Alle Artikel in: VfB

Der VfB als Gute-Laune-Meister

Neulich habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, mit Robin Dutt ein Bier zu trinken. Es ist so gelaufen: Ich trink’ nen Helles, er rührt in einem Tee, wahrscheinlich weil er so wirken will wie Felix Magath. Dutt hat gefährlich gute Laune, er will sich niemanden schlecht reden lassen, schon gar nicht Toni Sunjic und Lord Hlousek, die so gut im Testspiel gegen Hannover verteidigt haben. Kevin Großkreutz stellt sich zu uns, er ist froh, dass er wieder in Deutschland ist und Fußball spielen kann. Im Arm hat er Serey Dié, der strahlt, weil mit Großkreutz endlich einer da ist, der wie er tickt. Bald wird Kevin auch so einen Iro tragen. Artem Kravets prostet uns zu, er ist schon zufrieden, dass er deutsch lernen darf. Jürgen Kramny ist glücklich, dass er endlich Cheftrainer ist und gibt allerlei optimistische Interviews. Daniel Schwaab und Georg Niedermeier sind froh, dass sie wieder spielen dürfen. Bernd Wahler lacht breit, gehts doch endlich los mit der Vereinsentwicklung und den Workshops und den Regionalversammlungen. Da ist er in einem Element. …

In eigener Sache: Die Lesercharts 2015

Mit 2015 ist auch das erste komplette Blogjahr des vertikalpass zu Ende gegangen. Die wenigsten werden es wissen: Wir sind im Sommer 2014 zur WM gestartet. Wer ein wenig in den Tiefen des Archivs stöbert, findet noch die entsprechenden Artikel und vielleicht sogar noch unsere Liveticker. Damals war uns bereits klar, dass wir den Blog nach dem Turnier als Fußballblog weiterführen möchten. Einer der ersten regulären Artikel war damals im August 2014 der Spielbericht der Partie Gladbach gegen VfB Stuttgart. Mit Armin Veh auf der Bank und Huub Stevens auf der Tribüne. Wie bitte? Fast forward ins Jahr 2015. Unsere Zugriffszahlen und die Anzahl der Facebookfans steigen kontinuierlich und es fühlt sich wirklich gut an, ein kleines bisschen Relevanz zu haben. Und mittlerweile von so vielen Menschen gelesen zu werden, dass es unmöglich nur Personen aus unserem persönlichen Bekanntenkreis sein können. Ein wenig Numbercrunching macht immer Spaß. Deswegen haben wir uns mal angeguckt, welche Artikel Euch im Jahr 2015 am meisten interessiert haben. Hier sind unsere Lesercharts: Platz 10 Ende Juli fragen wir uns, was aus den Meistern von 2007 geworden ist. …

Endlich wieder Fußball!

Es gab mal eine Zeit, da war Hallenfußball richtig fresh. Kurz zuvor hatten Cool & The Gang ihren gleichnamigen Hit und Foreigner sangen „I Wanna Know What Love Is“, was mich wirklich brennend interessierte. Ich riss mir an den Knien und am Hintern die Jeans auf, um in den „Club Tropicana“ von Wham! zu kommen, in dem die Drinks umsonst waren. Als ich mich fragte, wie ich aus meinen dünnen Locken so eine steile Friese machen kann wie bei den Jungs von Depeche Mode, gründete Mercedes-Benz das erste internationale Hallenfußball-Turnier in Stuttgart. War für mich eher so die zweitwichtigste Nachricht, aber ein paar Jahre später ging ich mit meinem Vater in die Schleyer Halle und da gab’s mehr zu sehen als im Pop Rocky-Heftle. Jürgen Klinsmann, Asgeir Sigurvinsson, Karl Allgöwer, Günther Schäfer, Guido Buchwald; mir wird gerade schlecht vor Wut, wenn ich an die heutige Mannschaft denke. Auch ein gewisser Hansi Müller lief auf – allerdings für Wacker Innsbruck und er wurde abgefeiert. Welcher ehemalige VfB’ler würde denn heute bejubelt bei seiner Rückkehr nach Stuttgart? …

Zweitklassige Kindheit

Das ist Frederik. Aber alle nennen ihn Freddy. Er ist dreieinhalb. Und noch so klein, dass sein Debüt im lokalen Bambini-Team frühestens im Sommer 2016 denkbar ist. Seinen bisher besten Auftritt aus fußballerischer Sicht hatte er in der Halbzeit des WM-Finales 2014, als er im Sommerregen mit größeren Jungs  auf einer Terrasse voller Nacktschnecken kickte. Barfuß versteht sich. Bislang investiert Freddy seine gesamte fußballerische Energie also in seine Rolle als Fan des VfBs. In seinem Alter gibt es noch keinen Abstiegskampf. Oder Trainersuche. Oder Torwartdiskussionen. Es gibt keine Grauschattierungen. Es gibt nur weiß – und rot. Andere Eltern haben vielleicht die Sorge, dass ihr Sohn schwul wird. Oder Politiker. Oder Fan des FC Bayern. Aus meiner Sicht wäre das alles nicht so schlimm. Okay, das mit den Bayern schon. Viel schlimmer wäre es aber doch, wenn Freddy in Stuttgart zweitklassig aufwachsen müsste. Schon jetzt laufen die Kids in seinem Kindergarten und an der Grundschule seiner großen Schwester in Trikots von Barcelona, Real Madrid oder Bayern München herum. Brustringtrikots in Größe 116 sucht man vergebens. Während man überall kleine …

Everybody’s Darling

Alle haben sich in Jürgen Kramny verliebt: Zunächst einmal sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss, der ihn während des Wolfsburg-Spiels sicher 50 Mal zum neuen VfB-Cheftrainer macht und sich vor Begeisterung regelrecht überschlug. Die Stuttgarter Medien haben sich auch in Kramny verguckt; stärken sie ihm den Rücken, weil er so ein angenehmer und zurückhaltender Gesprächspartner und damit also das genaue Gegenteil von Alexander Zorniger ist? Robin Dutt ist natürlich auch schwer verliebt, nimmt ihm Kramny doch die Entscheidung ab, wer neuer Trainer werden soll. Das Zaudern und die Angst vor einer Entscheidung haben sich also für Sportvorstand gelohnt. Der Ablauf der Trainersuche wirft kein besonders gutes Licht auf Dutt, auch wenn er verbal stets überzeugend auftritt, eine gewisse Hilflosigkeit ist ihm nicht abzusprechen. Schließlich muss ich zugeben, auch ein wenig verschossen in den neuen VfB-Trainer zu sein. Mir hats sein Grinsen angetan nach dem 3:1, es war so voller Stolz. So schauen Väter, wenn ihre Kinder zum ersten Mal aufs Klo gegangen sind statt in die Windel zu machen. Und seine Augen: Sie sind groß und strahlen wie bei …

Nightmare on Mercedes Street

Eine Runde weiter. Mehr müsste über das Pokal-Spiel gegen Braunschweig nicht geschrieben werden. Aber das Spiel ist entlarvend. Mehr als Rumpelfussball ist mit dem derzeitigen Kader nicht drin. Es braucht Glück und eine krasse Fehlentscheidung des Schiris, um gegen einen biederen Zweitligisten in der Verlängerung zu gewinnen. Immerhin werden die knapp 22.000 Fans, die sich ins Stadion gewagt haben, mit 5 Toren in 120 Minuten, einem verschossenem Elfmeter sowie Spannung und Slapstickeinlagen in beiden Strafräumen belohnt. Und am Ende ist die Pokalsensation perfekt: Der VfB steht im Viertelfinale. Sie können es nicht besser Das Pokalspiel ist eine einzige Horrorshow. Die Außenverteidiger zu langsam, die Innenverteidiger überfordert, im Mittelfeld ein Loch, sinnlose Flanken in die Mitte, ein alleingelassener Stürmer. Damit ist das Spiel schnell erzählt, die Leistung des VfB ist eine Mischung aus fehlender individueller Qualität und taktischen Fehleinschätzungen. “Warum haben wir so ne schlechte Mannschaft, Papa?” “Was ist wenn wir alle entlassen?” #Kindermund #VfB — OZils (@ozils) December 16, 2015 Der #VfB schießt ohne Stürmer 3 Tore und bekommt nur 2 Tore ohne Abwehr. Respekt. — …

Die große Ernüchterung

Am Saisonanfang haben wir uns am alternativlosen Offensivfußball von Party-Zorni berauscht. Wir waren trunken vor lauter hohem Pressing und  haufenweise ausgelassener Torchancen. Und so besoffen, dass wir tatsächlich glaubten, das Problem in der Innenverteidigung ließe sich lösen, indem man “Lord” Hlousek umschult. Die Partystimmung ist längst verflogen, der VfB will nun auch ohne Zorniger Spaß haben und wir alle wissen jetzt, dass das gerne zitierte Konzept auch keine Lösung war. Jürgen Kramny hat die undankbare Aufgabe übernommen, den verkaterten Haufen wieder flott zu machen. Und mittlerweile glaube ich, dass er genau der richtige für diesen Job sein könnte. Die Spiele gegen Bremen und Mainz waren unansehnlich und mäßig erfolgreich. Aber Kramny scheint erkannt zu haben, dass ein 0:0 in Mainz ein gutes Resultat ist, wenn man in den letzten drei Auswärtsspielen jeweils vier Gegentore bekommen hat. Kramny hat vielleicht auch realisiert, dass der VfB Stuttgart eben nicht an einem guten Tag jeden schlagen kann, sondern eher an einem nicht so guten Tag gegen jeden verliert. Vielleicht bringt der von vielen (auch von uns) als “farblos” charakterisierte …

Tu’ mir weh, VfB

Knapp vier Stunden nach dem Abpfiff der Partie des VfB Stuttgarts gegen Werder Bremen erklangen nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt die ersten Akkorde der von uns hoch geschätzten Band Wanda. Der vertikalpass-Betriebsausflug zum Konzert der Österreicher sollte eigentlich der Abschluss eines perfekten Wochenendes sein. In Zeiten, in denen meine Wochenenden von Umzügen, Krippenspielproben der Kinder und Laufveranstaltungen geprägt werden, habe ich mich davon frei gemacht, mich von den Resultaten des VfBs runterziehen zu lassen. Aber, wenn sogar meine Arminia ihren ersten Heimsieg holt, hätte doch auch der VfB einen Dreier landen können. Hat er aber nicht. Mal wieder. “Leidenschaft heißt leiden und es lässt sich nicht vermeiden dass die Wunde klafft.” Sein wir ehrlich. Wir hätten uns so sehr gewünscht, dass die Partie 1:0 ausgeht. Den nicht gegebenen Elfer für Bremen, den Lattenschuss von Öztunali und das Chancenplus der Werderaner in der zweiten Hälfte hätten wir einfach weggelächelt. Ein biederer und fehlerarmer Auftritt hätte schon genügt, um uns zufrieden zu stellen. Hauptsache gewonnen, Hauptsache keine vier Gegentore. Mittlerweile sind wir so demütig, dass es eigentlich egal ist, …

Das neue Vier-Gefühl!

Es gibt wohl kaum eine undankbarere Aufgabe, als als Trainer sein erstes Bundesligaspiel in Dortmund zu absolvieren. Auch wenn der Gegner derzeit nicht seine beste Phase hat. Es hatte wohl keiner wirklich Großes erwartet, aber sind wir ehrlich, es hat sich nichts verändert: Auch unter Alexander Zorniger wäre die Niederlage gegen Dortmund vermutlich nicht viel höher ausgefallen. Es gibt anscheinend ein neues Vier-Gefühl in Bad Cannstatt, jetzt schon das dritte Spiel mit vier Gegentoren hintereinander. Weiterhin ist man in Stuttgart auf Rekordjagd – die meisten Gegentore, die meisten Eigentore (natürlich 4), die meisten dummen Fehler. Denn die Spieler lernen es wohl nie. Wer nach drei Minuten als Tabellensechzehnter ein Kontertor gegen den Zweiten der Liga bekommt, der ist … ja, was ist der? Naiv? Übermütig? Größenwahnsinnig? Begriffstutzig? Wie wahnsinnig nach vorne gelaufen, bei Ballverlust nicht in den Zweikampf gekommen und dann trotz Überzahl im Strafraum das Tor nicht verhindert. Was willste da machen? Die mehr als 6.000 mitgereisten Fans haben einfach gesungen. Auch nach dem 2:0, das schwer zu verteidigen war, selbst wenn Filip Kostic …

Game over: Der VfB sucht einen Trainer. Mal wieder.

Nach Bruno Labbadia und Armin Veh ist Alexander Zorniger schon der dritte VfB-Trainer, der nach einer Niederlage gegen den FC Augsburg seinen Hut nehmen muss. Da wird wohl keine große Städte-Freundschaft mehr draus. Vielleicht könnte der VfB in Zukunft statt gegen Augsburg einfach gegen Manchester City spielen. Doch wer soll die Nachfolge von Alexander Zorniger übernehmen, nachdem Huub Stevens bereits Hoffenheim retten möchte? Wir werfen einen Blick auf die Kandidaten: Jürgen Kramny: Es ist hinsichtlich des Leistungsprinzips kein gutes Zeichen, dass Kramny (kurzzeitig) befördert wurde. Wo steht er nochmal mit der U23-Mannschaft in der dritten Liga? Richtig, auf einem Abstiegsplatz. Immerhin kennt er sich damit in den unteren Tabellenregionen aus. Angesichts dessen, dass Kramny nie auch nur im entferntesten als VfB-Chef-Coach in Frage kam, ist es nicht verwunderlich, dass er “nicht mal eine Sekunde gebraucht hat, um das Angebot anzunehmen!“, wie Dutt freudig berichtete. Aber wer weiss: Vielleicht macht Kramny den Schubert (Gladbach) und der VfB landet einen Glückstreffer. Kramny hat sich natürlich das Vertrauen verdient durch seine überaus erfolgreiche Tätigkeit beim #VfB II. — Seriouz …