Autor: @abiszet

Ein Abgang von Kalajdzic im Sommer wäre das Beste

Ich mag Sasa Kalajdzic. Als Spieler und als Typ. Ich freue mich immer, ihn im Trikot mit dem Brustring auf dem Platz und vor den Kameras und Mikros nach dem Spiel zu sehen. Trotzdem wäre ein Abgang in diesem Transfersommer das Beste – nicht für mich, aber für ihn und den VfB. Wie wichtig ein formstarker Kalajdzic für den VfB ist, haben wir in der letzten Saison gesehen und auch in einigen Spielen der zurückliegenden Runde, in der er auch aufgrund von Verletzungen und Corona nicht richtig performen konnte. Seine Tore, seine Präsenz im Strafraum, seine Einbindung ins Kombinationsspiel und auch seine Einstellung haben einen großen Wert für den VfB. Das hat ihn interessant gemacht für große Clubs wie Bayern München (im Tausch mit Joshua Zirkzee?) und Borussia Dortmund, für internationale Player wie Paris St. Germain, SSC Neapel und Manchester United, angeblich 13 Interessenten sollen es sein. Der VfB befindet sich in einer komfortablen Verhandlungsposition und kann abwarten, ob ein angemessenes Angebot auf den Tisch von Sven Mislintat flattert. “Sasa hat noch ein Jahr Vertrag …

Verein für Bewegungsspiele

Wie geht’s euch? Ich schaue immer noch fast alle Videoschnipsel und Bilder an, das ganze Spiel in Relive, Zusammenfassungen, lese Artikel, höre Podcasts. Und immer noch werde ich emotional, denke an einzelne Szenen zurück, rufe mir meine Emotionen ins Gedächtnis. Der VfB ist entsprechend seines Namens wirklich bewegend. Besonders beeindruckt hat mich das Bild, das Riky in STR gezeichnet hat: „In der 92. Minute waren bei der Ecke 60.000 Zuschauer im Strafraum“. Genau das ist es, alle wollten das 2:1, wirklich alle wollten es, wahrscheinlich auch Wolf Fuss auf Sky. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: “So verrückt, wie Stuttgart jubelte, spielte es auch – eine ganze Saison lang und auch an diesem Nachmittag.“ So langsam beginnen die Aufräum- und Umbauarbeiten, natürlich im Stadion, aber auch im Club. Alexander Wehrle hat mit allen Beteiligten die Saison in einer “vertrauensvollen und sehr guten Atmosphäre“ analysiert, dabei wurden “verschiedene Themenbereiche beleuchtet, unter anderem die Kaderplanung und strukturelle Optimierungsmöglichkeiten im Lizenzspielerbereich“. Was bedeutet das? Dass Sven Mislintat nicht mehr seiner Vorliebe für junge Spieler nachgehen darf? Dass der Athletik- und …

Wunder gibt es immer wieder

Wir haben uns nur von weitem in der Calwer Straße gesehen. Er im neuen 1992er Remake, ich im Regenbogentrikot. Wir kannten uns nicht, blickten uns von Ferne in die Augen und ballten nur die Fäuste. Der Trottwar-Verkäufer im VfB-Shirt rief mir am Vormittag zu: „Schönes Ding, Bello“ und zeigte auf mein Trikot. Ein Junge ging mit seinem Vater einkaufen, beide im Trikot, und der kleine Sohn gab mir im Vorbeigehen fünf. In der S-Bahn blickte eine junge Frau im Cannstatt-Shirt von ihrem Handy auf, wir sahen uns nur an und nickten. Das alles und noch viel mehr zeigt, was der VfB ist, drückt die Verbundenheit, die Erinnerungen, die Sehnsüchte, die Leidenschaft, die Hingabe, kurz: die Liebe zum Club aus. Zu hören und zu sehen ist das im Stadion. Vor dem Spiel, während des Spiels, ganz besonders dann, wenn die Spielstände in Dortmund durchgegeben werden. Ja, und natürlich nach den Toren und auch nach dem Spiel. Die Fans stemmen sich merklich gegen die Relegation, entfachen einen Sound, der auf dem Spielfeld als Sturm ankommt. Jede gute …

Der VfB spielt nur gegen sich selbst

Der VfB kann (praktisch) nicht mehr direkt absteigen. Er kann nur gewinnen gegen Köln. Das Spiel und womöglich dadurch den Klassenerhalt, sogar ohne Relegation. Das ist die Ausgangssituation vom dem 34. Spieltag. Der VfB kann also Vollgas geben. Kann ohne Rücksicht auf Sieg spielen, denn die Relegation ist schon sicher, wenn wir nicht von einer hohen Niederlage gegen Köln und gleichzeitig einem Kantersieg der Bielefelder gegen Leipzig ausgehen. Auch wenn Steffen Baumgart den 1. FC Köln wiederbelebt hat und die Rheinländer auf eine ausgezeichnete Saison blicken: Der VfB spielt im letzten Spiel der regulären Saison nur gegen sich selbst. Gegen seine Lethargie, gegen seine Angst, gegen die eigene Selbstzufriedenheit, gegen seine Wundertütenhaftigkeit und gegen seine DNA, dass nach einem guten Spiel nicht selten ein schlechtes folgt. Die Geißböcke überzeugen in dieser Saison zwar durch Laufstärke, Engagement, Zweikampfstärke, Emotionalität und Offensivgeist. Der Tabellensiebte ist in der Lage, fast jede Bundesliga-Mannschaft auseinander zu spielen, mit Vollgas-Fußball und mit Risikobereitschaft. Dennoch besitzt der VfB genug Qualitäten, um gegen Köln zu gewinnen. Die Frage wird sein: Wer will es …

Es ist noch nichts erreicht

2:2 gegen Bayern München – wer hätte das gedacht? Aber kein Grund zum Feiern. Der VfB steht zwar so gut wie sicher auf dem Relegationsplatz und hat sogar noch Chancen auf den direkten Klassenerhalt. Aber das Saisonfinale gegen Köln und eine mögliche Relegation gegen Bremen, den HSV oder Darmstadt gilt es noch zu spielen. Und zwar mit derselben Energie und Leidenschaft wie gegen den Rekordmeister. Das war übrigens das zweite Spiel seit dem 2:1 am 27.03.2010 bei dem wir gegen die Bayern punkten konnten. 🙈🥹 — __1893Seahawk__ (@blackXXseven) May 8, 2022 Pellegrino Matarazzo hatte vor dem Spiel den Ton verschärft. Er sprach bei Hertha und Wolfsburg von zwei „Kackspielen“ und zeigte sich schwer enttäuscht von seiner Mannschaft. Vielleicht hätten er und Sven Mislintat den Kuschelkurs früher verlassen sollen und mehr Energie darauf verwendet, die Mannschaft richtig anzupacken statt demonstrativ Ruhe auszustrahlen. Warum nicht immer so? Trat der VfB zaudernd gegen Mainz auf, lethargisch gegen Hertha und wirkte müde und ausgepowert gegen Wolfsburg, zeigt die Mannschaft eine unerwartet forsche Leistung. Sich gegenseitig unterstützend und motivierend stemmen …

Die Aufschieber

Was machen wir mit dem Spiel gegen Bayern München? Gar nicht erst schauen, um eine mögliche Klatsche nicht miterleben zu müssen? Die Erwartungen so weit runter schrauben, dass man jeden Rückpass oder einen Befreiungsschlag feiern kann? Oder einfach ironisch gucken? Mein Freund Kai sagte immer zu mir, wenn ich zauderte: „Schmerz, ja sofort!“ und meinte damit, (unangenehme) Dinge immer sofort anzugehen und nicht aufzuschieben. Im Fremdwörterlexikon steht allerdings unter “Prokrastination”: “Der VfB leidet an Prokrastination. Also am „extremen Aufschieben“, einer pathologischen Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Aufgaben gekennzeichnet ist, so dass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt.“ Der VfB, Meister der Ausreden, King im Aufschieben, Experte fürs Schönreden. Der VfB hat seine Erfolge so lange verschoben, in dem er auf die Rückkehr verletzter Spieler setzte oder auf die kommenden Spiele verwies, dass er im Saisonfinale plötzlich gegen Bayern München punkten sollte. Das haben schon andere geschafft, in dieser Saison gewannen Frankfurt, Gladbach, Augsburg, Bochum und Mainz gegen den Rekordmeister. Aber es muss einiges zusammen kommen: …

Die Furcht vor der Relegation

Nach Berlin durften wir so etwas wie eine Trotzreaktion erwarten. Gerade zu Spielbeginn. Aber was da kommt, ist merkwürdig wenig. Nichts, was die Zuschauer mitnimmt. Es sieht aus wie ein Spiel zweier Mittelfeldmannschaften am 25. Spieltag. Bemüht sind sie beim VfB. Aber auch gehemmt, planlos, mutlos, ideenlos, verzweifelt. Sieht so eine Mannschaft nach einer „knallharten Analyse“ aus? „Wir wollen ein anderes Gesicht zeigen“. “Wir wollen von der ersten Minute an voll da sein, Vollgas geben und die Fans mit unserer Leistung energetisieren.“ Es bleiben Worte. Wie so oft in dieser Saison. Die Fans geben jedenfalls mehr Gas als die Mannschaft. “Der Klassenerhalt, egal ob direkt oder über die Relegation, ist ein Erfolg für diesen Club“, sagt Sven Mislintat nach dem Spiel. Echt? Wird da nicht die verheerende Situation und die eigene Leistung schön geredet? Wenn Du nach bisher zwei Siegen und zwölf Punkten in der Rückrunde (und nach einer beschissenen Hinrunde) den Klassenerhalt schaffst, dann ist das ein Geschenk. Die Mannschaft macht aber nicht den Eindruck, als ob sie es sich verdienen möchte. Die Relegation …

Verdammt, ich lieb’ Dich …

… ich lieb’ Dich nicht. Vor allem nach so einem Scheiß wie in Berlin. Verdammt geärgert habe ich mich über diesen unverschämten Auftritt bei der Hertha. Eigentlich wollte ich deshalb etwas schreiben über gut klingende Erklärungen (Verletzungen, mangelndes Budget, Corona, der „Stuttgarter Weg”) für schlechte Leistungen, die wir auch gern gehört haben. Die aber in erster Linie dazu dienten, eigene Fehleinschätzungen und Schlechtleistungen zu kaschieren. Ich wollte etwas schreiben zum mangelnden Willen, die eigenen Stärken zu entfalten, sei es aus fehlender Einstellung, Überheblichkeit oder Angst. Schreiben, warum das ein Haltungs-Problem der Spieler und ein Führungsproblem von Mislintat und Matarazzo ist. Es gab selten eine Mannschaft die mehr Kredit bekommen hat wie in dieser Saison, weil Philosophie und Potential fraglos vorhanden sind. Fehler werden gerne verziehen, aber fehlende Einstellung nicht. #VfB — Seriouz (@Seriouz1893) April 25, 2022 Aber verdammt, ich brauch’ Dich … ich brauch’ Dich nicht. Vor allem brauche ich diese Selbstwahrnehmung nicht, alles richtig gemacht zu haben, sich für vermeintlich clevere Transfers selbst auf die Schulter zu klopfen. Und noch weniger die Attitüde, mit …

Mutlos wie Matarazzo

„Es ist ein sehr wichtiges Spiel, es geht gegen einen direkten Konkurrenten um extrem viel. Wenn es das letzte Spiel wäre, dann wäre es ein Endspiel. Aber es kommen noch Spiele, in denen alles möglich ist – unabhängig davon, wie die Partie in Berlin ausgeht.“ (Pellegrino Matarazzo) Und auch M wie mutlos wie Sven Mislintat, der vor dem Spiel vom „Worst Case Szenario Relegation“ spricht. Als ob Bielefeld schon sicher abgestiegen wäre. Da wird analysiert, diskutiert, fokussiert und blablasiert und nicht emotionalisiert. Mit dem strukturell suboptimal zusammen gestellten Kader schaffen es Matarazzo und Mislintat nicht, eine Haltung zum Abstiegskampf zu entwickeln. Der ganze VfB hat es sich im Ruhe- und Gelassenheits-Modus gemütlich gemacht. Wir bleiben cool, Hauptsache nicht in die bekannten Muster anderer Abstiegskandidaten verfallen, nur keine Panik aufkommen lassen, das sieht bescheuert aus. Bescheuert sieht die erste Halbzeit und eigentlich das gesamte Spiel aus. Den Spielern fehlt die Haltung zum Spiel, sie treten ohne jede Widerstandskraft und Wettkampfhärte auf. Was nicht wirklich schlimm ist, denn “es kommen noch Spiele, in denen alles möglich ist”. …

Big in Berlin!

Felix Magath ist ein Trainer-Magier, Hertha BSC auf Jahre unschlagbar. Oder hat zumindest den Klassenerhalt vorzeitig geschafft. Diesen Eindruck konnte man dem schmucklosen 1:0-Sieg der Berliner bei den schwachen Augsburgern jedenfalls gewinnen. Die Hertha ist zurück im Game, dabei muss auch Magath zugeben, dass nicht einmal er weiß, wie es sein Team geschafft hat, die drei Punkte in Augsburg zu ergattern. “Kevin Prince Boateng hatte im Verlauf dieser Saison eine Art Mittelstellung zwischen Motivationstrainer und Maskottchen.“ (Der Tagesspiegel) Wenn man vielen Diskussionen glauben darf, besitzt die Hertha gegenüber Stuttgart einen entscheidenden Vorteil: Berlin hat einen Führungsspieler, der VfB nicht. Die Herthaner setzen wie letzte Saison bei Sami Khedira auf eine Teilzeitkraft. Auch wenn Kevin Prince Boateng konditionell auf Augenhöhe mit Sascha Möders ist (bei deutlich besserer Figur), soll er die Mannschaft mit taktischen Fouls, Schiedsrichterdiskussionen, lautstarken Anweisungen und dem einen oder anderen guten Ball führen. Es ist einfach eine zu schöne Geschichte: 1 Führungsspieler gleich 1 Erfolg. Alle reden über ihn, weil die farblose Berliner Mannschaft sonst auch nicht viel zu bieten hat. Boateng ist …