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Alles wieder gut?

Endlich der erste Heimsieg. Doch was sagt uns dieses Spiel? Ist das Spiel)glück der Rückrunde zurück? Und ist es ein kurzfristiges Glück, dass das große Unglück nur weiter hinauszögert? Hat die Mannschaft doch mehr Mentalität und Qualität als wir ihr zugetraut haben? Alleine wie der unglückliche Nic Gonzalez von Mitspielern und Kurve getröstet wurde, stimmt einen zuversichtlich. Immerhin der Teamspirit scheint zu stimmen. Alleine wie Mario Gomez – in meinen Augen der wahre Kapitän des VfB – auf der linken Seite zu Spielende geackert hat, von seinen Tor(schuss)-Vorlagen mal abgesehen, zeigt eine Einstellung, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben.

Und Tayfun Korkut? Er ist nicht mehr der Captain Kork, den wir aus der vergangenen Saison kennen. Er galt lange als ein Mann der Stabilität. Aufgeregtheiten und Personalrochaden waren seine Sache nicht. Aber seit drei Spielen rotiert er seine Spieler raus und rein, dass Pep Guardiola und Thomas Tuchel ihre Freude hätten. Allein: Genial wirkt das beim besten Willen nicht. Und so richtig nachvollziehbar auch nicht. Da hockt ein Emiliano Insua auf einmal auf der Bank. Der Argentinier hat sicher nicht sein bestes Spiel gegen Düssedorf gemacht, aber ein Christian Gentner (Kapitänsbonus?) steht hingegen Woche für Woche in der Startelf, obwohl er sichtbar Fitnessdefizite mit sich herumschleppt und sein Wert auf dem Platz sich – wenn überhaupt – nur Fußballnerds und direkten Verwandten von Gentner erschließt. Erik Thommy, der gegen Düsseldorf noch mächtig Alarm machte, sitzt dagegen draußen. Berkay Özcan, immerhin mit ein paar Minuten gegen Düsseldorf, wird aus dem Aufgebot gestrichen und durch Nunoo Sarpei ersetzt. Pablo Maffeo steht gegen Leipzig in der Startelf und ist gegen Bremen nicht einmal im Kader. Dass es schwierig ist, solche Personalentscheidungen zu moderieren und Unruhe in der Mannschaft entsteht, erscheint nachvollziehbar. In der Pressekonferenz vor dem Spiel sagte Tayfun Korkut, dass er für einige Positionen die richtigen Lösungen auch am sechsten Spieltag noch sucht. Und leider scheint es oft so, als ob er die möglichen Antworten auswürfelt.

Nachdenklich stimmt uns auch, dass Werder Bremen den VfB mit nur zehn Mann regelrecht hergespielt hat. Die Grün-Weißen hatten ein System, eine Spielidee, die dem VfB Stuttgart nach wir vor fehlt. Auch wenn während des Spiels (verletzungsbedingt) munter die Systeme gewechselt wurden, spielerisch wirkt Korkut hilflos und old fashionend. „Kompakt stehen und bei Ballgewinn schnell nach vorne spielen“ – so ähnlich lauteten auch schon die Spielkonzepte von Heinz Höher und Alexander Ristic in den 80er Jahren. Das ist viel zu wenig. Zumal das mit dem „kompakt stehen“ leider auch nicht mehr wirklich funktioniert.

Ja, der Sieg gegen Bremen war – auch dank sensationeller 18 Torschüsse –  eminent wichtig für das Punktekonto und die Stimmung der Mannschaft und des „schwierigen Umfelds“. Dass die Missstände, die sich in der bisherigen Saison offenbart haben, damit behoben haben, sollte man aber nicht glauben. Somit bleibt der Auswärtsspiel in Hannover am nächsten Spieltag ein absolutes Krisenduell zwischen den beiden Aufsteiger aus der vergangenen Saison. Und Hannover, das gerade desolat in Frankfurt untergegangen ist, wird noch mehr Druck haben als der VfB Stuttgart gestern gegen Bremen. Achtzehnter gegen Sechzehnter. Crunchtime, Baby!

Einen schönen Text zum Spiel in der Süddeutschen Zeitung gibt es hier.

P.S. Falls euch das Artikelbild seltsam bekannt vorkommt: Ja, es war in der Insta-Story von Benjamin Pavard. Gemacht hat es allerdings Kerstin, die am Samstag auf unserem Vertikalplatz saß. Aber im Gegesatz zum Weltmeister haben wir sie gefragt, ob wir es verwenden dürfen. :-)

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3 Kommentare

  1. Pingback: Alles wieder gut? – Ploggo

  2. Liebe Schreiber,

    ich lese eure Beiträge stets gern – auch weil ihr mit Worten umzugehen steht, einem feinen Humor huldigt und insgesamt ein erfrischendes Team in der Bericherstattung über den VfB seid.

    In den letzten zwei Wochen habt ihr euch aber einem Trend verschrieben, der auch mich manchmal erfasst, wenn es beim VfB nicht läuft: ihr schreibt klug bis neunmalklug über unkluge Trainerentscheidungen, lasst dem Frust freien Lauf. Sorry, aber dieses Niveau bekomme ich auch im Forum auf transfermarkt.de. Ihr könnt das so viel besser. So, wie auch der VfB es besser kann. Holt mal wieder eure Verbalkunst raus, ihr kommentiert gerade so verkrampft wie der VfB nach dem Fehlstart spielte.

    Ich werde es weiter lesen und danke euch für die tolle Seite.

    Uli

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