Autor: @abiszet

Warum der VfB so schlecht dasteht

So eine Headline wollte ich schon immer machen. Die StZ/StN sind voll davon oder besser: verwenden nur diese Art von Teaser auf ihrer Webseite. Dann muss das ja funktionieren! Beim VfB Stuttgart funktioniert in dieser Saison hingegen ziemlich wenig. Woran das liegt? Es ist ganz einfach, wir haben es für Euch aufgeschrieben. Immer, wenn man nicht weiter weiß, wird sie beschworen und oft bemängelt, dass sie fehlt: die Mentalität. Gesehen und gesprochen hat diese Mentalität noch niemand, aber wichtig soll sie sein, sie ist wie eine Art zwölfter Mann auf dem Spielfeld und sie kann Spiele gewinnen – oder eben auch nicht, wenn sie denn fehlt. Der Mannschaft fehlt sie ganz sicher nicht, wie Sven Mislintat nicht müde wird zu betonen. Es fehlen dem Team jedoch Gier und in manchen Situationen Leidenschaft und Widerstandskraft. Vor allem gegen direkte Abstiegskonkurrenten. Das könnte man in sofern interpretieren, dass sich einige Spieler zu fein sind, gegen vermeintliche Underdogs wie Fürth, Bochum oder Bielefeld zu performen. Eine gewisse Überheblichkeit also, nur, wem soll die unterstellt werden? Wataru Endo, dem …

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos

Spiele gegen Leipzig sind die schlimmsten in der Saison. Da ist dieses Werbemittel, gegen das der VfB spielen muss und da ist diese Statistik, die gegen den VfB spricht. Und mit Kai Dittmann ein verlogener und scheinheiliger Reporter am Sky-Mikrofon. Als ich die Aufstellung vor dem Spiel las, dachte ich als erstes an Suicide Squad. Es konnte nur spielerischer Selbstmord sein, die taktisch noch unreifen Alexis Tibidi und Tanguy Coulibaly in die Startelf zu stellen. Zudem fiel Borna Sosa überraschend wegen muskulärer Probleme aus. Marc-Oliver Kempf noch nicht mal im Kader (Wechsel Incoming?). Aber ich wurde überrascht, äußerst positiv, vor allem von Tibidi und Coulibaly. Ein Auftritt, mit dem der VfB in Fürth drei Punkte geholt hätte. Fast schon traditionell gegen besser besetzte Gegner: Der VfB zeigte sich engagiert, griffig, lauffreudig und taktisch clever eingestellt. Selbst offensiv sah das deutlich besser aus als gegen Fürth, obwohl die schärfste Waffe „Sosa-Sasa“ ausfiel. Man muss sich (wie immer fragen): Warum nicht gegen Bielefeld, Augsburg oder Bochum so auftreten? Da wären dann Punkte drin. Gegen Leipzig sind es …

Aus dem Rhythmus

Ist es zu ruhig beim VfB? Was für eine absurde Frage, sollte man meinen. Es gab in den letzten Jahren genug Aufregung auf und neben dem Spielfeld. Angesichts von Platz 15 mit einem Punkt Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz und einem trostlosen 0:0 gegen den abgeschlagenen Letzten der Tabelle ist es aber erstaunlich unaufgeregt rund um die Mercedesstraße. Die Ruhe und Besonnenheit liegt zum einen daran, dass es nachvollziehbare Gründe für die derzeitige Lage gibt: Dauer-Verletzte, Corona, schwieriges zweites Jahr, angespannte finanzielle Lage, usw. Damit lässt sich fast alles erklären. Zum anderen liegt es an den Personen. Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und Pellegrino Materazzo halten kommunikativ den Ball flach, beschwören den Zusammenhalt und entwickelten eine Art Wagenburgmentalität. Sie wollen zudem Druck von den jungen Spielern nehmen, damit diese sich spielerisch und persönlich entfalten können. Der VfB muss allerdings aufpassen, dass er nicht ganz gechillt in die zweite Liga absteigt. Man sitzt in der Lounge des Tabellenkellers und nicht in einem Aufzug, der automatisch ins Tabellenmittelfeld fährt. Und es heißt schließlich immer noch Abstiegskampf nicht Abstiegschill. …

Durch schwere Zeiten

Als sich in der 59. Minute Ömer Beyaz am Spielfeldrand zur Einwechslung bereit macht, fragte ich mich, für wen er kommen solle: Philipp Förster, Roberto Massimo, Chris Führich, Orel Mangala? Alle vier enttäuschten sehr. Es wurde letztlich Förster. Sah es nur am Fernseher so aus oder schleppt der Mittelfeldspieler ein paar Pfunde zu viel mit sich rum? Das war eines der Probleme gegen die SpVgg Fürth: Zu viele Spieler außer Form, seltsam uninspiriert und orientierungslos. Dabei wird der VfB einen leichteren Gegner als Fürth in dieser Saison nicht mehr bekommen. Oder wie es der argentinische Schriftsteller Eduardo Sacheri schreibt: “Der Zug kommt nur einmal vorbei”, heisst: Die Chance drei Punkte gegen den Tabellenletzten zu holen, gibt es nur einmal. Viel zu spät wachte das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo auf, lediglich in den letzten 20 Minuten entwickelte der VfB so etwas wie Druck, um den Pflichtsieg beim mit Abstand schlechtesten Team der Liga einzufahren. Chancen gab es für den VfB erst ab der 75. Minute. Sasa Kalajdzic, Wataru Endo und die beste von Beyaz in …

Male(diven) ist nur einmal im Jahr

Kingsley Coman musste sich in Dubai isolieren, Lucas Hernandez und Manuel Neuer verbringen ihre Quarantäne dort, wo Otto-Normal-Fan nicht mal im Urlaub hinkommt: auf den Malediven. Dem Profi-Fußball und seinen Akteuren wird vorgeworfen, für sie gälten andere Regeln, nämlich die, die sie selbst aufstellen. Und natürlich, sie leben in einer völlig anderen und eigenen Welt: Protz-Schlitten in der Garage, Gold auf dem Steak und Friseure als Leibeigene. Gerade während der Pandemie wurde die Kluft zwischen Fußballern und ihren Fans besonders deutlich. Aber sind wir ehrlich: Neuer hätte sich in Schwabing oder Grünwald ebenso anstecken können wie Coman und Hernandez in St. Germain oder Montmartre. Aber die Frage muss erlaubt sein, ob es wirklich sein muss, während alle Menschen sich einschränken und Kontakte vermeiden sollen, selbst wenn man doppelt und dreifach geimpft ist. Die SpVgg Fürth hat das hinbekommen, aber wahrscheinlich kann sich von deren Spielern keiner Dubai oder die Malediven leisten. Der Profisport lebt von seinen Fans und Zuschauern, von deren Kaufkraft und Einschaltquote, sie bezahlen im Grunde die obszönen Gehälter der Profis. Kann man …

We Are Family!

Weihnachten ist das Fest der Familie und Freunde. Für nicht wenige Fans ist der VfB die Familie. Ein Fest war es dieses Jahr allerdings nicht immer, auf dem Platz und daneben, so mancher Familienstreit vermieste die Stimmung. Aber das gehört bei Familien nun mal dazu. Da haben wir Thomas Hitzlsperger, den Teenager mit Flausen im Kopf, der dachte, er könne einen auf dicke Hose machen und alles sein beim VfB. CEO, Sport-Vorstand und VfB-Präsident. So ist das mit der Jugend, sie weiß immer alles besser – bis sie ihre eigenen Erfahrungen macht und auf die Schnauze fällt. Ist Hitzlsperger leider passiert, schade, zu den nächsten Familienfeiern wird er nicht mehr eingeladen. Er wird fehlen. Denn man hat den Eindruck, er hat seine Lektionen gelernt und seine Geschichten rund um Diversität, Toleranz und jungen Wilden sind mit die besten gewesen, die erzählt wurden. Präsident Claus Vogt eröffnet das Weihnachtsessen und dankt in seiner Rede zunächst einmal den Fans. Das ist richtig und wichtig, aber nicht wenige sagen, das wäre auch das einzige, was er kann. Er …

Vom Beerdigungsinstitut an die Spitze des VfB Stuttgart

Was lange währt: Der VfB hat immer wieder um Alexander Wehrle gebuhlt, 2016 bereits, dann Mitte des Jahres als Finanzvorstand, jetzt hat es geklappt und der verlorene Sohn und Ex-Assi von Erwin Staudt (2003 bis 2013) kehrt zurück. Zuletzt standen er und Jochen Sauer (Leiter FC Bayern Campus) im Finale, neuer VfB-Boss zu werden. Das kann man einfallslos finden, aber einige Kandidaten schieden bereits im Vorfeld aus – und da waren sehr kreative dabei. Geht jetzt vielleicht alles ganz schnell? Kommt Wehrle bereits zum Jahresanafang, damit Thomas Hitzlsperger bei RB Leipzig Sport-Direktor werden kann? Diese Gerüchte gibt es jedenfalls. Horst Heldt über Wehrle: “Das ist ein Coup für den VfB Stuttgart”. Jetzt habe ich Angst.#VfB — twofourtwo (@two_four_two) December 22, 2021 Aber wer ist Wehrle überhaupt? Die Bewertungen seiner Tätigkeiten variieren stark, siehe dazu die Links unter diesem Text. Präsident Claus Vogt jedenfalls lobt den neuen CEO und damit auch ein bisschen sich selbst: „Alexander Wehrle hat in den vergangenen Jahren eine herausragende Bilanz beim 1. FC Köln vorzuweisen und ist darüber hinaus einer der …

Last Season, I gave you my heart

Es fällt im Moment schwer, die Mannschaft und den VfB gut zu finden. Aber, was manche scheinbar nicht mitbekommen haben: Der VfB ist noch nicht abgestiegen, es sind noch 17 Spiele zu absolvieren, die Abstände in der Tabelle sind eng. Gleichwohl ist die Situation ernst. Sehr ernst. Es ist eine Szene aus der “You had one Job“-Reihe. Bei Köln kann nur einer die Tore schießen, es sind auch vier Abwehrspieler in seiner Nähe, doch trotzdem kann Anthony Modeste das entscheidende Tor köpfen. Der alte Mann und der Kopfball. Es ist eine der prägenden Geschichten dieser Vorrunde. Und es scheint, als ob die VfB-Abwehr diese Geschichte nicht kennt. Flanken werden eher halbherzig verhindert, Modeste blieb beim Tor nicht zum ersten Mal im Hinrundenfinale ungedeckt. Der VfB spielt hektisch und hastig, fahrig und unstrukturiert, vor allem nach vorne. Es gibt gute Erklärungen dafür. Wataru Endo hat sich in diesem Jahr kaputt gespielt, er verliert den Ball im Spielaufbau, aus seinem Ballverlust entsteht das Tor. Endos Partner Orel Mangala hat nach seinen elend langen Muskelverletzungen bei weitem noch …

Es ist egal, aber …

53 Minuten das Spiel offen gehalten, dann die Tore hergeschenkt und eine Klatsche kassiert. Das erinnert an die Debakelserie 2009 und 2010, als der VfB zu Hause nacheinander gegen Bayern München 1:5, 3:5 und 3:6 verlor. Beim VfB spielten Bastürk, Simak und der Rumpelrusse, bei Bayern Ottl, Ribery und bereits Thomas Müller. Was damals noch die Ausnahme war, ist heute Normalität: Die absolute Chancenlosigkeit gegen den Rekordmeister. Die große, böse Schwester der Hoffnung ist die Enttäuschung. In einem Spiel gegen Bayern München werden wir jedoch nie enttäuscht werden. Zu groß die Unterschiede, zu klein die Erwartung. Die beiden Clubs verbindet nichts, außer der A8 und ein paar VfB-Spielern, die auf diesem Weg die falsche Abfahrt genommen haben. Das war mal anders, ist aber viel zu lange her. Trotzdem war ich bereit für das Adrenalin und die Angst, bereit für die volle, für die ganze Distanz. One of the best goals of my career, don’t you think? ⚽ I’ll be watching the @Bundesliga Südderby between @VfB and @FCBayern this coming Tuesday. Make sure you do the …

Das Baby ist der Hammer!

“Wir hatten acht bis zehn Chancen und Stuttgart hatte nur drei plus den Elfmeter.“ Es sind Aussagen wie diese, warum sich gegnerische Fans an dem Wolfsburg-Trainer Florian Kohfeld abarbeiten und ihn auf einem Sympathielevel von 1 bis 10 bei 0 einordnen. Zu viel verschwendete und negative Energie. Mich interessiert sogar mehr die kicker-Umfrage „Wird Bayern München Herbstmeister?“ als die alternativen Fakten, die Kohfeld anführt, um sein eigenes Versagen zu kaschieren. Mich interessiert viel mehr der VfB, der ein souveränes Auswärtsspiel hingelegt hat und den VW-Club so im Griff hatte, dass dieser keine spielerischen Lösungen auf dem Spielfeld und keine Antworten nach Schlusspfiff gefunden hat. Sieben Punkte aus den Begegnungen gegen Mainz, Hertha und Wolfsburg. Hätten wir vor den Spielen genommen, oder? Wobei es mir lieber gewesen wäre, wenn der VfB gegen Berlin gewonnen hätte, drei Punkte gegen einen direkten Konkurrenten und drei Punkte gegen Tayfun Korkut, aber lassen wir das. Der Sieg gegen einen Angstgegner (letzter Sieg in Wolfsburg: 2007 im DFB-Pokal Halbfinale, Tor: Antonio da Silva) war letztlich fast Pflicht nachdem Augsburg am Freitag …