können es kaum erwarten, das Team im Neckarstadion zu bejubeln!

Danke auch an das ganze Trainerteam:
An die Co-Trainer Michael Wimmer und Michael Kammermeyer und Peter Perchthold. An Torwart-Trainer Uwe Gospodarek. Und die Athletik-Trainer Michael Schiffers, Martin Franz und Oliver Bartlett (bitte auf die Muskelverletzungen achten!).

Unbedingt hier weiterlesen:

Gregor Kobel: Der Shouter

Waldemar Anton: Auf Boss Level

Wataru Endo: Der Equalizer

Borna Sosa: Der Soul Surfer

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Silas: Der Spektakelspieler

Sasa Kaljdzic: King of Cool

Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Bild: Imago images

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