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Trainer oder Team: Wer ist schuld an der VfB-Krise. Teil II.

Nachdem wir uns gestern in Teil I die Verteidiger und die Doppelsechs angeguckt haben, gehen wir heute in die Offensive. Sind das Mittelfeld und der Angriff des VfB Stuttgart bundesligatauglich oder muss nachgebessert werden?


Christian Gentner

Zweimaliger Meister. Der Kapitän. Einer, der voran gehen sollte. Der andere mitziehen und motivieren sollte. Sollte. Was hatte der VfB für Kapitäne: Ohlicher, Allgöwer, Verlaat, Soldo, Meira. Respektspersonen, die wegen ihrer Leistung und Persönlichkeit im Team anerkannt waren. Ich mag Gentner sehr, aber er ist kein Spielführer. Das einzige, was an Ohlicher erinnert, ist Gentners Spielweise: Er ist überall auf dem Platz unterwegs, kaum auf eine Position festgelegt, vom zentralen Mittelfeld zieht er auf die Mittelstürmer-Position, weicht auch mal auf die Außenbahn aus. Eigentlich ein moderner Box-to-Box-Player, aber defensiv ist Gentner oft nicht da, wo er sein sollte. Ich denke, er wäre ohne Binde stabiler und für die Mannschaft wertvoller. Wobei eine Degradierung seinem Selbstvertrauen und seiner Stellung im Team schaden würde. Ein Teufelskreis. (abiszet)

Zuverlässig, kopfballstark, mannschaftsdienlich. Gentner ist der Leim, der den Laden zusammenhält. Oder das zumindest tun sollte. Abgesehen von seinem Wolfsburg-Intermezzo ist der Kapitän jetzt seit 10 Jahren im Verein kann mit Identifikation und Können die nötige Konstanz in das VfB-Spiel bringen. Auch seine Kopfballstärke bei Standards wird aktuell viel zu selten genutzt. Warum eigentlich? (sr)

 

Alexandru Maxim

Letzte Saison: Vorlagenkönig. Standardmeister. Heute: Schwankend, verspielt. Was ist mit seinen Ecken los? Letzte Saison: Ecke Maxim, Kopfball Gentner, Tor. Heute: Da kommen die Dinger auf Kniehöhe rein. Der VfB ist für Maxim der erste „große“ Verein in seiner Profi-Karriere. Das mag jetzt überheblich klingen: Ist der VfB zu groß für ihn? Maxim hat enormes Potential, das ist unstrittig. Nur er allein ist dafür verantwortlich, es dauerhauft abzurufen. (abiszet)

29 Spiele, 7 Tore und 9 Vorlagen. So lautete die Bilanz von Alexandru Maxim am Ende der vergangenen Saison. Auch, wenn der Rumäne oft zu verspielt wirkt: Die Quote stimmt(e) und seine gefährlichen Freistöße wären nach wie vor ein probates Mittel sein, um mehr Chancen zu generieren. Siehe auch Gentner.


Martin Harnik

Reicht eine gute Saison, um beim VfB Führungsspieler zu sein? 2011/2012 traf der Österreicher 17mal und Bruno Labbadia lobte ihn, weil er so viele Sprints im Spiel hatte. Dass die oft defensiv waren, dass er Löcher zulief, die er manchmal selbst geschaffen hatte – geschenkt. Von der Körpersprache her wäre er einer, der andere mitreißen kann, aber was soll man von einem halten, dem der Ball weit vom Fuß springt, dass man meint es wäre ein Pass und der spielentscheidende Torchancen vergibt? Beim VfB sollte man aufhören, auf die Vergangenheit zu schauen und daraus Ansprüche abzuleiten. Das gilt für den Verein, aber auch für die Spieler. Harnik hat schon lange nicht mehr überzeugt. (abiszet)

Klar denken wir all gerne an die Saison 2011/2012 und vor allem an die Rückrunde zurück. Harnik kam auf insgesamt 17 Saisontore, der VfB stand am Ende auf Tabellenplatz 6. In der vergangenen Saison kam der Österreicher auf 10 Saisontore und aktuell stehen 3 Tore nach 9 Einsätzen auf seinem Konto. Beachtliche Werte, die zeigen, dass Martin Harnik weit mehr ist als nur bundesligatauglich. Außerdem mag ich seinen T(h)or-Jubel. (sr)

 

Daniel Didavi

Sehr lange verletzt, überraschte alle mit einem sensationellen Comeback und avancierte zum Hoffnungsträger im Abstiegskampf 2013/2014. Jetzt soll er der Mittelfeldregisseur sein, der Balakov der Neuzeit. Sehr viel verlangt von einem, der fast zwei Jahre verletzt ausfiel. Dass er deshalb noch nicht stabil ist, kann ihm niemand vorwerfen. Aber Didavi ist ein Spieler für die besonderen Momente, weil er Ideen hat, den öffnenden Paß spielen kann, mit einem feinen Schuß überraschen kann. Wenn ich sein elegantes Spiel sehe, geht mir das Herz auf. Gleichzeitig ist er robust im Zweikampf und läßt sich auch durch eine harte Gangart nicht aus dem Spiel nehmen. (abiszet)

Sein größtes Manko ist die hohe Verletzungsanfälligkeit. Ganze 18 Spiele konnte Didavi bestreiten, seit er zurück aus Nürnberg ist. Doch, wenn er fit ist, gehört der schussstarke Nürtinger definitiv zu den besseren Mittelfeldspielern der Liga. Hoffen wir, dass Armin Veh ihn weder ignoriert noch verheizt, sobald “Dida” wieder einsatzfähig ist. (sr)


Filip Kostic

Noch nicht integriert, macht mal einen bissigen, mal einen lätschigen Eindruck. Er läßt sich noch nicht abschließend beurteilen, hat zwar alle elf Bundesligaspiele mitgemacht, aber teilweise nur mit Kurzeinsätzen. Braucht er noch Zeit? Die hat der VfB leider nicht. Und wie sagte noch Pep Guardiola: „Gute Spieler brauchen keine Zeit!“. (abiszet)

Mit 6 Millionen Euro Ablösesumme war der Serbe alles andere als ein Schnäppchen. Mittlerweile hat er sich von der Bank in die Startelf gekämpft und dabei immer wieder sein Können aufblitzen lassen: Schnell, trickreich und bissig beackert er die linke Außenbahn ohne dabei viel Unterstützung zu bekommen. Dafür macht er den Job richtig gut. (sr)


Vedad Ibisevic, Mo Abdelloue, Daniel Ginczek

Komplettausfall seit mindestens einer Saison. Verletzungen, Formschwächen – kommen die noch einmal auf die Beine? Es wäre unfair, heute die Qualitätsfrage zu stellen, vor allem nicht bei Ibisevic, der bis auf 2014 immer zuverlässig Tore machte. Aber auch bei ihm schauen wir vor allem auf die Meriten der Vergangenheit. Und vielleicht funktioniert Abdelloue nur in Hannover? Und sind bei Ginczek 17 Bundesligaspiele und 3 Tore ein Arbeitszeugnis, das überzeugt? Mich jedenfalls nicht. (abiszet)

Das tragische Dreieck. Jeder von ihnen ein hervorragender Stürmer. Eigentlich. Denn keiner der drei ist fit. Dennoch denke ich, dass der VfB hier langristig gesehen gut aufgestellt ist. Erstes Ziel muss es sein, Vedad Ibisevic nachdrücklich daran zu erinnern, dass er mal ein echter Knipser war. Das ist die Aufgabe des Trainers. (sr)

 

Timo Werner

Wild und jung, so wünschen wir ihn uns. Das war er am Anfang bei Thomas Schneider, da stand teilweise das gesamte Stadion auf, wenn er eines seiner Solos ansetzte. Mittlerweile hat man oft den Eindruck, er spielt mit angezogener Handbremse. Trotzdem versucht er noch viel, hat aber mit 18 (!) schon sein Unbekümmertheit verloren. Oder ist das gerade eine Phase? Wir dürfen nicht zu viel erwarten. Er ist nach wie vor ein großes Talent, aber er braucht Halt. Einerseits vom Trainer, andererseits von einem erfahrenen Kollegen. Ibisevic wäre so einer. Aber auch Kevin Kuranyi. Zukunft und Vergangenheit im Sturm. Das würde zum VfB passen. (abiszet)

Gemeinsam mit Rüdiger und Didavi bildet Timo Werner den VfB der Zukunft. An guten Tagen spielt er seine Gegner nicht aus, sondern rennt einfach an ihnen vorbei. Wenn es dann im Stadion laut wird, ist es fast wie damals, wenn Alexander Hleb zu einem seiner Tempodribblings ansetzte. Werner traue ich zu, genauso wichtig zu werden. Hier ist das nötige Fingerspitzengefühl von Armin gefragt: Er muss Werner ausreichend Einsatzzeiten gewähren, aber auch für die nötigen Pausen sorgen. Keine leichte Aufgabe. (sr)


Fazit

Und nun? abiszet wünscht sich eine klare Zäsur, wie sie Christian Streich 2012 in Freiburg durchgezogen hat. Ich hingegen wünsche mir keine neuen Spieler, sondern Christian Streich bzw. hoffe, dass Armin Veh mehr aus der Mannschaft herausholt.

Man kann geteilter Meinung darüber sein, wer primär für die aktuelle Krise verantwortlich ist. Unstrittig hingegen ist, dass der VfB da unten nur herauskommt, wenn Team und Trainer an einem Strang ziehen und ihr Bestes geben.

Wintereinkäufe können die Qualität des Kaders natürlich erhöhen. Aber sind wir ehrlich: Wer von uns glaubt, dass es dem VfB gelingt, solche Spieler zu finden und dann auch noch zu verpflichten. Ganz abgesehen davon: Wer soll das überhaupt machen? Vielleicht sollte man doch als erstes einen Sportdirektor suchen.

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