Autor: @abiszet

Ein Sieg der Leidenschaft

Eine Niederlage, die Leiden schafft. Wobei wir gar nicht mehr wissen, was das bedeutet: leiden. So viel Freude bereitet der VfB in dieser Saison. Noch letzte Woche verlor der VfB als bessere Mannschaft gegen Hoffenheim. In Heidenheim allerdings ist der VfB die schlechtere Elf und verliert gegen ein Team mit limitierten Möglichkeiten. Es scheint so, als ob diese Saison vieles anders und vor allem vieles besser werden würde. Gleich geblieben sind die Schwierigkeiten gegen Teams, die vermeintlich schlechter sind. Heidenheim ist eine Mannschaft mit begrenzten Mitteln aber unbegrenztem Willen. Eine Elf, die aus ihren wenigen Möglichkeiten alles herausholt. Kurz: Die das Beste aus sich macht. Und das ist der große Unterschied zum VfB, der am Sonntag Abend nicht die beste Version von sich auf den Platz bringt. Regen, Wind, tiefer Boden und ständig fliegen diese krummen Dinger von Jan-Niklas Beste in den Stuttgarter Strafraum. Es ist eigentlich ganz einfach, was das Team von Trainer Frank Schmidt anbietet: einstudierte Standards, viel laufen und dem VfB eine gewisse Wildheit aufzwingen. Heidenheim ist wacher und präsenter. Das zeigt …

Souverän. Sicher. Weiter.

Die Saison entwickelt sich für Union Berlin zu einer Horror-Serie, während die Stabilität des VfB schon fast unheimlich ist. Nach der eher unglücklichen Niederlage gegen Hoffenheim kommen die Stuttgarter im Union-Style im DFB-Pokal eine Runde weiter: mit einem dreckigen Sieg. Solche Spiele musst du gewinnen. Und an solchen Spielen kann man sehen, wie reif die Mannschaft ist und wie gefestigt. Die Niederlage gegen Hoffenheim? Offensichtlich abgehakt. Der VfB ist in der Vergangenheit sonst immer dafür bekannt gewesen, sich von dieser Art von Rückschlägen aus dem Rhythmus bringen zu lassen. Gegen Union wirkte der VfB weder hektisch noch verzweifelt bemüht, das 2:3 unbedingt vergessen zu machen. Die Mannschaft verließ sich auf ihr Können und auf den Matchplan des Trainers. Sie weiß, was sie kann, ohne überheblich zu werden und strahlte eine beeindruckende Souveränität aus. Es wurden jedoch auch die richtigen Lehren aus der ersten Niederlage nach sechs Siegen gezogen. Der VfB stand defensiv sicher und verteidigte leidenschaftlich sein eigenes Tor. An Dan-Axel Zagadou zerschellten fast alle offensiven Bemühungen der Berliner. Wenn es darauf ankommt, würde der …

Die Niederlage kann auch eine Chance sein

Ich wusste, es wird passieren, redete mir aber ein, kann doch nicht sein, vor allem nicht gegen Hoffenheim. Aber irgendwann musste es so kommen. Wir konnten nicht davon ausgehen, dass der VfB kein Spiel mehr verliert. Aber wenn man schon verlieren muss, dann lieber gegen eine Mannschaft, die besser ist und nicht gegen eine, die in erster Linie auf dem Boden rumliegt, einen überragenden Torhüter und eine gnadenlose Effizienz vor dem Tor besitzt. „Wir waren ganz klar besser heute, hätten das Spiel gewinnen müssen. Und ein entscheidender Faktor war ich“, sagte nach dem Spiel Deniz Undav und war untröstlich. Dabei liest sich seine persönliche Bilanz erst einmal gar nicht so schlecht: Ein Tor, ein Assist, zwei Pfostenschüsse und Florian Grillitsch musste ausgewechselt werden, nachdem er an Undavs Hintern abgeprallt war. Aber er vergab auch das direkte 1:1 (5.) und einen Elfmeter (30.). Der VfB verlor jedoch nicht wegen Undav oder weil Serhou Guirassy fehlte. Der VfB verlor, weil er individuelle Fehler in der Abwehr machte und vor dem Tor an Oliver Baumann scheiterte. Die Gegentore …

Ein undavhaltsamer Aufstieg

Es gibt im Fußball Talente, deren Potential schon in ganz jungen Jahren unübersehbar ist. Und es gibt welche, die erst „auf dem zweiten Bildungsweg“ (Torsten Lieberknecht) ihren Durchbruch schaffen. Einer dieser Exoten ist Deniz Undav, der seit Sommer für den VfB Stuttgart aufläuft. Lange Zeit wurde der bullige Mittelstürmer undavschätzt. Geboren 15 Kilometer Luftlinie vom Weserstadion, war er für Werder Bremens Jugend scheinbar zu klein. Er tingelte durch Havelse und Wehye, in Braunschweig wusste niemand etwas mit ihm anzufangen, ehe er erst mit 22 Jahren beim SV Meppen auf sich aufmerksam machte. In seiner ersten Saison noch nicht wirklich überzeugend, startete in der zweiten voll durch. 17 Tore und 13 Vorlagen in 34 Drittliga-Spielen brachten ihm einen Vertrag beim belgischen Zweitligisten Royale Union Saint-Gilloise ein. Sein undavhaltsamer Aufstieg beginnt: In 26 Einsätzen traf er 17-mal und schoss Saint-Gilloise nach 48 Jahren zurück in die erste belgische Liga. In seiner zweiten Saison wurde er sogar Torschützenkönig der Jupiler Pro League. “Er ist einer der intelligentesten Fußballer, die ich bisher trainieren durfte”, rief ihm sein Trainer Felice …

Es hat sich ausgekultet!

Es war das letzte Spiel von Bruno Labbadia, der danach tapfer festgestellt hatte, dass er seine Mannschaft hervorragend auf Union Berlin eingestellt habe. An ihm habe es nicht gelegen. 0:3 verlor der VfB vor knapp sieben Monaten, war chanchenlos und stand auf dem letzten Platz. Wenn wir uns das noch einmal in Erinnerung rufen, kommt einem der souveräne 3:0-Auswärtsieg gegen die Eisernen fast irre vor. Oder? Union Berlin macht mich aggressiv. Und da bin ich wohl nicht alleine, weil es von den Köpenickern voll beabsichtigt ist. Die sehr geschätzten Blog-Kollegen von „Textilvergehen“ schreiben: “Ich freue mich über Gegner, die keinen Bock haben, gegen Union zu spielen. Ich freue mich über Leute, die auf Social Media über Unions Fußball ätzen. Ich freue mich über jeden Angriff auf das Tor von Fredrick Rönnow, der schon im Keim erstickt wird.“ Auch jetzt wieder wurde ich übellaunig. Viele Fouls, alles unangenehm, vor allem weil Janik Haberer, Luca Tousart und Rani Khedira immer so tun, als ob sie Kindergärtner wären und nicht Mittelfeldspieler, denen es einzig und allein darum geht, …

Wohlgemuths schnelle Nummer

Der VfB legt den besten Saisonstart seiner 130-jährigen Vereinsgeschichte hin. Mit einer Mannschaft, die mit ihrem Spielstil begeistert und mit Widerstandskraft überrascht. Chef-Koch Fabian Wohlgemuth hat den Kader an manchen Positionen verändert und das meiste scheint zu funktionieren. Was ist sein Geheimrezept? Sein Start war nicht unbedingt verheissungsvoll, weil er den Eindruck machte, als ob er die Rezepte von Bruno Labbadias Oma nachkochen würde. Der im Winter 2022/2023 verpflichtete Wandervogel Gil Dias hat den VfB nach einem halben Jahr bereits wieder verlassen, während Sebastian Hoeneß den japanischen Routinier Genki Haraguchi mittlerweile auf der Bank und der Tribüne schmoren lässt. Rein finanziell musste Wohlgemuth in der Sommertransferperiode mit einer Low Carb-Diät zurecht kommen, da er die Transfer-Einnahmen nur teilweise reinvestieren durfte. Aber die Detox-Kur hat Wohlgemuth und dem VfB gut getan. Er ließ sich nicht entmutigen, als er Wataru Endo, Dinos Mavropanos und Borna Sosa ziehen lassen musste. Er reagierte darauf mit Einfallsreichtum und einer Prise Mut. We like the taste! Er rennt nicht jedem Koch-Trend hinterher und er ist kein Freund exotischer Gewürze, wie man …

Mister Zuverlässig

Er spielte sich nie groß in den Vordergrund, er stand einfach hinten drin und alle wussten, man kann sich auf ihn verlassen: Helmut Roleder, Meistertorhüter der Saison 1983/1984, absolvierte 410 Pflichtspiele für den VfB, heute wird er 70 Jahre jung. Sein Torwartspiel: seriös, unspektakulär, zuverlässig. Roleder war kein Flieger, kein Showman, keiner, der seine Vorderleute anbrüllte. Effektheischend war sein Stil nicht, eher still und unauffällig verrichtete er seine Arbeit. Die Schlagzeilen beherrschte er ganz kurz: Als er als erster Torhüter der Bundesliga für eine Notbremse die Rote Karte bekam. Er hatte 1983 den Bochumer Christian Schreier außerhalb des Strafraums zu Fall gebracht. Er wird gerne auf diese Szene reduziert, so wie sein Mannschaftskamerad Bernd Martin auf seinen Minuten-Einsatz bei der Nationalmannschaft. Für den VfB war Roleder allerdings über Jahre ein wichtiger Fixpunkt in der VfB-Abwehr. Kein reiner Linientorwart, er war mutig im 1:1, bei Flanken holte er sich die, die er pflücken musste. Er suchte schonmal im Strafraum seine Kontaktlinse, er zog sich zwei Nierenrisse zu und musste am Anfang seiner Karriere einen Schienbeinbruch verkraften. …

„I love Stuttgart!“

Nicht nur Serhou Guirassy liebt Stuttgart. Stuttgart liebt vor allem Serhou Guirassy. Er entscheidet mit einem Hattrick innerhalb von 15 Minuten ein enges Spiel, in dem es rund 60 Minuten überhaupt nicht nach einem Sieg für den VfB aussah. Der VfL Wolfsburg ist ein typisches Nico Kovac-Team: auf Zerstörung aus, laufstark, zweikampfstark, eklig zu bespielen. Solche Mannschaften liegen dem VfB überhaupt nicht. Bisher. Zuletzt hieß es vor jedem Spiel, es wäre eine echte Standortbestimmung: In Mainz musst du erst einmal bestehen. Gegen den tief stehenden Aufsteiger Darmstadt musst du Lösungen finden. Gegen die Laufwunder aus Köln musst du dagegen halten. Gegen Wolfsburg spielst du gegen ein echtes Spitzenteam. Das vor allem ganz andere finanzielle Möglchkeiten hat. Bestes Beispiel: Lovro Majer, den der VfL vor der Saison für 25 Millionen kaufte – und der in Stuttgart überhaupt nicht zu sehen war. Ganz im Gegensatz zu Tiago Tomas. Er zeigte die Schwachstelle des VfB bei diesem Spiel schonungslos auf: die rechte Seite. Pascal Stenzel ist nicht der Schnellste, das wissen wir. Aber wenn er oft zwei-zu-eins gegen …

Stuttgarter Rollenspiele

Es ließe sich nach dem hervorragenden Saisonstart über zahlreiche Spieler ein Porträt schreiben. Über Goalgetter Serhou Guirassy natürlich. Über Keeper Alex Nübel, der dem Team ungekannte Sicherheit gibt, und dann und wann das nötige Glück hat, das seinen Vorgängern fehlte. Über Kapitän Waldemar Anton, der den Anker bildet für seine Mitspieler und mit Ballgewinnen Tore einleitet. Über Angelo Stiller, der scheinbar schon immer beim VfB gespielt hat. Über Chris Führich, der seine Zappeligkeit verloren hat und seine Effizienz gefunden hat. Pascal Stenzel, Dan-Axel Zagadou, Deniz Undav, Enzo Millot: Ich könnte so weiter machen. Aber es sind nicht die Spieler, es ist die Mannschaft. Nicht umsonst nannte Trainer Sebastian Hoeneß den Sieg in Köln eine Teamleistung. Der 41-jährige Fußballlehrer scheint neben einem taktischen System, das zur Mannschaft passt, auch die Rollen im Team klar definiert zu haben. Damit hat er eine Struktur in der gesamten Gruppe geschaffen, in der jeder weiß, was von ihm erwartet wird und was er zu tun hat: Denn die Rollen sind nicht nur klar verteilt, sondern auch mit jedem geklärt. Das …

So langsam wird’s unheimlich!

Der VfB hat in Köln gezeigt, dass er auch enge und umkämpfte Spiele gewinnen kann. Eine Fähigkeit, die ihn in den letzten Jahren überhaupt nicht ausgezeichnet hat. Wenn’s knapp wurde, verloren die Stuttgarter meistens. Wenn’s eklig wurde, zog der VfB zurück. Jetzt der vierte Sieg in Folge, Sebastian Hoeness jagt nun die acht Siege in Folge von Armin Veh, die er im Meisterschaftsjahr erzielt hatte. Der VfB hat in Köln gezeigt, dass er mit personellen Veränderungen umgehen kann: Anthony Rouault rückte in die Innenverteidigung für Dan-Axel Zagadou, dem verletzungsbedingt keine 90 Minuten zugetraut wurden. Der 22-jährige spielte sehr solide und unaufgeregt, es wirkte so als ob er schon lange in der Innenverteidigung des VfB auflaufen würde. Rouault machte keine aufregenden Sachen, agierte im Spielaufbau sicher und suchte nicht das Risiko, blieb in der Verteidigung ohne (Stellungs-)Fehler. Eine reife Leistung. Jamie Leweling dagegen, er ersetzte Silas auf der rechten Seite, unterliefen einige Stock- und Abspielfehler. Bei ihm ist die Entscheidungsfindung das Problem, er arbeitete jedoch engagiert in der Defensive mit und lief einige Räume zu. Der …