Spielbericht, VfB
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One night in Cannstatt

Es gibt sie einfach. Diese besonderen Spieltage. Diese Spieltage, an denen du bereits morgens weißt, dass es abends irgendwie speziell wird. Der achte Spieltag der Saison 17/18 war so einer. Freitag Abend. Freitag, der 13.! Flutlicht. Der Tabellenvierzehnte gegen den Tabellenletzten, vier geschossene Tore gegen zwei erzielte Treffer. Beide Teams dringendst auf drei Punkte angewiesen. Das konnte nur brutal langweilig werden. Oder eben das komplette Gegenteil. Und so kam es.

Fast forward: Als gegen 22:15 die Nachspielzeit von vier Minuten verkündet wurde, protestierte das Neckarstadion. Ein sofortiger Abpfiff und ein Punkt. Das war, was alle wollen. Kein Wunder: Zu groß war die Angst vor einem Last-Minute Knock-out wie gegen Frankfurt. Zu groß war die Erleichterung, nachdem Schiedsrichter Cortus seine Elfmeterentscheidung gegen den VfB aus der 91. Minute zurückgenommen hatte – nach gefühlten 5 Minuten Bedenkzeit. Aber wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Zu dämlich hatte sich der VfB mal wieder angestellt, um noch auf einen Heimsieg zu hoffen. Nach dem Tor vom beileibe nicht fehlerfreien, aber stets wühlenden Donis und einer starken zweiten Hälfte war Stuttgart am Drücker. Doch statt des vorentscheidenden zweiten Tores ließ man die Kölner so lange spielen, bis Innenverteidiger Dominique Heintz den Ball in aller Ruhe in den Winkel von Zielers Tor zirkeln konnte. Ein klassischer Fall von VfB doing VfB things.

Doch dann wurde es speziell: Andi Beck machte, was er den ganzen Abend tat: Er spielte den offensichtlichsten aller Pässe. Doch der kam zum Glück bei Chadrac Akolo an. Und der versuchte einfach mal was unmögliches.

Der Rest ist Magie. Bierduschen, spontane Umarmungen, kollektives Verdrängen der Kölner Monsterchance im direkten Gegenzug und Stoßgebete an Ron-Robert Zieler, der den ersten Heimsieg gegen Köln nach 21 Jahren sicherte! Der VfB kassierte zwar sein erstes Gegentor im heimischen Stadion, bleibt aber zuhause nach wie vor unbesiegt.

Nach dem Abpfiff sagte der Herr vor dem Vertikalplatz sehr treffend im besten Wladimir Kaminer Ton: „Dieser Verein macht Herzinfarkt.“

Es war einer dieser Spieltage, die eine ganze Saison prägen können. Einer dieser Dresden-Momente. Ein Spiel, das sicherlich nicht perfekt war. Ein Spiel, das der VfB viel früher eintüten musste. Aber vor allem: ein Spiel, das uns Fans durchdrehen lässt. Ein Spiel, das uns das mit einem Lächeln durch das komplette Wochenende gehen lässt.

Fußball kann schon verdammt geil sein.
Wenn man gewinnt.

P.S. Gute Besserung an Marcin Kaminski, der nach seinem Bänderriss für mehrere Wochen ausfällt.

6 Kommentare

  1. Schön zusammen gefasst. Aber ich glaube die Proteste beim Verkünden der Nachspielzeit bezogen sich eher darauf, dass die Nachspielzeit angesichts des gefühlt ewigen Hin- und Hers des Unparteiischen als zu kurz empfunden wurde.

    • @buzze sagt

      Auch möglich. Mein persönliches Empfinden war ein anderes und ich glaube, zumindest Block 47 wollte auch, dass das Spiel einfach vorbei ist. Größere Geldbeträge hätte ich nicht mehr auf einen VfB-Sieg gesetzt.

  2. sommerwind64 sagt

    Leider war ich nicht persönlich dabei, konnte das Spiel „nur“ am Fernseher verfolgen.
    Trotzdem Herzklopfen, Anspannung und Schnappatmung. Und dann doch noch:
    Balsam auf die geschundene VfB-Fanseele.
    Heute, mit Distanz stellt sich die Frage, wie wird Hannes Wolf die Kicker zum erfolgreichen Torschuss bringen? Traut sich keiner aus 10, 12, 14 Meter selber zu schießen? Verdammt es hätte in der 85igsten Minute drei oder vier eins stehen müssen!
    Okay, in Leipzig gibt’s ne Klatsche. Und dann gegen Freiburg, verdammt – gleiche Ausgangssituation!

    • @abiszet sagt

      Langweilig wird es nicht, keine Frage. By the way: Es hätte auch nach 30 Minuten 0:2 stehen können … Leipzig wird schwer, sehr schwer, eventuell sind die platt wegen der CL, aber wir müssen uns wohl auf Schmerzen einstellen (Timo Werner).

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