Beliebt, VfB
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Der Trixxer

Im Fußball werden sie geliebt, die Fummler, Dribbler, Trickser und Schnickser. Ihr Geschäft sind die Übersteiger und die Hackentricks, das Tarnen und Täuschen, das ins Leere laufen lassen des Gegners. Sie sind die Nepper, Schlepper, Bauernfänger. Die Zauberer auf dem Spielfeld. Der VfB-Präsident Wolfgang Dietrich ist auch so einer, nur kann seine Beliebtheit mit Spielern wie Leroy Sané, Kingsley Coman, Ante Rebic oder Jadon Sancho nicht mithalten. Und die Recherchen des kicker rund um sein Quattrex-Firmengeflecht haben sein Image auch nicht gerade positiv verändert. Völlig unverständlich, denn seine Kabinettstückchen sind weitaus komplizierter als die der zuvor erwähnten Rasenartisten.

Im Vorfeld der Präsidentenwahl 2016 wurden Dietrichs Beteiligung an der Quattrex Sports AG von der DFL geprüft und letztlich für unbedenklich empfunden. Zur Erinnerung: Die Quattrex Sports AG vergibt Kredite an Fußballvereine. Zu den Kunden zähl(t)en Heidenheim, Kaiserslautern, Nürnberg und Union Berlin. Je erfolgreicher der Club agiert, desto stärker steigt der Kredit im Wert. Sollte es also zu einer Relegation zwischen dem VfB Stuttgart und Union Berlin kommen, wäre Dietrich auf jeden Fall der Gewinner: Entweder als VfB-Präsident oder über Umwege als Finanzinvestor. Win-Win nennt man das wohl. Cleverle halt, unser Präsident, weil er immer noch von seinem finanziellen Engagement vor seiner Wahl zum VfB-Präsidenten profitiert.

Wolfgang Dietrich übt das Amt des Präsidenten beim VfB Stuttgart ehrenamtlich aus und es ist nichts dagegen zu sagen, dass der 70-jährige Geld verdienen möchte. Aber ausgerechnet durch Geschäfte mit anderen Vereinen des Profi-Fußballs, die schneller als erwartet (wieder) zu direkten Konkurrenten werden können? Hätten es nicht Immobilien, Bratwürste oder ein Küchenstudio sein können? Dass er in seiner Beteiligung (ohne operativ tätig zu sein) an den Quattrex-Firmen bzw. -Gewinnen kein Problem sieht und sich wundert, dass so viel Aufregung darüber entsteht, sagt einiges über seine Einstellung aus. Das wäre so, als wenn ein Herz-Chirurg nebenher noch ein Bestattungsunternehmen führen würde und über die Entrüstung darüber erstaunt wäre. Offensichtlich stellt Dietrich seine finanziellen Vorteile über einen integren und zweifelsfreien Wettbewerb und sieht in seinem Finanz-Engagement keine Interessenkonflikte mit seinem Amt als Präsident des Verein für Bewegungsspiele Stuttgart 1893 e. V. und Aufsichtsratsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG.

Es gibt zwei zentrale Fragen dazu:
Hat der Aufsichtsrat von wirklich allen Beteiligungen und seinen aktuellen finanziellen Vorteilen gewusst, die auch nach seinem Rückzug bei Quattrex Sports AG und seiner Wahl zum Präsidenten scheinbar noch Bestand haben? Denn zum Quattrex_Komplex gehört auch ein Fonds. Diesen Fonds verwaltet die Quattrex Finance GmbH nicht nur, sondern verdient auch an ihm. 50%iger Gesellschafter der Quattrex Finance GmbH ist die VMM GmbH. Deren alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer: Wolfgang Dietrich.

Wenn der Aufsichtsrat von allen Quattrex-Beteiligungen gewusst hat, muss man sich fragen, warum er diese Beteiligungen nicht als Interessenkonflikt bewertet hat und wie das Wertesystem in diesem Gremium aussieht. Und wie der Aufsichtsrat sein Mandat als Kontrolleur interpretiert. Oder hat der Aufsichtsrat in der Tiefe davon gar keine Kenntnis gehabt, weil ihm diese Beteiligungen gar nicht bekannt waren?

Beides ist weder für den VfB Stuttgart noch für Wolfgang Dietrich noch für den VfB-Aufsichtsrat besonders ruhmreich. DFB Präsident Reinhard Grindel ist über die Annahme einer Uhr im Wert von 6.000 oder 12.000 Euro (die Angaben schwanken) gestolpert und letztlich deswegen völlig zurecht zurücktreten. Bei Dietrich geht es laut kicker um sechsstellige Summen. Transparenz und Glaubwürdigkeit werden in Pressemitteilungen und Interview-Statements beim VfB Stuttgart stets betont. Es wird Zeit, dass alle Verflechtungen Dietrichs offen gelegt werden. Und dann sollte die Mitglieder darüber entscheiden, ob sie Wolfgang Dietrich weiterhin geeignet halten, das Präsidentenamt auszuüben. Denn es ist mehr als nur ein „Gschmäckle“, wie es Peter Stolterfoht in der Printausgabe der Stuttgarter Zeitung nannte. Es scheint sich vielmehr so darzustellen, dass Wolfgang Dietrich nach wie vor über die VMM GmbH an der Quattrex Finance GmbH beteiligt ist – und das zu 50% wie diese Screenshots (Quelle: firmenwissen.de) vom 16.04.2019 zeigen:

Die Gesellschafter der VMM GmbH, Stand 16.04.2019

Die Gesellschafter der Quattrex Finance GmbH, Stand 16.04.2019

 

Übrigens:
Am 25. März 2019 wurde die Quattrex Finance II GmbH ins Handelsregister eingetragen. Es bleibt spannend.

Titelbild: imago images / DeFodi

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9 Kommentare

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  2. drhuey sagt

    Gibt es eigentlich irgendjemandem auf Funktionärsebene, dem es um den VfB geht ? Oder dient diesen Herren der VfB, um sich persönlich zu bereichern, sei es durch Netzwerk, Geschäfte etc ? Ist natürlich seit vielen Jahren eine rhetorische Frage und es widert mich an, wie mein Herzensclub seit Jugendjahren missbraucht wird. Herr Dietrich, behalten Sie einen Rest Anstand und machen Sie sich mitsamt ihrer Bande vom Acker. Sie sind unerwünscht !

  3. dirk sagt

    Sehr schöner Artikel. Bei aller moralischen Empörung in der Quattrex/ Dietrich Causa – es braucht noch das offizielle Vergehen im juristischen Sinne. Entscheidend ist mE, ob die DFL jemals das QF Fondsengagement unter die Lupe nahm und ob und wie lange und mit welcher Summe WD mit eigenem Geld im Fonds investiert war, und wie das zu bewerten ist. Das „ob“ wurde ja in der StZ schon mehr oder weniger bestätigt.

    Wir reden dann über mögliches investiertes Geld, das zu 100% am Fondserfolg partizipiert. Bisher wird ja „nur“ die hälftig WD gehörende Quattrex Finance GmbH als Investment Adviser diskutiert, die am Erfolg via 0,95% Management Fee und einer unbekannten Performance Fee (20% mit Variationen sind üblich) bezogen auf das ganze Fondsvolumen (nicht nur auf die Union-Geschäfte) partizipiert, was nicht wenig ist, aber im moralischen Sinne eben „nur“ Gebühren-Einkommen, was nur teilweise erfolgsabhängig ist. Selbst wenn das intern investierte Geld nur zum Aufbau des Fonds am Anfang diente, damit Herr Schlauch mit echten Performancedaten auf Fonds-Investorensuche gehen kann (‚uncorrelated returns from football mezzanine’), und einkommensseitig in 10 Jahren unter den Gebühreneinnahmen liegen sollte – ein Investment mit eigener Kohle und 100% Partizipation hat eigentlich eine „brutale Qualität“, wenn es um die Bewertung eines Interessenkonflikts geht, egal wie viele Vehikel dazwischengeschaltet sind. Und da ist es völlig wumpe, wann die ursprünglichen Verträge mit den 3 Vereinen gemacht wurden – das zeitliche Zusammenfallen der VfB Ämter und das finanzielle Engagement sollten doch entscheidend sein, und nicht ein selbsterdachtes Gewohnheitsrecht für den selbstlosen erst eV-Präsident und dann AG-Aufsichtsratvorsitzender gewordenen erfolgreichen Ex-Geschäftsmann cum Fondsengagement.

    Wo kein Kläger, da kein Angeklagter – über was reden wir eigentlich? Zu ewigem Dank verpflichtet für das Durchpeitschen von Ausgliederung und Anteilsverkauf, wird all das die anderen Aufsichtsräte der VfB AG vermutlich herzlich wenig jucken. Dass die Mitglieder des e.V. womöglich getäuscht wurden, geschenkt – dafür wurde ja schließlich auch ausgegliedert. Mehr Demokratie und so aber eben nur im eV. Ob aber die DFL allzu glücklich ist, daß im Quattrex Firmengeflecht im Herbst 2016 noch ein wenig rotiert und verschoben wurde, damit die 57% Inthronisierung auch für zulässig befunden werden kann, während parallel im September 2016 der Spezialfonds lanciert wurde? War das Luxembourger Vehikel denn bereits Teil der Prüfung? Wusste man denn beim Durchwinken, daß WD mit eigenem Geld investiert ist oder demnächst sein wird? Oder sagt WD dann, ich habe viele Investments getätigt seit ich Präsident bin, nichts davon geht die DFL etwas an? Fakten zu diesem wesentlichen Punkt wären mal hilfreich.

    Ganz nebenbei könnte man in der Tat noch nachsehen, was es mit der Quattrex Finance 2 GmbH auf sich hat, und warum ein unter „MH Redakteur“ auftretendes Wesen so fleissig WDs Artikel bei Wikipedia editierte (immer „nach eigenen Angaben“) und sich sonst nur bei der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart auszukennen scheint. Kann natürlich purer Zufall sein, ein christlicher Kapitalist, ein Freund des VfB Freundeskreises, ein PR-bewusster Jurist aus der Silvercastlestreet, ein kirchenstiftungsnaher Fondsinvestor der 2. Stunde – who knows – irgendeinen besondere Beziehung zum großen Commander-in-chief wird derjenige schon haben…oder sollte man ihn auch Commander-in-cheat nennen? Ohne echten Ankläger und ohne Urteil ist es vielleicht (noch) etwas zu früh für #ausgedietricht. Aber die Liste an passenden Gründen ist eigentlich ohnehin schon lange genug – beim DFB war ja die berühmte Uhr auch nur der letzte Tropfen für den ex-Präsidenten.

  4. Mozy sagt

    Von diesen Sachen habe ich keine Ahnung. Brauche ich auch nicht. Sehe den Dietrich und es reicht mir. Das der Mann ein Autokrat ist, dem es vor allem um seinen Vorgarten geht, sieht doch wirklich jeder. Und genau solche Leute machen seit Jahren diesen Club kaputt. Deshalb weiterhin Polemik von mir (mit der Kurve im Rücken): DIETRICH RAUS!

  5. Tobias Deppler sagt

    Mir erscheint Herr Dietrich eher als Mensch mit deutlich narzisstischen Zügen, der den VfB benutzt, um seinen ’narcissistic supply‘ zu sichern. Man erkennt dies sehr deutlich daran, dass er jegliche Selbstkritik vermissen lässt und wenn, dann wirkt es unecht und gespielt. Er versteht es verschiedene Masken aufzuziehen und den Macher im Hintergrund zu spielen – eine Rolle, die er teilweise grotesk überzeichnet, wenn ihm in Interviews oder in Talkrunden auf eine berechtigte und sachlich vorgetragene Kritik nichts anderes einfällt als mit Nullsätzen und Gegenangriffen um sich zu werfen, die gleichermaßen herabwürdigend und entwertend klingen. Dabei bedient er sich auch Ablenkungsmanöver, die die Realitätsbasis des Gegenübers in Zweifel zieht und durch seine eigene ersetzen will, was nicht anderes ist als etwas unbeholfen wirkendes gaslighting. Ich nehme an Herr Dietrich ist sich dessen gar nicht so bewusst, denn man darf ja nie vergessen, dass hinter solchen narzisstischen Exemplaren kleine, verletzte Kinder stecken. Dass nun Verstrickungen in finanziellen Geschäften ans Tageslicht kommen, überrascht da nicht, sondern passt wohl ins Bild einer Persönlichkeit, die keine Skrupel hat sich die Realität so hinzubiegen, wie sie es gerade braucht und sich dabei auch noch vorzukommen als sei die eigene Persona ultimativ und alternativlos und nehme sich nur, was ihr zusteht. Es wäre schön, wenn der VfB als Verein sich auch mal wieder nimmt, was ihm zusteht und eine Führungskraft in höchster Ebene installiert, die Fußballkompetenz, echte Vereinsliebe und klaren Verstand ausstrahlt und sich der Verein bald aus dem Bann dieses offensichtlich machthungrigen Vampirs befreit. Es ist kein Zufall, dass unter so einem Mann an der Spitze die ganze Mannschaft und der Trainer wirkt, agiert und spielt wie ausgesaugt und blutleer. Auch wenn der letzte Satz natürlich humorvoll gemeint ist.

  6. Peter Schäuble sagt

    Ich kann’s nur wiederholen: Der Herr Dietrich ist ein Fall für psychopathologisch Interessierte. Das fasst alle bisherigen Kommentare zusammen. Ist dieser Präsident mit seinem Gefolge erst einmal weg, wirklich weg, und seine Spuren sind beseitigt, finden sich bestimmt honorige Nachfolger. 1893 hey !!

  7. VfBGooner sagt

    Ich habe alles schon immer gewusst und gesagt – nur wollte es keiner hören, denn „der Dietrich hod ons doch a Trikot g’schengt also schdimmed mir au für dia Ausgliederung“…

    Warum lassen sich immer wieder so viele von solchen Menschen blenden???

    Der ist für mich der Totengräber vom VfB, der alles kaputt macht und bei mir für eine Entfremdung von meinem Lieblingsverein gesorgt hat, wie ich sie nie für möglich gehalten hätte…

  8. peter gauer sagt

    Dietrich schelte schön und gut – alles irgendwie nachvollziehbar und ja, auch mir ist der Mensch Dietrich unsympathisch und auch ich habe ihn trotzdem gewählt (ohne mir ein Trikot schenken zu lassen)! Einfach nur weil mir niemand eine auch nur im Entferntesten akzeptable Alternative aufgezeigt hat. Auch jetzt höre/lese ich nur „Dietrich raus“-Rufe wo ich lieber „XX-rein“-Rufe hören/lesen würde. Wo bitte ist die alternative Person, wie heißt sie, was macht sie (vor allem was macht sie besser)!? Warum zeigt sich keiner/keine und stellt sich der Diskussion, wo zeigt jemand den konkreten Weg zur Inthronisierung dieser Person auf? Einfach nur Dietrich -Raus zu rufen ist genauso Sinn- und Nutzlos wie das Gekicke dieser zusammengewürfelten Pseudo-VfB-Mannschaft. Macht mir konkrete Vorschläge wo und wie und für wen ich mich einsetzen soll und verschont mich mit dem wertlosen Dietrich-Gejammer!

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