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Sven Mislintat: Der Zocker mit dem Diamantenauge

Ob Sven Mislintat von Wolfgang Dietrich oder doch von Thomas Hitzlsperger zum VfB Stuttgart geholt, wurde, variiert je nach nach Erzählung und Erzähler. Nach zwei Spielzeiten kann man festhalten: Hauptsache, er ist da!

In Bad Cannstatt wurde viel zu lange nach Gutsherren-Art gehandelt: Schnell wechselnde Sportdirektoren holten Spieler, mit denen die noch schneller wechselnden Trainer viel zu oft nichts anfangen konnten. Entwicklung? Nachhaltigkeit? Keine Chance. Das änderte sich mit Sven Mislintat. Vom Sportvorstand Hitzlsperger mit allen Freiheiten ausgestattet, hat er es sich zum Projekt gemacht, den neuen VfB zu bauen.

Dabei hat sich schnell gezeigt, dass der nice Dude nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckt. Für Andreas Beck, Dennis Aogo, Christian Gentner und Holger Badstuber war kein Platz auf Mislintats Baustelle. Für Tim Walter auch nicht. Riskante Entscheidungen, die belohnt wurden. Sven Mislintat ist ein Zocker: Er wettete darauf, dass der unbekannte Matarazzo der richtige Coach sei, um das junge Team in der zweiten Liga weiterzuentwickeln und gleichzeitig aufzusteigen. Er gewann diese Wette denkbar knapp. Man denke da nur an seinen Auftritt bei SWR Sport nach der Derbyniederlage zurück. Mislintat wettete, dass der Aufstiegskader ohne viele Neuzugänge bundesligatauglich ist. Er gewann diese Wette denkbar deutlich und ist mittlerweile der VfB-Botschafter für gute Laune und Smartness in jedem Halbzeitinterview. Jetzt wettet Mislintat darauf, dass der Kader den Abgang des Kapitäns Gonzalo Castro auffangen kann. Hoffentlich liegt er wieder richtig.

„Wir verfügen über sehr gute Qualität, sehr viel Potenzial, ein gutes Gerüst, eine gute Mischung – wir können uns auf die Bundesliga freuen.
Sven Mislintat, Juni 2020

Sven Mislintat hat den VfB Stuttgart zum heißen Scheiß in Europa gemacht. Mit seinen Transfers und Matarazzos Offensivfußball ist der VfB laut ESPN unter den Top 10 der Teams, deren Spiel am unterhaltsamsten anzuschauen ist. Michael Reschke erzählte gerne, dass er potenzielle Neuzugänge von einem Wechsel nach Stuttgart überzeugen könnte, indem er Video von der Cannstatter Kurve vorspielte. Sven Mislintat kann einfach die Aufstellung des letzten Spieltags auf den Tisch legen. Nahezu jeder Spieler, den er geholt hat, ist in Stuttgart besser geworden – bislang war es eigentlich immer andersrum.

Verpflichteten seine Vorgänger oft Spieler, auf die man auch ohne großes Scouting gekommen wäre, präsentiert der aktuelle Sportdirektor in der Regel Neuzugänge, deren Namen auch die größten Nerds noch nie gehört haben. Möglich macht das natürlich auch sein datenbasiertes Scouting, das die Basis bei der Suche nach neuen Spielern ist. So spuckte seine Matchmetrics-Software z.B. den Namen „Kalajdzic“ aus, als er nach jemanden wie dem ehemaligen Frankfurter Haller suchte, wie Mislintat im Podcast „kicker meets DAZN“ erzählte. Er zockt also auf Basis von Daten und versucht so, den nächsten Transferjackpot zu knacken.

Dass nach dieser Saison gleich eine Handvoll Spieler von Bord zu gehen drohen, ist ein absolutes Luxusproblem für den VfB Stuttgart. Ausgestattet mit langfristigen Verträgen und offenbar ohne Ausstiegsklauseln könnten Mislintats Transfers ein echtes Geschäftsmodell werden, das für einen warmen Geldregen in der Mercedesstraße sorgt. Auch hier gibt es die klare Ansage: Ja, der VfB ist ein Ausbildungsverein. Für die besten 16 Teams – in Europa. Wir hoffen, dass Sven Mislintat das Transferglück hold bleibt und er sich auch in Zukunft nicht verzockt.

Aber die eigene Jugend?! Gemeinsam mit NLZ-Leiter Thomas Krücken wurde die komplette Nachwuchsarbeit auf links gedreht und ein Satellitensystem im Ländle etabliert. Ob das ebenso erfolgreich sein wird wie die Verpflichtungen aus dem Ausland, wird sich allerdings erst in ein paar Jahren zeigen.

Bitte hier weiterlesen:

Pellegrino Matarazzo: Der Pate

Gregor Kobel: Der Shouter

Waldemar Anton: Auf Boss Level

Wataru Endo: Der Equalizer

Borna Sosa: Der Soul Surfer

Philipp Förster: Der Spalter mit dem Schnauzer

Silas: Der Spektakelspieler

Sasa Kaljdzic: King of Cool

Foto: Imago Images

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