Monate: November 2018

Braucht das Team nur Zeit?

Es gibt nicht wenige, die gesagt haben: Hoffenheim, Dortmund und Frankfurt, das seien Spiele, die nicht zu gewinnen sind. Und auch Leverkusen sei kein Gegner auf Augenhöhe, weil Bayer allein durch ihre Offensive mit Havertz, Volland, Bellarabi und Brandt besser besetzt ist. Verschwiegen werden darf aber nicht, dass Leverkusens Trainer Heiko Herrlich aufgrund der miserablen Ergebnisse kurz vor dem Rauswurf stand und steht. Ein starker Gegner sieht anders aus. Wenn sich je etwas in Leverkusen holen ließe, dann zu diesem Zeitpunkt der Saison. Deshalb möchte man den kritiklosen Beobachtern zurufen: gegen wen soll der VfB Stuttgart gewinnen? Wie soll das Team von Markus Weinzierl überhaupt noch einen Sieg bis zur Winterpause holen, wenn sich die Einstellung nicht grundlegend ändert? Nach Augsburg – dem Angstgegner geht es nach Gladbach zum Tabellenzweiten, der gerade Hannover abgeschossen hat. Dann kommt die Hertha, gegen die der VfB auch selten etwas gerissen hat. Danach in Wolfsburg, wo der VfB traditionell schwach auftritt? Im letzten Heimspiel geht’s dann gegen Schalke, die in der Bundesliga zwar unterperformen, aber immerhin die Champions League …

Die Führungsspieler – wo sind sie?

Christian Gentner gibt, assistiert von seinen süßen Hunden, eloquente Interviews, Ron-Robert Zieler redet sich Auftritte schön („bitter“), Holger Badstuber ist verletzt und beleidigt und joggt auf dem Nebenplatz. Mario Gomez schließlich meint, dass es mal ein anderer als er im Sturmzentrum versuchen könnte. Das 17-jährige Supertalent Leon Dajaku womöglich? Mit Nicolas Gonzalez und Chadrac Akolo scheint derzeit nichts anzufangen zu sein, aber ein solches Greenhorn in dieser Situation reinzuwerfen, würde ein wenig an den Umgang mit Timo Werner erinnern. Die Misere liegt an der Unsichtbarkeit der sogenannten Führungsspieler, zu denen ebenfalls Dennis Aogo, Andreas Beck, Emiliano Insua und Gonzalo Castro zu zählen sind. Unsichtbar nicht vor den Mikrofonen, sondern auf dem Platz. Sie sind keine Leistungsträger, sie gehen nicht mit gutem Beispiel voran und geben den jungen Spielern keinen Halt. Der VfB Stuttgart hat also aktuell eine Hierarchie, die offensichtlich nicht funktioniert. Doch hat Markus Weinzierl den Mut, diese aufzubrechen oder bleibt ihm gar nichts anderes übrig als aufgrund der dünnen Spielerdecke auf formschwache Führungsspieler zu setzen? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte: …

Trainerwechsel ohne Effekt?

Markus Weinzierl macht keinen emotionalen Eindruck, er rüttelt nicht auf. Im Gegenteil: Er kommt cool und distanziert rüber. Manchmal könnte man meinen, das Ganze hier ginge ihn gar nichts an. Und Weinzierl schafft vor allem Distanz zu allen Dingen, die vor ihm (schief) gelaufen sind. Kurz: Der Straubinger wirkt nicht gerade wie eine Rampensau, die alle mitnimmt, motiviert und antreibt. Ihm fehlt die Ausstrahlung, alle hinter sich zu versammeln. Oder ist es gar schon Resignation? Dass beim Trainerwechsel kein Ruck durch die Mannschaft gegangen ist, ist entlarvend. Normalerweise reißen sich alle Spieler zusammen und drängen sich im Training auf. Nur: Markus Weinzierl hat aktuell wenig Möglichkeiten, etwas zu verändern. Bei fast jedem Trainerwechsel gab es eine signifikante Veränderung. Entweder hierarchisch oder taktisch. Hannes Wolf setzte im Gegensatz zu Jos Luhukay (die Älteren werden sich an ihn erinnern) auf Benjamin Pavard und Carlos Mané, Tayfun Korkut überraschte mit dem Gomczek-Doppel-Ochsen-Sturm. Weinzierl dagegen muss mit der dünnen Spielerdecke arbeiten, die ihm zur Verfügung steht. Vor allem in der Offensive stellt sich die Mannschaft von selbst auf: Mario …

Meister im Schönreden?

Nach der völlig verdienten Niederlage gegen Bayer Leverkusen streute der VfB Stuttgart über seine medialen Kanäle erst das neue Lieblingswort „bitter“, dann Statistiken (wie zum Beispiel Eckbälle oder Zweikampfquoten), die sich gut lesen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Spiel schön geredet wird, dass Fans beruhigt werden sollen, dass Platz 18 gar nicht schlimm ist und der VfB dort auch völlig unberechtigt steht. Und es drängt sich der Eindruck auf: Haben die Verantwortlichen in der Mercedesstraße überhaupt begriffen, wie dramatisch die Situation ist? Die Kollegen von Rund um den Brustring haben es auf den Punkt gebracht: Mit den zweitmeisten Gegentoren und den zweitwenigsten Punkten in der VfB-Bundesligageschichte zu diesem Zeitpunkt der Saison ist der Club mit dem Brustring nur in den Abstiegsspielzeiten 1974/75 und 2015/16 schlechter gewesen. Es ist also mindestens 5 vor 12. Jetzt scheint es offiziell zu sein. Badstuber steht zum Verkauf. 🤔 #VfB @vertikalpass @wolle_diddi_vfb pic.twitter.com/vmi7tkXbnD — Hauptsache Stuttgart (@HptsStuttgart) November 25, 2018 Der VfB Stuttgart scheint im Moment in erster Linie ein Marketinginstrument zu sein: Die „Red …

Doppel-D: die Hoffnungsträger?

„Anastasios Donis und Daniel Didavi sind zwei absolute Schlüsselspieler für uns in der Offensive. Mit ihnen werden wir eine ganz andere Stärke haben“, sagt VfB-Vorstand Michael Reschke nach der Niederlage in Leverkusen. Ist das eine ehrliche Einschätzung oder eine Ausrede? Immerhin hielt Reschke bei seinem Amtsantritt beim VfB Donis für noch nicht einmal bundesligareif. Eine Einschätzung, die eventuell auch damit zu tun hatte, dass es ein Transfer von Jan Schindelmeiser war. Es sagt alles über den jämmerlichen Zustand des VfB Stuttgart und den verblendeten Blick von Reschke, wenn er auf zwei Spieler hofft, die aufgrund von Verletzungen lange nicht auf dem Platz standen und die zuvor nicht wirklich bewiesen haben, dass sie konstant (und verletzungsfrei!) auf hohem Niveau spielen können. Der eine immer an der Schwelle zur Invalidität, der andere wirkte bisweilen launisch wie eine Diva. Dass alle Hoffnungen beim #VfB jetzt auf zwei Spielern liegen, die in der bisherigen Saison 151 Minuten (Donis) bzw. 239 Minuten (Didavi) gespielt haben, ist bezeichnend. Zusammen kommen die beiden übrigens auf eine Vorlage und ein Tor: Das 1:0 …

Das Millionen-Missverständnis?

Perlentaucher, Netzwerker, genialer Kaderplaner, Supernase: Michael Reschke eilte bei seinem Amtsantritt in Stuttgart ein Ruf wie ein Donnerhall voraus. Die Realität: Er hat die Ausgliederungsmillionen versenkt. In Tayfun Korkut und in Spieler wie Mario Gomez, Gonzalo Castro, Holger Badstuber, Daniel Didavi, Andi Beck und Dennis Aogo. Alles Spieler, derenGehälter üppig sind und deren Wiederverkaufswert bei Null liegen wird. Dazu kommen in Pablo Maffeo, Nicolas Gonzalez und Borna Sosa Talente, deren Marktwert beim VfB Stuttgart gesunken ist. Deutlich. Vielleicht wird der VfB-Vorstand ebenso überschätzt, wie Reschke es selbst mit der absurden Rückrunde tat. Alle Befürchtungen, die viele in der Winterpause 2017/2018 hatten, scheinen sich jetzt mit Verzögerung zu bewahrheiten. Jetzt sollen Spieler wie Patrick Herrmann, Sandro Wagner, Sebastian Rode und Shinji Kagawa den VfB retten. Und sie passen in Reschkes Beuteschema:  teuer, erfahren, mit Führungsanspruch und entweder verletzungsanfällig oder langsam. Wird der VfB Stuttgart endgültig zur Rentner-Gang? Eine mögliche Aufstellung könnte dann heißen: Zieler, Badstuber, Pavard, Baumgartl, Insua, Beck, Aogo, Castro (Rode), Kagawa, Herrmann, Gomez (Wagner). Eine Aufstellung, mit der ich mich nicht identifizieren könnte. Eine Aufstellung, …

Ratlos

Am Freitag schrieb Benni Hofmann im Kicker: „Castro ist ein feiner Fußballer und absoluter Teamplayer, aber salopp gesagt ist er keiner, der einen Krieg gewinnt.“ Leider hätte er das auch über Aogo, Beck, Insua, Gentner, Gomez schreiben können – nur dass sie keine feinen Fußballer sind. Wer gesehen hat, wie der VfB Stuttgart in Leverkusen verloren hat (zum achten Mal im zwölften Saisonspiel), der fragt sich ernsthaft, wie diese Mannschaft den Klassenerhalt schaffen will. Denn beim VfB ist aktuell einfach zu viel los. In Leverkusen agierten die Stuttgarter unter anderem: – erfolglos – harmlos – hoffnungslos – ambitionslos – emotionslos – energielos – freudlos – lustlos – leblos – kampflos – teilnahmslos – ideenlos – kraftlos – hilflos – ziellos Jetzt mögen manche einwenden, dass das Spiel komplett anders verlaufen wäre, wenn die Kölner Keller-Schiedsrichter dem VfB nicht nach sieben Minuten den Elfmeter verweigert hätten. Allerdings muss man dann auch die Frage stellen, wer ihn hätte verwandeln sollen. Man kann auch der Meinung sein, dass Leverkusen mit seinem Top-Kader nicht der Maßstab für den VfB …

Wolfgang Dietrich in der Höhle der Löwen

Der VfB ist „leicht hinter dem Zeitplan“, schrieb kürzlich Heiko Hinrichsen von der StZ/StN in Bezug auf die Pläne, neben Daimler einen weiteren Kapitalgeber zu finden. Der zweite Investor sollte ursprünglich im Herbst 2017, spätestens nach der Sommerpause 2018 vorgestellt werden. Wolfgang Dietrich hat sich die Suche nach Investoren nach eigener Aussage nicht so schwierig vorgestellt, wie er im März bei „Talk im Turm“ des Marketingclub Stuttgart/Heilbronn sagte. Woran liegt es, dass sich der VfB in Person des Präsidenten so schwer tut? Da ist zum einen der sportliche Misserfolg. Mit einem Tabellenletzten oder zumindest Abstiegskandidaten schmückt sich keiner gerne. Zum anderen ist die öffentliche Wahrnehmung des VfB auch nicht die Beste, man denke nur an die „Wahrheitsbeugung“ und die kolportierte Einmischung von Michael Reschke in die Entscheidungen des Trainers Tayfun Korkut. Und das mal alles beiseite gelegt – warum sollte sich überhaupt ein Investor in der VfB Stuttgart 1893 finanziell engagieren? Bei Daimler ist es einfach beantwortet: Das Clubheim ist ein Steinwurf vom großen Stern entfernt und mit einer Beteiligung verhindert „der Daimler“, dass sich …

Im Fegefeuer der Eitelkeiten

Michael Reschke und Wolfgang Dietrich wollen im Winter den Kader aufrüsten, angesichts von Platz 18 und einem Torverhältnis von 8:21 nach zehn Spieltagen absolut einleuchtend. Aber das wollten sie sowieso machen, sagen sie. Nicht, dass einer auf die Idee käme, sie hätten einen Fehler gemacht, die beiden. Der eine (Reschke) hat schließlich den Fußball erfunden, der andere (Dietrich) steht für Glaubwürdigkeit und Kontinuität. Beide umgehen das Verb „nachbessern“, doch genau darum geht es: Die Fehleinschätzungen des Sommers bei der Kaderplanung zu korrigieren. Natürlich geht es auch darum, den Kader den Wünschen des neuen Trainers Markus Weinzierl anzupassen – Stichwort Geschwindigkeit. Wollen wir mal hoffen, dass er noch in den Genuss der Neuzugänge kommt und nicht schon vorher Erfahrungen mit dem „Schleudersitz“ (Dietrich) in der Mercedesstraße machen musste. Erst wird von Michael Reschke die phänomenale Rückrunde überschätzt (zugegeben: damit war er nicht der einzige), dann der Vertrag mit Tayfun Korkut verlängert, der wiederum die Mannschaft nicht weiter entwickelt, sondern in allen Belangen – spieltaktisch, personell und fitness-mässig – runterwirtschaftet. Das Ganze führt zu Formkrisen von Leistungsträgern …

Wir sind zusammen groß!

Wir sind zusammen eins. Komm’, lass‘ uns bisschen noch zusammen bleiben. Nehmt die Flossen hoch und die Tassen auch – wir feiern heute bis zum Morgengrauen! Als Mario Gomez kurz vor der Pause die beste Chance zur Führung in der 39. Minute vergab, dachte er sich: „Egal, wenn wir endlich ein Tor schießen, dann vor unserer Kurve!“ Und so kam es, dass die Südkurve ab der ersten Minute eskalierte. So sehr dass der Oberrang bebte. Bounce, you bastards! Es war die Symbiose zwischen Team und Kurve. Zwischen Support und Mannschaftsleistung. Endlich wieder. Denn ohne einander geht es nicht. Beide sind wie Pech und Schwefel, sind Herz und Seele, sind unverkennbar unzertrennbar, passen zusammen wie Arsch auf Eimer. Euphorie-Team hier, schwieriges Umfeld dort. Dass es kein gutes Spiel war: schon vergessen. Dass Mario Gomez die Möglichkeit zu Führung in der ersten Halbzeit mal wieder lächerlich vergab: geschenkt. Dass Christian Gentner zwei hundertprozentige Chancen geradezu grotesk liegen ließ: egal! Dass die beiden Tore dann das Ergebnis zweier Standards waren, hat ganz sicher mit der Einstellung von Halil …