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Sorglos durch die Nacht

VfB: Sorglos in die Krise. Bild: Lario Tus / Shutterstock.com

Samstagabend. Flutlicht. Der VfB Stuttgart hat gerade gegen den Tabellenletzten Werder Bremen verloren. Bremen hat zwei Torchancen aus zwei Eckbällen und schießt zwei Tore. Florian Klein stellt sich den investigativen Fragen von Jessica Castrop (da würde mir auch ganz anders werden). Klein entschließt sich, diesem journalistischen Stahlbad mit Lockerheit zu begegnen. Souverän nimmt er die Schuld beim 1:0 auf sich und gibt unumwunden zu, dass die Umstellung von Mann- auf Raumdeckung bei Eckbällen unter der Woche zwar geübt wurde, das festgelegte Verhalten aber wohl nur im Kurzzeitgedächtnis angekommen sei. Zum Schluss zwinkert er Frau Castrop charmant zu, außerhalb des Bildes steckt er ihr wahrscheinlich noch seine Telefonnummer zu.

Im Interview ist es eine leicht aufgesetzte Lockerheit gepaart mit österreichischer Leichtigkeit, im Spiel ist es bei allen einfach Sorglosigkeit. Torchancen von Christian Gentner und Martin Harnik werden wurstig vergeben, hinten bei Eckbällen halbherzig verteidigt. Man hat beim VfB Eindruck, als ob man nicht verstanden hätte, um was es geht. „Bei uns ist im Moment vielleicht ein bisschen der Wurm drin“, untertreibt Klein. „Bei den Toren wirst Du ja blöd! Aber am elften Spieltag ist noch keiner abgestiegen“, erklärt Armin Veh weltmännisch.

Die Fakten:
Der VfB ist Tabellenletzter.
Kassiert die meisten Gegentore (25 in 11 Spielen).
Vielleicht sollten sich das nicht nur die Herren Klein und Veh mal schwarz auf weiss anschauen.

Was war am Anfang los?
Bremer und Stuttgarter Fans haben für die ersten Minuten ein gemeinsames Pfeifkonzert vereinbart, um gegen RB Leipzig zu protestieren. Gehts noch? Haben die Fans nicht andere Sorgen? Sind Werder und der VfB etwa wegen Red Bull am Tabellenende? Das liegt wohl eher an massiven Fehlern und Fehleinschätzungen der vergangenen Jahre und ein bisschen auch an Vereinen wie Hoffenheim, Leverkusen, Wolfsburg, die die 50+1-Regel seit Jahren aushebeln. Dass sich einige „Fans“ nach dem Spiel kloppen, ist leider mehr als eine Fußnote. Da wird an „Traditionen“ zu verbissen festgehalten (Kopfschüttel).

Was fiel auf?
Sercan Sararer wird geschnitten.

Sararers Flügelläufe sind deutlich zugkräftiger als die auf der linken Seite von Filip Kostic. Trotzdem erhält der Türke kaum einen Ball. Armin Veh hat darüber hinaus seine Meinung exklusiv, wenn er meint, der wuselige Türke müsse anstatt des wirkungslosen Serben ausgewechselt werden. Oder ist die Mannschaft mit den Entscheidungen des Trainers nicht einverstanden und er korrigiert die Nominierung von Sararer?

Dass Veh den 18-jährigen Timo Baumgartl für den verletzten Daniel Schwaab (fällt einige Spiele aus wegen Innenbandruptur im Fussgelenk) bringt, darf man wohl nicht als devotes Zeichen verstehen, dass er mit einem Spieler aus den eigenen Reihen die Fans besänftigen will. Er handelt schlicht nach seinem schon 2007 bekannten Grundsatz: „Wenn zwei Spieler gleich gut sind, nehme ich den jüngeren“. War es damals Markus Babbel, der gegen Serdar Tasci den kürzeren zog, so ist es jetzt Karim Haggui, der zuschaut, wie Baumgartl außer ein paar wackligen Zuspielen einen soliden Eindruck macht. Nach allem, was man so hört, ist Haggui jedoch fürs Binnenklima wichtig.

Was fehlt im Spiel des VfB?
Qualität.

Neben der Qualität fehlt Führung. Weder Gentner, noch Schwaab noch Martin Harnik treiben die Mannschaft an. Nach dem 2:0 war das Team tot. Von der Bank aus wird nur gegrantelt und abgewunken, da müssen mehr positive Impulse kommen. Nicht nur deshalb sägt die StZ bereits am Stuhl von Veh.

Was macht Hoffnung?
Dass der HSV ebenfalls verlor und Bremen nicht wirklich besser ist als der VfB.

Was macht eigentlich Fredi Bobic?
Er ist in New York. Gut gelaunt.

Wenn er aus NY zurückkehrt, sitzt Bobic wieder mit Bruno Labbadia und Huub Stevens zusammen, sie haben so ne Art Ehemaligen-Stammtisch eingerichtet, treffen sich regelmäßig, Thomas Schneider schaltet sich meist per FaceTime zu, weil er so viel zu tun hat mit der Nationalmannschaft: Außenverteidiger suchen, Stürmer scouten, Trainingspläne in PowerPoint erstellen und versenden, Gibraltar beobachten. Da bleibt kaum Zeit, über den ehemaligen Verein zu lästern.

Fredi: „Ohne uns läufts beim VfB auch nicht besser. Das haben die in Stuttgart jetzt wohl begriffen, dass es an uns nicht gelegen hat, oder Bruno?“

Bruno: „Am Arsch geleckt!

Huub: „Neeeeeinnnn, es muss hinten nur die Null stehen. Warum spielt denn Gruezo nicht?“

Fredi: „Weil Armin auf Romeu steht, der hat auch einen Hund wie er und geht zum gleichen Hundefriseur!“

Bruno: „Man muss beim VfB auch Demut zeigen, wenn man bedenkt, wo die herkommen!“
Fredi: „Ach Bruno …“

Bruno: „Was meinst Du Fredi, wann macht Armin mit bei unserem Ehemaligen-Stammtisch?“

Bobic (überlegt nicht): „Das kann schneller gehen als wir denken. Das einzige, was den VfB am Rauswurf Vehs hindert, dass sie keinen haben, der einen neuen Trainer findet!“

Bruno: „Aber Dein Kumpel Balakov würd’s doch machen, oder?“

Huub: „Neeeeeinnnn, es muss hinten nur ….“

Schneider (erscheint auf dem Laptop): „Hallo, hallo, hört mich jemand, ich komme gerade aus Gibraltar zurück. Habt Ihr gesehen, wen ich als linken Verteidiger gefunden habe?“

Fredi: „Der Hector von Köln? Hätte ich nie geholt, der hat den falschen Berater.“

Titelbild: Lario Tus / Shutterstock.com

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2 Kommentare

  1. Nichts gegen unseren Florian Klein, bisher erlebe ich ihn als absolut professionell.
    Wird Sararer wirklich geschnitten? Er verzettelt sich immer noch zu oft..
    Qualität glaube ich nicht einmal, dass dies fehlt, die von dir angesprochene Wurstigkeit ist da schon viel stärker im Fokus. Daran muss man anknüpfen, macht Gente das 1:1, geht die Sache anders aus.
    Ebenso die fehlenden Führungsspieler, da stimme ich ebenso zu.
    Spannend, was Veh macht, gegen Baumgartl habe ich überhaupt nichts, psychologisch soll er den Etablierten Beine machen, finde ich stimmig.

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