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Bereits beschlossen: VfB wird Stevens entlassen

„Dass die Trainer manchmal ihrer Anspannung freien Lauf lassen, ist doch ganz normal. Die können ja keinen umhauen wie wir“, sagte einmal Michael Ballack, der nicht gerade für Fussballweisheiten bekannt wurde, sondern eher für tragische zweite Plätze. Geradezu tragisch ist der Auftritt von VfB-Trainer Huub Stevens in den letzten Wochen. Spiele verfolgt er meist stoisch auf der Bank sitzend, um nach dem Spiel seine Show abzuziehen. Dünnhäutigkeit, Mätzchen und sparsame Späßchen in Pressekonferenzen kombiniert mit allerlei Agressivität, die man sich von seinem Team auf dem Feld wünschen würde. Dass der VfB den Abstand zu den rettenden Tabellenplätzen einfach nicht verkürzen kann, regte indessen den Trainer nicht auf. Seit Wochen tritt der Holländer auf, als seien ihm der eigene Job, sein drohendes persönliches Schicksal und die Konsequenzen für den Verein und seine Mitarbeiter egal. Das soll Souveränität ausstrahlen, bewirkt allerdings genau das Gegenteil und dieses Auftreten ist schwer zu ertragen. Stevens‘ Klamauk kann mittlerweile keiner ernst nehmen, seine Flucht in die Comedy zeigt, dass er mit konstruktiven Mitteln nichts mehr erreichen kann und sich und die Mannschaft schon längst aufgegeben hat. Er sendet ein Signal an den Verein „Erlöst mich und erlöst Euch!“.

Ich bin sicher, der Verein und insbesondere Robin Dutt haben die Signale verstanden. Nur noch der Zeitpunkt von Stevens‘ Demission ist offen. Nach dem recht manierlichen Aufttritt in Hannover zaudert die Vereinsspitze noch und wartet auf das Ergebnis im 20-Punkte-Abstiegsendspiel gegen Hertha BSC Berlin. Dass die VfB-Verantwortlichen (die StZ würde sie „Granden“ nennen) sich das Schauspiel von Stevens Woche für Woche gefallen lassen, sagt viel über deren Entschluss- und Tatkraft aus: lieber noch mal a bissle warten, vielleicht passiert ja noch ein Wunder, irgendwann muss ja wieder gewonnen werden.

„Bernd siehst Du es auch?
„Was denn?“
„Dass es keinen Wert mehr hat!“
„Eigentlich nicht, … doch ja, ich seh‘ es auch. Aber … aber was soll ich machen?“
„Ein Präsident muss tun, was ein Präsident tun muss!“
„Echt jetzt, ich kann doch nicht den fünften Trainer rausschmeißen. Was sagen denn die Leute dazu?“

Alle vermuten es – die Mitarbeiter im Verein, die Medien sowieso, und ganz besonders schlimm, die Mannschaft: Die Entlassung des Huubsters ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Spieler haben ein besonderes Gespür dafür, wie lange ihr Trainer noch ihr Trainer ist. Wer folgt denn noch den Anweisungen eines Trainers, der auf Abruf ist? Der VfB sollte schnell reagieren, die aktuelle Situation ist für alle Beteiligten würdelos. Das hat der 61-jährige Huub Stevens nicht verdient und der VfB sollte nicht zaudern und zögern, sondern handeln. Ansonsten gehts tatenlos in den Abstieg.

Nicht falsch verstehen: Stevens ist das letzte Glied in der Kette und beileibe nicht der Hauptschuldige, er hält als Trainer eben den Kopf für Versäumnisse in der Vergangenheit hin (spektakulär richtiger Text von Oskar Beck). Dass die Mannschaft die Qualität hätte, da unten raus zu kommen, dass man ihr nichts vorwerfen kann – ich kann es nicht mehr hören. Das Team ist unausgewogen – sportlich, wie menschlich – und Stevens findet leider keine geeigneten Mittel mehr, um den Klassenerhalt zu schaffen. Ich hätte es mir gewünscht.

Vor dem Spiel
Die Aufstellungen des Holländers bezeichnen viele Fans als Käse. Geradezu unglaublich nun das Line-up gegen Hannover: Dass Huub Stevens vor seinem 70. Geburtstag von seiner ultra-defensiven Linie abweichen würde, damit hat keiner gerechnet. Vier offensiv ausgerichtete Spieler inklusive des Standard- und Vorlagenkönigs Maxim. Was sollte das denn? Hat ihm Mayer-Vorfelder in die Aufstellung reingeschwätzt? ;-) Hatte gar Robin Dutt seine Finger im Spiel?

Was fiel auf?
Huub Stevens war in Hoffenheim nach eigenen Angaben ratlos, ihm fehlte in Hannover beim Gamecoaching der Durchblick oder sollen wir es mutlos nennen? Wie schon gegen Köln und Hoffenheim trifft der VfB auf einen schwachen Gegner, gegen den in dieser Verfassung drei Punkte Pflicht sind. Mit der Verbannung Ibisevics auf die Tribüne, nimmt sich Stevens ein letztes Mittel, auf das Spiel zu reagieren. So wie Kollege Korkut, dessen Einwechslungen von Bittencourt und Kiyotake letztlich die Wende bringen.

Unverständlich bleibt das nibelungentreue Festhalten an Daniel Schwaab. Was weiss der Abwehrspieler über Stevens, was keiner erfahren darf? Anders ist seine Nominierung nicht zu erklären.

Schade, es wäre eine besondere Pointe gewesen, wenn Karim Haggui bei seinem ehemaligen Verein eine Chance erhalten hätte. Wir Fussballromantiker haben von einem entscheidenden Kopfballtor geträumt. Is‘ klar, Romantiker halt, die sollen Rosamunde Pilcher lesen und Duftkerzen anmachen, gell?

Und nach dem Spiel?
Robin Dutt: „Huub Stevens und ich haben ein enges vertrauensvolles Verhältnis. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Sie spekulieren und ich mache meinen Job. Wenn Sie es interpretieren, dann werden Sie es vermutlich falsch interpretieren.“ Häh?

Oder Dutt bereitet sich besser vor, dass Fragen kommen, war klar.

Was sagen Fettes Brot zu Huub Stevens?
Danke, bitte, Fussballgott.

Was sagt Kraftklub zu Huub Stevens?
Und die Leute sagen, bleib wie du bist.
Aber nein, tut mir leid, vielleicht reicht mir das nicht.
Vielleicht finde ich das wie Du bist, garnicht mal so gut.

Für Taktikfans gehts hier zur Analyse, sehr interessant:
Aus Sicht von Hannover 96 (sehr nett die ersten Zeilen), vfbtaktisch spricht von einer „schockierend offensiven und riskanten Herangehensweise“. Den Blog hatte ich noch gar nicht auf dem Zettel und werde da definitiv öfter reinschauen!

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  1. Pingback: #Link11 vom 2.3.2015 | Fokus Fussball

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