Allgemein, Mini-Feature, Schlagzeilen, Spielbericht, VfB
Kommentare 1

Indiépendence day

Das Spiel gegen Berlin ist ein turning game, es beeinflusst den Verlauf der restlichen Saison und das haben viele gefühlt im Vorfeld: Gehts weiter aufwärts oder fängt das Zittern wieder an? Selbstzweifel nach der Niederlage gegen Dortmund? Im Gegenteil: Clever und smart wird die Hertha niedergerungen, die im besten Darmstadt-Style angetreten ist. Jetzt ist die Frage: Macht es sich die Mannschaft gemütlich im Mittelfeld der Liga?

Ungemütlich ist der Rasen, mit seinen vielen Löchern. Seifig ist er, aufgeweicht vom vielen Regen. Das kümmert Filip Kostic wenig. Er überholt einmal mehr nicht nur seine Gegenspieler, sondern auch seinen eigenen Schatten und kann den tristen Kartoffelacker verwandeln in ein strahlendes Blumenbeet wie im Höhenpark Killesberg. Kreativ, bunt, einladend. Dass keine Gemütlichkeit aufkommt, dafür sorgen auch Serey Dié und Georg Niedermeier. Warum lieben eigentlich alle den Schorsch? Weil er auch nicht besser kicken kann als wir. Leo Messi ist Beyoncé, er ist unerreichbar, während Schorsch eher Andrea Berg ist. Volkstümlich, einer aus unserer Mitte, der es irgendwie geschafft hat. Niedermeier wirft sich leidenschaftlich in Zweikämpfe mit Vedad Ibisevic, während sein Kollege Daniel Schwaab mit einem blütenweissen Trikot das Feld verläßt. Das ist das einzig Auffällige an Schwaab. Und das ist gut so.

Gefährlich wird es nur nach Ballverlusten, wenn der VfB nicht in die Zweikämpfe kommt oder sein Gegenpressing leichtfüßig überspielt wird. Große Sorgen musste man sich nicht machen, die Berliner haben schwere Beine. Eine einzige Szene gibt es, an deren Ende Ibisevic steht, der aber an Pommes Tyton scheitert. Der Keeper fährt sein rechtes Bein aus, er tut es mit einer Souveränität, die ihm noch vor ein paar Wochen niemand zugetraut hätte.

Ein Hauch von Jogo Zornito
Beide Treffer sind überragende Ballgewinne: Serey Dié erobert den Ball rund 30 Meter vor dem Tor und verlagert mit Christian Gentner das Spiel nach rechts, um den Ball dann auf Umwegen wieder zurück zu bekommen. Sein Schuss mit dem Außenrist erinnert an Toni Kroos, sein anschließender Jubellauf an Wayne Rooney. Wie eine Ein-Mann-Büffelherde rennt er in die Cannstatter Kurve und läßt sich feiern. Kostic hämmert das Ding zur Entscheidung schließlich rein, nachdem Rupp einen Querpass an der Strafraumgrenze (!) abfängt und in die Mitte spielt.

Serey Dié wird gerne, wie auch Niedermeier, als altmodisch verunglimpft: Der kann nur laufen, beißen, grätschen, Kurzpässe spielen – und die manchmal auf Kniehöhe. In letzter Zeit sind Zweifel an Dié aufgekommen (nicht von mir!): Fehlerhaft sei er, interpretiert die Räume falsch, sei langsam und oft ungeschickt im Zweikampf. Ja, diesen Dié gibt es, aber auch, weil er Räume zulaufen und in Zweikämpfe gehen muss, die andere nicht geführt haben.

Der Tag des Dié
Der 21. Spieltag ist sein Tag: Dié wird nicht nur von mir, sondern auch vom Publikum gefeiert und sein Tor geht straight in your face, Kritiker! Der Ivorer kann mitreissen, er ist der emotionale Leader des Teams, der Ankerspieler für die Mannschaft und hält im besten Fall das Spiel zusammen. Wenn Dié stabil ist, ist es auch das Spiel des VfB.

Serey Dié, an dem vor einem Jahr auch die Hertha dran war, will nicht nur aus sich selbst das Beste herausholen, er fordert es auch von seinen Mitspielern. Bleibt zum Schluss deshalb die Frage: Was kann der VfB noch aus dieser Saison herausholen? Ich wiederhole meine Einschätzung von letzter Woche: Ich schaue mutig nach oben (trotz des Ginczek-Dramas!). Denn ich möchte lachen, wenn es etwas zu lachen gibt. Und nicht jetzt schon wieder an die nächste Krise denken.

Darf gerne geteilt werden:

1 Kommentare

  1. drausvomLande sagt

    immer wieder, immer weiter, immer lauter …

    12, 6, 12, 15, 14 und jetzt schon 10 = das ist mir doch sowas von egal
    gewonnen, schon wieder: das ist das, was zählt
    Hoffen, Bangen, Zittern und dann Jubeln: Herz, was willst Du mehr
    Einsatz, Spielfreude, Chancen: die Jungs kann man doch nur lieben

    Als Fan bin ich glücklich, wir sind die beste Rückrunden-Mannschaft, wir putzen immer wieder weg, was nur kommt, und selbst wenn wir wie gegen Dortmund mal verlieren, dann nur nach großem Kampf. Ich gehe montags stolz zur Arbeit!!!

    Als langjähriger Fan bin ich skeptisch, seit 2011 haben wir bis auf einen Ausrutscher die obere Tabellenhälfte nicht mehr erreicht, in den letzten beiden Jahren hatten wir sogar Riesen-Dusel, dass wir nicht aus der Tabelle gerutscht sind. Vergesst das nicht, ihr müsst immer weiter machen, wir sind noch lange nicht über den Berg.

    Als denkender Fan komme ich nicht dran vorbei, mich zu fragen, was hier passiert. Das sind nahezu die gleichen Spieler und bis auf den Trainer die gleichen Verantwortlichen, die in die Saison gestartet sind. Wieso haben die plötzlich Glück und schiessen die Tore selbst anstatt des Gegners? Wieso können die plötzlich wieder laufen und kämpfen und spielen? Die haben doch das Augsburg-Desaster abgeliefert. Was ist da passiert? Immer lauter stellen sich mir diese Fragen. Ich gebe mir dann immer die Antwort, dass die Herren Dutt und Wahler sich endlich klar vor die Spieler gestellt haben, dass diese verstanden haben, dass nun nach Zorniger sie diejenigen sind, die rasiert werden, wenn nicht mehr kommt, dass die „Kuschel-Zeiten“ vorbei sind und jetzt wieder gearbeitet wird. Mann, wäre das schön, denn dann:

    kann ich mich immer wieder freuen, kommt der VfB in der Tabelle immer weiter nach oben und jubeln wir alle zusammen immer lauter …

    … nur nicht über die Ticketpreise und über die Ausgliederung, aber das ist erst nach dem Klassenerhalt wichtig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.