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Kobels Energieleistung reicht nicht

„Wichtig ist auf dem Platz“, sagte Otto Rehhagel oder Karlheinz Feldkamp oder ein anderer Fußball-Philosoph aus einer anderen Zeit. Wenn kurz vor Anpfiff Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt via Twitter so etwas wie eine klitzekleine Annäherung beziehungsweise Gesprächsbereitschaft andeuten, dann wird das Geschehen auf dem Platz trotzdem kurzfristig zweitrangig. Was vielleicht auch am Gegner liegen könnte. Er hieß RB Leipzig und für viele ist die Partie gegen den Brause-Club reine Energieverschwendung.

Die prickelnde Energieleistung von Gregor Kobel hat leider nicht gereicht, um gegen Leipzig zu punkten. Seine artistische Parade beim Elfmeter von Emil Forsberg war nur die spektakulärste Aktion. Bereits in der dritten Minute verhinderte er einen Rückstand. Den Schuss von Angelinho hätte wohl kein VfB-Torhüter der letzten Jahre gehalten. Nicht Zieler, nicht Langerak, erst recht nicht Tyton und Ulreich, selbst Lehmann wäre in seinem fortgeschrittenen Alter nicht mehr so schnell ins Eck geflogen. Kobel hielt den VfB lange im Spiel, aber letztlich war es nur eine Frage der Zeit, bis es in Kobels Kasten klingelte. Leipzig war zu gut für den VfB, selbst mit elf Kobels wäre es für den VfB schwer geworden oder mit elf Orel Mangalas, der erneut eine überzeugende Leistung bot. Dieselbe Energie, die beide auf den Platz brachten, sollten Hitzlsperger und Vogt jetzt verwenden, um gemeinsam für den VfB das Beste zu wollen – und auch zu tun!

Der VfB verlor verdient gegen den aktuellen Tabellenführer und Herausforderer von Bayern München. Ende der Geschichte. Dass der naseweise Julian Nagelsmann gegen Ende des Spiels aufbrauste und das ganze Stadion mit seiner unangenehmen Stimme zusammen gebrüllt hat, zeigt immerhin, dass ihm ein bisschen die Düse ging. Mehr war nicht drin für den VfB, es sei denn Waldemar Anton wäre vor dem Tor so cool geblieben wie vor einigen Wochen noch Philipp Förster in Dortmund.

Bisher kannten wir den VfB als ein Team, das ein Spiel gegen einen sogenannten Großen schon vor dem Anpfiff abgehakt hat. Jetzt gibt sich die Mannschaft auch bei einem Rückstand nicht auf und versucht alles, auch wenn sie vermeintlich chancenlos ist. Eine schöne Entwicklung. Ganz im Gegensatz zu der abseits des Platzes.

Machen wir uns nichts vor: Das gemeinsame Bild von Hitzlsperger und Vogt und ihre Twitter Messages sind gescriptete Inszenierungen, um ein bisschen Druck vom Kessel zu nehmen. Der Weg zu einer gemeinsamen Lösung – sollte sie überhaupt möglich sein – wird lang und beschwerlich werden, die offenen Briefe zeigen: zu sehr ist die Stimmung vergiftet, zu weit liegen die beiden Meinungen auseinander. Eine Lösung ohne Gesichtsverlust kann es nicht mehr geben.

Zum Weiterlesen:
Hier entlang zu unserem VertikalGIF „Matsch of the Day“.

Martin ist nach den Signalen von Hitzlsperger und Vogt in seinem Blog-Beitrag „jetzt einfach einmal naiv positiv“ und hofft, „dass der Knall der Anfang war für eine gemeinsame Lösung. Für den VfB.“

Rey meint auf Stuttgart.International: „Mangelnder Respekt vor dem gewählten Präsidenten – und nichts anderes kommt in Hitzlspergers Schreiben zum Ausdruck – bedeutet gleichzeitig mangelnden Respekt vor den Mitgliedern.“

Lennart fragt auf Rund um den Brustring „Wollt Ihr uns verarschen?“ und schreibt einen offenen Brief an den VfB, ist ja gerade en vogue.

Foto: Ralf Poller/Avanti via www.imago-images.de

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5 Kommentare

  1. Joachim sagt

    Gegen zukünftigen Meister darf man ruhig mit erhobenen Hauptes als Verlierer den Platz verlassen. Ich mag ja die Leipziger auch nicht besonders, aber sie verfolgen einen klares Konzept, welches sie zu der Mannschaft gemacht, die sie derzeit versprühen. Sie sind unheimlich schwer zu bespielen, weil sie 1. Hinten sehr gut stehen und 2. eine unheimliche Laufleistung an den Tag legen. Deshalb werden die Leipziger nicht viele Spiele in dieser Saison verlieren. Leipzig darf auch nicht der Maßstab in dieser Saison sein, weil sie dem VfB um Längen konzeptionell voraus sind. Aber der VfB befindet sich auf deren Pfaden, wenn sie so weitermacht und vor allen Dingen: wenn sie so zusammenbleiben. Ich habe gestern einen überragenden Kobel gesehen und ein fast noch besseren Mangala. Was die zwei gestern geleistet haben, hat mich zum Erstaunen gebracht. Chapeau an beide! Wer gestern ein bisschen unglücklich agiert hatte war Endo. Er hat gestern viele zweite Bälle und viele Zweikämpfe verloren. Naja, er darf auch mal einen etwas schlechten Tag haben… Aber in allem ist der VfB auf einen sehr, sehr guten Weg, wenn die oberen Protagonisten ihren völlig unnötigen Streit beiseite legen, dann bin ich guter Dinge, dass der VfB in den nächsten Spielzeiten oben angreifen kann.

    Mit weiß-roten Grüßen
    Joachim Leuze

  2. Motzbackenbruddler sagt

    Schlammschlacht im Verein, Schlammschlacht gegen die Dosen auf dem Platz, Platz 11 in der Tabelle (7 Punkte von Platz 15 entfernt) – jetzt rächen sich die Patzer gegen Schalke, Köln und Freiburg in der Hinrunde. Eine Niederlage gegen Augsburg und Gladbach und wir finden uns u.U. auf Platz 14 wieder, sollten die Hertha, Bremen und Hoffenheim es besser machen in den nächsten 2 Spielen. Tja, so schnell kann es dann gehen und wir sind wieder da, wo der VfB um die Winterpause alljährlich sonst auch steckt: Krise!

    • Joachim Leuze sagt

      Tiefes durchatmen damit ich keine Schnappatmung bekomme. Also so schwarz sehe ich das Ganze nicht. Erstens ist der VfB weitaus in der Lage gegen die kommenden drei Gegner zu punkten. Zweitens wird der VfB nichts, aber auch gar nichts mit dem Abstieg zu tun haben, weil sie um Längen stärker ist, als die unterhalb Platz 11. Hier von Krise zu schwadronieren zu wollen ist einfach hanebüchen.
      Aber Du hast Dir ja nicht umsonst selber diesen Profilnamen gegeben. Es scheint so zu sein, als gäbe in und um Stuttgart herum ein Klientel in dem man sich nach Krisen herbeisehnt. Ich sehe noch lange keine Krise auf den VfB zukommen, vorausgesetzt die zwei Streithähne begraben alsbald im Sinne des VfB ihre Grabenkämpfe. Das könnte sich dann irgendwann negativ auf das Feld übertragen. Aber von der Zusammenstellung des Kaders sowie bei der Kompetenz unseres Trainers Peligrino Materazzo habe ich keine Angst, dass der VfB in eine Krise schlittern könnte.

  3. Clemens sagt

    Was Haupt- und was Nebensache ist, scheint dieser Tage schwer voneinander zu trennen. Natürlich ist die Führungskrise eine befremdliche Begleiterscheinung der letzten Tage, aber Matarazzo und Mislintat tun gut daran, sich weiterhin auf das Sportliche zu fokussieren. Wie schnell aus dem Jubelrausch von Dortmund ein Kater werden kann, zeigt die aktuelle Tabelle: Platz 11 mit geringerem Punktepolster nach unten. Denn nach den jüngsten Siegen von Augsburg und der gefühlten Endlos-Siegesserie von Freiburg sind bereits zwei Mannschaften an dem VfB vorbeigezogen, die man zuletzt eher hinten den Cannstättern vermutet hätte. Es ist keineswegs eine sportlich bedrohliche Situation, zumal der VfB mit Wolfsburg und Leipzig zuletzt zwei der formstärksten Mannschaften zum Gegner hatte, die nicht ohne Grund im oberen Tabellendrittel stehen. Aber in der Tat schmerzen die Punktverluste gegen Schalke, Köln und Freiburg nun um so mehr, so dass die Partie gegen Augsburg bereits für dezenten Druck sorgt. Drei Spiele am Stück ohne Punktgewinn wäre nämlich die erste kleine Krise der Saison und man stünde gegen Bielefeld bereits mächtig unter Zugzwang.

  4. drhuey sagt

    Alles richtig: hier spielte ein Aufsteiger, der sich mit mutigen Auftritten einen gewissen Respekt erarbeitet hat gegen einen Titelkandidaten, dessen Spielanlage weit reifer wirkt. Das kann auch gar nicht anders sein. Dennoch dachte ich vor dem Spiel: Ein Pünktchen könnte drinliegen. In den ersten Minuten sah es auch gar nicht schlecht aus, aber das grosse Problem ist eben der Druckaufbau nach vorne. Mangala hat eines seiner besten Spiele für den VfB gemacht, aber Druck? Förster dribbelt sich ins Nirwana…Druck? Ich schätze Sosa als Fussballer sehr, aber Angelinho braucht halt nur eine Aussrist-Flanke, um für Gefahr zu sorgen während Sosa gefühlt 10 Innenrist-Flanken zwischen langen Pfosten und Eckfahne setzt. Obwohl es streckenweise ganz gefällig aussieht, haben Gegner von diesem Kaliber die Mittel, um Castro an gefährlichen Schnittstellenpässen zu hindern und die Aussen ihrer Hauptwaffe, der Schnelligkeit, zu berauben. Trotzdem muss man keine sportliche Krise am Horizont entdecken, sondern es sollte genug Gegner geben, die eben nicht über diese Mittel verfügen und gegen die der VfB genügend Punkte für den Klassenerhalt sammeln kann.
    Leider wiegt die Dorfclub-Posse um Hitzelsperger, gerade als es sportlich wieder Spass macht, schwer. Als ehemaliger „Hammer“, aktueller Vorzeige-Coming-Outter und Überholspur-Karrierist muss man nicht zwangsläufig mit street smartness gesegnet sein. Nach dem Debakel um Dietrich wurde er von denselben „dunklen“ Mächten auf das Schild gehoben, die ihn jetzt benutzen wollen, um einen unliebsam gewordenen Präsidenten zu beschmutzen und möglichst loszuwerden. Dieser ganze Vorgang inkl. gestaltetem offenen Brief und fingiertem Klärungsgespräch unter Männern, offenbart wieder einmal die grossen, internen Probleme, die diesen Klub traditionell begleiten. Der Präsident hat wohl seinen Job zu ernst genommen (abgesehen von der Frauenfussballabteilung), so dass jetzt jedes Mittel recht ist.

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