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Mehr als drei Punkte

Platz 11, 16 Punkte, 8 Zähler Abstand auf Tabellenrang 16, so gut wie alle spielten für den VfB, ein Spieltag zum Chillen. Aber vor allem ist der Sieg mehr als drei Punkte Wert.

„Haben Sie eigentlich schon einmal so mannorientiert gespielt wie heute?“, wird Hannes Wolf im Anschluss an die Pressekonferenz im kleinen Kreis gefragt. Der VfB-Trainer überlegt. Er lächelt. „Nein“. Ganz leise fügt er hinzu: „In Fürth haben wir es mal versucht“. Wer sich nicht erinnert: Das war ein fürchterliches Spiel und ging 0:1 verloren.

Dieses Mal ging sein Matchplan auf. Manndeckung, das schöne alte Wort aus den 70er und 80er Jahren, was hat das im modernen Spiel von heute zu suchen? Das fragte sich wohl auch Emiliano Insua, der in der ersten Halbzeit überhaupt nicht mit dieser Spielweise zurecht kam. Das lief im zweiten Durchgang besser (Wolf: „Wir haben Insua noch weiter vor geschoben auf Toljan“), durch die mannorientierte Spielweise verwickelte der VfB den BVB immer wieder in Zweikämpfe und ließ deutlich weniger Kombinationen zu als in Durchgang eins. Dazu kamen immer wieder Ballgewinne, die in den freien Raum gespielt werden konnten, da Dortmund weit nach vorne schob. Der BVB setzte immer mehr auf Langholz und war so verzweifelt, dass er sogar jeden ruhenden Ball ab 40 Meter vor dem Tor zu einem Standard nutzte. Dortmund im Darmstädter Underdog-Style. Schön, wenn ein Plan so aufgeht. Vor allem für Wolf, der gegen „seine“ Borussia gewann und neben dem taktischen auch einen emotionalen Erfolg feiern konnte.

Mehr als drei Punkte sind es nicht nur für Wolf (was er nie zugeben würde) und die Mannschaft (die weiss, dass ihr Trainer den richtigen Matchplan ausarbeitet), sondern vor allem auch für Christan Gentner. Dem Mann mit der Maske, der aussah wie Black Knight, war kaum anzumerken, dass er neun Wochen mit einer schweren Gesichtsverletzung out war. Der Kapitän bestritt Zweikämpfe furchtlos, ging keinem Kopfball aus dem Weg und gab der Mannschaft spürbar Halt. Wolf sprach mit Hochachtung von seinem Kapitän: „Er hat uns gefehlt. Als Spieler, aber auch als Mensch.“

Die Erkenntnis für die Mannschaft, dass sie auch sogenante „Große“ schlagen kann, könnte ebenfalls mehr als drei Punkte wert sein. Klar, da muss alles zusammen kommen: Der BVB hat gerade einen Negativlauf und dann auch noch so eine Slapstickaktion zwischen Bürki und Bartra vor dem 1:0. Aber es gibt keinen Grund, nicht daran zu glauben, dass in einem Spiel alles möglich ist. „Es geht nur zusammen, dann haben wir auch gegen einen deutlich besseren Gegner wie Dortmund eine Chance“, sagte Holger Goodstuber nach dem Spiel.

Wenn dieses Spiel der Mannschaft Selbstvertrauen gibt für die beiden folgenden Auswärtsspiele, dann ist der Sieg gegen Dortmund wirklich mehr Wert als drei Punkte. Denn nur zu Hause zu punkten, wird auf Dauer wahrscheinlich zu wenig sein. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt für Zählbares in Hannover am Freitag und eine Woche später in Bremen. Ich würde der Mannschaft drei Videos vorspielen: Die beiden Niederlagen gegen Hannover in der zweiten Liga und das 2:6 gegen Bremen aus der Abstiegssaison. Horror-Filme, die Angst, Schrecken und Grusel verbreiten, wie eigentlich nur Santi Ascacibar im Mittelfeld. Gut, dass er dabei ist, wenn auch die Ausfälle von Akolo und Ginczek schmerzen.

Wie und wo unser Spezialteam für repräsentative Aufgaben das Dortmund-Spiel gesehen hat, könnt Ihr hier nachlesen.

Unser VertikalGIF für die Stuttgarter Zeitung/Nachrichten findet Ihr hier.

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