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Der VfB im Dezember 2018: Was wir wissen und was nicht

Der VfB Stuttgart im Dezember 2018

Erstmal vorweg: Wie gut fühlt sich denn bitte so ein Heimsieg an? Sowohl im Oktober wie auch im November mussten wir darauf verzichten. Die Klatschen gegen Dortmund und Frankfurt haben Spuren hinterlassen. Nicht nur bei der Mannschaft, sondern auch bei den Fans. Die Gespräche in der S2 vor dem Spiel gegen Augsburg drehten sich vor allem darum, wie hoch der VfB verlieren wird. Bitter.

Und wer meine, dies sei nur eine selektive Wahrnehmung, der muss sich nur die Zuschauerzahl angucken: 52.000. Die Gegentribüne war so spärlich besetzt, dass man die weißen Buchstaben auf den Sitzen sehen konnte. Und, um das klarzustellen: Das hatte nichts mit dem Stimmungsboykott zu tun. Die Cannstatter Kurve war in der ersten Halbzeit zwar ruhig, aber wie immer voll besetzt.

Fast genauso gut wie der Heimsieg fühlt sich ein Blick auf die Tabelle an. Platz 15! Völlig trügerisch natürlich, denn Nürnberg muss noch spielen und überhaupt ist es so eng, dass es nach dem nächsten Spieltag schon wieder ganz anders ausgesehen kann.

Aufschlussreicher als die Tabelle sind da die Erkenntnisse, die uns die Partie gegen Augsburg beschert hat. Der VfB im Dezember 2018: Was wir wissen und was nicht.

Ohne die Ultras wäre gar nichts los.
Spooky war es in der ersten Halbzeit. Statt des organisierten Supports höre man meist nur ein Grundrauschen aus den Gesprächen von 52.000 Menschen. Ungefähr so stelle ich mir die Stimmung bei einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft vor. Viele sind der Meinung, dieser Protest „bringe eh nichts“. Doch, wenn diese intelligente Art des Protests in allen Bundesliga-Stadien praktiziert wird, kann das DFB und DFL nicht egal sein. Und als die Fans beider Mannschaften ihr Schweigen brachen und einen „Scheiss DFB“ Wechselgesang anstimmten, bekam man beinahe eine GrindelGänsehaut.

Markus Weinzierl hat den Ernst der Lage erkannt.
Donis nach acht Wochen Pause in der Startelf. Gonzalez ebenfalls, obwohl er in der vergangenen kaum trainiert hatte. Dazu Didavi im Kader, obwohl er laut Weinzierls Statement in der Pressekonferenz kein bisschen fit ist. Das zeigt, dass Weinzierl jetzt ohne Kompromisse bis zur Winterpause durchzieht. Das ist natürlich nicht ohne Risiko aber wie sagt man so schön: alternativlos. In diese Kategorie fällt auch die Ein- und Auswechslung von Erik Thommy nach 15 Minuten. Wie schlau dieser Move war, darüber lässt sich allerdings diskutieren.

Das Problem ist nicht die Defensive.
Okay, Augsburg ist ohne Finnbogason offensiv nur die Hälfte wert. Dennoch konnte man sehen, dass in der Stuttgarter Defensive mit Pavard, Baumgartl und Kempf eine Dreierkette zusammenwächst, die zukünftig für mehr Stabilität sorgen kann. Vor allem, wenn Ron-Robert Zieler eine so konzentrierte Partie wie gestern spielt. Und Spiele ohne Gegentore sind verdammt wichtig, denn:

Das Problem ist die Offensive.
13 Spiele, 9 Tore. Eine Bilanz des Grauens. Nachdem mehr als ein Drittel der Saison gespielt ist, muss man leider festhalten: Der Go-Go-Sturm Gomez & Gonzalez, von dem wir uns so viel versprochen hatten, funktioniert nicht. Der Argentinier zeigt immer wieder gute Ansätze, doch es fehlt ihm schlichtweg die Physis, um sich gegen einen Bundesliga-Innenverteidiger durchzusetzen. Da muss jetzt eine Boss-Transformation her, wie sie Timo Werner in Leipzig durchgemacht hat. Maultaschen & Gewichte pumpen in der Winterpause, bitte!
Mario Gomez hingegen wirkt einfach nur noch tragisch. Dass er in der ersten Halbzeit einen Torschuss in aussichtsreicher Position mehr oder weniger verweigerte und stattdessen erfolglos ablegte, sagt alles. Seine Interviews zeigen, dass er er sich dessen bewusst ist. Aber das bringt den VfB auch nicht weiter.

Das Problem ist der Zeitlupenfußball.
Die Älteren werden sich erinnern: Dieses Raunen, das durch das Neckarstadion ging, wenn Alexandr Hleb zu einem seiner unnachahmlichen Tempodribblings ansetzte. Dieses Raunen gibt es jetzt wieder. Bei Christian Gentner, wenn die Zuschauer nur darauf warten, wie er diesmal das Tempo verschleppt. Aber es wäre unfair, dies am Kapitän festzumachen. Denn seinen Kollegen im Mittelfeld geht es meist nicht anders. Es fehlen die Automatismen. Jeder Spieler scheint nach der Ballannahme eine Ewigkeit überlegen zu müssen, was er jetzt mit ihm machen soll. Deswegen dauert im Aufbau- und Konterspiel alles viel zu lange. Dass es auch anders geht, zeigten gestern ausgerechnet Ascacibar und Beck. Okay, Donis war auch dabei.

Der VfB wehrt sich wieder.
Trotz aller Probleme konnte man gestern sehen, dass da eine Einheit auf dem Platz steht, die zumindest die Grundvoraussetzung im Abstiegskampf erfüllt: Einsatz und Kampf. Es wurde gegrätscht, geschimpft, gerudelbildet.  Ob das gegen Teams wie die nächsten Gegner aus M’gladbach und Berlin reicht? Vielleicht nicht. Aber klar ist: Ohne diese Tugenden hätte es auch gegen schwache Augsburger nicht zu einem Sieg gereicht.

Deswegen kann man die gestrige Partie sehr wohl als Hoffnungsschimmer bezeichnen. Zumal wichtige drei Punkte eingefahren wurden. Jetzt sind es immerhin 11 nach 15 Spielen. Nach Adam Riese fehlen also noch 29 aus 19.

Achja, die DFL möchte ja offensichtlich nicht, dass Fotos oder Videos des Boykotts veröffentlicht werden. Hoffentlich halten sich alle daran!

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3 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    Oooh Leute bitte …
    hier hat keiner einen Bock umgestossen oder ein dickes Brett gebohrt, hier haben die Augsburger versagt und sonst war nichts. Dusel auf unserer Seite und Dummheit auf der anderen, mehr gibt es hier nicht zu deuteln.
    Und trotzdem geil, lieber einen solchen glücklichen (dreckigen?) Sieg als gar keinen.
    Aber geleistet wurde wirklich nichts, aber auch gar nichts überragendes.
    Und nun zum Thema Stimmungsboykott:
    Ich war zu hause und habe klassisch Sportschau geguckt, und wisst ihr was: Wenn die Reporter nicht darauf hingewiesen hätten, dass es diesen Boykott gibt, wäre der gar nicht richtig aufgefallen. Schon krass, was man da im TV so machen kann …
    Und nun gleich noch vorbeugend zu Pavard:
    Nicht weinen und schimpfen, wenn er in der Winterpause geht. Bayern muss handeln, der Preis passt jetzt auch noch und bei Benji zeigen sich immer deutlicher die Strapazen der letzten Monate, möge er sich bei Bayern erholen und voller Saft und Kraft nach England wechseln, es sei ihm gegönnt, ich mag den Typ.

    Und das alles vollkommen ohne Ironie …

  2. 15 Spiele gespielt bei 11 Punkten ? Fast die Hälfte der Saison gespielt ?

    Nicht so ganz richtig…

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