Mini-Feature, VfB
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It ain’t over til it’s over

Ich wartete nach dem Spiel neben einem Getränkestand. Ich muss wohl einen recht erbämlichen Eindruck gemacht haben. Jedenfalls kam ein Fan im langärmeligen, roten Canon-Shirt (wo gibts denn die?) auf mich zu und sagte: „Hätte auch schlimmer werden können ohne die überragenden Paraden Zielers“. Einer mit 3 Würsten in der einen Hand, klopfte mir mit der anderen auf die Schulter, dass ich mir ein wenig Sorgen machte, dass er mir Senfflecken auf mein Frottesana-Trikot macht, er sagte: „Die packen das in Berlin … vielleicht“.

Ich weiss nicht, was mein Gesicht gemacht hat, ich sehe es ja so selten, aber nach dem Spiel fragte ich durchaus gefasst: „Hat jemand etwas anderes erwartet?“

Das erste Relegationsspiel spiegelt die jeweilige Saison der beiden Mannschaften wieder: Der VfB zaghaft, unsicher und fehlerhaft. Union cool, abgezockt und mit besserer Spielanlage. Die Berliner spielten, ja man muss es so sagen, wie ein Bundesligist. Und der VfB wie ein Abstiegskandidat, der nicht so recht an sich selbst glaubt.

Nach der 2:2-Niederlage gegen Union Berlin kann der VfB die erste Liga nur halten, wenn er in Köpenick gewinnt, wenn wir mal nicht von einem 3:3 ausgehen. Dass ein Auswärtssieg in der regulären Saison nur einmal gegen den 1. FC Nürnberg gelang und Union seinerseits nur ein Heimspiel verlor, stimmt einen nicht gerade optimistisch. Aber zumindest kann der VfB nicht das machen, was er am besten kann: Sich auf einer guten Leistung oder einem guten Ergebnis ausruhen.

Was außerdem Hoffnung macht: Union Berlin hat nun plötzlich etwas zu verlieren, vielleicht wird der Zweitligist nervös und bekommt einen Zitterfuß. Ich kann es mir nach der souveränen Vorstellung allerdings kaum vorstellen. Beim VfB haben zumindest ein paar Umschaltmomente ganz gut funktioniert. Aber es wird ein Spiel, in dem Nerven und Mentalität gefragt sind. Ein Spiel, in dem man möglichst nicht nach einer Führung 87 Sekunden später den Ausgleich bekommen sollte.

Es gibt nur noch Durchhalteparolen („Die Berliner feiern, als seien sie schon aufgestiegen, abgerechnet wird zum Schluss“). Der Glaube an den Klassenerhalt ist nicht mehr da, die Hoffnung nur noch klitzeklein.

Trotzdem entscheidet sich diese völlig verkorkste Spielzeit in 90 (oder 120 Minuten) an der Alten Försterei. Die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, 70 Gegentore, drei Trainer, zwei Sportvorstände, zig verbrannte Millionen: all das kann das Team zwar nicht wieder gutmachen, aber zumindest retten, was zu retten ist. Mit einem einzigen Sieg gegen einen Zweitligisten. Eigentlich machbar, oder?

Bis es soweit ist, hören wir einfach, was Lenny Kravitz sagt:

Here we are still together.
We are one.
So much time wasted.
Playing games with love.
So many tears I’ve cried.
So much pain inside.
But baby, it ain’t over ‚til it’s over!

Klingt fast so, als sei auch er VfB-Fan.

Mehr zur Partie aus Berliner Sicht gibt es drüben bei Textilvergehen.

Bild: imago images / Sportfoto Rudel

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9 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Bratwürste, Bratwürste, brat mir einen Storch, da war doch was ….

  2. Pingback: It ain’t over til it’s over – ploggo

  3. Clemens sagt

    Vielleicht muss der Knall einfach nur groß genug ausfallen, damit die notwendigen Änderungen erfolgen. Von diesem Kader können 50% gerne am Saisonende den Verein verlassen. Wenn dann noch bei der Mitglieder Versammlung Dietrich zur Disposition gestellt wird, wäre ein Abstieg wenigstens für etwas gut. Mein Respekt gilt einem Großteil der 55.000 Zuschauer, die auch gestern wieder für einen sensationellen Rahmen gesorgt haben. Schade, dass das Team diese bedingungslose Unterstützung nicht zurückzahlen konnte.

  4. H.Lauke sagt

    Servus
    Schreibe normalerweise keinen Kommentar,aber das gestern war zu viel.
    Meiner Meinung nach hat der Trainer und sein Stab das Spiel verloren.
    Der Union-Trainer hat die VFB-Schwachstellen (Ein Großer Stürmer wo alle Kopfballduelle gewinnt,und ein schneller Außenspieler gegen Insua) erkannt und danach aufgestellt.
    Natürlich waren auch alle Defensivspieler zu weit von ihren Gegenspieler weg, und die Offensivspieler haben des öfteren nach einem Zweikampf nur lamentiert anstatt weiterzuspielen.
    Ich hätte als Trainer nach 20 min. umgestellt(viell. Badstuber wg. Kopfballstärke für Insua
    gebracht und Kempf auf links) aber einfach so weiterspielen hat ja nichts gebracht.

    • @abiszet sagt

      Sehe ich ähnlich. Ich denke, es war eine Fehleinschätzung im Matchplan: Kontrolle statt Mut war das Motto des Spiels, weil man der Meinung war, dass die Relegation nicht im Hinspiel entschieden wird. Aber mit dieser sensationellen Kulisse und der extremen Lautstärke im Rücken wäre ein mutigerer, aggressiverer Auftritt notwendig gewesen: Aktion statt Reaktion. So wird es in dem kleinen, engen Stadion in Köpenick sehr sehr schwer. Union verlor in dieser Saison nur einmal zu Hause (Paderborn), der VfB gewann auswärts nur einmal (Nürnberg).

  5. Pingback: Wie Rafal Gikiewicz immer noch mehr zum Unioner des Jahres wird › ***textilvergehen*** › Aufstieg, Frauen, Jakob Busk, Rafal Gikiewicz, Relegation, union, Union Berlin, vfb stuttgart

  6. Mozy sagt

    And it’s over now! Berlin hat das gut gemacht, hohe Bälle, Zeitspiel deluxe und Einsatz wie Drecksau! Oder auch: Mentalität, Zusammenhalt und Eier! Stuttgart geht sang -und klanglos unter, wie ein lauer Furz! Ein zig Mio Kader wird einfach so von einer 2. Ligatruppe, die zusammen günstiger zu haben (war) als Mafeo und co., neutralisiert! Jemand muss hier die Konsequenzen tragen für das Debakel: DIETRICH SOFORT RAUS!!! Ich fordere ein Stadionboykott von allen echten VfB Fans, bis dieser falsche Fünfziger (der wahrscheinlich über seinen Sohn auch noch Reibach macht mit Unions Aufstieg) seinen Posten räumt!!! Ich kotze im Strahl!!!

  7. Ein trauriger Abend..
    ganz, ganz bitter, aber zwei Herzen schlagen in meiner Brust, Einerseits besch…, dass es so lief, andererseits recht geschieht es ihnen.. Mist!

  8. Stefan sagt

    Der gewünschte Knall-Fall (Clemens, 24.5.) ist ja nun eingetreten. Befürchte nur, dass der nette Herr Dietrich mit seiner S21-Mentalität nicht so einfach die Konsequenzen zieht und zurücktritt. Und was die im Juli anstehende Mitgliederversammlung angeht: Dass die Mitglieder für jeden Mist zu haben sind, haben sie bei Herrn Dietrichs Wahl eindrucksvoll gezeigt. Wenn er wieder anfängt von einer grandiosen Zukunft rumzuphantasieren, dann glauben das womöglich auch wieder einige.

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