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Erlebnispark VfB: Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Herzlich willkommen im Stuttgarter Erlebnispark. Hier wird immer was geboten; langweilig wird es nie. Dafür sorgen die vielfältigen Attraktionen. Es sind nur wenige Schritte oder zwei Spiele von himmelhoch jauchzend im Riesenrad bis zum Gruseln in der Geisterbahn. Das Trainerkarussell ist derzeit zwar außer Betrieb, aber das wird erfahrungsgemäß nicht lange so bleiben. In der Zwischenzeit laden wir sie herzlich zu unserer neuen Slapstick-Show im Strafraum ein. Oder steigen sie einfach in unseren Klassiker ein: Die emotionale Achterbahn.

Wer weiß, vielleicht hat der VfB einfach seine Berufung verfehlt. Denn das Team sorgt zuverlässig für Unterhaltung. Nach dem spektakulären Rückrundenauftakt verliert das Team erst unglücklich gegen Hannover, um nun in Mönchengladbach totalen Schiffbruch zu erleiden. Dass dabei der lang verletzte Patrick Hermann (ausgerechnet!) nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung zum Torerfolg genötigt wird, zeigt, wie perfekt die Dramaturgie ausgearbeitet ist. Das ist keine Vorabendserie, das ist ganz großes Kino.

Das Spiel gegen die Fohlen ist jedenfalls ein Vergnügen für alle. Na gut, außer für die Stuttgart-Fans und die Spieler mit dem Brustring. Denn es scheint so, als hätte die Defensive, allen voran Niedermeier und Insua, eine Runde Wilde Maus gebucht, während Raffael, Hazard, Stindl und Co. im Rollercoaster an ihnen vorbeipreschen.


Und die viel gelobte Stuttgarter Offensive? Die ist genauso aufregend wie ein Karussell für Kleinkinder. Bei Didavi fragt man sich, ob er weiß, dass er nicht mehr gesperrt ist und auch Harnik, Kostic und Werner sind mehr oder weniger nicht existent. Die einzige Chance hat der eingewechselte Artem Kravets kurz nach Wiederanpfiff.

Man fragt sich wirklich, wie aus der selbstbewussten Truppe, die die ersten vier Spiele der Rückrunde überzeugend gewann, so ein trauriger Haufen werden konnte. Hatte man gegen Hannover noch überlegen gespielt und unglücklich verloren, konnte das Team gestern froh sein, nur vier Stück bekommen zu haben. Gefährliche Parallelen zur Hinrunde? Von Tyton bis Werner: Keiner brachte die Leistung, die nötig ist, um ein Team wie M’gladbach in Gefahr zu bringen. Der einzige, der nicht negativ auffiel, war Lukas Rupp. Allerdings nur in der ersten Halbzeit, als er auf der Bank saß.

Und deswegen reden wir jetzt wieder vom Abstiegskampf. Nur zwei Wochen, nachdem wir darüber diskutierten, ob ein Europa League Platz schon das höchste der Gefühle ist. Aber sind wir doch mal ganz ehrlich: Ist es nicht genau das, was uns als VfB-Fans auszeichnet? Sind wir mittlerweile nicht mit allen Wassern gewaschen von den vielen Wechselbädern der Gefühle? Was würden wir überhaupt machen, wenn der VfB im gesicherten Mittelfeld dahindümpeln würde?

Ich befürchte, wir brauchen das Hoffen und Zittern; die Euphorie und die Enttäuschung. Und das gleiche gilt für das Team. Denn es zeigt sich immer wieder: So richtig gut läuft es nur, wenn der VfB auf Endorphinen oder Adrenalin unterwegs ist. Auf Euphorie oder Stress. Parkleiter Kramny kommt jetzt die Aufgabe zu, die Mannschaft für das Spiel gegen Hoffenheim in einen dieser beiden Zustände zu versetzen. Denn, ganz ehrlich: Eine Niederlage gegen die Nagelsmann-Truppe wünscht sich nicht mal der derbste Adrenalin-Junkie.

2 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Der VfB..der VfB..der VfB ist wieder da..der VfB ist wieder daa, der VfB ist wieder daaaa …

    Mann, was ein Tempo im Vergleich zu langweiligen Hinrunde. Nur 1x unglücklich verlieren und dann aber sofort wieder hin zum 4er-Pack. Hoffnungsfroh erwarten wir nun, dass auch die 4er-Serie verkürzt wird und wir wieder die Serie der Unschlagbarkeit starten. Das würde dann bedeuten, dass wir gegen Hoffenheim unentschieden spielen, dann 1x gewinnen und dann: ja was dann?
    Wenn wenigstens sicher wäre, dass wir in diesem Rhythmus bleiben, dürften wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben, aber als VfB-Fan und schwäbischer Bruddler, weiss man ja jetzt schon, das wird nix mit Unentschieden und Sieg, wir laufen jetzt wieder in die Negativ-Serie und kämpfen bis zum (bitteren) Ende gegen den Abstieg.
    Ursachen?
    Das Wollen, einfach und immer nur das Wollen. In den letzten Jahren hat uns die Mannschaft mehr als einmal bewiesen, dass es nicht am Können mangelt, weder vorne, noch in der Mitte und eigentlich auch nicht hinten. Nur Wollen wollen sie nicht. Immer nur, wenn neue Trainer da sind, wenn für Plätze gearbeitet werden und man sich zeigen muss.
    Das heisst doch eigentlich, dass die Spieler zum Wollen gezwungen werden müssen, weil sie selbst nicht in der Lage sind, sich zum Wollen zu motivieren. Wie nennen wir unsere Arbeitskollegen, die zum Arbeiten gezwungen werden müssen? Faul? Arbeitsscheu? Und was machen wir mit solchen Kollegen? Bejubeln?
    Lehnen wir uns zurück, betrachten wir in Seelenruhe die weiteren Spiele, warten gemeinsam auf das nächste Augsburg-Desaster und freuen wir uns auf den nächsten Trainer.
    Gott sei Dank werden wir bald vom Verein zur Kapitalgesellschaft mit frischem Geld, das reicht für die nächsten Trainer-Abfindungen und neue Trainer-Gehälter, wirtschaftlich wird uns also so schnell nichts passieren. Nur, ob die Leute, die jetzt schon keinen Verein führen können, sich in einer Kapitalgesellschaft halten können, ist zweifelhaft. Aber das ist ja auch nur eine Frage der Verträge und Abfindungen ..
    Oder wir freuen uns über deutliche Massnahmen der Vereinsführung zur Spielermotivation. Mein Vorschlag wäre ja, die Rasenpflege in der Halbzeitpause des nächsten Heimspiels von den Herren Didavi, Werner und Co. durchführen zu lassen. Dieses Tempo kann man auch gehen, wenn man keine Lust hat.
    Wer dann spielen soll? Im Ernst? Ist das wichtig? Hat das irgendeine Bedeutung?

    • @abiszet sagt

      Hi draus vom Lande,

      es ist nicht zu überlesen, dass Du angefressen bist ;-) Aber keiner hat doch ehrlich erwartet, dass es jetzt nur noch aufwärts geht, oder? Das soll keine Entschuldigung sein für die mangelhafte Leistung in Gladbach.

      Dass der Mannschaft die Mentalität im Wege steht, das habe ich auch immer wieder vermutet. Und es wird auch von allen Seiten aufgegriffen: bequem sei das Team, nicht gekämpft hätte es, es sei bereits zufrieden mit dem Erreichten (was auch immer das Erreichte sein soll).

      Aber liegt es nur daran? Es ist vielmehr eine Mischung aus verschiedenen Komponenten. Das Spielglück, das kaum zu beeinflussen ist. Die Selbstzufriedenheit der Spieler, die scheinbar weder vom Trainerteam noch vom Management bekämpft wird. Die Tagesform, die zu slapstick-artigen Szenen führte. Die bessere taktische Einstellung von Gladbach. Und schließlich die höhere Spielerqualität. Wenn alles zusammen kommt, verstärken sich die Einzelkomponenten und herauskommt eine deftige Niederlage.

      Ich bin gespannt, wie das Hoffenheim-Spiel läuft. Es gibt einige, die die Sinsheimer Kicker für die besseren halten. Und nicht wenige, die den Trainer-Grünschnabel Nagelsmann taktisch richtig hot finden. Bliebe dem VfB noch Tagesform, Spielglück und Einstellung. Damit kann man gewinnen. Aber von einem Sieg gegen Hoffenheim kann man nicht ausgehen, ebenso wenig wie von einer Niederlage. Ein 50:50-Spiel. Wie gesagt: spannend.

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