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Der Rumpel-Russe: Pavel Pogrebnyak

Wir schreiben den Sommer 2009: Mario Gomez ist für die Rekordsumme von ca. 30 Millionen nach München gewechselt und im VfB-Angriff klafft ein riesige Lücke. Manager Horst Heldt muss einen Stürmer ersetzen, der in 121 Spielen 63 Mal getroffen hatte. Und so begann es. Stuttgart suchte den Stürmerstar.

Eine erste heiße Spur führte nach Sinsheim, wo der Aufsteiger als Herbstmeister für Furore gesorgt hatte. Allen voran Demba Ba. Dass er bei den Stuttgarter Verantwortlichen ganz oben auf dem Zettel stand, war kein Wunder. Beim 3:3 der Hoffenheimer in Stuttgart hatte Gomez zwar doppelt getroffen, der Franko-Senegalese aber gleich dreimal. Wochenlang wurde verhandelt, spekuliert, gestreikt (Demba Ba wollte nicht mit ins Trainingslager der Hoffenheimer reisen). Und als sich Demba Ba, Horst Heldt und die Verantwortlichen von Hoffenheim – Jan Schindelmeiser und Ralf Rangnick – endlich einig waren, scheiterte der 16-Millionen-Transfer doch noch: Demba Ba war im Mai ein 41 Zentimeter langer Titannagel aus dem linken Schienbein entfernt worden, der nach einem Beinbruch zwei Jahre zuvor eingesetzt werden musste. Die Heilung nach der OP verlief nicht wie gewünscht, Horst Heldt wurde die Sache zu heiß und er hängte den Transfer – pardon – an den Nagel. Ba blieb in Hoffenheim und erzielte in der Folgesaison fünf Tore in 17 Spielen. Es war Mitte Juli und der VfB immer noch ohne Mittelstürmer.

Deshalb bastelte Horst Heldt an der ganz großen Lösung: Klaas-Jan Huntelaar sollte kommen. Der „Hunter“ wollte nach nur einer Saison schon wieder weg von Real Madrid. Und auch er war sich bereits einig mit dem VfB Stuttgart. Der VfB habe Huntelaar einen Vertrag angeboten, der so gut sei, „dass er ihn nicht ablehnen kann“, schrieb die spanische Sportzeitung Marca damals. Aber nur so lange, bis Huntelaar ein Angebot von AC Mailand erhielt und lieber nach Italien wechselte.

Es war Ende Juli und der VfB immer noch ohne Mittelstürmer. Denn auch aus einer weiteren Option war nichts geworden: Die Stuttgarter Verantwortlichen hatten nämlich nicht nur mit Madrid verhandelt, sondern auch mit Moskau. Objekt der Begierde dort: Vagner Love. Der Brasilianer mit Dreadlocks in Vereinsfarbe hatte für ZSKA immerhin 95 Tore in 180 Spielen erzielt. Wenig überraschend zerschlug sich auch dieser Transfer, da der Stürmer aus familiären Gründen nach Brasilien ausgeliehen wurde. Ein weiterer Grund für den Nichtwechsel an den Neckar: Der Brasilianer hatte in den Gehaltsverhandlungen angeblich netto und brutto verwechselt. Kann ja mal passieren.

Die Sommerpause neigte sich rasant ihrem Ende entgegen und Horst Heldt und Sportdirektor Jochen Schneider suchten immer verzweifelter nach der dringend benötigten Lösung im Sturm. Am 4. August 2009 – nur drei Tage vor dem Saisonauftakt – war es dann endlich soweit: Im edlen Ambiente des Saals Élysée im Le Méridien stellte Horst Heldt den Stürmer vor, der Mario Gomez kompensieren sollte: Pawel Wiktorowitsch Pogrebnyak.

Von den geschätzten 30 Millionen, die der FC Bayern für Mario Gomez überwiesen hatte, reinvestierte der VfB Stuttgart schlussendlich ganze fünf.
Die Stuttgarter Fans mögen etwas enttäuscht gewesen sein, aber vor allem waren sie froh, dass man doch noch einen dritten Stürmer neben Cacau und Ciprian Marica gefunden hatte. Pogrebnyak, der in Russland wegen seiner hölzernen Spielweise auch „Burattino“ – das russische Pendant zu Pinocchio – genannt wurde, erwarb sich auch in Stuttgart ein wenig schmeichelhaften Kosenamen: Er war „der Rumpelrusse“. Und als solcher durfte er beim Saisoneröffnungsspiel gegen Wolfsburg auch gleich von Anfang an mitwirken – genauso wie der Rückkehrer Aleksandr Hleb übrigens. Leider ohne Erfolg: Der VfB Stuttgart verlor 0:2.

Mit Pawel wechselte auch seine damalige Lebensgefährtin und heutige Frau Maria nach Stuttgart. Gemeinsam mit Nastya Hleb brachte sie den Osteuropa-Chic nach Stuttgart. Heute hat das Model übrigens 1,5 Millionen Instagram-Follower und sieht um einiges jünger aus damals. Wer wissen möchte, wie das geht, dem sei dieser Text empfohlen.

 

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С 8 марта💐💐💐

Ein Beitrag geteilt von Maria Pogrebnyak-Shatalova (@mariapoga_) am

Bereits 2009 war die 22-Jährige „die neue Stil-Ikone unter den Spielerfrauen“, wie die BILD anerkennend schrieb. Vielleicht war ihr Mann nicht der große Name, den sich die Fans erhofft hatten, aber mit Maria kam endlich der SWAG zum VfB und ihretwegen richtete das Kaufhaus Breuninger im Untergeschoss „Europas größte Schuhauswahl“ ein. Man könnte sagen, Maria war schon damals den heutigen Spielerfrauen weit voraus. Sorry, aber da kann Ina Aogo einpacken!

Ihr Mann hingegen wurde nie so richtig glücklich in Stuttgart – und die Fans nicht mit ihm. Von August 2009 bis Januar 2012 kickte der russische Nationalspieler beim VfB und erzielte in dieser Zeit gerade 15 Tore in 68 Spielen, bevor er für 500.000 zum FC Fulham wechselte. Erinnern würde man sich vielleicht an seine beiden Treffer im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen die Bayern – wäre das Spiel nicht 3:6 ausgegangen. So bleibt höchstens sein Hattrick beim sensationellen 7:0 gegen M’gladbach in Erinnerung.

Für Schlagzeilen sorgte Pogrebnyak zuletzt vor einem Jahr – allerdings nicht für gute. „Es ist lächerlich, dass ein dunkelhäutiger Spieler für die russische Nationalmannschaft auftritt“ meinte er allen Ernstes, als er in einem Interview zu Ariclenes da Silva Ferreira gefragt wurde. Der in Brasilien geborene Angreifer hatte die russische Staatsbürgerschaft angenommen und zwei Länderspiele für die russische Nationalmannschaft absolviert. Rassismus im russischen Fußball? Potzblitz! Natürlich wurde der ehemaliger Stürmer umgehend vom Verband sanktioniert: Die Geldstrafe belief sich auf sage und schreibe 3.400 Euro.

Übrigens ist Pavel Pogrebnyak nach wie vor aktiv. Der mittlerweile 36-jährige spielt für Ural Ekaterinburg in der russischen Premjer-Liga. Also, wenn gerade alles normal wäre.

Die anderen Teile unserer kleinen Serie:

Teil 1:
Otto Baric – die maximale Witzfigur

Teil 2:
Bernd Förster – der Schattenmann

Teil 3:
Silvio Meißner – der Bodenständige

Teil 4:
Cristian Molinaro – das Teilzeitgenie

Teil 5:
Eyjölfur Sverrisson – der Spieler, der aus der Kälte kam

Titelbild: imago / Sportfoto Rudel

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