Alle Artikel mit dem Schlagwort: Geisterspiele

Vermissung

Sitzschalen. Sitzschalen in rot. Sitzschalen in blau. Sitzschalen in gelb, Sitzschalen in grün. Sitzschalen. Ich hasse Sitzschalen. Denn sie sind das Symbolbild des Fußballjahres 2020. Das letzte Mal, als alle Sitzschalen im deutschen Fußball standesgemäß von Fan-Ärschen besetzt wurden, ist knapp 300 Tage her. Es war das Spitzenspiel der zweiten Liga. VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld. 1:1 ging es aus. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Danach: Lockdownle, Spielunterbrechung und die Bemühungen der DFL und der Clubs, den Profifußball schnellstmöglich gegen alle Widerstände und gute Argumente wieder ans Laufen zu bringen. Kein Wunder, schließlich ging es um die TV-Gelder. Und so kamen die Geisterspiele.  Bitte, lasst uns nicht darüber diskutieren, ob manche Partien mit Fans eventuell anders ausgegangen wären! Dann könnten wir auch darüber diskutieren, ob Spiele ein anderes Resultat gefunden hätten, wenn man ohne Abseits gekickt hätte. Oder mit größeren Toren. Oder mit Medizinbällen. Fans sind Teil des Spiels. Fußball ohne Kurven ist für mich kein Fußball. Allerhöchstens Fußball light. Und den erleben wir aktuell. Und das tut weh. Denn ausgerechnet seit jenem …

„Ich bin bereit für Korn und Sprite!“

Anschauen, nicht anschauen, anschauen, nicht anschauen. Viele fragten sich das vor dem Re-Start der Bundesligen. Für mich stand von Anfang an fest: Ich schaue mir den VfB an, ich kann ja den Club nicht alleine lassen. Zur Eingewöhnung startete ich gleich am Samstag mit der Bundesliga-Konferenz. Ich stellte mir das wie eine Freak-Show vor, wie vor 150 Jahren auf dem Jahrmarkt der Elefantenmensch ausgestellt wurde. Schwachsinnige Ideen, wie das Einspielen von Fangesängen bei der Sky-Übertragung, bestätigten mich in meiner Vermutung. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn ich wurde mit animierten Choreos empfangen, die aussahen, als ob irgendjemand Dateien aus den 90er Jahren auf einer Fünfeinviertelzoll-Diskette gefunden hätte. Schnell war klar, ein Geisterspiel ist wie ein Friedhof. Er ist ein stiller Ort, ein Ort der Erinnerung. Und die Geisterspiele leben von der Erinnerung, was man selbst im Stadion erlebt hat. Oder, um beim VfB zu bleiben: erlitten hat. Man schaut das Spiel und denkt an etwas anderes, an gemeinsam gefeierte große Siege, an unnötige Niederlagen, an Momente, in denen einem der Atem stockte. Als man aufsprang …

Warum regt ihr euch eigentlich auf?

Ich verstehe gar nicht, warum ihr Euch so aufregt, dass die Saison ab 15. Mai unter besonderen Bedingungen mit allen Mitteln zu Ende gespielt werden soll. Was habt ihr erwartet von einem Business, dass seine eigene „Kundschaft“ wahlweise als „hässliche Fratze des Fußballs“, als „Krakeeler“, als „Totengräber des Fußballs“, als „Ewiggestrige“ oder als „hirnlose Idioten“ bezeichnet? Was habt ihr von einem Geschäftsbereich erwartet, in dem mitten in der Corona-Krise über Millionentransfers schwadroniert und der Vertrag von Thomas Müller ungeniert verlängert wird – selbstverständlich zu einem Jahressalär im deutlich zweistelligen Millionenbereich – aber gleichzeitig BVB-Boss Joachim Watzke den Untergang des deutschen Fußballs prognostiziert, wenn die Saison nicht zu Ende gespielt wird? Was habt ihr von einer Branche erwartet, die glaubt, systemrelevant zu sein. Nur, weil ihre Akteure und Profiteure von einem Millionenpublikum bejubelt werden und sich deshalb für unantastbar und unersetzlich halten? Was habt ihr von Leuten erwartet, die anscheinend völlig die Bodenhaftung verloren haben, die Werte nur kennen als Zahlen auf ihrem Bankkonto und Moral nur einfordern, wenn der eigene Club in einem Spiel scheinbar …