Autor: @abiszet

Denk’ an Dich!

Robert Schlienz schaut zufrieden von oben herunter: Der VfB hat in einem komplizierten Spiel gegen Freiburg die Widerstandskraft an den Tag gelegt, die den Größten in der Geschichte des VfB so ausgezeichnet hatte. 2:0-Führung nach sieben Minuten: Was soll da schief gehen? 72 Minuten in Überzahl und der Sieg nur noch eine Frage der Höhe? So einfach war es in Freiburg nicht, der VfB konnte nur bestehen, weil er deutlich reifer auftritt und sich vor allem in der zweiten Hälfte von der Hektik des Gegners nicht anstecken ließ. Der erste Sieg in Freiburg seit 2018 stand unter dem Motto “Denk’ an Dich”: An die VfB-Legende Schlienz, der am Samstag 100 Jahre geworden wäre und an Dan-Axel Zagadou, der sich unter der Woche eine schwere Bänderverletzung im Knie zugezogen hatte. Die Mannschaft machte sich in Trikots mit Name und Rückennummer des Innenverteidigers warm und widmete ihm den 3:1 Erfolg im Breisgau. Der Start ins Spiel konnte nicht besser sein: Waldemar Anton spürte den Benjamin Pavard in sich und spielte den Vertikalpass seines Lebens auf Deniz Undav. …

Robert Schlienz ist unser Held, war der beste Mann der Welt!

Allgöwer, Buchwald, Klinsmann, Ohlicher, Khedira, Gomez, alles Legenden. Aber der Größte in der Geschichte des VfB wird immer Robert Schlienz sein. Der einmalige Stuttgarter Journalist und Romancier Hans Blickensdörfer schrieb über ihn: “Wir werden nie mehr einen wie Robert Schlienz erleben. Aber wir können alle von ihm lernen.“ Natürlich ist Schlienz der Einmalige, aber auch der Einarmige, dem nach einem Autounfall der linke Unterarm amputiert werden musste. Sein Comeback gab er keine vier Monate nach dem Unglück und alle schauten im Neckarstadion ungläubig, weil keiner es glauben konnte, wie ein Einarmiger im Fußball mit seinen vielen Zweikämpfen bestehen könnte. Wie soll er fallen, wie soll er das Gleichgewicht halten? Mit eiserner Disziplin und ungebrochenem Willen kämpfte er sich zurück. Das waren sowieso seine Stärken. Er war kein Feinfuß, er war ein unerschrockener Arbeiter, ein unermüdlicher Antreiber, im „Doppelpass“ würde man wahrscheinlich von einem „Mentalitätsspieler“ sprechen. Angefangen hatte er als Mittelstürmer und schoss in der Saison 1945/1946 in 30 Spielen sagenhafte 45 Tore. Als Schlienz von seiner rot-weißen Wolke auf Robert Lewandowski schaute, konnte er nur …

Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann

Unglaube, Freude, Trauer, Respekt, Zuversicht, Irritation. In den letzten Tagen sind unsere Gefühle mit uns Gassi gegangen. Aber der Reihe nach: Zunächst wurde gemeldet, für den Umbau des Neckarstadions seien kurzfristig nochmal 20 Millionen Euro mehr notwendig, um den Zeitplan bis zur EM zu schaffen. Es wurden Probleme im Fundament gefunden, die der VfB zu spät bzw. gar nicht kommunizierte und damit die Stadt unter Druck setzte, die für die 20 Millionen einspringen muss. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, klagte Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann. Sogar von einem Skandal war die Rede, dass der Gemeinderat der Finanzspritze innerhalb von 48 Stunden zustimmen musste, um die EM-Ausrichtung nicht zu gefährden. Auch, dass sich die Situation so dramatisch entwickelt habe, wurde angezweifelt: Das kann „nicht erst in den letzten Tagen eingetreten sein“, so Dejan Perc von der SPD. Auch andere Gemeinderäte machen dem VfB unverhohlen Vorwürfe. Damit beläuft sich die Gesamtsumme auf 140 Millionen Euro, die sich der VfB, die Stadt und die Stadiongesellschaft teilen. Der Umbau ist zu eine Art Stadion 21 geworden, die ursprünglich veranlagten …

Wundavbar!

Der VfB hatte sich in den elf Begegnungen zuvor meist geweigert gegen die Sachsen mitzuspielen, hatte den Gegner regelrecht ignoriert, weil es das Spiel nicht geben dürfte. Im zwölften Spiel machte der VfB ernst oder wie die Süddeutsche Zeitung schrieb: “Die Heimmannschaft zeigte den Enthusiasmus eines Traditionsklubs; die Auswärtsmannschaft zeigte die Blutarmut eines künstlich hergestellten Konstrukts.“ Zwei unnötige Niederlagen zum Start in das Jahr, neben dem Fehlen der Afrika Cup- und Asienspielen-Teilnehmer auch noch die fünfte gelbe Karte für Atakan Karazor. Dazu ein Gegner, der dem VfB offensichtlich nicht liegt. Komplizierte Voraussetzungen, aber Trainer Sebastian Hoeneß war nach dem Spiel stolz, dass sein Team mit “dieser anspruchsvollen Situation überragend umgegangen ist“. Der VfB hatte mehr Überzeugung im Spiel nach vorne, mehr Präzision im Passspiel, mehr Power im Pressing und Gegenpressing wie vor dem 2:0, erfreute sich an sich selbst (5 Kilometer mehr gelaufen als der Gegner) und nutzte seine Torchancen. Wobei: 11:1 Torschüsse waren es in der ersten Halbzeit und auf der Anzeigetafel stand lediglich ein 2:1. Enzo Millot übernahm dabei merklich Verantwortung. Einerseits das …

Fluchttore statt Auswärtstore

Eine Saison ohne Abstiegssorgen war alles, was wir wollten. Das hatten wir bereits nach 16 Spieltagen erreicht. Wenn man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen will – und den Eindruck macht keiner beim VfB – ist das 0:1 gegen Bochum zu wenig. Woran lag’s: am Team? Am Trainer? Am Gegner? Oder gar an einem Zaunbanner? 19:6 Torschüsse, knapp 500 gespielte Pässe (Bochum: 294) und 63 Prozent Ballbesitz: Die Statistiken stimmten gegen den Club aus dem Ruhrpott. Auf der Anzeigetafel stand dagegen eine Eins bei Bochum und eine Null bei VfB. Und das war nicht gut so. Bochum so gut wie ohne Torchancen, die Sicherheitskräfte der VfB-Abwehr waren jederzeit auf Ballhöhe. Es war ein Abspielfehler von Angelo Stiller, der die Entscheidung brachte. Am Gegner lag’s also nicht, dass der VfB zum zweiten Mal in Folge verlor. Auch dem Team kann man wenig vorwerfen. Im Gegensatz zu Gladbach letzte Woche von Anfang an mehr Spannung auf dem Platz, der VfB dominierte das Spiel. Auch wenn gerade in der ersten Halbzeit nur Halbchancen erspielt wurden, weil Bochum durch …

Lommelich

Bin ich enttäuscht nach der 3:1 Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach zum Auftakt des Spieljahres 2024? Eigentlich nicht. Denn ich hatte es erwartet. So wie ich es fast bei jedem Spiel in dieser Saison erwartet habe, dass der alte VfB wieder zum Vorschein kommt. Mit seinen Unkonzentriertheiten und Nachlässigkeiten vorne und hinten, mit seiner fehlenden Konsequenz. Denn dass der VfB in der Hinrunde so guten Fußball spielte nach zwei fast schon traumatischen Jahren, das kann nicht sein. So jedenfalls mein Eindruck und deshalb rechne ich bei jedem Spiel mit einem Rückschlag. Ich traute dem Saisonverlauf bisher einfach nicht, ich bekomme wohl den Bruddler und das schwierige Umfeld nicht aus mir heraus. Gegen Gladbach endlich wie erwartet: Die Niederlage gegen die Borussia ist aber kein Beinbruch, zu gut und zu erfolgreich ist der VfB in den meisten der 16 Spiele zuvor aufgetreten. Die Rückrunde ist fast schon eine Bonus-Runde, das Ziel einer „sorgenfreien Saison“ so gut wie erreicht. Aber unsere Erfahrungen in der Vergangenheit mit sogenannten „Bonus-Spielen“ verheissen nichts Gutes. Ich bin mir jedoch sicher, dass in …

Der VfB-Rekordtorschütze

Ottmar Hitzfeld ist Deutschlands erfolgreichster Vereinstrainer, Welttrainer 1997 und 2001, deutscher Meister, Pokalsieger, er gewann die Champions League für Bayern München und Borussia Dortmund. Aber was machte Hitzfeld, bevor er einen beigen Trenchcoat trug, „Der General“ genannt wurde und sich von Karlheinz Rummenigge sagen lassen musste, Fußball sei keine Mathematik? Er spielte drei Jahre beim VfB Stuttgart. Hitzfeld sagte von sich selbst, dass er alles andere als unberechenbar war und “ein eher durchschnittlich begabter, aber sehr schneller Stürmer“ gewesen sei, “der die 100 Meter in 11,7 Sekunden laufen konnte. Läuferisch war ich als ehemaliger Leichtathlet generell stark, konnte gut dribbeln und hatte vor dem Tor gute Nerven.“ Das brachte ihn geradewegs ins Estadio Santiago Bernabeu im damaligen UEFA-Cup gegen Real Madrid. Denn 1971 wechselte er vom Amateurligisten FV Lörrach zum von Helmut Benthaus trainierten FC Basel. Basel hielt gegen die Königlichen gut mit, schied aber nach zwei 1:2-Niederlagen gegen den großen Favoriten in der ersten Runde aus. Für die Olympischen Spiele 1972 in München wurde Hitzfeld für die deutsche Auswahl nominiert. Der damals 23-Jährige spielte …

Süßer die Tore nie fielen

Seit knapp zehn Jahren schreiben wir immer zu Weihnachten einen Text, der auf das Jahr zurück blickt und ein bisschen auf die Tränendrüse drückt. Selten war der Text positiv, zu viel lief falsch beim VfB, auf und außerhalb des Platzes. Nur 2020 waren wir sportlich gesehen richtig optimistisch, fast schon euphorisch, um dann von Thomas Hitzlsperger wenige Tage später vereinspolitisch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt zu werden. Und dieses Jahr? Alles rosa-rot, oder besser gesagt: weiß-rot! Oder sollen wir sagen im grünen Bereich? Na ja: Grünes Licht von der DFL bekam der VfB dagegen noch nicht für den Porsche-Deal. Wahlweise im Juni, Juli, September, Oktober oder Dezember sollte das Finishing, Closing, Signing oder was auch immer erfolgen. Jetzt wurde das Thema vertagt, weil Alexander Wehrle und Kollegen offenbar ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.  Dann doch noch irgendwie typisch VfB. Typisch VfB fing auch das Jahr 2023 an. Der Start jedenfalls war anstrengend, mühsam, emotional herausfordernd. Erst ab April wird es für den VfB viel besser, als Bruno Labbadia durch Sebastian Hoeneß ersetzt …

Ganz große Kunst!

Die Spieler des VfB Stuttgart führten im letzten Spiel des Jahres Regie mit der Kunst am Ball. Das Ergebnis: Platz 3 nach 16 Spielen. Platz 3! Ein triumphaler Abschluss eines traumhaften Halbjahres. War was? Es ist keine große Kunst, wenn man sich im Flow befindet, eine durchschnittliche Mannschaft wie den FC Augsburg zu schlagen. Nach der ernüchternden Niederlage gegen Bayern München – Sebastian Hoeneß sprach treffend davon, dass der Rekordmeister den VfB eingenordet habe – zeigten die Jungs aus Cannstatt jedoch eine Reaktion, die ihnen nicht alle zugetraut hatten. Kunst ist auch Arbeit, doch der VfB ließ alles so leicht aussehen. Der Ball lief, der Gegner auch, das Angriffspressing wurde achselzuckend zur Kenntnis genommen. Ein echtes Kunstwerk schuf Angelo Stiller in der 12. Minute. Er stellte vor dem 1:0 Deniz Undav mit seinem Eckball auf den ersten Pfosten die Staffelei hin. Der Stürmer machte völlig freistehend die Führung mit einem einzigen Strich – der unter die Latte fuhr. Bis dahin hatten die Stuttgarter schon gezaubert, Undav schoss an den Pfosten und Jamie Lewelings Soli überraschten …

Ausgecoacht. Ausgespielt. Aus der Traum.

Beim wiederbelebten Südgipfel wurden dem VfB die Grenzen aufgezeigt. Ein Fehler im Spielaufbau. Zwei Standards, wovon es eine Ecke nicht hätte geben dürfen. Das Ergebnis: Ein hochverdientes 3:0, es hätte deutlich höher ausfallen können. Es war ein Qualitätsunterschied zu sehen und das obwohl der FC Bayern München mit der „experimentellsten Aufstellung“ (Süddeutschen Zeitung) in der Amtszeit von Thomas Tuchel antrat. Ausgecoacht. Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Kingsley Coman, Serge Gnabry und Noussair Mazraoui fehlten verletzt oder erkrankt. Der VfB kam dagegen mit breiter Brust nach München. Wie ernst Trainer Tuchel den VfB nahm, zeigte sich an seiner Taktik: Seine Spieler überließen dem VfB den Ball, standen tief, machten die Räume zu und hielten die Abstände eng, um kein Stuttgarter Kombinationsspiel aufkommen zu lassen. Nach Balleroberung schalteten die Bayern schnell um, insbesondere über Leroy Sané. Wann setzte der Rekordmeister zuletzt im eigenen Stadion auf eine Kontertaktik? Dass dies besonders gut aufging am Sonntag Abend, lag auch am frühen 1:0, als Atakan Karazor einen seiner schlampigen Pässe spielte und der FCB blitzschnell umschaltete. 1:0 nach 1:22 Minuten, danach …