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Heidenei!

Ich geb’s zu: Ich war relativ angetan davon, wie sich der VfB in Heidenheim präsentierte. Und ich rede hier nicht von den Torwart-Trikots, die das gesamte Team tragen musste, weil das stark gehypte Fanta-4-Ausweich-Trikot erst am Donnerstag präsentiert wird. I don’t mint.

Mir gefiel es vielmehr, wie konzentriert und zielstrebig das umgebaute Team (Mangala und Badstuber für Gomez und Kaminski) von Anfang an zu Werke ging. Die Zeiten von „gegen xy muss man nicht gewinnen“ scheinen endgültig vorbei zu sein. Tim Walter freut sich, in jedem Spiel Favorit zu sein und lässt seiner Mannschaft keine Chance, anders aufzutreten als dominant. 66 % Ballbesitz und 620 gespielte Pässe (Heidenheim: 302) belegen das deutlich. Gut so!

Gegen Heidenheim klappte das allerdings nur 35 Minuten. Dann gab es einen unerklärlichen Bruch im Spiel und dass es zur Halbzeit nur 0:0 stand, war eigentlich nur der mangelnden individuellen Abschlussqualität der Heidenheimer Angreifer geschuldet. Willkommen in Liga zwei.

Dass es den Stuttgartern dann gelang, mit gleichem Personal und gleicher Taktik eine 2:0 Führung herauszuspielen, ist ein gutes Zeichen. Es scheint schon recht viel zu stimmen: Kader, Einstellung, Spielweise. Was noch nicht stimmt, konnte man ab der 78. Minute aber leider auch sehen: die fehlende Konsequenz vorne wie hinten. Offensiv zu wenig Tore erzielt, defensiv zu viele bekommen. Kann man das 2:2 mit etwas gutem Willen unter „Pech“ einsortieren, so war der erste Treffer der Heidenheim einfach grottenschlecht verteidigt. Was auch noch auffällt: Die VfB-Tore fallen bislang nach Flanken oder Ecken. Das eigentlich Erfolgsrezept, das schnelle Direktspiel, führte bislang noch nicht zum Erfolg.

Also, was nehmen wir mit aus Heidenheim? Das Unentschieden war unnötig, ärgerlich, nervig. Zwei verschenkte Punkte, eine gefühlte Niederlage. Ein Spiel, das Fans schlechte Laune beschert. Und, so wie Tim Walter bisher aufgetreten ist, dürfte das Klima intern nicht großartig anders sein. Doch die zwei Partien gegen vermeintliche Mitaufstiegskonkurrenten haben auch gezeigt: Walterball funktioniert. Borna „Kontrolle!“ Sosa kann nicht nur auf der großen Bühne vor 52.000 Zuschauern unter Flutlicht brillieren, sondern auch am Sonntag Nachmittag in der Provinz eine ordentliche Leistung abrufen. Holger Badstuber mag vielleicht lieber Champions League spielen, aber in Heidenheim haut er sich voll rein und macht ein gutes Spiel. Und selbst, wenn der so wichtige Ata Karazor einen schlechten Tag erwischt, bleibt der VfB in der Zentrale handlungsfähig. Al Ghaddoui kann den Terodde geben und man mag sich gar nicht ausdenken, was passiert, wenn Walter auch noch Ascacibar das Toreschießen beibringt und Donis irgendwie dazu bringt, die Zweitliga-Defensiven zu zersprinten. Achja, und dass der Support stimmt, muss man eigentlich nicht erwähnen. Sollte man aber!

Wir haben heute gesehen, dass es eine lange und harte Saison werden wird. Die Art und Weise wie der perfekte Start verdaddelt wurde, nervt brutal. Aber andererseits hatte auch niemand erwartet, dass der VfB ab Spieltag 1 alle an die Wand spielt. Also: über das Unentschieden ärgern, Mund abputzen und es am nächsten Montag beim nächsten Spiel mit dem Hashtag #FCHVfB besser machen!

Das VertikalGIF zum Spiel in Heidenheim findet ihr hier.

Bild: Getty Images / Bongarts

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4 Kommentare

  1. Clemens sagt

    Punkte verschenkt oder einen Punkt gewonnen? Gefühlt waren das natürlich zwei verschenkte Punkte. Aber die jeweiligen Schlussviertelstunden beider Halbzeiten hätten das Ergebnis auch komplett auf den Kopf stellen können. Ich bin dennoch zufrieden, da die Spielweise genau das ist, was dem VfB die letzten Jahre gefehlt hat: Ein echtes Alleinstellungsmerkmal in dieser ansonsten doch sehr auf Konter und Gegenpressing orientierten 2. Liga.. Ein cleverer Bundesligist mit größerer Abschlussqualität hätte uns heute aus dem Stadion geschossen. Von daher ist es vielleicht ein Segen, dass Walter jetzt ein Jahr lang Zeit hat, dieses System mit Ballbesitz Fußball eine Klasse tiefer zu implementieren, in der die Qualität der Gegner auch mal solche Schwächephasen verzeiht.

  2. Arne sagt

    Hi,
    ich bin jetzt noch richtig bedient. Wieder einmal können wir gegen eine Mannschaft nicht gewinnen, deren einzige Stärke die Mentalität ist. Das erinnerte mich an die Spiele gegen Union Berlin. Alte Schwächen in einem neuen Anzug. Zudem kann ich nicht verstehen, warum der im defensiven Verhalten so schwache Ata nicht beim Stande von 2:0 raus muss. Donis darf doch wegen dieser Schwäche kaum spielen.
    Und noch ein Wort zu Holger Badstuber. Der rennt zwar nicht so oft nach vorne wie Kempf und wechselt (wahrscheinlich im Walters Augen) zu wenig die Position, doch der verdaddelt keinen Ball, versucht einen Fernschuß aus 40 Meter mit dem Kopf zu klären… und schießt auch noch ein Tor. Das gelingt dem gehypten Kempf nicht! Mal sehen ob die VfB Führungsriege da über ihren Schatten springen kann.
    Ansonsten toller Fußball mit einem klasse Spielaufbau von hinten.
    VG
    Arne

  3. Mozy sagt

    Hm, was soll man dazu sagen. Irgendwie kann man froh sein, dass es noch ein Punkt gab. Es war ein bisschen wie gegen H96: Hinten löchrig und unsicher, vorne niemand da, der (außer bei Standards oder per Abstauber) die Dinger reinmacht. Gegen H96 war das nicht schlimm, weil keine Gegenwehr, aber der FCH hat sich da nicht beirren lassen. Kempfs Abwehrverhalten war leider desaströs. Evtl. ist er mit der Kapitänsbinde noch überfordert? Tut mir Leid Mäddels, aber ich sehe jetzt noch keinen großen Unterschied zur Spielweise der Vorsaison. Bin und bleibe skeptisch!

    • Clemens sagt

      Hi Mozy,

      Du siehst keinen Unterschied in der Spielweise zur Vor-Saison? Vielleicht solltest du dann auf eine andere Sportart wechseln? Just kidding, aber mal im Ernst.

      Endlich keine Langholz Bälle mehr von Zieler mit einer 50:50 Chance hoch und weit nach vorne zu Gomez oder Gonzalez, die zumeist wie ein Bumerang retour gekommen sind. Nicht ausschließlich mehr Gefahr über hohe Flanken oder gelegentliche Tempo Läufe von Donis, die bestenfalls alle 6 Spiele zu einem Torerfolg geführt haben. Ja, das läuft derzeit natürlich noch nicht perfekt, aber die Idee ist klar erkennbar. Tief stehende Gegner so lange geduldig mit Flachpässen zu bespielen, bis sich endlich die Lücke öffnet. Die Abschlussquote muss dabei natürlich besser werden, aber das ist aktuell das einzige, was mich aktuell noch an die zurückliegende Saison erinnert.

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