Spielbericht, VfB
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Drei, zwei, eins, nichts

Stabilität. Erfahrung. Mentalität. Wille. Zusammenhalt. Diese Begriffe nannten Trainer Tayfun Korkut und Vorstand Michael Reschke im Vorfeld des Bundesligaauftakts gegen Mainz. Was haben wir davon gesehen? Nichts.

Holger Badstuber sagte in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung/Nachrichten, dass „einige von uns noch nicht bei 100 Prozent sind“. Was haben wir davon gesehen? Viel zu viel. Zum Beispiel vom erfahrenen Innenverteidiger mit Champions League Erfahrung. Wobei: auch bei 100 Prozent wird Badstuber (29) wohl nicht mehr schneller werden. Mario Gomez (33) machte ebenfalls keinen topfitten Eindruck und Christian Gentner (33), spielte zwar ordentlich, pumpte aber merklich ab der 70. Minute. Bei Gonzalo Castro (31) – ballsicher wie immer – fragt man sich, ob die mehr als 350 Bundesligaspiele, die er auf dem Buckel hat, nicht ihre Spuren hinterlassen haben. Aber ehrlicherweise fehlt mir die Erfahrung, um sagen zu können, ob „Gonzo“ immer so behäbig spielt oder ob er auch noch nicht bei 100 Prozent ist.

Trotzdem: Vielleicht sollte Tayfun Korkut nicht nach Alter und Erfahrung aufstellen, wie es aktuell den Anschein hat, sondern nach Leistung. Timo Baumgartl blieb in Mainz auf der Bank, obwohl er in Rostock besser als Badstuber gespielt hatte. „Dies Entscheidung für Badstuber hatte nichts mit Erfahrung zu tun, mit jünger oder älter“, sagte Korkut. Womit denn dann? An der Leistung kann es ja auch nicht gewesen sein.

Korkut sollte nicht danach aufstellen, wer sich weniger laut beschwert, wenn er mal auf der Bank sitzen sollte, sondern die besten elf Spieler aufs Feld schicken. Daher war es eine Überraschung, dass der designierte Regisseur Daniel Didavi gegen Mainz nicht in der Startelf stand und stattdessen der wieder sehr agile Nico Gonzales begann. Interessant überdies, dass es Tassos Donis nicht einmal in den Kader geschafft hat. Was hat er nun schon wieder in der Trainingswoche verbrochen? Zahnpasta in Gentners Fußballschuhen versteckt, Badstubers Hund nicht gestreichelt?

Vielleicht liegt es aber auch am Spielsystem, dass der VfB den Auftakt gegen Rostock und nun Mainz vergeigte. Man könnte meinen, der Matchplan lautet nach wir vor: „Früh ein Tor schießen und dann hinten dicht machen“. Klar, hat ja in der Rückrunde auch fast immer funktioniert. Nur so ist es zu erklären, dass der VfB in den ersten 15, 20 Minuten einen sehr guten Eindruck machte und auch zwei sehr gute Chancen durch Gonzales und Gentner besaß. Nachdem dies nicht funktionierte, ließ der VfB immer mehr nach, auffällig dabei auch die Einfallslosigkeit im Spiel nach vorne. Ein typisches 0:0-Spiel eigentlich. Aber Mainz wollte den Dreier unbedingt, der VfB wollte irgendwann nur noch ungeschoren davon kommen. So viel zum Thema Wille und Stabilität.

Dass nach dem Führungstreffer außer dem (zu) spät eingewechselten Chadrac Akolo kein Offensivspieler auf der Bank saß, ist allerdings eine andere Geschichte. Und dass der Kongolese das Spiel in neun Minuten nicht mehr drehen konnte, kann man ihm nicht vorwerfen, oder?

Natürlich ist nach diesen beiden Niederlagen gegen Rostock und Mainz nicht alles schlecht, auch wenn ein kompletter Fehlstart nach dem nächsten Spiel gegen Bayern München wahrscheinlich ist. Es waren zwei individuelle Fehler von Badstuber – der auf und neben dem Feld so selbstgewiss und autoritär auftritt – die entscheidend waren. Auf Twitter bekam er dann gleich mal wenig schmeichelhafte Spitznamen wie Worsestuber, Slowstuber, Schnarchstuber oder Arroganzstuber verpasst. Nicht fair? Vielleicht. Aber große Ansprüche bedingen nun mal ein große Fallhöhe.

Was nehmen wir jetzt also mit aus der Auftaktniederlage? Eine Möglichkeit der Spielbewertung: Tayfun Korkut nutzt die Möglichkeiten des Kaders nicht optimal und wechselt dazu noch schlecht. Möglichkeit zwei: Vielleicht ist aber der Kader gar nicht so gut, wie alle glauben. Pablo Maffeo, hochgelobtes Talent von Manchester City, hatte merklich Probleme gegen einen gewissen Gerrit Holtmann. Who the fuck is Holtmann? Schnell und giftig war er jedenfalls. Und das stresste Maffeo sichtbar und ließ ihn mehr als einmal nicht gut aussehen. Ich will gar nicht dran denken, was der alte Schulhoftrickser, Taschendieb und Schwalbengott Franck Ribery mit ihm macht. Nach den beiden Auftritten gegen Rostock und Mainz habe ich etwas Angst. Vor einer hohen Heim-Niederlage gegen Bayern München wie zu den guten alten Labbadia-Zeiten und vor dem genüsslichen Grinsen von Uli Hoeneß. Wahrscheinlicher ist allerdings eine tadellose und engagierte Leistung der VfB-Elf und die obligatorische knappe Heimniederlage.

So oder so. Es bleibt zu hoffen, dass die erneute Niederlage noch etwas detaillierter analysiert wird als kurz nach Schlusspfiff. Denn, wenn dies die Schlussfolgerung ist, dürfte es schwer werden für die nächsten Spiele.

Das VertikalGIF zum Spiel in Mainz findet ihr hier.

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