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Ein Fall für zwei

Wer braucht schon elf Mann für ein Fußballspiel? Der VfB jedenfalls nicht. Er benötigt zwei erfahrene, oft gescholtene Silberrücken, einen Schiedsrichter, der im richtigen Moment beide Augen zudrückt und einen Alex Meier, der Kopfbälle daneben oder an die Latte setzt, die er normalerweise mit drei Äppelwoi intus versenken würde. Heraus kommt ein erneut aufreibender VfB-Sieg, der vierte in der Bundesliga in Folge. Ist das The Return of Rückrunden-Mannschaft?

In den Hauptrollen: Georg Niedermeier und Christian Gentner.
Niedermeier, powered by emotions, feiert sein hundertstes Comback beim VfB. Er ist der dreckigste aller Abwehrrecken, der Robert Huth der Bundesliga, ein Verteidiger so ruppig und hölzern wie Katsche Schwarzenbeck. Einer, der da hinten aufräumt wie Nick Tschiller im „Tatort“. Seine Spielweise wirkt bisweilen so altbacken wie Josef Matula aus dem ZDF-Klassiker „Ein Fall für zwei“. Er ist einer, der keine Gefangenen macht, einer, den alle mögen, weil er sich so reinknallt. Kopfballduelle werden bei ihm zu Luftschlachten wie beim 1:3, als er die Flanke von Gentner mit allem ins Netz wuchtet, was er hat: mit Kraft, Energie und – Wut. Aber er will nicht als kultiger Hau-den-Lukas wahr genommen werden, sondern als Spieler mit Führungsqualitäten. Er führt seit neuestem mit Qualität. Das 1:0 leitet er mit einem scharfen Paß auf Timo Werner ein. Was folgt ist reiner Überfallfußball, Lukas Rupp spielt zum richtigen Zeitpunkt vertikal, Christian Gentner versenkt das Ding lässig. Das 0:2 bereitet Niedermeier mit einem Kopfball auf Daniel Didavi vor und das 1:3 macht er gleich mal selbst.

Der Richter und sein Gentner
Wo Peter Sippel in der 36. Minute hingeschaut hat, weiss keiner. Aber der Schiedsrichter ist wohl der einzige, der das artistisch sehr anspruchsvolle Handspiel von Gentner nicht gesehen hat. Oft ist Gente nur nett, wir nannten ihn letztes Jahr den Hugh Grant der Liga, denn alle finden ihn sympathisch, obwohl er manchmal unglücklich agiert. Gentner zeigt in Frankfurt Führungsstärke und Spielintelligenz. Mir war er stets zu brav, aber er kann auch Zeichen setzen, wie das derbe taktische Foul Mitte der ersten Halbzeit, das zu einer kleinen Rudelbildung führt. Hier zeigt einer „Wir lassen uns hier nicht alles gefallen!“.

Dass er ein sicheres Tor dank seiner Intuition auf der Linie verhindert, macht ihn neben Niedermeier zum Helden des Spiels. Glück und Pech liegen sehr nahe beieinander in diesem Spiel. Gentner hätte wegen seines Handspiels ebenso zum Depp des Spiels werden können wie Niedermeier, der Torjäger Meier immer wieder aus den Augen verliert. Das darf nächstes Wochenende gegen Vedad Ibisevic nicht passieren. Das wird ein epochales Duell, ich wage die Prognose, dass einer von beiden vom Platz fliegen wird. Es wird spannend sein, wie Jürgen Kramny gegen die Beton-Berliner spielen lässt. Im Zweifel defensiv eher tief und spießig, offensiv dagegen risikofreudig, aber nie übermütig, das scheint seine Handschrift zu sein.

Was ist sonst los?
Filip Kostic, dem ich ohne weiteres zutraue, durch geschlossene Türen zu rennen, ist wieder der Wow-Spieler vom Ende der Rückrunde 2015. Artem Kravets kommt erneut rein und entscheidet das Spiel. Erst verlagert er vor dem 1:3 das Spiel clever auf die linke Seite, dann zieht er smart vor dem 1:4 den Elfmeter gegen den tolpatschigen Carlos Zambrano. Schade, dass seine Direktabnahme nach Bomben-Flanke von Kostic am Lattenkreuz landet. Phlegmatisch wirkt der Ukrainer, wird dadurch unterschätzt.

Der VfB ist ein Wave-Team, das von der Euphorie gesteuert, kaum zu halten ist. Kommt jetzt wieder der unwiderstehliche Rückrunden-Run, in dem der VfB alles in Grund und Boden spielt? Alles ist möglich. Ein Platz zwischen 6 und 10 genauso wie ein langer, harter Abstiegskampf. Denn die Siege des VfB sind nicht souverän herausgespielt, immer wieder gibt es Phasen, in denen es auch in die andere Richtung hätte gehen können. Ich bin mutig und schaue nach oben.

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