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Captain Kork im Anflug?

Natürlich gewinnt der VfB am Sonntag gegen Freiburg. Trotzdem sollte man sich auch fragen: „Und was, wenn nicht?“ Wir hätten da eine Theorie:

Nachdem der VfB das erste seiner beiden Sieg-oder-Abstieg-Spiele gegen Freiburg mit 2:3 verloren hat, fliegt dem Club der ganze Laden um die Ohren: Nach dem Derbyle brüllt das gesamte Stadion in Wechselgesängen „Reschke raus!“, „Dietrich raus!“, „Weinzierl raus!“ und „Ausser Fritzle könnt ihr alle gehen!“. Ab Montag morgen steht eine Mahnwache vor dem Clubhaus der Mercedesstraße, um zu dokumentieren, dass die letzten Tage als Bundesligist angebrochen sind.

Präsident Wolfgang Dietrich ist merklich angeschlagen und versteht die ganze Kritik nicht, schließlich tut er alles für den VfB Stuttgart und hat professionelle Strukturen geschaffen. Auch sein Versuch, die Fanseele zu beruhigen, geht voll in die Hose: „Fakt ist, dass noch niemand nach 20 Spieltagen abgestiegen ist!“ Fakt ist aber leider auch, dass der VfB noch nie eine solch schlechte Saison gespielt hat wie aktuell und noch nie einen solch erfolglosen Trainer hatte, der von 13 Spielen zehn verlor.

Der Präsident und Aufsichtsratvorsitzende schmiedet einen drastischen Plan: Reschke muss gehen! Jürgen Klinsmann soll sein Nachfolger werden. So in die Enge getrieben holt Michael Reschke seine letzte Patrone aus dem Gürtel: Er entlässt Markus Weinzierl, der mit seiner grumpy Attitüde und den ständigen disziplinarischen Maßnahmen die Mannschaft nicht mehr erreicht, und holt Tayfun Korkut zurück! „#Korkback“ titelt die PR-Abteilung. Die Aktion hat sogar eine gewisse Logik, schließlich lässt sich der Abstieg nur noch mit typischem Korkut-Fußball verhindern: hinten dichtmachen und vorne hilft vielleicht der Fußballgott. Mit dieser bewährten Taktik will Kork die nötigen Punkte für den Klassenerhalt holen. Außerdem hat Korkut ohnehin noch einen laufenden Vertrag. Die Fans sind so perplex, dass sie gar nicht wissen, wie sie reagieren sollen, und verfallen in eine Schockstarre.

Mit seinem Manöver folgt Reschke einem prominenten Beispiel: Er praktiziert das so genannte Monaco-Modell. Die Monegassen hatten ihren langjährigen Trainer Leonardo Jardim im Oktober rausgeworfen (Abfindung: angeblich 7 Millionen) und Thierry Henry eingestellt. Der wurde jüngst nach exakt 104 Tagen ebenfalls gefeuert (Abfindung: bis zu 8 Millionen). Henrys Nachfolger: Sein Vorgänger Leonardo Jardim, der also für drei Monate Urlaub sieben Millionen Euro bekam. Kann man so machen.

Aus dem wirren Kaderwahnsinn von Reschke macht Kork einen Vorteil: Er lässt alle fünf Innenverteidiger spielen mit Holger Badstuber als Libero und mit Ozan Kabak als Vorstopper. Captain Kork verzichtet fortan komplett auf ein Mittelfeld, was absolut nachvollziehbar ist. Schließlich befindet sich im Reschke-Kader kein einziger spielstarker und schneller Mittelfeldspieler. Das Loch in der Mitte wird mit weiten Bällen auf Tassos Donis, Steven Zuber und Erik Thommy überbrückt. Und vorne steht (er läuft kaum noch) Mario Gomez und netzt ein wie in der Rückrunde der Saison 2017/2018.

Mutigste Maßnahme von Captain Kork: Er verzichtet auf Kapitän Christian Gentner. Und das, obwohl Michael Reschke dessen Vertrag nach der Niederlage gegen Freiburg um zwei Jahre verlängert hatte, weil er dachte, so die Fans beschwichtigen zu können. Korkut hat aus seinem ersten Engagement gelernt und lässt nicht mehr nur die Erfahrenen und Altgedienten spielen. Sogar Pablo Maffeo holt er erfolgreich aus dem Schmollwinkel. Und das mit Erfolg! Schon in Düsseldorf gibt es den ersten Sieg! Am Ende steht es 1:0 für den VfB, obwohl die Stuttgarter nur 30% Ballbesitz und drei Torschüsse hatten. Nach torlosen Unentschieden gegen Leipzig und in Bremen gibt im Heimspiel gegen Hannover sogar einen Kantersieg: 2:0!

Das ist endgültige die Wende: Captain Kork bringt den VfB mit seinem Antifußball zum Saisonende auf Platz 15 und hat nicht nur die Ligazugehörigkeit gerettet, sondern auch den Job von Michael Reschke. Der verlängert Korkuts Vertrag zur Belohnung bis 2024!

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2 Kommentare

  1. Vorstopper, Libero und der lange Ball …. ihr seid spitze. Wie gerne würde ich das nahezu unerreichte Stellungsspiel von Franco Baresi im Neckarstadion (ja genau: Neckarstadion) sehen. Da würde ich sogar nochmal den Korkut in Kauf nehmen. Gefühlt stammt fast unser gesamtes Mittelfeld und unser Torhüter aus der Zeit.

  2. drausvomLande sagt

    Ach Herz was willst du mehr …
    im eSport ist der VfB immer noch vorne dran,
    über die AG schreibt Ihr Weltklasse-Texte
    und die Reschke-Soap geht ebenfalls ungebremst weiter
    Mann gehts mir gut …

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