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Schrotty und Captain Kork

„Schrotty und Captain Kork“ ist eine deutsche Komödie – manche sprechen von einer Tragikkomödie – die unter der Regie von Wolfgang Dietrich entstand. Die Premiere fand am 29. Januar 2018 in der Stuttgarter Mercedes Straße statt – deutschlandweit startet die Klamotte am 3. Februar 2018. Die Handlung in kurzen Worten: Wie kann man den Traditions-Club VfB Stuttgart komplett in Schutt und Asche legen? Wie kann man die Euphorie eines Aufstiegs in Rekordzeit ersticken? Wie kann man den schier grenzenlosen Rückhalt von Mitgliedern, Fans und Zuschauern komplett eliminieren?

Wobei: Auf die Handlung kommt es in „Schrotty und Captain Kork“ gar nicht an, denn sie bildet nur den Rahmen für eine pausenlose Folge von albernen Episoden, unterirdischen Gags und flachen Kalauern.
„Unser absoluter Wunschtrainer“
„Wir haben eine intakte Mannschaft“
„Eine längerfristige Planung ist im heutigen Fußballgeschäft nicht notwendig“
„Wir haben Vertrauen in die Qualität der Mannschaft“
„Der Coach wurde von der Mannschaft herzlich willkommen geheißen“
„Wir stehen für Kontinuität und Glaubwürdigkeit“
„Jeder Weiß-Rote steht in der Pflicht, alles zu geben!“

„Schrotty“ heisst in Wirklichkeit Michael Reschke und erhielt seinen Namen, weil die meisten seiner Ideen und Entscheidungen unbrauchbar sind. Oft veraltet, meistens Fehlgriffe. Seine Auftritte in der Öffentlichkeit zudem stets unpassend und irreparabel. In die Reihe der tollpatschigen Ungeschicklichkeiten passt der Versuch, Daniel Didavi zu verpflichten und das Unvermögen, den Kader zu verbessern. Am Ende der Winter-Transferperiode kam von Reschke … nichts. Und das, obwohl er nach eigenem Bekunden die Probleme in der Offensive kennt. „Schrotty“, diesen Namen trägt er wirklich zurecht.

Tayfun Korkut wird schon immer „Kork“ gerufen. Das ist einerseits die Abkürzung seines Nachnamens, aber überall, wo er arbeitete, machte er den Deckel drauf und verstopfte den Erfolg. Als Captain will Kork nun beim VfB Stuttgart seine Trainerkarriere retten. Kork wird oft unrecht getan, denn er ist ein sympathischer Mann, der sich immer voll für die Sache engagiert. Er lässt unabhängig vom Kader immer denselben, anspruchsvollen Fußball spielen. Wo er bisher war, hatte er zwar wenig Erfolg, aber alle sprechen gut über ihn. Die meisten halten Kork für eine Fehlbesetzung, wofür er nichts kann. Vielmehr stehen Dietrich – Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion – und Hauptdarsteller Schrotty im Zentrum der Kritik.

„Schrotty und Captain Kork“ ist deshalb in Stuttgart noch nicht der ganz große Publikumserfolg. Schuld ist natürlich … das Publikum. Jedenfalls in den Augen der Macher des Films. Wobei jene Fans, Zuschauer und Mitglieder des VfB seit vielen Jahren immer wiederkehrende Flops entweder unkritisch zur Kenntnis genommen haben oder ungeachtet dessen, den Club gefeiert und unterstützt haben.

Der Soundtrack allerdings hat das Potenzial, sich zu einem Erfolg zu entwickeln. Vor allem „Highway to hell“ kommt bei vielen Fans gut an, ebenso das melancholische „We are unhappy“. Der Song „Das mit dem Glücklichsein ist relativ“ ist für viele ein tröstliches Motto geworden. Und Feine Sahne Fischfilets „(Wir sind) komplett im Arsch“ hat das Potenzial, sich zur Hymne der Rückrunde zu entwickeln.

Die Filmkritik ist ebenso skeptisch wie das Publikum: „Der Film ist eine dilletantisch inszenierte Aneinanderreihung von trivialen Gags und unglaubwürdigem Klamauk. Die atemlose Nummernrevue lässt weder Witz noch humoristische Tiefe erkennen und bezieht allenfalls aus seiner Ahnungs- und Orientierungslosigkeit einen gewissen Charme.“ (Lexikon des deutschen Films)

Schrotty und Captain Kork
Erscheinungsjahr: 2018
Länge: offen
Altersfreigabe: FSK 6
Regie & Drehbuch: Wolfgang Dietrich
Besetzung: Wolfgang Dietrich als Wolfgang Dietrich, Michael Reschke als „Schrotty“, Tayfun Korkut als „Captain Kork“, in viel zu kleinen Nebenrollen: Die Mannschaft des VfB.

Im Film „(T)Raumschiff Surprise“, dem dieser Text entlehnt ist, gibt es tatsächlich eine Sequenz, in der sich ein Perlentaucher bewirbt, siehe hier.

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10 Kommentare

  1. @jeflyschmann sagt

    Ich bin sprach und hilflos zugleich. Ist dieser VfB noch mein Verein?
    Einen erneuten Gang in die 2. Liga fände ich noch nicht einmal das schlimmste. Unglücklicher macht mich dass ich an eine erneute Aufbruchschance mit geschlossener Stärke und klarem Konzept mach einem Abstieg nicht glaube. Und jetzt?!
    Ein Zeichen setzen? Stehplatz-Dauerkarte abgeben? Mitgliedschaft kündigen? Alles hinschmeißen? In der Verantwortung sehe ich klar Reschke und Dietrich. Aber die sind weg, wenn der Verwin wieder ganz am Boden liegt. Und dann?
    Bin hilf und sprachlos.

  2. Ich finde es bedenklich den Film mit FSK6 zu kennzeichnen. Das könnte die Seelen der kleinen schon früh zu arg schaden.

  3. Fahne sagt

    Wie geil ist das den wieder geschrieben. Danke dafür.
    Ich schmeiß mich weg vor Lachen…..bis ich dann merke, dass es ja die REALITÄT ist. So eine Schei…..

  4. drausvomLande sagt

    Wo die Sprache versagt, beginnt das Bild.
    Ihr könnt Bilder reden.
    Danke.
    Damit muss ich nicht Bilder denken, meine wären schwärzer und trauriger.

  5. Grandioser Beitrag.
    Im Prinzip ist die Seite hier noch das einzigartige, was mich mit dem VfB verbindet.
    Für die Mannschaft und v.a. deren Führung Zeit zu vergeuden ist nicht mein Ding.

  6. @abiszet sagt

    @jeflyschmann
    Dauerkarte abgeben? Mitgliedschaft kündigen? Jeder trifft die Maßnahmen, die er für richtig hält. Ich lasse mir meine Verbindung zum VfB von nichts und niemandem kaputt machen.

    @Fahne und @dvL und @Tom
    Danke für die schönen Worte!

  7. Florian Götze sagt

    Ü-B-E-R-R-A-G-E-N-D! Wegen 3 Sachen:
    – Ich konnte mal wieder lachen (DANKE!!!)
    – Wir haben endlich einen Namen für Reschke (SCHROTTY!!!)
    – Ihr habt die beste Charakterisierung von Reschke ever formuliert: „Schrotty“ heisst in Wirklichkeit Michael Reschke und erhielt seinen Namen, weil die meisten seiner Ideen und Entscheidungen unbrauchbar sind. Oft veraltet, meistens Fehlgriffe. Seine Auftritte in der Öffentlichkeit zudem stets unpassend und irreparabel.“

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