Mini-Feature, VfB
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Mentalitätsmonster oder Abstiegsgespenst?

Im kicker haben knapp 100.000 Menschen darüber abgestimmt, wie das Spiel des VfB Stuttgart gegen Hannover 96 am Sonntag ausgeht. Das erstaunliche Resultat: 67% glauben, dass die Truppe von Markus Weinzierl die Partie gewinnt. Das letzte Mal, dass in dieser Saison ⅔ von einem VfB-Sieg überzeugt waren, war vermutlich vor dem Pokal-Erstrunden-Aus in Rostock. Aber woher kommt diese neue Zuversicht. Oder kann man es schon Euphorie nennen? Euphoriele vielleicht. Doch welche Faktoren sind verantwortlich für diesen Stimmungsaufschwung?

Der Hitz-Faktor
Reschke raus, Hitzlsperger rein: Wie gut dieser Wechsel dem VfB getan hat, zeigte sich schon bei der Antritts-Pressekonferenz. Bescheiden und eloquent trat der neue Sportvorstand auf. Also genau das Gegenteil seines Vorgängers. Mit seiner offenen und verbindlichen Art hat er umgehend eine ganz andere Verbindung zum Trainer aufgebaut. Das neue Vertrauen tut Weinzierl sichtlich gut. Und es scheint tatsächlich so zu sein, als ob sich die positiven Hitzewellen über den Trainer auf die Mannschaft übertragen. Klar, das garantiert noch keinen langfristigen Erfolg. Doch der neu entdeckte Einsatzwille der Mannschaft ist die Grundvoraussetzung, um noch zu retten, was zu retten ist. Und in den entscheidenden Duellen gegen die Mitkonkurrenten Hannover, Nürnberg und Augsburg vermutlich schon ausreichend, um erfolgreich zu sein.

Der Gomez-Faktor
“Gomez, dieser Chancentod?! Was willste denn mit dem?” Sag’ ich euch: Zum einen ist er aktuell die einzige Option, da Gonzalez noch ein Spiel gesperrt ist, und Donis ihn als Mittelstürmer nicht ersetzen kann. Natürlich hat Gomez gegen Bremen zwei Großchancen fahrlässig vergeben. Aber, was mir Hoffnung macht: Immerhin hatte er wieder Chancen. Gegen Leipzig sah das nämlich noch ganz anders aus. Und die erste vergebene Chance hatte sich Gomez sogar selbst im Mittelfeld erarbeitet. Lange nicht gesehen sowas. Sein letztes Tor datiert vom 15.12.2018 als er einen Doppelpack gegen Berlin schnürrte. Das war übrigens auch der letzte Sieg, den der VfB verbuchen konnte. Wird mal wieder Zeit!

Der Weinzierl-Faktor
Zugegeben, so ganz sicher bin ich mir auch noch nicht, ob Markus Weinzierl nach 15 Spielen endlich ein funktionierendes System entwickelt hat oder einfach nur alte Taktikpläne von Tayfun Korkut ausgegraben hat. Was mich da schon eher optimistisch stimmt: Mittlerweile stellt er strikt nach Leistung auf, nicht nach Namen. Seine berühmte in der Winterpause geschmiedete Achse, bestehend aus Kempf, Aogo, Gentner und Gomez, ist längst zerbrochen. Und der Kapitän selbst saß gegen Leipzig erstmals seit 2012 90 Minuten auf der Bank und kam in Bremen vermutlich nur deshalb zum Einsatz, weil die Partie für Marc-Oliver Kempf nach 45 Minuten vorbei war. Dass von den Sommertransfers nur noch Castro und Kempf in der Startformation standen, dafür aber erneut alle drei Winterzugänge, zeigt, dass der Trainer jetzt ein Team hat, mit dem er arbeiten kann – zumal Kabak sensationell schnell eine Verstärkung ist, Zuber immer öfter das zeigt, was man sich von ihm erwartet, und Esswein definitiv schnell laufen kann.

Der Stimmungs-Faktor
Man mag es kaum glauben, aber von den Teams, die im tiefsten Tabellenkeller strampeln, scheint der VfB aktuell das beste Karma zu haben: Augsburg ging 1:5 in Freiburg unter, Nürnberg unterlag trotz Führung gegen Fortuna Düsseldorf und Hannover verlor chancenlos gegen Frankfurt. Seit Thomas Doll Trainer ist, gewann das Team nur den “El Kackiko” gegen Nürnberg. Alle anderen Spiele gingen mit jeweils 0:3 verloren. Die Gefühlslage in Hannover dürfte also ziemlich genau der entsprechen, die in Stuttgart nach den ersten vier Spielen unter Markus Weinzierl herrschte. Wir erinnern uns: 0:4 gegen Dortmund, 0:4 in Sinsheim, 0:3 gegen Frankfurt, 2:0 in Nürnberg.

Lange Gesichter an der Leine, neue Zuversicht am Neckar. Dass die Unterstützung bei Heimspielen fehlt, wie die dpa neulich fabulierte, ist selbstverständlich Unsinn. Die Fans wissen ganz genau, wie wichtig die Partie am Sonntag ist. Das zeigt auch der Aufruf der Canstatter Kurve zum Einsingen vor dem eigentlichen Spielbeginn. Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft ebenso entschlossen ist. Aber dafür wird das Duo Hitzlsperger/Weinzierl hoffentlich sorgen.

Ganz ehrlich? Ich bin zuversichtlich. Denn es gibt einige Faktoren, die dafür sprechen, dass der VfB Stuttgart den “Abstiegskracher” gewinnt. Aber spricht eigentlich irgendwas gegen einen Heimsieg? Höchstens die Tatsache, dass so viel dafür spricht. Und das macht mir dann doch ein bisschen Angst.

Headline geklaut bei Fritz1893:

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5 Kommentare

    • @buzze sagt

      Für mich ist Donis einfach kein Mittelstürmer. Gegen Hannover wird der VfB vermutlich nicht kontern können, sondern trifft auf einen tief stehenden Gegner. Da braucht es einen kopfballstarken Gomez.

  1. Mozy sagt

    Schade nur, dass Augsburg vorgelegt und gegen Dortmund „überrascht“ hat. Sollte der VfB also wirklich mal wieder siegen gegen H96, wird das leider an der schaurigen Tabellensituation nichts ändern (und Dietrich weiterhin el Presidente bleiben)… Aber hey, so ein bisschen Aufbruchstimmung aus dem nichts – warum nicht;-)

    • @buzze sagt

      Durch den überraschenden Sieg der Augsburger wird ein Sieg gegen Hannover noch entscheidender. Das ist jetzt wirklich ein Tod-oder-Gladiolen-Spiel.

  2. Pingback: Mentalitätsmonster oder Abstiegsgespenst? – Vertikalpass – ploggo

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