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Happy Birthday VfB Stuttgart 1893 AG!

Mensch, sie werden so schnell groß! Und fast hätten wir es vergessen: Alles Gute nachträglich, liebe VfB Stuttgart 1893 AG, alte Hütte!

Man kann die Ausgliederung vor ziemlich genau einem Jahr so oder so sehen. Wir wollen im Rückblick auch gar nicht herumkritisieren, obwohl es da sicher noch das eine oder andere gäbe. Die Ausgliederung zu glorifizieren, das ginge jedoch ebenfalls zu weit.

Denn hat der Erfolg des VfB Stuttgart in der zurückliegenden Saison und vor allem in der Rückrunde etwas mit der Ausgliederung zu tun? Waren es nicht viel mehr die Personal-Entscheidungen, die sich im Nachhinein als goldrichtig erwiesen haben? Holger Badstuber als Stabilisator und unbequemer Mitspieler, Ron-Robert Zieler als Rückhalt und Führungsfigur, Santi Ascacibar als Gift-Gaucho & El Grätsche, Mario Gomez als Goalgetter und Mann, der den ganzen Laden zusammenhält. Und dann natürlich Tayfun Korkut. Ohne ihn und nicht zu vergessen sein sagenhaftes Glück würden wir nicht von einer Bomben-Saison sprechen.

Und die Ausgliederung? Klar, die 41,5 Millionen von Daimler hat der VfB Stuttgart gerne genommen und war so in der Lage, auf dem Transfermarkt selbstbewusster auftreten zu können, konnte Verträge verlängern, konnte die vielzitierten Trainingsplätze modernisieren und konnte einem Mario Gomez das Gehalt zahlen, das ein Mario Gomez eben fordert. Und sicherlich werden auch arrivierte Neuzugänge wie Beck, Aogo, Badstuber und Zieler nicht für ein Butterbrot kicken. Keine Frage: Hier hat die Ausgliederung den handelnden Personen zusätzlichen Spielraum verschafft.

Aber wir alle wissen: Was sind schon 41,5 Millionen? Wenn es gut geht irgendwann mal ein dreiviertel Pavard. Wichtiger als das Budget ist doch der verantwortungsvolle Umgang damit. Und genau der hat sich scheinbar gegenüber der letzten Jahre geändert: Die Kohle wurde nicht verprasst (Horst Heldt), verpulvert (Fredi Bobic) oder verloren (Robin Dutt), sondern offensichtlich mit Augenmerk und Sachverstand investiert. Auch ein Verdienst von Michael Reschke, der bei Erik Thommy (für dessen Verpflichtung sicherlich keine Daimler-Millionen nötig waren) genau richtig lag. Wollen wir hoffen, dass dies bei Pablo Maffeo, Borna Sosa und Marc-Oliver Kempf ebenso der Fall ist.

Auch alle anderen Umbauten – die gerne als „professionelle Strukturen“ bezeichnet werden – sind im Grunde völlig unabhängig von der Ausgliederung. Für die verstärkte Integration von Thomas Hitzlsperger, die Neuausrichtung der zweiten Mannschaft, die aggressiv-penetrante Mitglieder-Werbung und die „starke Entwicklung der Marke VfB“ (Röttgermann-Voice) hätte es die Ausgliederung nicht zwingend gebraucht. Sie hat vermutlich auch nicht dafür gesorgt, dass 10.000 neue Trikots und bereits 25.000 Dauerkarten für die neue Saison verkauft wurden. Die Ausgliederung vor einem Jahr hat die kurzfristige Entwicklung sicherlich positiv beeinflusst, aber sie ist nicht hauptverantwortlich für alles Gute im Augenblick.

Also läuft alles nach Plan? Nicht ganz. Denn die Akquise eines weiteren Investors scheint nicht ganz so einfach zu sein, wie man sich das in der Mercedesstraße erhofft hatte. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung vor 12 Monaten wurde die erste Jahreshälfte 2018 als Zeitrahmen genannt, außerdem wurden damals auch „Unternehmen aus der Region“ präferiert. Wenn man die Aussagen zuletzt betrachtet, dann spielt dies keine große Rolle mehr und auch 2018 wird es wohl nichts mehr werden mit der Präsentation eines neuen Investors, wenn Präsident Dietrich jetzt erst mit den Sondierungsgesprächen beginnt.

Offensichtlich stehen die potenziellen Investoren also nicht Schlange vor dem Clubhaus. Es scheint schwerer zu sein als gedacht, zumal der VfB Stuttgart wenig an Gegenleistung zu bieten hat. Trikot, Stadion, Tribünen, Ärmel, Eckballverhältnis: Alle Werbe- bzw. Kommunikationsflächen sind verkauft. Fraglich ist auch, wen Daimler neben sich als Investor „duldet“. Porsche als Sponsor des VfB-Nachwuchses hat sich bereits zurückgezogen. „Durch die Neustrukturierung des VfB Stuttgart 2017 haben wir uns in enger Abstimmung mit dem Verein entschieden, die Partnerschaft im Jugendbereich zunächst auszusetzen. Wir sehen es – auch im Sinne der guten Nachbarschaft – als geboten an, dem Hauptsponsor und Anteilseigner zusätzlichen Raum zur eigenen Präsentation zu geben.“

Am kommenden Sonntag findet übrigens die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart statt. Nicht die der AG, sondern die des e.V. Wir sind gespannt, wie viele der aktuell über 60.000 Mitglieder ihre „gestärkten Rechte“ wahrnehmen und in der SCHARRena erscheinen. Prognose: Nicht viele.

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3 Kommentare

  1. Rund der Ball sagt

    Meiner Meinung nach hat die Ausgliederung nur einen Effekt gehabt: wir werden jetzt vollgemüllt mit Werbung. Finanziell war es ein kleiner Kiselstein – nicht der Rede wert. Sportlich kann die Ausgliederung also keinen Effekt gehabt haben. Hat sich also wirklich gelohnt…

  2. Klaus sagt

    Was vielleicht auch ein Grund für die längere Suche nach Investoren sein könnte: Man will die Gunst der Stunde nutzen und einen deutlich höheren Preis rausschlagen und/oder „namhaftere“ Investoren finden (Coca Cola statt Ensinger).

    • @buzze sagt

      Hm, ich glaube nicht, dass ein Konzern dieser Kategorie beim VfB einsteigen wird. Cola z.B. ist FIFA-Partner, die drehen doch am viel größeren Rad. Aber wir werden sehen.

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