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Naiv, wer in München mehr erwartet hat

Es hat natürlich seine Berechtigung, dass vom schwierigen Umfeld und „The Länd der Fußballexperten“ ein treffsicherer Stürmer, ein schneller und zugleich großer Neuner, ein Sechser „wie Declan Rice“, ein großer Innenverteidiger und natürlich noch die obligatorische „Drecksau“ wahlweise vermisst oder gefordert wird. Ebenso, dass der VfB in München gewinnen sollte, schließlich sind die Bayern nach ihrem anstrengenden Halbfinaleinzug gegen Real Madrid kaputt und wollten am Sonntag Abend nicht auch noch die Meisterschaft feiern. Denn selbst dafür haben sie keine Kraft mehr und außerdem kann man auch vom feiern müde werden.

So ist die Enttäuschung groß, dass der VfB gegen eine der besten Mannschaften Europas chancenlos war, sich auch noch vier Buden hat einschenken lassen. Mit einem treffsicheren Stürmer, einem schnellen und großen Neuner, einem Sechser „wie Declan Rice“, einem großen Innenverteidiger und einer „Drecksau“ wäre das nicht passiert. Mit einem richtig guten Trainer selbstverständlich auch nicht. Sebastian Hoeneß findet gegen die Bayern einfach kein Mittel und keine Taktik, da hilft es ihm auch nicht, dass er der erfolgsreichste VfB-Trainer seit 15 Jahren ist. Vielleicht sollte der VfB in Spielen gegen den Rekordmeister jemand anderes auf die Bank setzen. Bo Svensson zum Beispiel, der gewann drei seiner sechs Begegnungen gegen den FCB. Die Idee habe ich von Instagram oder Facebook, weiß nicht mehr, aber was ich weiß: auf Social Media ist sowieso das fachkundigste Publikum. Warum dort niemand Rino Pellegrino vorgeschlagen hatte? Der erkämpfte sich immerhin zwei Mal ein 2:2 in München und gewann in Spanien jetzt auch noch den Copa del Rey!

Dabei waren die Vorzeichen gut:
Seit dem 0:5 im Hinspiel hat der VfB die wenigsten Gegentore der Liga kassiert. In der Rückrunde musste Alexander Nübel in zwölf Spielen nur 13 Treffer hinnehmen. Zudem weisen die Stuttgarter die beste Zweikampfquote der Liga auf, auch wenn ein Sechser „wie Declan Rice“, ein großer Innenverteidiger und eine „Drecksau“ im Kader fehlen.

Die Vorzeichen waren aber in Wirklichkeit verheerend:
Der VfB gewann nur zwei der letzten 31 Duelle gegen den FC Bayern. In der Endphase der Saison 2023/2024 schoss der VfB die Bayern mit 3:1 ab, nach Toren von Stergiou, Yeong und Silas … liest sich unwahrscheinlich, war aber so. Ähnlich unwirklich das 4:1 am letzten Spieltag 2018: Donis? Sagt Euch Donis noch was? Captain Kork aka Tayfun Korkut träumt heute immer noch davon.

Die Qualitätsunterschiede zwischen München und Stuttgart sind in allen Bereichen zu groß, aber über das 2:4 kann man sich trotzdem trefflich ärgern. Auch wenn der VfB auf Platz vier steht, mit realistischen Chancen auf die Champions League, es fehlen einfach ein treffsicherer Stürmer, ein schneller und zugleich großer Neuner, ein Sechser „wie Declan Rice“, ein großer Innenverteidiger und eine richtige „Drecksau“. Dann wäre der VfB auf Jahre hinweg unschlagbar und hätte in München locker gewonnen. Das Fehlen ist trotzdem kein Grund, so hasenfüßig aufzutreten und den Bayern die Tore auch noch zu schenken. Das haben die gar nicht notwendig. Umso ärgerlicher ist es, dass der Rekordmeister sich noch nicht einmal anstrengen musste und froh war, es die letzte halbe Stunde auslaufen lassen zu können.

Trotzdem ist es erstaunlich, wie schlecht der VfB regelmäßig gegen München auftritt. Wahrscheinlich hat nur der HSV eine üblere Bilanz in den letzten 15 Jahren als der VfB. Nach dem 4:1 in der 52. Minute durch Harry Kane musste man eine Klatsche in Hamburg-Dimension befürchten, ein 6:1 oder 7:1 oder 8:1 stand im Raum, aber die Bayern hatten einfach keinen Bock mehr.

Wer angesichts der traditionellen Angst gegen München und deren Stärke in dieser Saison etwas Zählbares erwartet hatte, war naiv. Als gnadenlos, unbarmherzig und unersättlich werden die Bayern bezeichnet. Der VfB machte viele Fehler, trat oft zaghaft auf, aber ob eine Bestleistung zu mehr gereicht hätte? Letztlich kann sich der FCB nur selbst schlagen. Eine Liga, in der der Meister gegen den Dritten in zwei Spielen elf Tore schießt und gegen den Vierten neun, hat ein echtes (Vermarktungs-)Problem. Dazu wird ein Team Zweiter, das trostlosen Terror-Fußball spielt.

Sollte der VfB das Pokalfinale erreichen und Bayern wie erwartet in Leverkusen gewinnen, steht uns in Berlin wieder so ein deprimierendes Spiel gegen München bevor. Wie der VfB das ausgeglichen gestalten will, kann ich mir im Moment überhaupt nicht vorstellen.

Zum Weiterlesen:
Rund um den Brustring bemängelt “Harakiri-Larifari-Pässe ohne Absicherung, wildes Herumgeirre im eigenen Strafraum und (..) halbgare Abschlüsse in die Arme des gegnerischen Torwarts.“. Sagt aber auch mit Blick auf die Champions League-Qualifikation: “Wir haben alles in der eigenen Hand.“

Die ZEIT kommentiert gewohnt herablassend: Der VfB “obwohl selbst ambitioniert, hoffte nur, dass es irgendwann vorbei ist“, mein aber auch anerkennend: “Es ist keine Kunst, mit den Bayern Meister zu werden. So aber schon”

Matarazzo bezeichnet in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, das 2:1 gegen Köln am letzten Spieltag 2021 als „den intensivsten und größten Erfolgsmoment“ seiner bisherigen Karriere – das bevor er den spanischen Pokal mit Real Sociedad gewann.

Bild: Leonhard Simon/Getty Images


Das Schwierige Umfeld hat in Cannstatt einen schweren Stand seit Sebastian Hoeneß auf der Trainerbank sitzt. Gut, dass es zuletzt endlich wieder Gelegenheit gab, das Spiel des VfB zu kritisieren. Der neue Sweater, der in enger Kooperation mit mystu entstanden ist, ein perfektes Statement, sollte man etwas an den Audtritten des VfB auszusetzen haben! Also holt Euch das Teil – und vergesst den Code “vp10” nicht!

 

 

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6 Kommentare

  1. Jochen sagt

    Das schwierige Umfeld in Form von „NiveaulosJochen“ merkt nur an, dass es zumindest eine eigenwillige Idee ist, fast die komplette Spielzeit in München mit einem Mittelstürmer Tiago Tomas zu bestreiten und so nur zu 10 beim deutschen Meister anzutreten. Die Innverteidiger des FC Bayern hatten gestern frei. Aber vermutlich fehlt mir das Fussballverständnis, um die Genialität des Unfehlbaren zu erkennen.

  2. drhuey sagt

    Dass Kovac-Fussball und der VfB Stuttgart ausserhalb der eigenen Bayern-Liga spielen ist mittlerweile klar. Aber, dass die beiden auf Platz 2 und 4 stehen, sagt viel über die Bundesliga. Auch, wenn man deren Abschneiden auf internationaler Ebene hinzunimmt, wird die “Stärke” der Bundesliga nochmal klarer. Das weiss jeder, insofern gehe ich davon aus, dass niemand auch nur ansatzweise etwas erwartet hätte von dem Spiel.
    Stimmt, wir haben diese im Artikel erwähnten Spieler (noch) nicht und der Prömel-Transfer ist auch keine Antwort auf eine CL-Teilnahme, sondern für den Alltagsbetrieb in der Liga. Es ist etwas schade, dass gerade als sich der VfB in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess befindet, die Bayern eben nochmal einen Riesenschritt gemacht haben und den Begriff “Südgipfel” ad absurdum führen.
    Die Welt ist relativ. Das gilt auch im Vergleich mit internationalen Gegnern. Dennoch darf die absolute Entwicklung des VfB nicht unter den Tisch fallen. Sollte das grosse Ziel CL-Teilnahme am Ende Realität werden, was ich aufgrund der Gelder dem Verein auch wünschen würde, ist aber auch klar, dass der Mannschaft ein Upgrade verpasst werden muss. Man kann natürlich auch mit Leweling, Vagnoman, Tomas, Demirovic und Prömel die CL angehen und Geld sparen. Die Entwicklung der Mannschaft wird dadurch aber sicher nicht beschleunigt. @abiszet: Declan Rice fände ich super, aber auch Vitinha ist eine Überlegung wert ;)

  3. Marcus Fichter sagt

    Hat das Spiel nach den Vorkommnissen vor dem Stadion eigentlich noch jemand interessiert ? Ich hatte eh nix erwartet.

    Wundert sich nach den jüngsten Vorfällen in verschiedensten Stadien ( Bremen, Dresden, Rostock usw. ) noch jemand, das die Innenminister weitere Massnahmen zur Sicherheit im und um das Stadion herum beschließen möchten ?

    Statt sich einfach mal ruhig zu verhalten und nur das eigene Team zu supporten, disqualifiziert sich die Ultra-Szene immer weiter.

    Egal wieviel es waren, 150 oder 500, die Berichte gehen das auseinander, alle sollten mit landesweiten Stadionverboten und Meldepflichten an Spieltagen bestraft werden.

    Unschuldige Familien mit Kindern, die angebl. zwischen die Fronten geraten sind, hoffentlich ist niemand was passiert. Selbst wenn die Kinder sowas nur sehen müssen, das ist eine absolute Sauerrei !

    Gibt es denn auf der Welt gerade nicht genug negative Schlagzeilen ?

    Da schämt man sich echt, selbst VfB-Fan zu sein !

  4. bacardihardy sagt

    Der VfB ist zu schwach für die Championsliga
    und für die Bayern ein Häppchen.
    Der VfB kann noch auf allen Ebenen von den Bayern lernen.
    Was soll der VfB in Berlin, wenn dort die Bayern warten ?
    Freiburg schlägt sich da besser.
    Aber Freiburg liegt dem VfB wieder, was die Chance auf eine Reise nach Berlin erhöht.
    Schöne Saison bis dato, aber die Transferpolitik war diese Saison nix, da bleib ich bei.
    Wenn man im Kommentar auch die beispielhaft genannten Schwachstellen ins Lächerliche oder Provokative zieht,
    letztens liegts halt an der Transferpolitik und weniger am Trainer.
    Das Scouting sollte einen grossen kopfballstarken Mittelstürmer hervorbringen und defensivstarke Verteidiger, sonst wirds halt nix mit der Weiterentwicklung.
    Als VfB Fan ist es natürlich trotzdem eine Super Saison unabhängig wie die Saison letztlich endet.
    Aber Zufriedenheit ist Stillstand, deshalb
    Transferbaustellen korrigieren, sonst verlieren wir auch gegen Schalke nächste Saison.

    • @abiszet sagt

      Ich finde gut, dass Du Dein Niveau hälst @Jochen
      Tiago hat sicher kein gutes Spiel gemacht, wie viele gestern. Aber lag es nicht eher an der “eigenwilligen” Zweikampfführung vor dem 1:1 und dem kreativen Fehlpass zum 2:1?

      @bacardi
      Weil es teilweise lächerlich ist.

  5. Ich halte es für falsch, auch nur Details aller Entscheidungen unserer Saison (Verpflichtungen, Aufstellungen, etc.) daran zu bewerten, wie man gegen die momentan leider vermutlich beste Mannschaft Europas abschneidet. Das hat nichts mit Motivation, Zweikampfverhalten oder sonstwas zu tun – Bayern München dominiert jeden Gegner nach Belieben und der qualitative Unterschied ist so groß, dass jede Begegnung mit denen mittlerweile komplett langweilig ist. (Wie öde muss das sein, wenn man zu deren Fans gehört? 100+ Tore, 35ster Titel… schnarch.)

    Ata verkennt das für meine Begriffe ein wenig, wenn er sagt, dass man nach 6 Minuten mit drei Toren nicht den Kopf hängen lassen darf. Irgendwie stimmt das ja, aber wer ist nicht gefrustet und ratlos, wenn er dermaßen aufs Maul bekommt? Mich interessiert dieses Spiel deshalb nicht im Geringsten – ganz im Gegensatz zum Spiel gegen Doofmund, beispielsweise. Oder das Hinspiel gegen den HSV. Oder gegen St. Pauli.

    Natürlich dürfen (müssen) wir uns mittlerweile auch noch oben orientieren. Aber überschnappen sollten wir dabei jetzt auch nicht gleich. Die Bayern werden die Pharma-Boys im Pokal ordentlich abrubbeln und ich glaube kaum, dass man in deren Geschäftsstelle anschließend irgendwas in Frage stellt. In der Liga geht es um die Plätze 2 bis 18 und das wird sich auf die Dauer nicht ändern.

    Nachdem Frankfurt verloren hat, spielen wir nächste Saison in Europa. Das ist mir wichtig und das macht mich stolz auf die Jungs. Alle andere ist ab jetzt ein Bonus. Auch eine mögliche Pokalfinalteilnahme, die Doofmund und Brause verwehrt bleibt. Das ist noch immer eine außergewöhnliche Bilanz, die unser VfB unter Hoeneß da hingelegt hat und die nimmt uns keiner mehr weg.

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