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Ja zum Erfolg – in nur 48 Tagen

Wir treffen jeden Tag leidgeprüfte VfB-Fans, die ihren ganz speziellen Blick auf die aktuelle Lage beim VfB haben. cubbie (47 aus Esslingen) sieht beispielsweise mit der Verpflichtung von Halil Altintop ein ganz besonderes Kapitel der Saga „Ja zum Erfolg“ entstehen …

Nein, einen langjährigen VfB-Fan kann nichts mehr erschüttern. Wir haben alles gesehen. Wir haben alles erlebt. Und natürlich wissen wir alles (besser). Nur mal so zu warm werden: Wir haben mal einen gewissen Didi verpflichtet, der zwar die brasilianische Staatsbürgerschaft vorzuweisen hatte, dafür aber leider, leider keine Kreuzbänder. 3,5 Millionen verpufften schon damals von jetzt auf nachher zu edelstem Stuttgarter Feinstaub. Aber – bitte jetzt keine erneute künstliche Aufregung im Nachgang – es waren weiland ja nur D-Mark. Oder im Stuttgarter Neudeutsch: eine Korkut-Staff-Abfindung.

Ein anderes Beispiel: Unser MV hatte es einst, mutmaßlich etwas trollingerbeseelt, für eine sensationelle Idee gehalten, Winnie Schäfer vom KSC, den Inbegriff eines Hassobjektes für das schwäbische Volk, zum VfB-Trainer zu machen. Ihr Ungläubigen und Jüngeren müsst jetzt echt stark sein. Knallharter Spoiler: Es ging völlig überraschend schief!

Der VfB hat in den letzten 18,93 Jahren gefühlte 1893 neue Trainer geholt und – „Stand heute“ – 1892 davon auch recht zackig wieder entlassen. Von den schlimmsten Spielerverpflichtungen wollen wir an dieser Stelle erst gar nicht anfangen, die Zeiten der Becks, Aogos, Castros und Badstubers sind aktuell Mahnmal genug.

Was werden die Köpfe in den Chefetagen in der Mercedesstraße 109 dieser Tage trotzdem wieder geraucht haben. Platz 18. 0:11 Tore und drei niederschmetternde Niederlagen unter Markus Weinzierl, flankiert durch noch niederschmetterdenderenderenderen Leistungen. Dazu die Fitnessprobleme unserer Altherrenriege. Oder die medial angefachte Klinsmania, von der irgendwie keiner weiß, woher sie kommt, warum sie eigentlich gekommen ist und ob der Heiland mit der blonden Mähne denn auch tatsächlich kommt als was auch immer. Ob als Supervisor für Reschke, Sparringspartner für Dietrich, Teamchef über Weinzierl oder as aktuell advertised als alle und alles zusammen. Man weiß es nicht. Auch wird fieberhaft per Stellenanzeige im Internet tatsächlich nach einer Begleitung fürs Fritzle gesucht. Unter dem roten Dach klemmt es halt gerade an allen Ecken und Enden.

Aber immer wieder gelingt es unserem VfB dennoch, dem ganzen Wahnsinn noch ein Krönchen aufzusetzen. Denn, wie wir seit Dienstag wissen: Halil Altintop ist jetzt da. Als Stratege für eigene und Analyst für gegnerische Standards. Halil Altintop. Ganz oft und völlig zu Recht in einem Atemzug mit Juninho, Roberto Carlos oder Krassimir Balakov genannt. Okay, Spässle g’macht. Natürlich würde so ein Satz keinem Fußball-Ästheten jemals über die Lippen kommen.

Aber: kann man mal so machen, also so ganz grundsätzlich. Hey Halil, nix gegen Dich und noch weniger gegen die Idee als solche! Nur die Älteren unter uns werden sich an gefährliche Standards oder gar Tore aus Freistößen noch erinnern können, die ein Spieler im Brustring zu verantworten hat. Historisch Interessierte können bestimmt gerne mal bei Jahrhundertfan Carl Thumm nachfragen, der wurde jüngst tatsächlich 100 Jahre jung – und das, obwohl er lebenslang ein VfB-Fan ist…

Nur beim VfB sind sie von dieser Idee, vom neuen Halali (pardon Halil) und von seiner Expertise doch so sehr überzeugt, dass sie ihm glatt einen Vertrag für 7 Wochen bis Weihnachten gegeben haben. In Worten: sieben. Heiligabend nicht mit eingerechnet sind das satte 48 Tage. „Ja zum Erfolg – in nur 48 Tagen“ könnte also das nächste Erfolgskapitel von Autor Mischael Reschke und L’état-c’est-moi-Herausgeber Wolfgang Dietrich heißen. Klingt irgendwie nach „ein bisschen schwanger sein ist okay, aber bitteschön nicht allzu arg“.

Wer oder was kommt als Nächstes? Habemus-Klinsi wird ja schon – siehe oben – fleißig durch den Stuttgarter Talkessel getrieben. Warum also nicht auch Karl Allgöwer mal wieder? Als „Wir-wissen-zwar-nicht-wirklich-für-was“-haareraufenden Beisitzer zwischen Reschke und Dietrich auf der Tribüne? Sagen wir so für ungefähr 9 ½ Wochen? Eine prickelnde Vorstellung wäre das allemal und Erfahrung diesbezüglich brächte der Wasen-Karle ja auch schon aus der Abstiegssaison mit. Klinsi-Intimus ist er dazu noch. Und Freistöße kann der Karle wirklich wie kein Zweiter. Also, ihr VfB-Granden: No-Brainer!

Eine Erfolgsgeschichte ist dieser Altintop-Coup bereits jetzt – in den Sozialen Medien haben wir bestimmt Lisa Müller in den Trends abgelöst, auch Ina Aogo wird es Tränen in die Augen getrieben haben. Nein, man kann echt nicht sagen, dass sie beim VfB dieser Tage nicht wirklich alles versuchen, um auf ganzer Linie wirklich wieder ganz der alte VfB zu sein.

Aber ehrlich gesagt habe ich inzwischen ein bisschen Angst, wer demnächst (und vor allem: für wie lange) als neue Begleitung fürs Fritzle vorgestellt wird. Nein, ich muss wirklich nicht alles wissen.

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1 Kommentare

  1. Realist sagt

    Um das aus dem Ausgliederungs-Wahlkampf so beliebte Fake vs. Fakt mal wieder aus der Mottenkiste zu lassen:
    Fake: „Dieser Kader wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben!“
    Fakt: Schlechtester Saisonstart der Vereinsgeschichte!!!

    Da hilft es sehr, den Humor nicht zu verlieren. In diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön an alle kreativen Schreiber hier. Ihr sorgt dafür, dass ich – der Tabelle zum Trotz – aktuell noch bessere Laune im Büro verbreiten kann, als der geneigte Bayern-Fan ;-)

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