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„Steh auf, Du Memme!“

Samstag, 14 Uhr, Fellbach, rund 4 km Luftlinie vom Daimler Stadion entfernt. Ein Garten, zwei kleine Tore. Ich hatte mich mit meinem Freund Sammy auf ein Spiel zwei gegen zwei eingelassen, Gewinner sollte das Team sein, das als Erster zehn Punkte hat. Gegner waren die beiden Söhne Sammys: Sieben und zehn Jahre alt, beide bevorzugen das robuste Spiel. Sammy schoss einst die zweite Mannschaft des TSV Westhausen zum Aufstieg, Höhepunkt meiner „Karriere“ war ein Einsatz als Balljunge (siehe hier).

Sammy und ich führten schnell 5:1, wir agierten clever, spielten unsere Größenvorteile aus. Die beiden Jungs hielten gut dagegen und das Spiel begann sich zu drehen. Hinten grätschte der eine wie Maik Franz, vorne netzte der andere wie Mario Gomez in seinen besten Zeiten. Franz und Gomez in einer Mannschaft? Undenkbar? In Fellbach nicht. Das Spiel wurde härter, Sammy wurde von hinten umgemäht, mich traf ein Tritt voll ans Schienbein. Als ich mich beschwerte und ein pädagogisch wertvolles Gespräch führen wollte, erhielt ich als Antwort: „Stell Dich nicht so an, Du Memme!“ und Maik Franz‘ seine Augen funkelten wild. Es kam wie es kommen musste: Sammy und ich verloren 10:9, das Siegerlächeln der beiden Jungs werde ich ein ganze Weile nicht vergessen.

Das Spiel VfB gegen den VfL Wolfsburg ist so ähnlich wie unser Kick in Fellbach. Der VW-Club agiert clever, spielt sein enormes kreatives Potential aus, der VfB jedoch hält nicht robust wie die Jungs dagegen, sondern will mitspielen. Wolfsburg ist dadurch stets obenauf und spielt das Ding locker nach Hause. So locker wie es Sammy und ich auch hätten tun sollen.


Die Fakten:

Der VfB kassiert in den letzten drei Spielen elf Tore und verliert gegen Wolfsburg zurecht, aber zu hoch. Die Hoffnung, dass sich die Mannschaft stabilisiert, ist erneut dahin.

Was fiel auf?
Kirschbaum, Rüdiger, Schwaab, Niedermeier, Romeu, Leitner. Nein, ich habe vor lauter Gegentoren nicht die Offensive der VfB-Spieler vergessen, das sind die, die alleine oder in Gemeinschaft mit einem Kollegen spielentscheidende Fehler machen gegen Wolfsburg. Gegen Frankfurt wurde diese noch von Harnik und Gentner ausgeglichen, dieses Mal scheitern sie am Pfosten oder VFL-Keeper Benaglio.

Was ist zu tun?
Die Taktik Armin Vehs, Fehler rigoros zu bestrafen, funktioniert nicht mehr. Er müsste die gesamte Defensive (ausser Florian Klein) auf die Bank setzen, er müsste erneut den Torhüter austauschen, da müssen wir nicht lange diskutieren, dass das nicht geht. Aber sind wir ehrlich: Viele Spieler hätten eine Denkpause verdient, leider zu viele. Denn es müssen die Fehler abgestellt werden und der Umgang mit Fehlern. Den Ball zu verlieren ist das eine, die Situation trotzdem kompromisslos zu bereinigen, das andere. Denn bis auf den Schwaab-Moment („Uups, da steht ja noch einer!“) sind die anderen Tore trotz eklatanter Fehler verhinderbar. Es braucht nur einen, der sich für den anderen reinwirft. Und diese Mentalität fehlt dem VfB: Dass jemand mit zurückläuft, dass der Torhüter robust und überzeugt rauskommt, dass bei einer Flanke nicht der Raum gedeckt wird, sondern der Mann. Das Verhalten nach Fehlern, das muss Veh trainieren. Denn dass der VfB Defensive kann, hat er unter Huub Stevens bewiesen.

Wie gehts weiter?
In dieser Woche wird es mal wieder eine Trainer Torhüterdiskussion geben. Kirschbaum oder Ulreich? Ist das schon eine Frage nach dem kleineren Übel? Und das führt auch automatisch zur Frage: Sind Teile der Stuttgarter Hintermannschaft bundesligatauglich – spielerisch und mental? Damit werden potentielle Neuzugänge wie Carlos Zambrano (eine peruanische Ausgabe von Maik Franz) diskutiert und das wird logischerweise wieder zu den Themen Geld und Bobic-Nachfolge führen. So weit, so berechenbar.

Nur eins darf nicht passieren: Dass an der Fehlerkette verzweifelt wird. In Unternehmen nennt man den Umgang mit Fehlern „Fehlerkultur“. Eines der wichtigsten und sensibelsten Themen. Veh muss dies vorsichtig und mit Fingerspitzengefühl moderieren, was aus meiner Sicht nicht unbedingt seine Stärke ist.

Jetzt zeigt es sich, wie der VfB damit umgeht, dass er in vielen Belangen am Boden liegt. Ich habe da einen Tipp in Fellbach gehört: „Steh auf, Du Memme!“.

Was sagt Rakede zum VfB-Spiel gegen Wolfsburg?
„Ja, … aber wenn alles klappt?“, wenn Harnik und Sararer treffen …

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