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Der schlechteste VfB aller Zeiten

Low, lower, VfB: Die schlechteste Saison. Die schlechtesten Spieler. Der schlechteste Trainer. Der schlechteste Präsident. Ob direkt oder über den Umweg Relegation: Es wäre nur logisch, wenn der VfB erneut absteigen würden. Dass der VfB noch den 15. Platz erreicht, ist angesichts der Leistung gegen Nürnberg illusorisch.

Kein Fanmarsch, keine coole Choreo, kein geiler Support – nichts hat etwas gebracht (auch mein Frottesana-Trikot nicht), denn von der Mannschaft kam nichts zurück und in diesem Entscheidungsspiel ingesamt viel zu wenig. Hätte der 1. FC Nürnberg ein bisschen mehr individuelle Klasse zu bieten als den wuseligen und technisch starken Matheus Pereira, dann hätten die Franken ihre Konterchancen so ausgespielt wie letzte Woche Eintracht Frankfurt und der VfB hätte fünf Kisten bekommen.

Die schlechteste VfB-Mannschaft aller Zeiten?
Statistisch gesehen: ja. Spieltaktisch: ja. Ein einziger guter Angriff, der zur Großchance von Mario Gomez in der 89. Minute führte, das ist einfach zu wenig. Es fehlt Geschwindigkeit, ein Spielaufbau existiert nicht, Mentalität musst Du in dieser Mannschaft mit der Lupe suchen. Der VfB ist da anderer Meinung und redet den desolaten Auftritt schön: „“Es war gut, dass wir nach dem Rückstand noch einmal zurückgekommen sind. Man hat gesehen, dass wir mental stark sind.“ Diesen Eindruck hatten wohl die meisten Zuschauer im ausverkauften Neckarstadion nicht. In der zweiten Halbzeit war der VfB überfordert, ängstlich, dem Druck nicht gewachsen. Symptomatisch und zugleich traurig die Szene in der erste Halbzeit mit Andi Beck und der Eckfahne: Er traf die Spielbegrenzung und nicht den Ball und man hat gesehen, dass die Eckfahne deutlich beweglicher ist als der VfB-Außenverteidiger.

Der schlechteste Mario Gomez aller Zeiten?
Harte Ansage, denn er ist immerhin der elfbeste Torschütze in der Bundesligahistorie. Oder muss man schon „war“ schreiben, weil seine Zeit abgelaufen ist? Denn Gomez muss gegen den Club mindestens zwei Tore machen. Man hat den Eindruck, als seien seine Torjägerqualitäten mit der Geburt seines Kindes in Elternzeit gegangen.

Der beste Ron-Robert Zieler aller Zeiten?
Immerhin hat er gegen Nürnberg keinen seiner sonst üblichen Böcke drin. Er hat mit wirklich wahnsinnigen Paraden erst den VfB im Spiel gehalten und dann den einen Punkt gerettet. Denn eines muss man leider festsstellen: Die limitierten Nürnberger haben in der zweiten Halbzeit das Spiel bestimmt und hätten den Sieg durchaus verdient gehabt. Wenn man sich klar macht, dass der Marktwert des VfB rund drei Mal so hoch ist wie der der Nürnberger, dann ist das ein Armutszeugnis. Für den Einkäufer und Kaderplaner Michael Reschke, für die Trainer Tayfun Korkut und Markus Weinzierl und nicht zuletzt für den Präsidenten, der diesen Club nicht voran gebracht hat. Der VfB ist in derselben Situation wie beim Abstieg 2016 – nur dass die Ausgliederungsmillionen von 2017 ausgegeben sind.

Job-Garantie für den schlechtesten VfB-Trainer in der Vereinsgeschichte?
Ist das eine gute Idee, angesichts des konzept- und gesichtslosen Fußballs unter Markus Weinzierl? Eigentlich ist es jetzt auch egal. Wer soll aus dieser desolat zusammen gestellten Mannschaft noch etwas rausholen? Dass Weinzierl nicht alles versucht, kann ihm niemand vorwerfen: Mit den Einwechslungen von Daniel Didavi, Nicolas Gonzalez und Borna Sosa nutzte er alle Optionen. Aber es wirkt immer noch so, als ob sich die Spieler auf dem Spielfeld zum ersten Mal sehen. Es bleibt nur die Hoffnung auf individuelle Elemente, zum Beispiel von Marc-Oliver Kempf (Lattenkopfball) oder Ozan Kabak. Aber womöglich ist selbst das Zufall.

Noch ein Wort zum Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann:
Der Platz neben Wolfgang Dietrich ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Wer den VfB-Präsidenten schon einmal während eines Spiels erlebt hat, der weiß: Mit Dietrich geht schon mal der Gaul durch, er kann derbe fluchen inklusive einiger rustikaler Schimpfworte. Eine Leidenschaft, die der Mannschaft gegen Nürnberg vollständig gefehlt hat. Oder wie kann es sein, dass ein 18-jähriger Winter-Neuzugang der einzige ist, dem man anmerkt, dass er das Spiel gewinnen will? In einem Team, das gespickt ist mit Weltmeistern und Altinternationalen.

Unser VertikalGIF zum Nürnberg-Spiel findet Ihr hier.

Titelbild: imago/Sportfoto Rudel

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10 Kommentare

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  2. Mozy sagt

    War gestern im Stadion mit meinem Sohn. Er und die Fans im Stadion haben so eine Mannschaft nicht verdient: Beck – unkonzentriert und fahrlässig, Gomez – spielt, als ob er derbe Rückenschmerzen hätte, Insua – flankt ins nichts, Didavi – spielt mit Angst um seine Knochen, Pavard – mental schon bei den Bauern, Gonzalez – einfach nicht bundesligareif, Zuber – will wahrscheinlich doch zurück nach Hoppenheim, Esswein – ambitioniert, aber fehlendes Talent. Auf Donis hatte ich mich ja irgendwie gefreut, aber auch er läuft seinen Erwartungen hinterher. Die einzigen, den man zumindest ein bisschen Siegeswillen attestieren kann: Zieler, Kempf, Santi und Ozan. Traurig, oder? Und Weinzierl? Schafft es nicht die vielleicht doch partiell vorhandenen Stärken einiger Spieler auf den Platz zu bringen. Aber was solls, verdienen alle mehr, als ich in 10 Jahren nicht. Der VfB nährt sie alle gut, bis er nichts mehr hergibt ubd blutleer auf der Strecke bleibt.

  3. Clemens sagt

    Zwei Jahre gravierende Fehler in der Kaderplanung haben den VfB in die aktuelle Situation geführt, in der wir heute nach negativen Superlativen suchen. Man hat versucht, auf eine Achse erfahrener Kräfte (Zieler, Badstuber, Gentner und Gomez) zu setzen und hat vollkommen verkannt, dass mindestens 3 dieser Spieler deutlich über ihren Zenit sind. Mit Castro, Didavi, Insua, Beck und Aogo hat man auf weitere Spieler gesetzt, die ihre besten Tage ebenfalls hinter sich haben. Und in einer funktionierenden Team-Hierarchie wären disziplinarische Entgleisungen wie von Donis, Sosa und vor allem Maffeo vielleicht gar nicht erst aufgetreten, wenn nämlich die sogenannten Alpha-Tiere mit Leistung vorangegangen wären und die Jungen sich an ihnen hätten orientieren können.

    Am Samstag war eine Mannschaft auf dem Platz, der ich nicht den Willen und Einsatz absprechen möchte, das Spiel gegen Nürnberg gewinnen zu wollen. Allein die fehlende Effizienz vor dem gegnerischen Tor hat meiner Meinung nach eine verdiente Führung zur Halbzeit verhindert. Indes war der Auftritt in der zweiten Hälfte ein klares Indiz für fehlende fußballerische Klasse und trotz des hohen Aufgebots an nominell offensiven Spielern konnte man deutlich erkennen, dass der VfB spielerisch eine arg limitierte Mannschaft ist. Technisch und sogar läuferisch fehlt den meisten Spielern das Niveau für die Bundesliga. Selten habe ich eine so langsame, sprintschwache Mannschaft gesehen. Die Unzulänglichkeiten beim Passspiel waren teilweise frappierend. Insofern bleibt einzig die spielerische Komponente, die von Weinzierl zu lösen wäre. Allein, was soll ein Trainer mit diesem erbärmlichen Personal machen, bei dem bestenfalls der Torhüter, die Innenverteidiger und perspektivisch ein Ascacibar die Klasse für die 1. Liga besitzen?

    Der VfB Stuttgart wird sich möglicher Weise dennoch in die Relegation duseln. Aber spätestens dann, wenn der VfB dann zwei Mal auf einen Gegner trifft, der wie Nürnberg am eigenen 16’er mit zwei Viererketten steht und auf Konter lauert, könnte der VfB zur größten Lachnummer im bezahlten deutschen Fußball verkommen, weil sich erstmalig nach vielen Jahren der Bundesligist gegen den Zweitligisten nicht durchsetzt.

  4. @abiszet sagt

    @Mozy
    Sehe ich ähnlich, nur bei Pavard ist mE kein Spannungsabfall zu sehen. Interessant aber, dass Weinzierl Kabak auf rechts stellt, obwohl Frankreich mit Pavard auf rechts Weltmeister geworden ist. Demut vor dem Weltmeister? Angst? Dennoch auffällig, dass Kabak auch das spielen kann. Der kann fast alles. Unglaublich.

    @Clemens
    Genau meine Befürchtung. „Rettung“ in die Relegation und dort eine Blamage.

  5. Joachim sagt

    In der Relegation gegen Union Berlin und der Mané ballert uns in die 2 Liga :-(

    • @abiszet sagt

      Kein unrealistisches Szenario … ich habe Mané beim VfB echt gefeiert, aber nach seinen Verletzungen kommt er in Berlin noch nicht sooooo ins Laufen. Hoffentlich bleibt es dabei (ich würde es ihm wünschen, aber nicht gegen den VfB).

  6. TomTom sagt

    Der Kader ist meiner Ansicht nach unter dem richtigen Trainer irgendwo zwischen Platz 8 und Platz 12 der Bundesliga einzuordnen, es braucht aber einen guten Trainer der eine Spielidee hat und Psychologie beherrscht. Weinzierl ist es nicht, das hat er nun bewiesen. Korkut war es gewiss aber dem hat man keine Zeit gegeben, Reschke wollte ja unbedingt mit seinem top Kader nach Europa. Welch ein Größenwahn. Was für eine Saison haben die Mannschaften auf Platz 8-12 gespielt, sind die über 27 spiele stets besser gewesen als der VfB? Klares Nein. Jetzt ist es wahrscheinlich zu spät für einen Trainerwechsel die Relegation wäre auch noch in Gefahr. Aber nach 20 Partien, der Verstärkung mit kabak etc. ist die Rückrunde ein trainerarmutszeugnis.

    • drhuey sagt

      Ich spreche der Mannschaft die Eignung für Platz 8-12 klar ab. So weh es tut: Sie sind so schlecht wie der Tabellenplatz. Keine Geschwindigkeit, mangelnde individuelle Qualität, mangelnde Mentalität, mangelhafte Kaderzusammenstellung verhindert ein besseres Ineinandergreifen der einzelnen Mannschaftsteile und ebenfalls ein klares Nein, dass Korkut in irgendeiner Weise besser wäre als Weinzierl. Aber zunächst hängt es am spielenden Personal.

  7. Bernd sagt

    Guter Artikel, der die traurige Situation realistisch darstellt. Eine Beobachtung möchte ich noch hinzufügen. Weinzierl geht in dieses Spiel ohne einen Spieler der einen ruhenden Ball treten kann. Die Eckbälle von Esswein hatten nicht mal Regionalliganiveau. Ist nicht seit Monaten klar, dass Standards die beste Gelegenheit darstellen mit dieser Mannschaft ein Tor zu erzielen und dann schenk man diese Standards erstmal komplett her?

    • @abiszet sagt

      Ganz genau, Bernd:
      Sebastian und ich hatten uns gestern auch darüber unterhalten. In der ersten Hälfte wurden die Ecken meist kurz gespielt und dann geflankt (zB durch Insua), weil Didavi noch nicht auf dem Feld stand. Und Aogo/Castro verletzt waren, Thommy (der letzte Saison viele Standards schoss) auf der Bank saß. Standards sind absolut ein Thema (Kabak und Kempf) und wurden von Weinzierl auch mehr in den Vordergrund gestellt. Gefahr aber meist nur, wenn Castro sie schoss.

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