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Trainer oder Team: Wer ist schuld an der VfB-Krise?

VfB-Krise. Trainer oder Team

Borussia Dortmund ist ein gutes Beispiel, dass der Tabellenplatz nicht immer ein realistisches Abbild der Leistungsfähigkeit eines Teams ist. Kommen jedoch wie beim VfB Stuttgart zu einer bedrohlichen Tabellensituation auch noch die damit korrespondierenden Leistungen, ist klar: Dieses Team ist momentan zu schwach für die Bundesliga. Dafür kann es zwei Gründe geben: Entweder fehlt es dem Kader an Qualität oder dem Trainer gelingt es nicht, das Potenzial der Mannschaft abzurufen. Oder, und das ist die furchtbarste Kombination überhaupt: es trifft beides zu.

Über die Gründe für den Sturzflug der Schwaben ist man sich momentan nicht ganz einig. Denn während die Stuttgarter Zeitung Armin Veh in die Pflicht nimmt, sieht der kicker in seiner Montagsausgabe akuten Handlungsbedarf, sobald der Wintertransfermarkt geöffnet wird.

Nicht mal im kleinen und gemütlichen vertikalpass-Headquarter sind wir uns einig, woran es denn nun liegt. Während abiszet mit dem aktuellen Kader wenig Chance auf den Klassenerhalt sieht, bin ich der Meinung, dass es am Trainer und nicht an der Qualität der Spieler liegt.

Deswegen haben wir uns das Team mal Position für Position vorgenommen. Es versteht sich von selbst, dass wir dabei zu äußerst unterschiedlichen Ergebnissen kommen:


Sven Ulreich und Thorsten Kirschbaum

Mit Bernd Leno wurde der beste Keeper weggeschickt, warum auch immer: Weil er den falschen Berater hatte, weil Kasse mit ihm gemacht werden musste oder weil seine Exzellenz schlicht nicht erkannt wurde (was ich für die unwahrscheinlichste der drei Möglichkeiten halte). Anyway, Leno spielt Champions League, beim VfB hat Veh den Battle of Torhüter ausgerufen und damit aufgedeckt, dass beide Keeper alles andere als komplett sind: Spieleröffnung, Passspiel, Strafraumbeherrschung, Abwehrorganisation, Torlinie, Ausstrahlung. Da gibt es bundesligataugliche Aspekte, aber das Gesamtpaket stimmt nicht. Wenn es einen Wechsel gibt, dann nach der Winterpause. Womöglich ist Eigengewächs Odisseas Vlachodimos von der U23 der lachende Dritte. Ihm wird ähnliches Potential wie Leno zugeschrieben (abiszet)

Armin Vehs Entscheidung, den Torhüter zu tauschen, war ebenso verständlich wie unglücklich. Dennoch: Mit Sven Ulreich verfügt der VfB über einen Keeper, der nicht nur vier Saisons konstant seine Leistung gebracht hat, sondern auch ein echter Stuttgarter Junge ist und damit absolut zur Identifikationsfigur taugt. Die Kurve darf sich gerne fragen, warum sie ihn erst unterstützt hat, nachdem er nicht mehr im Tor stand. Also zurück mit „Ulle“ ins Tor! (sr)

 

Florian Klein

Im Vertrauen sagte die StZ, dass sie den Österreicher zu Beginn nicht für bundesligatauglich hielt, aber ihm erst einmal eine Chancen geben wollten. Diese Chance hat Klein beeindruckend genutzt, ob rechts oder links, der Mann mit dem definierten Oberkörper ist bester Abwehrmann des VfB. (abiszet)

Klein. Aber auch oho? Eher nicht. Aber vor der Saison belächelt, hat sich der schmächtige österreichische Nationalspieler als Verstärkung herausgestellt. Seine Rolle auf der rechten Außenverteidigerposition füllt er solide aus, ohne dabei zu glänzen. Also viel besser als Sakai das je gemacht hat. (sr)

 


Daniel Schwaab

In der zweiten Liga als Jungspund so etwas wie eine Führungsfigur in Freiburg, bei Leverkusen ein Mitläufer, den man beim VfB zum Führungsspieler aufbauen wollte. Alleine diese Idee, wer ist da darauf gekommen? Da wollte Fredi Bobic ein bisschen Ralf Rangnick spielen und auch mal einen scheinbar unterschätzten Spieler hoch bringen. Profillos, unauffällig, fehlerhaft, mit vielen Konzentrationsschwächen. Ein Unsicherheitsfaktor in der letzten Saison (remember sein Eigentor gegen Leverkusen), heuer noch schlimmer. Schwaab hat in der Innenverteidigung nichts zu suchen, auf der Außenbahn ist er zu eindimensional, da er keine offensiven Akzente setzt. (abiszet)

Mit seiner Erfahrung aus 139 Bundesligaspielen hatte der ehemalige Leverkusener in der vergangenen Saison maßgeblichen Anteil daran, dass der VfB nicht abstieg. Zugegeben: In dieser Saison ist sein Spiel fehleranfällig. Doch unter Stevens hat er gezeigt, dass er es kann. Warum ist er unter Veh vom Ruhepol zur Fehlerquelle geworden? Das muss der Trainer beantworten. (sr)


Georg Niedermeier

Unvergessen die Szene als er einen Zahn verlor beim Spiel gegen Frankfurt vor zwei Jahren und trotzdem weiterspielte. Wie er Fussball arbeitet, das muss man lieben, unser „Niederstrecker“ konnte auch mal Zeichen setzen, wie es seit Zvonimir Soldo keiner konnte. Nur: Seit dem Frankfurt-Spiel 2012 hat er den Biss verloren. Spieleröffnung, Schnelligkeit, Auffassungsgabe, Antizipation, viele falsche Entscheidungen: grätschen oder ablaufen, einen Gegner stellen oder abdrängen – Niedermeier liegt meist falsch, er hat das Gefühl für Spielsituationen verloren. Ich schreibe es ungern: Seine Zeit scheint leider vorbei zu sein. (abiszet)

Seine Zeit ist vorbei? Im zarten Alter von 28? Nein, ein Typ wie der bayerische Niederstrecker ist der Traum eines jeden Fußballromantikers. Über seine technischen Unzulänglichkeiten sieht man gerne hinweg, wenn er sich nach einem Zweikampf den dabei verlorenen Zahn wieder implantiert. Niedermeier ist wie gemacht für den Abstiegskampf. Es ist Armin Vehs Aufgabe, dieses Talent endlich zu nutzen. (sr)

 

Gotoku Sakai

Müssen wir darüber reden? Ich möchte den sympathischen, immer bemühten Japaner nicht dissen. Sein Blick nach Fehlern rührt mich, ich würde es ihm gönnen, wenn er die Kurve kriegt. Vielleicht bei einem anderen Verein? (abiszet)

Okay, das ist schwierig. 78 Spiele hat der Japaner mittlerweile für den VfB absolviert und ich kann mich an keine gute Aktion erinnern. Andererseits scheint er besser zu sein als Konstantin Rausch, da er diesem stets vorgezogen wird. Und da Rausch seine Bundesligatauglichkeit nachhaltig bewiesen hat, muss Sakai sie erst recht haben. Das ist keine Meinung, das ist Mathematik! (sr)


Antonio Rüdiger

An ihm scheiden sich die Geister: Viele Fans beginnen zu raunen, wenn er in Ballnähe ist, Jogi Löw steht auf ihn, internationale Top-Clubs jagen ihn. Er ist der Einzige, der sich erkennbar und mit allem, was er hat (das ist einiges) gegen Niederlagen stemmt. Aber er will zu viel, seine starke Mentalität und Motivation hemmt ihn. Er braucht einen starken Partner neben sich, der ihn führt, zügelt und antreibt. Einen Spieler, den es im derzeitigen Kader des VfB nicht gibt. Das läßt Rüdiger und Veh genauso verzweifeln wie mich. (abiszet)

Es ist paradox: Da hat der VfB endlich wieder einen jungen Nationalspieler im Kader, für den eine Offerte nach der anderen aus dem Ausland eingeht. Und ausgerechnet dieser Spieler kommt nach zehn Einsätzen auf eine kicker-Note von 3,9. Sind also Jogi Löw und die interessierten Vereine aus dem Ausland ahnungslose Dilletanten? Oder lastet einfach zu viel Verantwortung auf seinen breiten Schultern? Das herauszufinden ist Armin Vehs Aufgabe. (sr)


Carlos Gruezo und Oriol Romeu

„Schausteller zum Mitfahren gesucht!“ So wirkt Romeu, wie auf der Durchreise, er verbringt sein Überbrückungsjahr beim VfB, um nicht auf den Ersatzbänken seiner ehemaligen Großclubs Chelsea und Barca zu versauern. Er hat seine Stärken in der Ballverteilung, aber mehr quer als vertikal, dazu fehlt ihm Geschwindigkeit. Als alleiniger Sechser überfordert, da er spielerische Defizite hat. Huub Stevens zauberte Gruezo aus dem Hut, ein robuster Zweikämpfer, ein Balleroberer, ein Giftzwerg, bei dem einem das Herz aufgeht. Er ist noch sehr jung und benötigt neben sich einen erfahrenen Kompagnon. Das kann nicht Romeu sein, das ist nicht Christian Gentner und erst recht nicht der unreife Moritz Leitner. (abiszet)

Unter Huub Stevens hat Gruezo mehrfach gezeigt, dass er das Team stabilisieren kann. Dass Veh ihn nach einem einzigen Fehler degradiert, ist weder professionell noch zielführend. Neben dem WM-Teilnehmer aus Ecuador hat er nun auch noch Romeu als Option. Einen Spieler, der bereits für den FC Barcelona und den FC Chelsea gespielt hat. Ich denke, das sollte als Nachweis für die Bundesligatauglichkeit der Stuttgarter Doppel-Sechs reichen. (sr)

Hier geht es zum zweiten Teil, der Offensive.

 

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2 Kommentare

  1. Der arme Sakai, der war – ähnlich wie Molinaro – in seinem ersten Jahr wirklich stark und hatte seine Linie im Griff. Er löst fast alles spielerisch, aber trotz mancher Fehler glaube ich an ihn.

    • Sebastian sagt

      Ja, das ist wirklich ein Dilemma. Sakai ist so liebenswert, dass sich wohl niemand wünscht, dass man ihn ersetzt. Man wünscht sich einfach nur, dass er ein guter Außenverteidiger sei. Bald ist Weihnachten und das ist ja nicht die schlechteste Zeit für Wünsche. Außerdem trägt der Weihnachtsmann rot-weiß. :-)

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