Mini-Feature, VfB
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Relegation olé!

Stuttgart ist nicht Augsburg (diesen Satz ein bisschen wirken lassen).

Denn beim VfB wird nicht die letzte Option gezogen, um noch einmal einen Reiz zu setzen wie beim FCA mit den Entlassungen von Manuel Baum, Jens Lehmann und Stefan Schwarz. Aber machen wir uns nichts vor: es wäre ein Wunder, wenn der VfB gegen Leverkusen punktet. Denn anscheinend haben sich alle bereits mit der Relegation abgefunden.

Der Trainer Markus Weinzierl, der sowieso nur noch auf seine Papiere zu warten scheint, während um ihn herum der VfB 2019/2020 gebaut wird.

Die Spieler, was sich unschwer an deren Spielweise und Aussagen (zuletzt Ron-Robert Zieler und Andreas Beck) erkennen lässt.

Der Sportvorstand, der ansonsten Markus Weinzierl entlassen hätte, um noch einen Akzent im Abstiegskampf zu setzen. Aber Stuttgart ist nicht Augsburg und vielleicht hatte Thomas Hitzlsperger auch schlichtweg keine Zeit, sich um die Trainerfrage zu kümmern, weil er für den Sportdirektorposten an der großen Lösung mit Sven Mislintat werkelte.

Und nicht zuletzt wir Fans, weil wir mittlerweie auch wissen, das wohl selbst der größte Support den Spielern keine Beine macht.

Das Einzige, was hilft, ist sich schon früh mental auf die Relegation einzustellen. Denn die ist im Vergleich zu einem “Endspiel“ wie gegen den 1. FC Nürnberg hart, härter, Bruce Willis. Wir wagen deshalb einen kleinen Blick voraus.

Für die Relegationsspiele, die vermutlich am 23. und 27. Mai stattfinden, gibt es aus unserer Sicht vier mögliche Gegner. Und wir alle können uns schon jetzt auf diese Ergebnisse einstellen:

Hamburger SV:
Das unausweichliche Spiel gegen die VfB-Filiale mit Hannes Wolf, Orel Mangala, Berkay Özcan, Go Sakai und Sport-Vorstand Ralf Becker. Alle reiben sich verwundert die Augen, da der HSV-Trainer entgegen seiner sonstigen Taktik auswärts so offensiv aufstellt. Der VfB hat Räume, in denen er sich zunächst verläuft, weil von Trainer Weinzierl einmal mehr keine konkreten Anweisungen kommen. Nur Steven Zuber behält den Überblick. Nach einem 5:0 beim Hinspiel in Stuttgart (3x Zuber, Kabak und Mangala mit einem Eigentor) ist die Relegation bereits entschieden. Nach dem Spiel kommt raus: Thomas Hitzlsperger hat Wolf bereits für die neue Saison verpflichtet, für eine Ablöse von 12,5 Millionen. Damit ist Wolf der teuerste Transfer in der VfB-Geschichte. Nach diesem Coup verstummt selbst die Kritik am Präsident Wolfgang Dietrich (allerdings nur kurz). Wolf wird daraufhin vom HSV mit sofortiger Wirkung freigestellt und sitzt im Rückspiel bereits auf der Stuttgarter Bank. Das Ergebnis: 0:0.

Union Berlin:
Der VfB Stuttgart trifft auf einen bestens gelaunten Carlos Mané. Der spielt erst Emilliano Insua Knoten in die Beine und als dieser entnervt ausgewechselt wird, überzeugt Mané schließlich Borna Sosa, dass der VfB doch ein toller Verein ist. Er erzählt ihm von seiner Zeit in Stuttgart, von seinen Shopping-Touren im „abseits“ und den feucht-fröhlichen Abenden im „Vivaldi“. Das Ergebnis: Sosa lässt sich nach unmittelbar nach Abpfiff des ersten Relegationsspiels (Endstand 0:0) ein großes „VfB 4ever“ auf die linke Wade tätowieren – und fällt für das Rückspiel aus, weil der Heilungsprozess länger dauert als geplant. Markus Weinzierl gefällt das nicht. Auch im Rückspiel sind nach 90 Minuten noch keine Tore fallen. Nach 120 Minuten sieht es nicht anders aus. Erst ein episches Elfmeterschießen in der Alten Försterei bringt die Entscheidung: Ozan Kabak verwandelt kurz vor Mitternacht zum 23:22!

St. Pauli:
Los Juhukay ist immer noch sauer, dass Jan Schindelmeiser ihm 2016 nicht geglaubt hat, dass Ronny, Alexander Baumjohann und Marcel Ndjeng dem VfB weiter geholfen hätten. Bei St. Pauli trifft er mit Alexander Meier auf genau sein Beuteschema: Alt, erfahren, abgezockt. Doch Ozan Kabak lässt den Haudegen, der sein Vater sein könnte, noch älter aussehen. Auch nicht hilfreich ist, dass Luhukay für die Relegationsspiele die ehemaligen Kiez-Helden André Trulsen, Thomas Meggle und Ralph Gunesch reaktiviert hat, um mehr Erfahrung auf den Platz zu bringen. Das Ergebnis: St. Pauli schafft es, noch langsamer als der VfB zu spielen, ist chancenlos in der Relegation und verliert zwei Mal deutlich mit 0:1, jeweils nach Toren von Tassos Donis. Zur nächsten Saison wechselt der Grieche für 1,2 Millionen nach Leipzig und schlägt dort ähnlich sensationell ein wie Filip Kostic diese Saison bei Eintracht Frankfurt. Seine Erklärung: „Wenn meine Mitspieler gut sind, bin ich es auch!“

SC Paderborn:
Nicht vergleichbar mit dem Abstiegsendspiel 2015. Die Ostwestfalen spielen mittlerweile Party-Fußball. Wild, sexy, schnell und mit vielen Toren. Dem VfB wird schwindelig bei dieser Spielweise, Andreas Beck muss mit Kreislaufproblemen früh ausgewechselt werden. Aber hier zeigt sich, das Mario Gomez und Daniel Didavi Gold wert sind. Zusammen haben sie bereits drei Relegationen erfolgreich bestritten und halten cool dagegen. Im Hinspiel holt der VfB drei Mal einen Rückstand auf und fährt mit einem 3:3 im Gepäck nach Paderborn. Im Rückspiel egalisiert Didavi mit einer direkt verwandelten Ecke die Paderborner Führung  und Gomez trifft kurz vor Schluss zur Führung als er bei einem Befreiungsschlag vom Paderborner Torhüter angeschossen wird.  In der Nachspielzeit rettet Zieler mit einem Reflex das 2:1. Ein Parade, nicht von dieser Welt.

Während die Mannschaft „Mario Gomez ist ein Hurensohn“ singend zurück nach Stuttgart reist, kommt die schnell organisierte Nichtabstiegsparty auf dem Wasen nicht so recht in Schwung. Nicht besser wird die Stimmung durch die Rede von Wolfgang Dietrich. Er sagt, er sei froh, mit Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat jetzt endlich das richtige Personal gefunden zu haben, um die hervorragenden Strukturen und Rahmenbedingungen zu nutzen, die nach der Ausgliederung geschaffen wurden. Er sei sich sicher, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende, dass der VfB nach der schlechtesten Saison der Vereinsgeschichte jetzt richtig durchstarten könne. Der Abstieg werde in Zukunft kein Thema mehr sein.

Titelbild: AdobeStock/cirquedesprit

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15 Kommentare

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  2. Stuggi1893 sagt

    Wenn wir 2:2 in Paderborn spielen nach 3:3 daheim sind wir doch noch nicht gerettet? Oder übersehe ich etwas

  3. Jörn sagt

    Beste ist die Tätowierung von Borna…das würde voll ins Anforderungsprofil eines VfB Amateurprofis fallen;-)

  4. Dietrich sagt

    Kiel? Ok, ich bin in Stuttgart geboren und so lange ich denken kann, bin ich VfB-Fan.
    Heute wohne ich 30 km von Kiel entfernt und würde mich über Erstligafussball freuen… 😂😂😭😭

  5. Mathias sagt

    Wieso seid ihr euch eigentlich alle so sicher, dass wir in der Relegation landen? Dieses ganze „die Relegation haben wir sicher“ kann meines Erachtens nur dazu führen, dass wir am letzten Spieltag noch überholt werden, weil Nürnberg, im Gegensatz zum VfB, noch ein paar Pünktchen auf der Zielgeraden findet. Einziger Vorteil: Die Relegationsspiele sind deutlich weniger stressbehaftet.

    • @buzze sagt

      Weil Platz 17 in unseren Augen genauso unwahrscheinlich ist wie Platz 15. Aber natürlich kann man weder das eine noch das andere ausschließen.

      • Mathias sagt

        Für mich ist leider Platz 17 sehr viel wahrscheinlicher als Platz 15. Ich drücke uns allen aber ganz fest die Daumen, dass ihr recht habt.

  6. drausvomLande sagt

    Das habt Ihr ja schön geschrieben, aber leider wart Ihr nicht auf dem Laufenden, soeben erreicht mich folgende Eilmeldung:
    Wie das Interims-DFB-Präsidium soeben mitteilt, wurde im Schreibtisch des zurückgetretenen Präsidenten R. G. diverser Schriftverkehr um die Erstliga-Relegation herum gefunden. Das Interims-Präsidium nennt diese Verträge undurchschaubar, beteiligte Parteien seien ein gewisser W.D., mehrere Fernweh-Sender, einige Wettbüros und insbesondere auch R.G. in seiner Funktion als DFB-Präsident. Um der Gefahr einer möglichen Wettbewerbsverzerrung vorzubeugen, wurde daher mit sofortiger Wirkung entschieden, dass in der aktuell laufenden Saison die Relegation zur ersten Liga ausgesetzt wird. Stattdessen gilt folgende Regelung:

    Die Vereine auf den Plätzen 16, 17 und 18 der Abschlusstabelle der ersten Liga und die Vereine auf den Plätzen 1, 2 und 3 der Abschlusstabelle der zweiten Liga werden zur kommenden Saison aus den bisherigen Ligen entnommen und bilden eine eigenständige Sportgruppe. In einer Doppelrunde Jeder gegen Jeden mit anschliessenden Playoffs wie im Eishockey wird dann der Titel des „Meisterzockers“ ausgespielt. Die TV-Rechte für dieses Mega-Event gehen an eine neu zu gründende Welt.Pay.TV-Gruppe unter der Führung von J.B. mit Sitz in der Schweiz. Spieltage sind immer dann unter der Woche, wenn sonst kein Fussball läuft.
    Sei’s drum …

  7. Marc sagt

    Das für mich krasseste Szenario wäre, wenn es Schalke irgendwie mit uns zusammen schaffen würde abzusteigen.
    Genau dieses ausruhen auf gewissen Dingen (hier jetzt die Relegation) hat uns dahin gebracht wo der Verein heute ist.
    Sollten wir in der 1. Liga bleiben, verkauft uns das Dietrich mit Sicherheit als Erfolg und feiert sich selbst. Dabei gibts hier absolut gar nichts schönzureden oder dergleichen. Die Saison endet aus meiner Sicht so oder so katastrophal. Und damit mein ich in erster Linie die Art und Weise. Mit so einem „Anti-Fussball“ in der Bundesliga zu bleiben, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln (das werden mit Sicherheit auch noch sehr viele andere sich fragen, wie das nur funktioniert hat). Dazu noch die geballte Inkompetenz, gerade auf präsidialer Ebene und ich könnte im Strahl, na ihr wisst schon was.
    Einerseits wünscht man „seinem“ Verein eigentlicht nichts schlechtes, andererseits würde aus meiner Sicht nur ein Abstieg dem VfB mehr helfen als in der Liga zu bleiben. Problem ist nach wie vor, dass man sich zu schnell auf etwas ausruht und selbst Niederlagen abfeiert, in dem man die gefühlt „starken“ 5 bis 10 Minuten von uns dann isoliert herauspickt und dann so Phrasen drischt wie „darauf lässt sich aufbauen“.
    Die gröbste Fahrlässigkeit besteht allerdings meiner Meinung nach darin, dass ein Kapitän (und nein, diesen Namen schreibe ich nicht aus) hinausposaunt, dass man gegen bestimmte Mannschaften nicht gewinnen müsse. Was ist denn das bitte für eine Mentalität? Wo bleibt da der Ehrgeiz? Wenn ich da an nen Kahn denke, der ausgetickt ist wie ein kleines, bockiges Kind, wenn man mal was nicht nach seinen Vorstellungen funktioniert hat, dann muß ich sagen, wär ich froh, wenn wir vom Ansatz her so jemanden in unserer Mannschaft hätten. Aber bei uns scheints üblich zu sein, nur noch „Weichspülprofis“ und „Ja-Sager“ zu beschäftigen. Daher – so hart und bitter es auch klingen mag – „wünsche“ ich mir fast, dass es der VfB noch so richtig vergeigt und schön gediegen am letzten Spieltag oder so doch noch direkt absteigen darf. So ein ständiges Ignorieren der Realität und ein permanentes Abliefern von „Angsthasenfussball“ gepaart mit Nicht-Leistung auf dem Platz, was uns als Fans hinterher versucht wird anders zu verkaufen, das gehört eigentlich mit dem Abstieg knallhart bestraft. Mag sein, dass ich zu emotional bin, aber genau das geht viel zu vielen Verantwortlichen im Verein ab, die mit Sicherheit ruhigen Gewissens jede Nacht schlafen gehen können ohne Skrupel und jeden Monat fette Gehälter einsacken, wofür ein Fan gefühlte 150 Jahre arbeiten müsste. Das ironische an der Sache ist ja, dass eben genau die Fans das Ganze unterstützen, in dem sie jede Woche die „Mannschaft“ supporten, in dem sie ins Stadion rennen und eventuell noch Fanartikel beziehen. Dafür meinen größten Respekt.

    Ich habe fertig.

  8. Mozy sagt

    Marc hat das hier trefflichst formuliert. Es ist zum heulen, welche Teilnahmelosigkeit auf den Platz rumläuft. Und das im Schneckentempo (außer Santi, Ozan und Kempf;-). Aber wenn ich 100 Tausend Euro pro Monat oder mehr verdiene, wäre mein Anspruch vielleicht auch kein höherer mehr. Traurig ist halt einfach die riesige Diskrepanz zwischen Fans, Manschaft und Verein. Die Fans hier in Stuttgart haben einen hohen Anspruch, ja. Aber sie stehen auch hinter ihrer Mannschaft wie Drecksau! Verein und Mannschaft täten gut daran endlich mal damit anzufangen auch hinter ihren Fans zu stehen. Am besten heute gegen die Werkself! Und zu guter letzt: DIETRICH RAUS!!!

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