Autor: @abiszet

Vom Mittelstädt zum Maxistädt

„Seine Position ist mit Nico Schulz derzeit zwar gut besetzt, aber wenn seine Entwicklung so weitergeht, kann er ein Kandidat für Jogi werden“, meinte Lothar Matthäus im Mai 2019 über Maximilian Mittelstädt. Der Rekordnationalspieler hat es also schon immer gewusst! Von Schulz spricht man nur noch im Zusammenhang mit einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung, Mittelstädt dagegen klopft vier Jahre später tatsächlich bei der Nationalmannschaft an. Wer hätte das bei seiner Verpflichtung im Sommer gedacht (außer Matthäus natürlich)? Ja, auch wir waren sehr kritisch. Das Mittel in seinem Namen hatten wir programmatisch gesehen: Maxi-mal Mittelmaß eben, und wir hatten wenig Phantasie, wie er Borna Sosa ersetzen soll, immerhin lange Zeit Leistungsträger und Publikumsliebling in Stuttgart. 12 Bundesligaspiele (5x in der Startelf) und eine DFB-Pokal-Partie (Startelf) später kann man sagen, dass wir uns geirrt haben: Es ist überhaupt nicht mittel, was Maxi anbietet: „Große Zweikampfstärke, aber auch nach vorne Impulse, immer hellwach zu sein, das zeichnet ihn aus”, lobte ihn zuletzt Sebastian Hoeneß. Kurz: Mittelstädt gibt immer Vollgas, egal ob er von der Bank kommt oder bei …

Der VfB im Winter 2023: Ein Team, das Spaß macht!

Die erste Halbzeit geht an den VfB, die zweite an Leverkusen. Der VfB ist nach 90 Minuten auf Augenhöhe mit der einzigen Mannschaft in Europas Top-Ligen, die noch ungeschlagen ist. Ja, richtig gelesen! Top-Spiel und der VfB ist beteiligt. Bestes Saison-Spiel in der Liga und der VfB ist beteiligt. Werbung für die Bundesliga und der VfB ist beteiligt. Ja, richtig gelesen und fühlt sich komisch an nach den letzten Jahren. Zeigt aber, welche rasante Entwicklung der Club unter Sebastian Hoeneß vollzogen hat. „Die Jungs sind enttäuscht, das gefällt mir“, sagte Hoeneß nach dem Spiel und lächelte. Die Mannschaft konnte durchaus enttäuscht sein nach dem 1:1 gegen Leverkusen, denn die erste Halbzeit ist mit das Beste, was der VfB in dieser Dekade abgeliefert hat. So richtig überraschend ist das nicht nach den Eindrücken der letzten Spiele. Nur, dass der Gegner Leverkusen hieß, sagt viel über die Qualität der Mannschaft und über das Coaching von Hoeneß aus. Und über das Selbstbewusstsein, dass mittlerweile im Team steckt. Die ersten 45 Minuten sind ein Feuerwerk des VfB. Außergerwöhnliches Pressing, …

Achtung: Verfasser träumt vom VfB

Borussia Dortmund versucht im Pokal-Achtelfinale gegen den VfB Stuttgart mit einer Mauertaktik weiter zu kommen. Was noch gegen Bayer Leverkusen zu einem Unentschieden reichte, scheiterte an der enormen Spielstärke des VfB. Ich habe keine Lust aufzustehen, auch wenn der Tag sehr sanft beginnt. Ich habe noch Szenen vor Augen, wie Enzo Millot durch sechs Beine einen Steckpass spielt, wie Waldemar Anton alles souverän weg verteidigt, wie Dan-Axel Zagadou Angriffe einfach weg lächelt, wie Chris Führich und Maxi Mittelstädt den Gegner auf der linken Seite stressen, wie Serhou Guirassy strahlt und wie Deniz Undav glücklich Interviews gibt. Ist das ein Traum oder Wirklichkeit? Kann es wirklich sein, dass der VfB so traumhaft schön und erfolgreich spielt? Wer den VfB erst seit zehn Jahren kennt, der sagt sich: „Gibt’s doch gar nicht!“. Wenn es ein Traum ist, dann träumen wir ihn mit offenen Augen, im Stadion, vor dem Fernseher. Borussias Trainer Edin Terzic lässt Reus, Brandt, Füllkrug und Malen gegen den VfB erst einmal draußen und denkt, er könne so bestehen im Neckarstadion. „Träum’ weiter, Edin!“. Seine …

Die laute Goschn

Jürgen Sundermann, der Erfinder der Jungen Wilden Ende der 70er Jahre, stand auf autoritäre Spieler. Weil er sich selbst als Autorität sah und Spieler benötigte, die dies während der 90 Minuten auf dem Platz für ihn übernahmen. Denn auch wenn er mit Trikot auf der Bank Platz nahm, eingreifen konnte selbst Sundermann nicht. Zu seiner Zeit gab es zwei Autoritäten im Team: Dragan Holcer und Roland Hattenberger. Während der Jugoslawe eher ruhig führte, mit Blicken und kleinen Gesten, war sein österreichisches Pendant ein Mann des Wortes. Er konnte auch einmal laut werden, wenn ihm etwas nicht passte. Zusammen mit Hermann Ohlicher und Georg Volkert gab er den Ton an. 51 Länderspiele hat er auf dem Zettel und zwei WM-Endrunden (1978, 1982). Wobei er 1978 verletzungsbedingt ohne Einsatz blieb, 1982 dagegen stand er in vier von fünf Spielen auf dem Platz. Wie Kevin Kuranyi und Wataru Endo absolvierte Hattenberger 99 Bundesligaspiele im VfB-Dress. In seinen insgesamt 125 Pflichtspielen zwischen 1977 und 1981 für den VfB gelangen dem Mittelfeldspieler 10 Treffer. Zusammen mit Erwin Hade­wicz hielt er …

Gegen den VfB ist kein Kraut gewachsen

Platz 3 vs. Rang 12. 27 Punkte gegen 11. Serhou Guirassy (15 Tore) und Deniz Undav (7) gegen Marvin Ducksch (5) und Rafael Borré (3). Eigentlich eine glasklare Sache. Der VfB mit einem Lauf, Werder Bremen eher mit einem Einlauf. Kann der VfB im Stile einer Spitzenmannschaft so ein Spiel gewinnen oder reicht es dafür (noch) nicht? Der VfB kann und präsentierte sich erstaunlich reif, auch wenn die Partie viel zu lange offen bleib, weil die Chancenverwertung nicht mehr der von Anfang der Saison entsprach. Das Spiel gegen Bremen wurde in erster Linie auf eine Begegnung reduziert, in der erstmals Guirassy und Undav in der Startelf standen. Das ist natürlich die übliche mediale Zuspitzung, denn der VfB ist mehr. Mit Enzo Millot bilden die beiden ein magisches Dreieck. Ebenso magisch verteidigen Dan-Axel Zagadou, Waldemar Anton und Alex Nübel, während im Mittelfeld Atakan Karazor und Angelo Stiller den Rhythmus bestimmen und das Spiel des VfB strukturieren. Und Neu-Nationalspieler Chris Führich? Der erstaunlich starke Maxi Mittelstädt? Der gegen Bremen sehr auffällige Silas? Der ewige Pascal Stenzel? Der …

Das magische Dreieck 2.0?

In der Welt des Fußballs gibt es Momente, die wie Zauberei wirken, wenn mehrere Spieler ihre Fähigkeiten plötzlich zu einem beeindruckenden Ganzen verschmelzen. In der Saison 1996/97 prägte das “magische Dreieck” des VfB Stuttgart den deutschen Fußball. Eine Zeit lang wirkte das bezaubernde Zusammenspiel von Fredi Bobic, Giovane Elber und Krassimir Balakow geradezu unwirklich. Die Verbindung zwischen den Spielern war dabei ein für alle sichtbares Band der Spielfreude, ihr Spielverständnis basierte auf Telepathie. Ist jetzt die Zeit gekommen für die Nachfolger des magischen Dreiecks? Sebastian Hoeneß sprach unmittelbar nach dem Sieg in Frankfurt davon, dass er eine Lösung finden muss, wie er Serhou Guirassy und Deniz Undav in die Startformation seines Teams bringen kann. Zu gut sind beide, als dass er einen auf die Bank setzen könnte. Aber wer Guirassy und Undav sagt, der muss auch Enzo Millot sagen. Ein Trio, das nicht nur die Herzen der Fans erobert hat, sondern auch die Gegner mit ihrer undurchschaubaren Spielweise herausfordert. Wenn diese drei Spieler ihre Kräfte vereinen, kann auf dem Spielfeld eine bisher ungekannte Geometrie des …

Spektakulär unspektakulär

„Es geht gegen eine Spitzenmannschaft, die brauchen nicht viel. Die kamen zweimal vors Tor und zweimal hat es gescheppert“, zeigte sich Frankfurts Trainer Dino Toppmöller beeindruckt. Der VfB eine Spitzenmannschaft? Echt jetzt? Wenn man den reifen Auftritt bei der Eintracht als Maßstab nimmt: ja! Erste Heimniederlage für die Hessen seit Oktober 2022, erste Niederlage nach acht ungeschlagenen Pflichtspielen, ein reichlich uninspirierter Auftritt, nachdem sich die SGE zuletzt unter Toppmöller stabilisiert hatte: Der VfB fuhr nach Frankfurt, spielte cool sein Spiel runter und nahm drei Punkte mit. Weil er zum richtigen Zeitpunkt die Tore schoss. Weil er auch in der vorübergehenden Eintracht-Dominanz keine Chancen zuließ und klugen Kopf behielt. Weil der Spielansatz von Sebastian Hoeneß in der zweiten Halbzeit besser war als der seines Gegenübers. Frankfurt fiel nichts ein, um dem VfB gefährlich zu werden. Einzig “Mittelstürmer” Omar Marmoush fiel auf, weil er sich schon auf den Boden warf, wenn ihn Dan-Axel Zagadou auch nur anschaute. Wobei so ein Blick von Daxo einen schon umhauen kann. Natürlich sprechen alle nach dem 2:1-Sieg des VfB über Deniz …

Alles von der Kunstfreiheit gedeckt!

Gegen Kunst kann man nichts sagen. Alles kann Kunst ein. Übrigens auch dieser Text hier. Und Kunst ist jetzt auch das neue Sondertrikot des VfB. Wie immer streng limitiert (oder besser: künstlich verknappt) auf 1893 Exemplare und zum Liebhaberpreis von 189,30 Euro, um 10 Prozent an die VfB-Stiftung „Brustring der Herzen“ weitergeben zu können. Ob es auch 100 Euro getan hätten? Luft wäre auch da geblieben für eine Spende. Aber Kunst hat eben seinen Preis. Aber wohin fließen die Mehreinnahmen? Ist die Aktion am Ende sogar ein Krautfunding, um Serhou Guirassy seine Ausstiegsklausel abzukaufen? Kraut, was hat es damit auf sich? Das Kunstwerk auf dem VfB-Trikot wurde geschaffen von Tim Bengel, bekannt geworden durch einen goldenen Avocado-Bagel, der für 3 Millionen US-Dollar verkauft wurde. Das Kraut ist eine aufgewärmte Idee des Künstlers, der bekennender Kraut-Ultra ist. Er hat im September diesen Jahres im StadtPalais ein Superkraut-Festival initiiert. „Die Zeit ist reif, Kraut an die Spitze der Superfoods zu setzen, denn genau da gehört es hin“, so Bengel damals bei der Eröffnung. Aufgewachsen auf den Fildern, …

How to develop a team (fast)

Spielplan, Spielglück, die richtigen Gegner zur richtigen Zeit. Alles gut und schön. Wollen wir nicht viel lieber über die Qualitäten des VfB sprechen, die zu diesen überraschenden Leistungen führen? Aber was sind die wahren Gründe, warum der VfB auf Platz 3 steht mit schier unglaublichen 24 Punkten nach elf Spieltagen? Listen gehen immer sagt kessel.tv, deswegen: Hier sind 11 Gründe, warum der VfB auf Platz 3 steht. Der Außerirdische  Serhou Guirassy, ja langweilig, weil offensichtlich. Aber wie Spiele ohne ihn laufen können, davon haben wir einen Eindruck bekommen gegen Hoffenheim und Heidenheim. Der Torjäger war auch schon letzte Saison wichtig, in dieser jedoch „trifft er auch mit verbundenen Augen“ (Deniz Undav). Das Spiel ist um ihn herum gebaut und das lässt ihn glänzen. Seine Trefferquote ist nicht von dieser Welt, sein Wert als Führungsspieler enorm. The Wall We don’t need no Angst. Während viele aus alter Gewohnheit zusammenzucken, wenn ein Schuss in Richtung VfB-Kasten geht, dann sage ich immer „Wir spielen mit Torwart“. Erstmals seit zwei Jahren. Zuvor mussten wir zittern, wenn ein Ball in …

Mein Herz tanzt

Ein echtes Statement: Nach zwei verlorenen Spielen einen Champions League-Teilnehmer dominiert und Borussia Dortmund beim 2:1 wie einen Abstiegskandidaten aussehen lassen. Ich habe quasi das gesamte Wochenende vor und nach dem Spiel gegen Dortmund mit einem Schalke-Fan verbracht. Dabei habe ich verstanden, wie wichtig ihm ein VfB-Sieg gegen die Schwarzgelben ist und wie gut es dem VfB im Vergleich zu S04 geht. Die Fans der Knappen denken sogar darüber nach, ob es keine so schlechte Idee wäre, Clemens Tönnies wieder in den Verein zu holen. Das wäre in etwa so, als ob wir uns Wolfgang Dietrich als Präsident zurück wünschen würden. Am Freitag hatte ich mich noch lustig gemacht über die Partie der Schalker gegen Elversberg. Nach dem VfB-Spiel war mein Schalke-Freund natürlich gut auf mich zu sprechen, zufrieden war er nicht: „Aber hör’ ma, Ihr müsst die Bienen doch mit 5:1 aus dem Stadion schießen!“. Da hat er Recht. Dortmund mit einem desolaten Auftritt, 22:5 Torschüsse wies die Statistik nach dem Spiel aus, die Gelegenheiten von Chris Führich, Jamie Lewelig, Deniz Undav und Enzo …